ich bin seit ein paar Wochen in Therapie und meine Therapeutin meint, dass ich sehr wahrscheinlich ADHS habe. Sie hat damit viel Erfahrung und ist selbst betroffen. Ich habe schon viele Online-Tests gemacht, die das alle bestätigen würden. Ich bin allerdings ein Mensch, der sich für sehr wenig interessiert (also keine speziellen Interessen o.ä.) und ich kann mich immer für sehr wenig begeistern, weil ich viel zu sehr auf die negativen Aspekte der Aktivitäten o.ä. fokussiert bin und auch immer über alles ewig nachdenken muss. Ich denke ich bin einfach nur zu faul um manche Dinge zu tun. Ich mache Sport, derzeit sogar täglich, aber das macht mir auch Spaß bzw ich weiß, dass es mir gut tut. Wenn ich aber z.B. im Urlaub einen Ausflug machen soll, dann muss ich mich immer total überwinden und auch so fehlen mir oft kreative Ideen.
Jetzt meine eigentliche Frage: kann ich überhaupt ADHS haben, wenn ich mich noch nie für vieles interessiert habe und keine kreativen Ideen habe? Und gibt es bei euch auch jemanden, dem es ähnlich geht?
Wo steht denn, dass man kreativ sein muss und viele Interessen braucht ?
Das sind keine Diagnose Kriterien.
Man kann auch nur - wie in deinem Fall - ein Thema haben, Sport, und sich da festbeißen. Außerdem spricht dein großer Sportdrang stark für ADHS z.B…. (Bewegung gibt Dopamin).
Ich bin auch nicht sonderlich kreativ und mir macht kreatives Arbeiten / Hobby keinen Spaß, daher mache ich sowas nicht.
Ich würde auch nicht behaupten dass ich suuuper viele Interessen habe - ich habe seit meiner Kindheit ein großes Interesse an Tieren, Natur und Büchern, das war´s auch schon wieder.
Dass du viel nachdenkst (Overthinking) und in negative Gedankenstrudel abtauchst, spricht auch für ADHS.
Also wenn deine Therapeutin es dir schon nahelegt, mal die Diagnostik machen zu lassen, würde ich ihrem Rat folgen. Vielleicht kann sie dir auch helfen, einen Diagnostik Termin zu bekommen (ist oft schwierig, monatelange Wartezeiten).
Wenn die anderen Aktivitäten sehr anstrengend für dich waren (mental, emotional), hast du vieles vielleicht als negativ abgespeichert. Positives abzuspeichern kann mit ADHS schwer fallen. Sport ist eine zuverlässige Sache, da weiß man, woran man ist.
Die Sache mit dem Dopamin: Eigentlich hat Dopamin an sich mehr mit Erwartung und Aktivierung zu tun als mit Glück, biologisch gesprochen sogar mit Stress (Eustress). Es gibt dir den Schub, sozusagen nach der Belohnung zu greifen, die in Aussicht ist. Wenn da ein Mangel ist, kommt man nur schwer „in die Gänge.“ Bei vielen dieser kreativen und vielseitigen ADHSler sind das auch eher Strohfeuer als ein lang anhaltendes Interesse und konstante Motivation. Damit will ich auf keinen Fall sagen, dass das Interesse nicht echt wäre oder so. Aber die Durchhänger kommen schnell wieder und es braucht etwas Neues, das genug aktiviert und „reinkickt.“
Vielen lieben Dank dir erstmal! Ich beschäftige mich gerade sehr intensiv mit dem Thema ADHS und eigentlich wird nahezu immer davon gesprochen, dass man dann eher ein Mensch ist, der sich für vieles begeistern lässt oder eben viele Interessen hat. Ich mache derzeit nur so viel Sport, weil ich so unruhig bin und ich merke, dass es mir gut tut. Davor habe ich ganz normal Sport betrieben. Ich hatte in der Kindheit viele Hobbys, danach aber nicht mehr. Mir wurde auch schon oft indirekt gesagt, dass ich langweilig sei. Ich habe einfach vor vielen Dingen Angst (keine Angststörung!) und traue mir vieles nicht zu oder ich denke schon an andere Dinge, die mich daran stören könnten. Ich bin eigentlich Sozialpädagogin (derzeit schon seit 6 Jahren Hausfrau und MUtter von 3 Kindern) und war bei meinen Kolleginnen immer beliebt, weil ich auch immer darauf achte nicht anzuecken und gut vermitteln kann. Aber sonst habe ich wenig Stärken. Ich kann mich auch nicht daran erinnern wie ich als Grundschülerin war und denke immer, dass mein Lernverhalten doch eigentlich normal war. So jetzt springe ich ganz schön in meinen Gedanken, deswegen hör ich jetzt lieber auf. Vielleicht findet sich noch jemand, der mir helfen kann?
Die Diagnostik möchte ich irgendwie noch nicht machen, weil ich mir ja so unglaublich unsicher bin. Aber ich bleibe dran. Vielen Dank
Danke Tamarcha, jetzt haben wir gleichzeig geschrieben. Ich habe früher (als ich noch arbeiten war) viel weniger Sport gemacht, weil mir einfach die Energie dafür gefehlt hat und ich am Abend immer platt bin. Nach der Arbeit war ich immer erst mal total durch und ich hatte keinen 40 Stunden Job, das hätte ich nie geschafft.
Das mit den schwankenden Interessen sehe ich auch so, aber ich finde mich auch irgendwie langweilg und weiß gar nicht wer ich eigentlich bin. Das geht mir schon seit meiner Jugend so (was davor war, weiß ich nicht mehr)
Die Hervorhebungen sind von mir. Du bist gerade an einem Thema - ADHS - sehr intensiv dran. Sehr intensiv heißt vermutlich, dass Du schon noch isst und schläfst und auch die sonst so nötigen Dinge tust. Aber in der restlichen verbleibenden Zeit kümmerst Du dich um das eine Thema. Davor hattest Du wahrscheinlich schon häufiger mal ein Thema, was Dich gerade besonders interessiert hat. Jeweils eines.
Wenn das bei Dir so ist, denn hat das dahinter stehende Phänomen einen Namen: ADHS.
Du kannst Dich vermutlich schon für vielesbegeistern, aber es steht immer nur eins gleichzeitig im Fokus. Im Hyper-Fokus. (17 Hobbies „gleichzeitig“ und dabei für die zweimal Bogenschießen im Jahr die sorgfältig gereinigte und im Keller eingelagerte Ausrüstung hervorholen, das bist Du eher nicht.)
Vielen Dank dir! Ja ich denke auch, dass das eine Art Hyperfokus ist, wobei ich das davor noch nie hatte bzw nicht gemerkt habe und mein Partner auch nicht. Vielleicht ist fas jetz nur so, weil mich dieses Thema eben so sehr interessiert, weil es für mein Leben so enorm wichtig ist. Oder machen das neurologische Menschen gar nicht?
Vielen lieben Dank euch allen schon mal. Ich bleib mal am Thema ( ) und versuche mehr von meinen Stärken herauszufinden bzw meinen Interessen, die ich ja evtl doch irgendwie habe. Mit der “Diagnose” bin ich mir aber immer noch sehr unsicher, weil ich mir meiner Gefühle einfach nie sicher bin und auch viele Fragen von den Tests gar nicht richtig beantworten konnte, weil ich es einfach nicht weiß bzw merke.
Du bist Dir unsicher, in ganz vielem und insbesondere ob Du richtig bist, das richtige tust denkst und fühlst. Das liegt daran, dass Dir bisher Dein Leben lang zu verstehen gegeben wurde, dass Du anders bist, irgendwie nicht richtig. Und das fühlte sich für Dich auch genau so an.
Jetzt sind auf einmal Leute um Dich herum, die Dir sagen, dass die genau diese seltsamen Sachen gut kennen und total normal finden. Aber anders normal.
Das gewohnte Gefühl der immerwährenden Unsicherheit im Hintergrund „wer bin ich eigentlich wirklich? was mache ich hier?“ wird gerade noch ergänzt durch die zusätzliche Unsicherheit „was passiert gerade mit mir? wird das gut?“. Das ist eine aufregende Zeit.
Ich weiß gar nicht, ob früher jemand mich als anders/falsch angesehen hat bzw wurde es mir nicht so gesagt. Nur dass ich vll eher langweilig war, weil ich nicht so unternehmenslustig war oder dauernd auf Partys. Zigaretten und Drogen habe ich auch noch nie ausprobiert, weil ich viel zu viel Angst davor hatte bzw ich es blöd fand. Ich hatte aber viele Freunde, obwohl ich mich super oft angegriffen gefühlt habe bzw dachte, dass mich jemand nicht mag. Ich merke gerade, dass meine Gedanken wieder schweifen. Es würde sich für mich irgendwie richtig anfühlen, wenn ich ADHS hätte, weil sich viel erklären würde. Aber ich habe auch viele Symptome gar nicht bzw nur sehr leicht und hatte auch nie schlimme Probleme in der Schule oder im Studium. Ich war in keinem Fach besonders gut (außer in Sport und Kunst vll, aber auch nicht super). Ich hatte auch im der Arbeit nie wirklich Probleme, weil ich es irgendwie immer hinbekommen habe bzw wenig gemacht habe, was ich nicht konnte oder langweilig war. Niemand in meinem Umfeld würde sagen, dass ich Adhs haben könnte.
Oh je, ich könnte ewig weiter schreiben. 3s tut mir leid. Aber jetzt höre ich mal auf.