Fragen zu Kinecteen, Elvanse, Bupropion

Hallo,

seit einigen Monaten bin ich begeisterte Leserin dieses Forums.
Aktuell bin ich so verwirrt, dass ich dankbar für ein bisschen Unterstützung beim Sortieren wäre.

Ich gehöre zu den Spätdiagnostizierten und habe erst vor drei Monaten mit 53 meine ADHS-Diagnose (Mischtyp) erhalten. Ich habe schon mein ganzes Leben mit geringem Selbstwert und irgendwie weniger Energie als andere zu tun. Meine Impulsivität, meine Unruhe, meine großen Schwierigkeiten mit Organisation, Ordnung etc. habe ich einfach als Teil meiner Persönlichkeit gesehen.

Immer wieder, aber in den letzten zehn Jahren zunehmend hatte ich mit depressiven Episoden zu tun. Eine Psychotherapie zu beginnen, war zwar schon lange mein Wunsch, scheiterte aber daran, dass ich nach einigen wenigen Absagen aufgab.
Als ich durch einen Bekannten vor ca. einem Jahr von ADHS im Erwachsenenalter erfuhr, tauchte ich tief ins Thema ein und es fiel mir wie Schuppen von den Augen, dass das die Erklärung für mein Leben war (und für das meines Vaters und einer meiner Söhne).

Die Diagnose und die aktuelle medikamentöse Behandlung fand/findet in einer ADHS-Schwerpunkt-Praxis statt.
Der Psychiater verschrieb mir zunächst Kinecteen, sehr langsam aufdosiert (2 Wochen 18mg, 3 Wochen 27mg, eine Woche 36mg bis zum nächsten Termin). Kaffeeentzug habe ich gleichzeitig gemacht (keine gute Idee - besser vorher machen - ich hatte eine schlimme Migräne, die ich zuerst fälschlicherweise auf das Kinecteen geschoben habe). Als Nebenwirkung spürte ich allenfalls manchmal leichte Kopfschmerzen; aber eben auch eigentlich keine Wirkung, die ich von eingebildete Effekten unterscheiden könnte. Eher war ich sogar noch verpeilter und tollpatschiger als sonst. Aus Neugier nahm ich zwei Tage vor dem nächsten Arzttermin auf eigene Faust 45mg und fühlte mich damit etwas konzentrierter und motivierter für die Arbeit, konnte das aber auch nicht eindeutig fassen, da ich die Woche davor Urlaub hatte.

Meinem Arzt sagte ich also, dass ich quasi gar nichts gespürt hätte. Er fand das sehr merkwürdig und sagte, von höheren Dosen sei dann auch eher nichts zu erwarten.
Er verschrieb mir stattdessen Bupropion 150mg, was wir nach sechs Wochen evaluieren sollten.
Bei Elvanse gäbe es zwar quasi keine Nonresponder, aber das sei nochmal eine höhere Eskalationsstufe, wegen der Nebenwirkungen und weil ein Drogentest positiv ausfallen könnte (musste ich noch nie und werde ich vermutlich auch nie machen müssen).

Weil ich das Kinecteen noch nicht völlig aufgeben mochte, habe ich am Tag nach dem Arztbesuch nochmal selbstständig erhöht und 54mg genommen. Der Tag war richtig gut - ich war gut drauf, habe einiges weggeschafft und hatte am frühen Abend noch Energie, mit Freunden auf eine Veranstaltung zu gehen. Elf Stunden nach Einnahme merkte ich aber auch eine Unruhe, fühlte mich unter den Leuten nicht mehr wohl und ging früher.
Danach wollte ich einen Tag pausieren, dann hat mich aber ein Infekt erwischt und ich nehme momentan nichts.

Jetzt habe ich einfach viele Fragen in meinem Kopf:
Waren die drei Tage mit 45mg bzw. 54mg Zufall (Stimmungsschwankungen sind bei mir häufig) oder lohnt es sich entgegen der Meinung meines Psychiaters, höhere Dosen zu probieren?
Mein Arzt hat mich fast etwas ungläubig angeschaut, als ich gesagt habe, ich hätte keine Wirkung gehabt. Ist das bei den Dosen bis 45mg wirklich soo ungewöhnlich?
Ist denn Elvanse tatsächlich auf einer höheren Eskalationsstufe? Hier scheinen das viele erfolgreich zu nehmen…
Bupropion hat ja hier im Forum nicht so viele Fürsprecher. Ich habe auch etwas Respekt davor, weil ich von heftigen Nebenwirkungen und Absetzsymptomen gelesen habe.
Ich fühle mich tatsächlich immer mal wieder depressiv, denke aber, dass das mit der ADHS zusammenhängt und ich kein Antidepressivum brauche.
Kann es sein, dass mein Arzt mit dem Bupropion testen will, ob die ADHS oder eine Depression im Vordergrund steht?

Was meint ihr? Soll ich dem Bupropion eine Chance geben?

Vielen Dank schon mal fürs Lesen dieses langen Texts.:see_no_evil_monkey:

LG

Die Unruhe nach 11 std würde ich als Rebound also dem klassischem Wirkende der Medikation halten wo ja plötzlich die Reizfilter ausgeschaltet sind und diese je nach Medikament und Wirkstärke auch schwerer/ unangenehmer empfunden werden können.

Ggf. könnte hier jemand der es nimmt dir sagen, ob du das mit etwas unretardiertem Methylfinidat abfedern/ erträglicher gestalten könntest und gleichzeitig das Wirkfenster verlängern könntest.

Lisdexamfetamin sprich Elvanse fand ich in der Dosisfindung nicht zu leicht wie bei Methylfinidat Präperaten, ich würde das nicht als höhere Eskalationsstufe sehen, es ist einfach ein anderer Wirkstoff und besitzt andere Eigenschaften.

Gibt es richtig oder falsch, besser oder schlechter - ich würde nach 1 1/2 Jahren sagen nein grundsätzlich kicht, aber für mich gibt es Medikament die schlechter oder besser sind, weil mein Körper mit ihnen besser klar kommt oder sie eine bessere Wirkung oder weniger Nebenwirkungen haben.

Wissen kann man das aber nur durch ausprobieren und ich weiß ich war letztes Jahr bei einer Ärztin im Juni, wril Ritalin teil zu krass prokrastinierte und ear bei ihr und sie fragte warum ich Medikinet ausprobieren will, wenn ich im groben gut mit Ritalin klar komme. Ich verstand es nicht. Ich ksm mit Medikinet nicht zurecht zurück zu Ritalin hab dann immer wieder gebastelt und verstehe auch nach einem Wechsel im Februar was sie meinte.

Ich würde mich nicht verunsichern lassen, aber sag ihm doch das es mit 56 pasdt, aber der Rebound einfach zu krass ist und ob man den nicht mit irgendwas abfedern kann und ggf. ein bisschen die Wirkung verlängern kann auch wenn du mal was mit Freunden unternehmen möchtest

Hallo Kathy,

danke für deine Antwort.

Ich habe die 54mg ja nur für einen Tag ausprobiert. Vorher habe ich kaum eine Wirkung gespürt. Im Nachhinein denke ich, dass das sehr langsame Aufdosieren vielleicht auch dafür gesorgt hat, dass ich die Wirkung nicht so deutlich wahrgenommen habe.

Jetzt habe ich für das Kinecteen gar keine Verordnung mehr, denn ich habe meinem Arzt ja gesagt, ich würde keine Wirkung spüren.

Ich muss für mich entscheiden, ob ich das Bupropion jetzt ausprobiere oder bei meinem nächsten Termin in fünf Wochen anspreche, dass ich’s nochmal mit Methylphenidat probieren möchte.

Sag ihm doch das dir dir Wirkung erst ganz ohne Medikament aufgefallen ist und du das so nicht wahrgenommen hast.

Methylphenidat scheint ja gut zu wirken nur dir kicht immer bewußt zu sein.

Das kann dir auch wieder passieren.

Ich würde Kinecteen einem Spiegelmedikament wie Bupropion immer vorziehen, aber entscheiden mußt du das und ob Bupropion zufrienstellend wirken kann wo fir die gute Wirkung von Kinecteen aufgefallen ist…

Bupropion gehört nicht um sonst eher zur zweiten/ dritten Wahlstoffklasse.

Kannsg dich dazu ja nochmal im Forum einlesen

Danke - ich hab’s nicht so mit Entscheidungen.:flushed_face: Da hilft es mir schon, wenn ich von dir höre, dass du Kinecteen dem Bupropion vorziehen würdest.

Definitiv auch wenn ich mitbekomme, das man es nicht wie Stimulanzien einfach nehmrn oder Weglassen kann sondern wochenlang eindosieren und Spiegel aufbauen muß.

Setzt du es ab, ost es nicht übermorgen dann vorbei. Vielleicht bin ich da ein wenig speziel aber mir ist das zu viel ausgelefert zu sein und macht mir Panik

Wow, du beschreibst genau mein Gefühl. Ich konnte es nur nicht so gut greifen und in Worte fassen.

Ich denke, ich werde morgen, wenn ich hoffentlich meine Erkältung überstanden habe, noch einmal die 54mg Kinecteen ausprobieren -und am Montag meinen Arzt anrufen, damit ich dafür eine neue Verordnung bekomme

Hallo Juanita, ich hab eben ins Forum reingeguckt weil ich mich über Vor und Nachteile von Kinecteen und Elvanse informieren wollte. Da habe ich Deinen Post gefunden und bis zur Hälfte gedacht, das habe ich geschrieben. Mir geht es sehr ähnlich. Ich bin jetzt 54, habe vor ein paar Wochen in einer Schwerpunktpraxis meine Diagnostik gemacht und nehme jetzt seit ein paar Tagen Kinecteen. Ich bin immer noch bei 18 mg, nehme ab nächster Woche dann 27 und dann 36. Noch merke ich nichts an positiven Effekten, aber ich habe schon negative Nebenwirkungen. (Deshalb wollte ich hier nachgucken, was die Leute so über Elvanse sagen.)

Aber warum ich Dir antworte: ich nehme sein Anfange des Jahres Bupropion. Ich habe das wegen Depressionen verschrieben bekommen und weil ich gerne etwas antriebsteigerndes haben wollte. Mein Antrieb wurde nicht gesteigert - aber ich habe gemerkt, dass ich bei 300 mg weniger innere Unruhe verspüre. Die Menge ist mir jedoch nicht gut bekommen, ich habe ständig sehr geschwitzt ( nein, keine Wechseljahresbedingten Hitzewallungen - das habe ich getestet) . Ich habe extra 4 Wochen kein Bupropion genommen und in dieser Zeit nicht geschwitzt. Wieder angefangen, dann wieder. Die Nebenwirkungen beim wieder anfangen waren krass. Jetzt nehme ich 150 mg, aber bin auch gerade nicht depressiv. Deswegen jetzt auch die Testung - keine Depression aber trotzdem so viele Probleme im Alltag.

Auf jeden Fall nehme ich jetzt Bupropion und Kinecteen gleichzeitig. Mein Arzt meint, das sei kein Problem.

Insgesamt weiß ich noch nicht wie es weitergehen wird. Ich hoffe, bei einer höheren Dosis Kinecteen merke ich eine Verbesserung. Das Bupropion nehme ich auf jeden Fall weiter. Wenn Kinecteen nicht hilft und der Arzt mir dann kein Elvanse gibt (wenn, wenn, wenn), dann würde ich wahrscheinlich wieder 300 mg Bupropion nehmen. Jedenfalls scheint es mir gegen Depressionen zu helfen und wenn die Unruhe weggeht und Konzentration besser wird bin ich bereit die Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen.

Hallo Tilly,

ich habe tatsächlich damals meinem Arzt gesagt, dass ich das Kinecteen in der 54 mg - Dosis nochmal probieren wollte. Er verschrieb es mir daraufhin direkt für drei Monate und meinte auch, ich solle es nach Möglichkeit ohne Pausen durchnehmen.

Ich habe in den ersten Wochen weiter kaum eine Wirkung wahrnehmen können: minimal besserer Fokus, vielleicht leicht verbesserte Fähigkeit zu priorisieren, eventuell emotional ein kleines bisschen stabiler - dennoch alles nicht wirklich abgrenzbar von einem Placeboeffekt. Aaaaber: Rückblickend (nach jetzt 10 Wochen 54 mg) stelle ich doch fest, dass es mir besser geht als ohne die Medis. Ich konnte ein paar Dinge anpacken, die lange brachlagen und bin stabiler als vorher. Ich kann mich etwas besser reflektieren und verstehe langsam, dass meine Selbstwahrnehmung sehr schlecht ist - und dass das zum Teil der Grund dafür ist, dass ich die Wirkung nicht so gut einschätzen konnte.

Meine Erwartungen an die Medikamente waren hoch und diese haben sich bisher nicht so ganz erfüllt. Vielleicht geht mit einer höheren Dosis (oder doch einem anderen Medikament) noch mehr. Aber ich kann meinem Arzt jetzt besser vertrauen - denn er hat es genau richtig eingeschätzt, dass ich das Medikament länger nehmen muss, um eine Auswirkung auf meinen Alltag zu spüren. Mal sehen, wie es nach meinem nächsten Arzttermin weitergeht…

Das kann gut sein. Wenn die Depression gerade schwerer wiegt, ist das Bupropion vielleicht eine gute Idee. Es hat auch viel weniger Absetzsymptome als andere ADs. Gegen ADHS-Symptome wirkt es, wenn überhaupt, erst in höheren Dosierungen. Ich nehme Bupropion und Medikinet schon ein paar Jahre parallel ohne Probleme.

Danke, Seven! Das ist gut zu wissen!

Momentan glaube ich nicht, dass ich zusätzlich zum MPH ein Antidepressivum brauche. Aber ich würde es jetzt wohl ausprobieren, wenn mein Psychiater es empfiehlt.