Dazu kommt , wenn ADHS übersehen wird, dass man immer wieder in Therapie geht und nicht weiterkommt bis hin das psychologisch gedeutet wird, dass man nicht gesund werden will.
ADHS kann auch die Therapiefähigkeit einschränken und unter Medikation kann man dann hilfreiches aus der Therapie besser umsetzen.
Achtsamkeitsübungen nicht machen können, kann stumpf einfach nur am ADHS liegen und nicht weil es aus tiefenpsychologischer Sicht zu deuten ist.
ADHS und dass klassische Bild von Zappelphilip und Traumsuse ist nur ein Bruchteil von dem was ADHS wirklich ausmacht und das ist nicht mit der oberflächlichen Klischeesicht zu erfassen .
Mir geht es ähnlich wie @Brunoschokoluno : ich sehe in deinem Text viele Parallelen zu meiner Kindheit. Auch ich habe viel gelesen, teils mehrere Bücher in einer Woche, und auch ich habe in der Grundschule keine Probleme mit den Hausaufgaben gehabt. Ich war einfach intelligent und neugierig genug, dass ich die teilweise rasend schnell gemacht habe - weshalb es dann keine Probleme gab. In der Folge hatte ich in der Grundschule sehr gute Noten.
Zusammengbrochen ist das Masking dann in der weiterführenden Schule als die Anforderungen an Lernen und Selbstorganisation immer höher wurden.
Insofern spricht für mich erst mal nichts in deinem Text gegen ADHS. Im Gegenteil. Auch das Nicht-Erinnern kann meines Wissens nach ein Symptom sein, was häufiger auftritt (erinnere mich da an eine Bemerkung in dem Buch “ADHS im Erwachsenenalter” von Krause & Krause, aber keine Garantie!). Außer es liegen wirklich traumatische Amnesien vor natürlich.
Ich stimme @Nelumba_Nucifera zu mit dem, was sie sagt über die Psychoedukation und über die ADHS, die sehr viel mehr ist als “nur” die beiden Stereotypen vom Zappelphillip und Hans-Guck-In-Die-Luft. Ich hätte noch zehn Jahre weiter meine Emotionale Dysregulation behandeln können, ohne die ADHS-Diagnose hätte ich nie verstanden, warum ich so ticke.
Klar, aber ich kann mich (momentan zumindest) mit ADHS einfach absolut nicht identifizieren. Egal, ob ich es habe/hätte/hatte… Aber um mich geht es hier ja auch gar nicht.
Du schreibst ja auch, dass die Stimulantien auch jenseits von ADHS helfen. Insoferne sehe ich das ganze eben sehr pragmatisch. Wenn man Hilfe braucht, ist dies ein Weg, den man gehen kann. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen.
Hormonelle Veränderungen im Körper haben eine (große) Auswirkung auf ADHS-Symptome, insbesondere die Menopause/Wechseljahre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass entsprechend auch eine Schwangerschaft und eine Geburt starke Auswirkungen auf die Symptome haben kann.
Ich hab hier von ein paar gelesen, dass sie Kinder haben und das kann meines Wissens nach zusätzlich erklären, warum manches erst mit dem ersten Kind sehr deutlich zutage tritt. Zusätzlich zu den eh sehr hohen Belastungen durch die neue Elternrolle.
Ja, ich finde man ändert sich sehr mit der Mutterschaft. Auch hormonell.
Ich bin seit ich die Kinder habe auch vie emotionaler. Ich bin viel näher am Wasser gebaut, wenn man so will. Das ist manchmal echt nervig, aber ich bin ganz anders als früher.
Außerdem sind Kinder wirklich eine enorme Belastung, wie hier schon geschrieben. Wenn das Umfeld dann noch so tut, als ob sie alle SuperheldInnen sind, denen das nichts tut und die Kinder alle problemlos, kann einem das schon zu denken geben. Aber so etwas muss man eben einfach als die Lügen entlarven, die sie sind.
In meinem Umfeld struggeln alle mehr oder weniger mit ihren Kindern. Wir sind aber auch echt ehrlich zueinander. Supermütter kenne ich aber natürlich auch
Für mich gibt’s aber echt nur ehrliche Mütter und Supermütter.
Irre ich mich, dann korrigier mich. Aber es gibt sowohl für ADHS als auch (k)PTBS klare diagnostische Kriterien laut ICD-10 und nun auch ICD-11 noch einmal geschärfter.
Natürlich ist es wichtig jemanden über längere Zeit zu beobachten, Fragebögen und Interviews durchzuführen und verschiedene Fremdanamnesen durchzuführen. Ich arbeite ja täglich mit Traumapatienten. Davon haben einige (erstaunlich viele sogar) eine komorbide ADHS, aber eben auch nicht alle. Da haben verschiedene Ärzte, Psychotherapeuten und andere Fachgruppen draufgeschaut und sind dann zu dem Entschluss gekommen, dass es das eine und/oder das andere ist.
Psychosoziale Belastungen in der Kindheit sollen wohl laut Längsschnittstudien ( Biederman et al.) einer der stärksten Prädikatoren für die Persistenz einer ADHS bis ins junge Erwachsenenalter sein. Je mehr Belastungen, je weniger die Chance einer Remission.
Ich habe in euren Posts mehrfach sowas wie “Klassenbeste", “Bücherwurm “, abgelenkt aber doch interessiert und nicht gelernt zu lernen u.ä. gelesen.
Ist euch klar, dass sich Hochbegabung genau so bemerkbar macht? Es gibt sogar eine explizite Warnung von der APA (die geben das ICD raus) das Hochbegabte extrem häufig mit ADHS fehldiagnostiziert werden. Die sind nämlich auch gelangweilt, kommen mit ihren Klassenkameraden nicht auf einen grünen Zweig, haben ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis, wollen gefallen, maskieren um nicht aufzufallen…..
Eine vernünftige Diagnostik wäre also keine schlechte Idee…denke ich. Man kann ja sogar Flöhe und Läuse haben - und noch mehr.
Das geht mir zumindest nach der Lektüre der vorangegangenen Posts durch den Kopf. Vielleicht liege ich aber auch komplett daneben…sorry!
Ich gehöre ebenfalls zu den Bücherwürmern. Und ich habe zwar typische Grundschulzeugnisse, aber mit einem unterstützenderen Umfeld wäre ich da vielleicht auch weniger auffällig gewesen.. Denn am mangelnden Interesse lag es nicht - ich hab die Schulbücher im Unterricht durchgelesen, weil mir alles viel zu langsam voran ging. Und, ja, ich vermute bei mir ebenfalls Hochbegabung, aber ich habe ganz definitiv auch ADHS.
Und ich habe sehr wohl irgendwann gelernt zu lernen.. Erst im zweiten Studium dann auch für Sachen, die mich persönlich null interessierten (aber ich hatte ein persönliches Interesse daran eine ätzende Kommilitonin auszustechen..)
Der Knackpunkt ist, dass ADHS manchmal sehr viel weniger offensichtlich ist, als man meint.
Mein Mann ist da ein Paradebeispiel. Sein Bruder war der auffällige Typ.. Er das Glaskind..Keinerlei Auffälligkeiten in der Schule.. Immer lieb, hilfsbereit und zuverlässig..Weil er zuhause ne Mutter hatte, die dafür gesorgt hat, dass jeden Tag alles im Ranzen war..
Ich habe Jahre gebraucht, um das ADHS bei ihm zu erkennen.. Weil er aufräumen kann und seine Steuererklärung macht und rechtzeitig die Winterreifen aufzieht… erst nachdem unser zweites Kind da war und er sich in eine fette Überlastungsdepression gepeoplepleased hatte, wurde klar, dass irgendwas nicht stimmt.. Und dann wurde unser zweites Kind älter und hatte dermaßen eindeutig ADHS und meine Schwiegermutter wurde nicht müde zu betonen, dass mein Mann als Kind exakt so gewesen sei, wie mein Sohn.. Und irgendwann klickte es zusammen..
Und noch ein Gedanke.. Ich habe selbst nur sehr framentierte Erinnerungen an meine Kindheit.. Erst als ich unter der Belastung zusammengebrochen bin, weil meine Kompensationsstrategien wegfielen, kamen Erinnerungen an früher wieder hoch.. An das “alles zuviel” und “einfach nicht können”..
Will sagen… nur weil es nicht absolut offensichtlich ist, ist es nicht ausgeschlossen..
Im Kindergartenalter war ich ein Wirbelwind. Wohl durchaus anstrengend und impulsiv. Mit dem Schuleintritt habe ich mich komplett verändert. Ruhig, ordentlich, geradezu schüchtern.
Wenn ich im Nachhinein so drüber nachdenke, macht das vollkommen Sinn. Zu Hause konnte ich sein wie ich wollte. Unter den Schulzwängen konnte ich mir das nicht mehr leisten.
Meine Biographie ist also alles andere als eindeutig einem Erscheinungsbild zuzuordnen. Aber die Mischung ergibt absolut Sinn. Ich arbeite täglich daran, das alles zu verstehen.
Das ist tatsächlich das Schwierige (nicht nur) bei ADhS.. . Dass einem viele Dinge gar nicht aufgefallen sind … weil es ja einfach “da” war. Ich hatte einen eher auffälligen älteren Bruder. Da bin ich als 2. Kind quasi unter dem Radar mitgelaufen. Mädchen kompensieren ADhS eher, ver suchen brav zu sein und nicht aufzufallen. Ich hatte als Kind teilw. Konzentrationsprobleme, in der Oberstufe auch mal einen Blackout in der Mathearbeit. In anderen Bereichen, bei Dingen, die eben MIR wichtig waren, da hab ich alles super hinbekommen. Ich vermute, dass es genau das so schwierig macht, diese heftigen Unterschiede in der Herangehensweise EINER Person. Passt einfach nicht in die EINE Diagnoseschublade.
Was sagen denn deine Brüder dazu? Die waren doch vermutlich näher dran, wenn sich deine Mutter nicht erinnern kann. Wenn, dann bist du womöglich auch nicht die Einzige neurodiverse Person in deiner Familie….
Ich möchte mich den anderen anschliessen, die schreiben, dass sie sich in deinen Beschreibungen wiederfinden. Mir geht es genauso. Und für mich war es auch schwer, mich an meine Kindheit zu erinnern. Irgendwie dachte ich, ich war normal. Was mir unheimlich geholfen hat, waren die Bücher über ADHS. Wo ich dachte, ah, so ist es. Ja, so war ich auch in der Kindheit. Auch bei der Abklärung wurden die Fragen zu meiner Kindheit von der Psychologin manchmal mit Beispielen erklärt. Und da konnte ich auch oft sagen, ja, das bin ich.
Letztens hat sie zu mir gesagt, ich wäre ein ADHS-Beispiel, wie es im Buche steht. An dem Tag habe ich mich mit der Decke und den Wänden unterhalten (meine Augen waren tatsächlich überall) und habe ganz wild mit den Armen rumgefuchtelt. Bin bei manchen Erzählungen impulsiv geworden etc. Und ich merke es auch mit jedem Mal, dass ich immer weniger maskiere, und somit immer mehr zeige, wie ich eigentlich bin. Und da steigt meine ADHS durch die Decke