Fragliche Symptome in Kindheit / fragile Erinnerungen

Hallo liebe Mitlesenden,

Achtung, leider super lang geworden.. danke fürs lesen :slight_smile:

ich bin 36J und es steht für mich eine AD(H)S Diagnose im Raum. Ich habe mich selbstständig zur Diagnostik vorgestellt, da ich aufgrund vielfältiger Symptome denke, ich müsse das abklären lassen, bevor ich auf andere Ursachenforschung gehe und mich dann in einer Psychotherapie wiederfinde, die mir auch nicht helfen kann.. drauf gekommen bin ich in erster Linie, weil mein Bruder auch ADHS hat und ich mich dann vermehrt mit der Symptomatik auseinandergesetzt habe.

Es treffen auf mich sehr viele Symptome in Erwachsenenalter zu und laut dem Test hier auch mit starker Ausprägung. Zur Zeit finde ich mich in einer Phase der absoluten Erschöpfung.. Nun ist es so, dass ich mich an meine Kindheit einfach nicht gut erinnern kann. Meine Mutter hat den Fremdbeurteilungsbogen relativ unauffällig ausgefüllt, nur bei den Punkten Flüchtigkeitsfehler, verlegt Gegenstände, unterbricht andere und wartet nicht, bis sie an der Reihe ist, hat sie „manchmal“ angekreuzt.

Auch meine Zeugnisse sind unauffällig. Wir hatten eine total kleine Klasse mit so 16-18 SchülerInnen und ich war ne krasse Streberin, wollte immer unbedingt dran genommen werden, habe super gerne Sachen für die Klassengemeinschaft gemacht und war glaube ich sogar Klassensprecherin.

Ich habe immer stark nach Lob und Anerkennung gesucht. Meine Mutter hat mich auch oft vor anderen gelobt (leider nie persönlich…) und heraus gehoben wir “brav” ich doch wäre.. Auch mit den Hausaufgaben hatte ich nie Probleme, da bin ich immer super schnell durchgeflitzt, nur Mathe fand ich schwierig und hatte immer oft Probleme bei Logik-Dingen und war da schnell in einer Sackgasse.

Andere Sachen passen hingegen ganz gut, ich war super kreativ, sehr leicht verletzbar und empathisch, hatte viele Ängste (Angst vor Dunkelheit, Gewitter, …) war sehr anklammernd an meine Mutter und hatte auch starke Verlustängste (das kann aber natürlich auch alle das Ergebnis eines unsicheren Bindungstyps in der Kindheit sein, dem ich zustimmen würde). Ich habe super viel und gerne gelesen (passt zb nicht zu Konzentrationsschwäche?), teilweise bis zu fünf Bücher pro Woche.

Ich glaube ich war als Kind sehr aufgeweckt und „wach“, manchmal etwas forsch (trotz eigener Überverletzlichkeit, interessant dass da konträr dazu ist) und hatte einen starken eigenen Willen, bin diesbezüglich aber zumindest in der Grundschule nicht negativ aufgefallen, da war ich eher der „shining star“ (in meinem Kopf zumindest lol). In Freundschaften war ich immer schon all-In und habe rasch (indirekt) zurückgemeldet bekommen, dass das schnell too much sei.

Wir sind zu Hause vier Kinder gewesen und haben viel draußen gespielt und getobt und uns die lustigsten Spielideen ausgedacht. Ich weiss dass ich als Grundschülerin super ehrgeizig und perfektionistisch war, was meine Leistungen angeht, mich manchmal aber auch versehentlich im kreativen Schreiben vergraben habe (zb ewig langen Aufsatz geschrieben der gar nicht gewünscht war).

Ich habe in meiner Erinnerung nicht häufig Sachen vergessen und konnte dem Unterricht gut folgen. Nur zu Hause war ich immer sehr chaotisch und bin häufig mit meinen Eltern über meine Unordnung in Konflikt geraten - ich werte das aber ehrlich gesagt als „normal“. Vielleicht war ich manchmal etwas „aufsässig“ (aber nur ggü meiner Eltern) und ich wurde oft frech genannt.

Als ich in die fünfte Klasse kam, ist dann eine Welt für mich zusammen gebrochen, als eine von vielen unter nun um die 30 SchülerInnen und alle so gut wie ich?? Ich hatte extreme Probleme mit der Masse an Schulstoff und wusste gar nicht, wie man „lernt“ im Sinne von auswendig lernen. Ich hatte mit Latein begonnen und das war ein riesen Fallstrick für mich. Ich entwickelte Schulangst und häufte pro Halbjahr mehr als 80 Fehlstunden an, bis zur siebten Klasse bestand dieses Problem. Danach wars iwie weg (?) irgendwie kann ich mich daran nicht mehr so erinnern was der Wendepunkt war oder ob ich vielleicht in der Zeit einfach reifer geworden bin die Situation „auszuhalten“?

Ich habe im Unterricht immer gerne gequatscht aber iwie haben das auch alle um mich herum getan. Ich war gedanklich schon „immer viel unterwegs“ und weitschweifig und am träumen (ich würde es eher denken nennen) konnte aber an den wichtigen Sachen teilnehmen. Ich hatte auch mal Black-Outs in Prüfungen (so mit 15), weshalb mir mein damaliger Kinderarzt geraten hatte mich psychotherapeutisch vorzustellen, das haben wir dann aber nicht weiter verfolgt bzw ich keine Lust drauf.

Die (jetzige)Therapeutin meinte, dass aufgrund der fehlenden Auffälligkeiten beim Fragebogen meiner Mutter und in den Zeugnissen (das einzig auffällige ist, dass ich wohl sehr mitteilsam war und gerne Freunde hatte), es eher unwahrscheinlich ist, dass die Diagnose zu mir passen würde, sie würde mir aber auch nicht prinzipiell davon abraten die Diagnostik zu machen, da sie es auch nicht eindeutig fände. Und das ist das am Ende auch mein Problem: ich finde meine Kindheit nicht ADHS-typisch, insbesondere an Konzentrationsprobleme kann ich mich in der Schule nicht erinnern.

Vor allem im Kontrast zu meinem ADHS Bruder, der sehr große Probleme mit dem Schulstoff hatte und sehr viel Mühe beim Bewältigen dieses hatte. Aber wurde das vielleicht durch die hohe Begeisterung abgepuffert bzw gemindert? Hat sich mein übertriebener Perfektionismus vielleicht darüber gelegt? Ich habe als Kind schon super viel mit mir selbst ausgemacht und wenig über Probleme geredet (wie auch heute noch), war gedanklich schnell verwickelt in stattgehabte soziale für mich herausfordernde Situationen und konnte und kann mich gedanklich tlw schlecht davon lösen. Gleichzeitig hatte ich auch ein sehr geringes Selbstvertrauen, gerade was sportliche Sachen angeht (habe deshalb nie Radschlag oder Handstand gelernt, aus einer für mich heute nicht erklärbaren Angst heraus) und mich damals im Grundschulsport schon mit „Bauchschmerzen“ davor gedrückt.

Mit strengen Autoritätspersonen kam ich gar nicht zurecht und fühlte mich direkt sehr klein und hatte Angst, ich war einfach ein super Sensibelchen (was sich bis heute durchzieht).

Ich möchte auf keinen Fall unbedingt eine Diagnose, sondern einfach wissen, was mit mir los ist..und wie ich das Thema dann am besten angehen kann. Dann frage ich mich gleichzeitig, ob ich mich irgendwie selber sabotiere im Sinne von dass meine Erinnerungen vielleicht nicht richtig sind? Gleichzeitig hatte ich auch als Kind schon das Gefühl irgendwie „special“ zu sein, war aber trotzdem super gerne eine Mitläuferin und habe mich an die Fersen anderer geheftet um gleichzeitig nicht aufzufallen.

Irgendwie finden sich da auch so viele Gegensätze. Z.B wollte ich mit 5 oder 6 unbedingt die Hauptrolle in einer Musikschulaufführung und war total Happy darüber, dass ich diese auch bekam, später habe ich mich auf jeder Situation entzogen, in der ich im Mittelpunkt stand. Irgendwie macht das für mich alles keinen Sinn…

Habt ihr Tipps/ Ideen wie man wieder besser an seine Kindheit / das Kindheitsgefühl rankommt? Meine Mama ist da keine so große Hilfe, sie war die meiste Zeit allein erziehend und wir haben viel unter uns Kindern ausgemacht und sie sagt auch selbst, sie könne sich an vieles einfach nicht mehr erinnern… und ich sei immer schon “sehr selbstständig” gewesen (untypisch ADHS!).

Bin dankbar für jeden Input, ich habe das Gefühl mein Kopf raucht so langsam nach dem so intensiven Beschäftigen mit dieser Thematik und dass ich mich da vielleicht in irgendetwas verstricke, was gar nicht da ist.. mit Sicherheit habe ich jetzt wichtige Sachen vergessen, aber die kommen vielleicht wieder zum Vorschein.

:sunny: liebe Grüße und schonmal Danke für eure Antworten

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Du hast zwar viel Text gebracht, doch wozu? ? ? Was möchtest du damit bezwecken? ? ? Irgendwie habe ich das nicht verstanden?

Und eine Diagnostik geht auch nur bei zugelassenen Stellen??

Irgendwie binbich voll lost bezüglich Sinn und Frage/Fragestellung

Ich habe irgendwann auch nur mehr überflogen.

Für mich kommt gar nicht raus, warum du meinst ADHS zu haben. Bei der Beschreibung deiner Kindheit kommt es mir nicht als erstes in den Sinn, wenn ich ehrlich sein soll.

Immerhin konntest du dich während der Schulzeit laut eigener Beschreibung gut zum lernen motivieren, woraus ich schließe, dass du auch langweilige, öde, dich nicht interessierende Sachen durchziehen kannst. Das ist für mich gerade untypisch für eine ADHS.
Und dass dir sämtlicher Schulstoff gefallen hat, sehe ich als sehr unrealistisch an. z.B. beschreibst du auch, dass du in Mathe etc am Ball geblieben bist, obwohl es dir nicht leicht fiel.

Mal quatschen und sich nicht für den Stoff interessieren, sehe ich auch eher als normal an.

Sprich, mir kommt bei dem Text nicht raus, warum du an ADHS denkst. Das einzige, was für ADHS spricht, ist der sehr lange absatzlose(!) Text, der unstrukturiert wirkt und auf mich wenig fokussiert beziehungsweise nicht rüber bringst, was dein Anliegen ist… :wink:

Was ist denn im hier und jetzt ? Hast du aktuell Einschränkungen, die man mit ADHS begründen könnte.?

Bei mir zieht sich ADHS von früher Kindheit an bis heute konstant einschränkend durch.

Hallo :wink:

Ich habe meine aktuelle Symptomatik erstmal ausgespart, weil es mir in erster Linie um die frgl..Diagnose in der Kindheit geht, die ja vorhanden sein MUSS, um als Erwachsene eine Diagnose zu bekommen.

Meine aktuellen Symptome sind einfach massives Erschöpfung und ausgebrannt sein (habe vor 2 Jahren ein Kind bekommen). Die Symptome, die ich hingegen schon Jahre mit mir herum schleppe und immer stärker werden: ständiges Verlegen und Suchen von Gegenständen, kann mich auf Gespräche schlecht konzentrieren und mich an Inhalte nicht erinnern, unterbreche meine GesprächspartnerInnen, mache Flüchtigkeitsfehler bei der Arbeit, Prokrastiniere Aufgaben und Erledigungen bis es nicht mehr geht (zweite Mahnung, letzte Erinnerung Steuerbescheid abzugeben etc), schaffe es nicht mich aufzuraffen Dinge zu tun, muss alles aufs Wochenende schieben da mir unter der Woche die Kraft fehlt, starke innere Unruhe mit schon immer Einschlafproblemen (auch in Kindheit), vergesse was im Kühlschrank ist und kaufe doppelt, totale Chaos und Unordnung im Haushalt,…kann keine Entscheidungen treffen, reagiere in Gesprächen emotional über, habe ein Problem mit Alkoholkonsum…und vieles mehr… und das alles kann ich jetzt nicht mehr kompensieren da mir die Erholungszeiten fehlen, die ich mir früher einrichten konnte. Ich habe früher viel “rumgehangen” und nichts getan, das fällt mir Kind natürlich flach.

Und seitdem mein Sohn auf der Welt ist leidet auch meine Beziehung zunehmen unter den Eigenschaften, die ich habe, da diese sich extrem verstärkt haben und mich jetzt selbst total nerven. Wir haben auch schon über Differentialdiagnosen gesprochen und überlegt ob eine depressive Symptomatik dahinter steckt, finde mich in den Angaben dazu aber nur in wenigen Dingen wieder. Die Therapeutin möchte das natürlich alles mit abklopfen.. daher möchte ich meine Kindheit näher beleuchten, da es ja ausgeschlossen ist, dass meine Symptomatik etwas mit ADHS zu tun hat, wenn in der Kindheit keine Symptome vorhanden waren :slight_smile: hoffe ich konnte es verständlich darlegen

Hab jetzt nicht alles intensiv gelesen . Angenommen ADHS wäre in deiner Kindheit nicht zu belegen aber auch nicht zu 100% auszuschließen. Eine Tendenz dazu wäre dann ja irgendwie vorhanden. Wenn jetzt die höhere Alltagsbelastung und ggf. auch Depression oder was anderes dazukommt, dann ist diese Tendenz genau das, was es nun so schwer macht. Also das diese Tendenz zu ADHS jetzt erst wirklich zum Tragen kommt.

In deinem Falle würde ich dazu raten einen guten Diagnostiker/in zu suchen, der/die vor allem bei Frauen tiefer hinter die Kulissen schauen kann.
Notfalls Lieber etwas weiter fahren und längere Wartezeit. Eine ADHS Diagnose bringt dir nichts wenn dem nicht so ist und umgekehrt auch nicht. Vor allem brauchst du dann jemanden der dir eine Diagnos/NichtdiAgnose gut begründen und erklären kann.

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Vielen Dank für deine Antwort,du hast es für mich ganz gut zusammengefasst…

Für mich stellt sich einfach die Frage, ob es möglich ist, dass doch mehr Symptome in der Kindheit vorhanden waren und meine Erinnerung mich trügt. Oder ob ich einfach früh Coping-Strategien entwickelt habe, die fehlende Aufmerksamkeit zu kompensieren, es vielleicht meiner Mutter einfach nicht aufgefallen ist oder so etwas. Daher wünsche ich mir jemanden der sich das total differenziert anschaut und die richtigen Fragen stellt. Für mich wäre auch wichtig zu wissen, ob sich andere bereits Diagnostizierte auch vielleicht in meiner Beschreibung wiederfinden oder die auch erinnerungstechnisch wenig Symptome in der Kindheit hatten und das nach und nach dann doch iwie klarer wurde , dass irgendetwas geglwesen sein muss. Und wie man seinen Erinnerungen vielleicht auf die Sprünge helfen kann.

Für mich ist es zur Zeit sehr schwer, mich in diesem Strudel aus Gedanken, Erinnerungen, Symptomen etc zurecht zu finden. Daher auch vielleicht das etwas konfus Zusammengeschriebene. Es ist oft so, dass ich mir dann selbst nicht traue oder meine Symptome dann wieder herunterspiele/ sie als normal betrachte oder mir denke “naja das ist halt so wenn man ein Kind hat und arbeiten geht nur redet keiner darüber" aber gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen, dass das mein Leben sein soll und das irgendwie normal ist.. und ich habe ja auch einen Leidensdruck. Aber gerade wenn es auch nicht so eindeutig ist macht man sich schon viele Gedanken und beginnt dann auch sich selbst und sein Erinnerungsvermögen in Frage zu stellen. Es ist auch nicht so, dass ich einer Diagnose hinterher rennen möchte- es wäre aber zumindest ein Erklärungsmodell warum es mir gerade geht, wie es mir geht oder ich bei vielen Sachen in bestimmter Art und Weise gehandelt habe..

Leiben Gruß :slight_smile:

Klar ist es so, wenn man Kinder hat… Das ist nun mal enormer Stress. Vor allem die mentale Belastung (Organisieren von 100 Sachen, Verantwortung, wenig/kaum Freizeit…) ist nicht zu unterschätzen und auch hormonell macht das Muttersein viel mit einem.
Ich merke schon auch, dass mein Hirn nicht mehr das ist, was es mal war. Vermutlich, weil ich einfach noch mehr Aufgaben habe, neben meinem Job etc. Dauernd gibt’s Arzttermine, ist irgendwas in der Betreuung, Kind krank und was weiß ich für Sachen… Man kommt müde heim und statt sich zu erholen, ist mal Lärm und Geschrei. :see_no_evil_monkey:

Es kann aber auch etwas bedeuten. So aus der Ferne wird man das nicht aufdröseln können.

Liebe @sehrguteidee,

herzlich willkommen! Wenn Dein Bruder ADHS hat, finde ich es nicht so abwegig, genauer hinzugucken…

Zeugnisse (der frühen Schuljahre) müssen nicht immer etwas aussagen bzgl. ADHS. Meine Kindheit würde man auch nicht als ADHS typisch bezeichnen, wenn man den hyperaktiven Typ sucht.

Das “elende” Grübeln kenne ich seit Kindheit und habe den Zusammenhang erst durch die Diagnose besser verstanden.

Bleib dran!

Vielleicht besteht ja auch noch die Möglichkeit weitere Verwandte, Freunde, Bekannte , ehmalige Lehrer etc. aus der Kindheit zu befragen?
Hast du noch alte Tagebücher , Fotos oder ähnliches wo man auch noch Rückschlüsse rausziehen könnte?

Mein Vater hatte früher sehr oft die Videokamera in der Hand.. vielleicht finde ich da iwelche Hinweise. Da muss ich mich mal drum kümmern..

Mein Neffe (Sohn meines anderen Bruders) hat auch den Vd.a. Autismus. Es gibt also definitiv eine familiäre Häufung. Und wenn ich ehrlich bin, denke ich, dass mein Vater auch mit großer Sicherheit ADHS hat (Erzählungen aus Kindheit als Zappelphilipp ständiger Drang Dinge tun zu müssen, nicht still sitzen können…).

Richtet sich die Diagnose nicht nach standardisierten Verfahren? Oder würde man bei Frauen nochmal genauer hinsehen wenn die Kindheit eher als unauffällig beschrieben wurde und das eher in Gesprächen heraus arbeiten?

Ein guter Diagnostiker würde das genau so machen.
Einerseits gibt es standarisierte Verfahren , aber man hört trotzdem von unterschiedlichsten Herangehensweisen. Abweichen kann man immer, wenn man es gut begründen kann.

Ich habe z.B. für eine junge Erwachsenen mal was für ihre Diagnostik zusammengeschrieben.
Sie konnte aus bestimmten Gründen nicht mehr auf ihre Grundschulzeugnisse zugreifen und auch keine Auskunft bei ihren Eltern einholen. Ich kannte sie seit Beginn ihrer Pubertät.

Ich habe dann Ihre Aussagen zur Kindheit, Aussagen ihres Vaters , Aussagen aus dem Umfeld , meinen Beobachtungen im Vergleich zu Gleichaltrigen in der damaligen Hobbygruppe und ihren schulischen und beruflichen Werdegang, Krankheiten , Besonderheiten , special Effekts, Verpeiltheiten etc. in Stichpunkten aufgeschriebe. Dies hat sie dann zur Diagnostik mitgenommen und für die Therapeutin war das ausreichend genug.

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das wäre natürlich Ideal. Ich sagte ja bereits, dass ich nicht die “typischen” Auffälligkeiten in der Kindheit hatte die einen direkt daran denken lassen. Aber manche Sachen ziehen sich schon durch mein Leben, eingefallen ist mir noch eine absolute Unachtsamkeit im Alltag und eine mangelnde Selbstfürsorge. Ich habe als Kind schon super viel Zucker gegessen (sobald ich alleine zum Supermarkt durfte habe ich mir heimlich sher viele Süßigkeiten gekauft) und hatte immer einen großen Drang nach “Belohnung”. Mir fällt auch ein dass ich mich beim lernen immer bewegen musste, da ich es mir so irgendwie besser merken konnte. Und ich bin schon immer sehr ungeduldig, es fällt mir schwer abzuwarten. Ich konnte keine Gesellschaftsspiele spielen, da sie mich angeödet haben oder ich mir die Regeln nicht anhören konnte (ich hasse es bis heute Spielregeln erklärt zu bekommen).

Außerdem habe ich auf dem Schulweg manchmal ewig getrödelt oder bin Umwege gelaufen, um mehr Zeit mit meinen Freundinnen verbringen zu können. Das alles können aber natürlich auch einfach Charaktereigenschaften sein oder bedingt durch mangelnde emotionale Fürsorge in der Kindheit (und das ist definitiv ein Thema und ich kann mir vorstellen dass auch daraus “Störungsbilder” entstehen die zu einer Symptomatik führen können.
Mit 13 habe ich geklaut, mit 14 Alkohol getrunken und nur noch Scheisse gebaut. Das Gefühl von Alkohol hat mir schon damals sehr gefallen, endlich etwas Erleichterung von den Gedanken zu haben war sehr verführerisch für mich, aber auch soziale Interaktionen waren damit leichter.

Irgendwie zieht sich trotzdem eine große “Kontrolle” durch mein Leben, dass ich so bin wie ich bin merken eigentlich nur mein Partner und meine engste Freundin, sowie auch meine Mutter (die mich ab und an versucht zu entlasten). Bei der Arbeit passieren mir dann so Sachen, dass ich eigentlich die Post mitnehmen wollte und sie dann 5min später aber doch liegen lasse. Dort werde ich einfach als etwas verpeilt wahrgenommen, die wichtigen Aufgaben schaffe ich aber gut in einer kurzen Zeit. Sonst werde ich von Außen eher als sehr souverän und kontrolliert wahrgenommen. Ich weiss nicht ob dieses Verhalten auch vielleicht Bedeutung für die Kindheit haben könnte oder sich da vielleicht bereits entwickelt hat? …

Danke für den Austausch jedenfalls :slight_smile:

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Für eine erste, nicht klinische Einschätzung könntest du hier den Symptom-Test machen :slight_smile:

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Dein erster Beitrag ist für mich eine Textwand, darf ich Absätze einbauen?

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Absätze habe ich jetzt eingebaut, was mich nötigte den Text auch zu lesen.

Also ich finde alles plausibel. Man muss nicht als Kind furchtbar leiden, es müssen sich bestimmte Dinge eben einfach durchziehen. Du konntest als Kind eben gut kompensieren und heute kannst du es nicht mehr.

Ich wäre jetzt nicht so mutig zu sagen, du hast sicher ADHS, wenn da nicht dein Bruder wäre. Denn ADHS ist stark erblich. Dass dein Bruder ADHS hat und du Symptome in der Richtung, aber es ist kein ADHS, wäre schon ein sehr seltener Zufall.

@sehrguteidee

Ich finde mich tatsächlich in deinen Kindheitsbeschreibungen in der Grundschule total wieder: Ich habe sehr, sehr viel gelesen und mich in diese Fantasiewelten gestürzt, war brav, sensibel, verträumt, aber habe auch begeistert am Unterricht teilgenommen, weil jedes Lob und jede richtige Antwort mir einen Kick gegeben hat. Ich hatte Wutausbrüche und war zickig, schnell beleidigt, chaotisch und zu spät. Hausaufgaben machen fand ich doof, wenn sie länger als 5 min dauern, aber ich hab mich irgendwie durchgequält, weil es für mich absolut schlimm war, wenn meine Lehrerin enttäuscht von mir war.

In der weiterführenden Schule habe ich dann alles auf den allerletzten Drücker gemacht (teilweise in der Stunde, in der es fertig sein musste). Aber konnte den Schein so immer wahren, weil mein Drang zu gefallen und „die Beste zu sein“ so unglaublich hoch war!

Allerdings war ich in der Grundschule nicht sonderlich beliebt gewesen, ich bin eher so mitgelaufen und meine Freundinnen waren oft gemein zu mir, sodass ich häufig weinend aus der Schule kam…

Ich habe auch lange nicht gedacht, dass ich ADHS haben könnte, weil ich eben zu gut in der Schule war, bin jetzt aber seit Januar diagnostiziert. Wahrscheinlich haben sehr viele in meiner Familie ADHS und einige Autismus, aber nur mein Sohn ist mit ADHS und Hochbegabung diagnostiziert und ein etwas entfernter Verwandter mit Autismus.

Ich selbst habe kein diagnostiziertes ADHS. Ich war auch verträumt und ich war totale Tagträumerin.

Ich habe auch auf den letzten Drücker gearbeitet. Allerdings habe ich Dinge aber auch einfach durchgezogen. Das mache ich heute noch. Ich zwinge mit bewusst zu unangenehmen Dingen, weil ich weiß es muss sein und weil ich weiß, welch gutes Gefühl es ist, so etwas gemacht zu haben. → ich will keine ADHS und daher ist das für mich auch DAS Argument, warum ich es nicht habe. Ich lerne, „super, wenn ich etwas durchgezogen habe. Ergo ziehe ich durch“ :smiling_face_with_sunglasses:

ADHS sehe ich bei mir für meine PRobleme nicht als Problem. Es gab andere Probleme bei mir… darin sehe ich übrigens das Problem: Wie dröselt ein Diagnostiker jetzt ADHS vs traumatischen Erlebnissen auf? In meinen Augen ist dies unmöglich. Daher stellt sich am Ende nur die Frage, ob man die Diagnose möchte (denn wenn man die will, ehrlich gesagt, man bekommt sie).

Und wenn einem dann Medikamente helfen (aus meiner Sicht tun sie das auch bei neuronormalen Personen - auch wenn das nun sicher der Forendoktrin widerspricht :grin: ), wäre es auch egal, was die eigentliche Ursache der Probleme ist. Insoferne hat man nichts zu verlieren…

Neurodivergenz sucht man sich nicht aus, sich das einzugestehen hat aber Konsequenzen. Hatte mir mal jemand geschrieben.

Indem man glaube ich die Adhs ähnliche Symptomatik behandelt. Stimulanz wurde/wird auch bei PTBS eingesetzt, getestet, allem voran beim Militär wurden da schon Studien gemacht, wenn ich mich nicht täusche.

Bei mir waren es die Stimulanzien , die eine PTBS erst greifbar gemacht haben. Es gab einen Trigger und von einer Sekunde zur anderen wirkte Medikinet Adult kontra. Ich kann es an der Wirkung merken ob unterschwellig PTBS am Werke ist.

@achtarm
Einiges lässt sich wirklich durch die Psychoeduktion rund um ADHS aufdröseln, weil bestimmte Verhaltensweisen sich plötzlich logisch und stimmig anfühlen und auch das Verhalten in der Kindheit erklären. Dazu kommt die Medikation, denn wenn dadurch von einer Sekunde zur anderen bestimmte Sachen nicht mehr zum Problem werden oder sich reduzieren, dann beruht es mehr auf ADHS.
Nehmen wir mal als Beispiel wenn Düfte dich überreizen, dann ist das unter Medikation nicht mehr so gravierend. Überreizt dich ein Duft, weil er mit einem negativen Erlebniss verknüpft ist, dann sind es andere Körperreaktionen , die durch die Medis nicht weggehen. jedoch könnte die Medikation helfen das besser zu steuern.
Es war die ADHS Diagnose die mich extrem weitergebracht hat. Dadurch das ich die neurologischen Probleme von den Psychsichen abgrenzen konnte , wurden die psychischen Probleme „übersichtlicher“ und. „Greifbarer“ in dem Sinne war dann ja auch „weniger zu therapieren“ .
Es ist ein Unterschied ob ich aus psychischen sozialen Ängsten nicht einkaufen gehe oder weil ADHS mich überfordert. Bei ADHS helfen die Medikamente und du kannst einkaufen, aber sind es starke soziale Ängste , dann helfen die Medis nicht.
Behandelst du eigentlich erfolgreich nur die sozialen Ängste und hast dazu ADHS, dann kann es vortäuschen, dass die sozialen Ängste immer noch da sind.

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