Funktionelle Hypoglykämie / Postprandiales Syndrom unter Lisdexamphetamin

Guten Tag,

Vielleicht gibt es da draußen irgendeine Person, der es so geht wie mir. Seit ich ungefähr 18 bin habe ich die funktionelle Hypoglykämie. Heißt ich kann keinen Zucker oder Kohlenhydrate essen, also auch kein Obst, wirklich gar keinen Zucker und auch keine Kartoffeln, Nudeln etc

Soweit so gut, über die Jahre habe ich mich damit arrangiert und komme so weit klar. Dazu brauche ich keine Hilfe.

Ich bin Autistin mit ADHS und habe letztes Jahr Medikinet ausprobiert. Ich musste es noch während der Eindosierung abbrechen, da ich so starke Hypos gekriegt habe tagsüber und auch nachts, dass ich das einfach nicht fortführen konnte. Meine Werte sind stets in Ordnung, aber die Symptome die gleichen wie bei Diabetikern bis auf die Tatsache, dass ich nicht umkippe sondern nach maximal 12 Std ohne Essen mich nur noch pausenlos übergebe. Ich muss schlichtweg das richtige essen und vor allem alle drei Stunden ca, dann ist mein Leben soweit okay. Schlechte Nächte gibt’s trotzdem immer, aber ich komme klar.

Nun befinde ich mich in der Eindosierung von Elvanse mit derzeit 15mg und die Probleme beschränken sich hauptsächlich auf nachts, also wenn die Wirkung abgebaut ist. Ich merke zwar definitiv dass mein Grundumsatz schon tagsüber deutlich erhöht ist womit es mir nicht gut geht, es ist aber aushaltbar. Auch nach fünf Tagen keine Besserung in Sicht und ich gehe absolut auf dem Zahnfleisch mental, da ich nachts nichts anderes tun kann als pausenlos zu essen…

Ich vergesse tagsüber definitiv nicht genügend zu essen und auch nicht regelmäßig zu essen. Auch eine Erhöhung von allem hat nichts gebracht. Mein Stoffwechsel mag Stimulanzien anscheinend einfach nicht. Meine Psychiaterin ist ratlos da sie sich mit meiner Thematik des Zuckers nicht auskennt. Kann mir jemand da draußen berichten? Lohnt es sich überhaupt noch weiter zu machen?

Ich bin 30 Jahre lang ohne klargekommen, ich werde auch weiter klarkommen. Aber seit ich entdeckt habe wie toll es unter dieser Wirkung sein kann, wenn man die Nebenwirkung beiseite nimmt, würde ich „diese Welt“ natürlich ungerne wieder loslassen…

Hallo da bist du nicht alleine.
Auch ich hab nen ASS Verdacht.

Ist bei dir die Ursache für die reaktiven Hypoglykämien bekannt?

Ich bin schlichtweg „Zu Dünn“.

Ich hatte schon vor der Einnahme von Stimulanzien mit reaktiven hypoglykämien zu kämpfen. Da ich als Krankenschwester auch gerne das Typische Krankenschwestergedeck gefre… hab.

Krankenschwestergedeck/ Frühstück:

  • Kaffee
  • Zigaretten
  • der Süßkram der eben auf Station so rumfliegt.

Das Pflege wenig zeit hat und der Schichtdienst auch sehr in die Essgewohnheiten eingreift, kommt es zu dieser fürstlichen Ernährung.
Kurzer Wechsel. Also Spät- auf Frühdienst, Am besten schon seit 10 Tagen am Stück und du Ernährst dich nicht mehr bewusst, sondern zu überlebst schlichtweg unbewusst.

Warum das alles ein Problem ist?

Gerade sehr schlanke Menschen haben nicht genügend Glucosespeicher. Der erste Speicher für Glucose ist die Leber. Die Leber gleicht akuten BZ Schwankungen in kurzer Zeit aus. Dieses System arbeitet binnen Minuten.
Der 2. wichtige Glucosespeicher sind Fettreserven. Fett zu Glucose umzubauen dauert aber Stunden.

Was passiert bei aufnähme von Monosaccariden/ Einfachzucker/ Glucose?
Der Pankreas reagiert auf die hohe BZ Schwankung. Gerade auf die schnelle zufuhr von Glucose. Das ist die einfachste, und am schnellsten zugängliche Form von Zucker für den Körper.
Der Körper will sogar diese Form von Zucker, denn das ist die Effizienteste Art der Energiegewinnung.
Daher kommt neben der Dopaminbildung/ Belohnungszentrum, auch diese Gelüste auf Süßigkeiten. Der Körper fördert über diese Gelüste eben den Mist zu fre… damit der Körper nicht soviel aufwand betreiben muß um Energie zu gewinnen. Leider hat sich unsere Software den heutigen evolutionären und vor allem an Lebensmittel bedingter Situation NICHT angepasst.

Nun haben wir uns mit Glucose vollgeschlagen die der Körper auch Iwo hinbringen muß. Am Besten natürlich in die Zellen. Wenn wir also sehr schlank sind, sind unsere Zellen auch Aufnahebereit. Denn wir haben noch reichlich platz in den Zellen. Dazu braucht der Körper aber den Schlüssel Insulin. Das ist das Vehikel mit dem die Glucose und ie Zellen gelangt.

Ein erhöhter BZ ist nämlich schädlich für die Gefässwände und der Körper wird immer bemüht sein den BZ im Blut gering zu halten. Also Glucose in die Zellen oder Speicher zu befördern. In folgender Reihenfolge: Zellen, Leber, Fett.

Blöde nur wenn der Pankreas übersteuert und es mit der Insulinausschüttung übertreibt. Dann ist der BZ auf einmal zu niedrig und das ist dann auch blöde. Denn dann steht keine Glucose mehr zur Verfügung für Zellen die aktuell Glucose brauchen. Alle vegetativen Organe. Gehirn, Herz etc. alle Muskeln. So kommt es zu dieser Zerfahrenheit, Schwäche etc.

Leider ist aber bei Dünnen Menschen auch nichts in der Leber um mal eben was auszuschütten. Die Leber ist der maßgebliche Expander in der BZ Regulation. Ist die leer kann die ihren Job nicht machen.

So müsste der Körper an die Fettreserven. Sofern sie da sind. Sind sie aber auch da häufig nicht. Beben bei sehr schlanken Menschen.

Bleibt noch Plan B… Körpereigene Proteine. Die lassen sich schneller zu Glucose umbauen als Fett.

Und so kommt es zu den ekligen Hypoglykämien.

Vermeiden kann man die nur mit strenger bewusster Ernährung.

Wie kommt jetzt da noch Lisdexamphetamin ins spiel. Ganz einfach. Appetitlosigkeit verschlimmert die desolate Speicherung… die Speicher sind noch leerer als vorher schon…

Guten Morgen,

Vielen Dank für deine offene und ausführliche Rückmeldung. Als die Probleme anfingen war ich tatsächlich noch sehr dünn damals. Das ist mittlerweile aber gar nicht mehr so. Ich bin schon noch schlank, aber nicht richtig dünn. Ich habe Normalgewicht. Seit einigen Jahren. An der Zuckersache hat das leider nichts geändert.

Unter diesem Medikament nun habe ich wie gesagt genauso viel wie sonst gegessen (zangsweise etwas mehr, da ja unterzuckert) aber ich hätte ziemlich sicher noch deutlich mehr essen müssen und das kann ich einfach nicht, weil ich ja ohnehin schon viel und oft essen muss. Da würde mein Darm rebellieren bzw fing schon damit an mit Gereiztheit…

Also ich verstehe deine Antwort so, dass es nicht wirklich Sinn macht weiter zu machen?

Mein Gefühl sagt mir irgendwie auch, dass dieser erhöhte Grundumsatz mit einer niedrigeren Dosis natürlich nicht wirklich verschwinden kann, allerdings wäre das die einzige Sache die ich noch versuchen würde…

Wie man hier auf der Seite nachlesen kann, gibt es ja auch durchaus Menschen, die mit 2,5 mg eingestellt sind, wenn auch selten der Fall. Natürlich sollte die Dosis dann aber auch noch wirken können und sich nicht allein nach dem Stoffwechselproblem ausrichten…

Mahlzeit…

Elvanse macht keinen erhöhten Grundumsatz.
Du brauchst nicht mehr kcal. Durch die Appetitlosigkeit kommt es i.d.R. zur verminderten kcal Zufuhr und daher zu einem Energiedefizit

Auch wenn du normalgewichtig bist und sogar mit übergewicht kann es vorkommen das die Glucosespeicher in der Leber leer sind.
Genauso reagiert der Körper hier vollkommen physiologisch gleich wenn man sich zu viel EINFACHZucker auf einmal rein prügelt. Also Schokolade und das mit Cola runter spülen.

Wie du mit der Therapie weitergehen willst ist eine Angeleigenheit von dir und deinem Arzt.
Mir hat sie sehr geholfen. Gerade Elvanse und erst recht nun in den Wechseljahren.
Ich hab vorher schon schlecht gegessen und muß nun wirklich halt echt darauf achten was ich esse. Damals habe ich mir wirklich völlig gedankenlos einfach den maximal verarbeiteten Müll in den Kopf gedrückt. Das geht heute schlichtweg nicht mehr.
Und ich werde einen Teufel tuen Elvanse wieder ab zu setzen. Ich würde wirklich eher Gras fress.. wenns nötig ist, als darauf zu verzichten. Mein Leben ist unter Stimulanzien soviel besser geworden. Selbstverständlich ist das aber nicht 1:1 auf dich anzuwenden. Wenn du zurecht kommst und dich wohl fühlst, kannst du selbstverständlich auf die Stimulanzien verzichten.

Die Reaktive Hypoglykämie ist mit einer sehr bewussten Ernährung bei zu kommen.
Bedeutet viele Ballaststoffe, wenig Lebensmittel mit Einfachzucker. Also Süßigkeiten, Fastfoot etc.
Stattdessen wenig verarbeitete Lebensmittel. Gemüse, Hülsenfrüchte, als Kohlehydratlieferanten Vollkornprodukte. Wildreis, Vollkornbrot, Vollkornnudeln etc. Dinkel bietet sich da an. Etc. Hier darauf achten das es auch wirklich Vollkornprodukte sind und nicht einfach nur Dunkel gefärbtes Weißbrot.
Und das gleichmäßig über den tag verteilt. Ich vergesse z.b. den ganzen Tag zu essen und stopfe mich dann abends voll, wenn die Med. aufhören zu wirken. Das funktioniert eben auch nicht. Denn da kommt dann nur ne Riesen Welle mit der der Körper nichts anfangen kann. Also viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt.

Eine Frage noch. Was ist mit deinem Darm? Hast du evtl. ein Malabsorbtionssyndrom?
Hast du evtl. Sogar eine CED wird’s richtig blöde.

Selbstverständlich kennt sich der Psychiater da auch nicht so hervorragend aus.
Ich würde da eine Ernährungsberatung empfehlen. Die gibt es (sofern unsere Politik nicht auch da schon rein geschi.. hat) einfach bei der Krankenkasse. Natürlich vorher nochmal nen Check Up beim Hausarzt machen. Sofern die Reaktive Hypoglykämie im Physiologischen Bereich ist, ist es damit eigentlich genüge getan.

Hast du während der Eindosierung auf Koffein verzichtet? Denn Glucose und Koffein hauen mit Stimulanzien echt rein. Das sollte wirklich vermieden werden.

Kleiner Tip. Wenns dir möglich ist. Besorg dir mal ein Anatomie/ Physiologie Buch und lerne die Bauchspeicheldrüse und die Glucoseumwandlung im Körper. Das erhöht das Verständnis im Bereich Ernährung.

Guten Morgen,

Wie ich in meinem Beitrag ja bereits schrieb, brauche ich bezüglich meiner funktionellen Hypoglykämie keine Hilfe. Ich bin dort bestens eingestellt und kenne mich bestens aus. Ich habe auch unter Elvanse definitiv genug gegessen, nicht auf Kalorien bezogen, sondern auf die Art des Essens. Ich brauche zwar bezüglich meiner funktionellen Hypoglykämie wie gesagt keine Hilfe, bin aber zu dem Entschluss gekommen, dadurch dass ich ja wie schon erwähnt keine Kohlenhydrate essen kann, einfach zu wenig Energie herrscht um Elvanse stemmen zu können. Mein Körper muss sich Energie über Fett und Protein holen und das dauert zu lange in der Verarbeitung.

Selbst kleinste Dosen von 5 mg kann mein Stoffwechsel nicht aushalten.

Ich hatte ja auch eigentlich eher gefragt, ob da draußen noch jemand das gleiche Problem hat und wie er es gelöst hat, nicht um Tipps zu meiner funktionellen Hypoglykämie gebeten.

Ernährungsberatung alles durch, selbst die kennt sich nicht aus . So ist es nun mal mit seltenen Phänomenen. Aber ich kenne mich ja aus. Ich bin optimal per Diät eingestellt und habe im Alltag keinerlei Schwierigkeiten. Elvanse ist hier die Schwierigkeit.

Es liegt nicht an meiner Einnahme oder einem Anwendungsfehler oder meiner Ernährung (die ist nachweislich mehr als top), sondern an Stimulanzien an sich. Die sind für meinen Stoffwechsel einfach nicht geeignet anscheinend. Da zusätzliches Adrenalin meinen Speicher leert und damit mein Körper nicht umgehen kann, da er durch zb Kohlenhydrate keine -schnelle- Energie bekommen kann.

Wir reden hier von einem chronischen ohnehin schon sehr sensiblen System, was teils ohne die wichtigsten Dinge (KH, Obst etc) im Alltag klarkommen muss, da ist wohl einfach kein Platz für zusätzliches Adrenalin.

Ich werde in Richtung Guanfacin (Leider off-label) und Atomoxetin gehen bzw mit meiner Ärztin besprechen, die mir da sehr vertraut und meine sehr gute Körperkenntnis schätzt.

Vielleicht melden sich ja dazu oder zu den nicht Stimulanzien noch andere hier :slight_smile:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das stimmt. Es gibt verschiedene Arten von Kohlehydraten, und sicher darfst du gute Kohlehydrate essen, z.B. Kartoffeln, Vollkorn.

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Wäre mit dem Leben nicht zu vereinbaren wenn man keine Kohlenhydrate essen dürfte.

Die Einfach Kohlenhydrate… GLUCOSE… da kann man schon ordentlich mit ins straucheln geraten.
Denn die sind zu schnell verfügbar.
Es gibt auch Malabsorbtionserkrankungen geben, die die Nährstiffaufnahme stören.Da kann auch schon zu ärger kommen.

Aber ohne Kohlenhydrate kann niemand leben.
Ich denke hier ist der Begriff Kohlenhydrate missverstanden.