Gefühle von anderen Menschen fühlen

das war hier gerade ein ziemlicher Aha-Moment für mich. Habe das bisher nie so betrachtet, ergibt aber Sinn. Denn zu viel fühlen kommt beibmir meist nur bei Themen vor, die mich irgendwie selbst betreffen. Da kann ich mich plötzlich total (viel zu sehr) hineinversetzen und reinsteigern.

Bei Themen die mir egal sind kann ich zwar kognitiv Verstehen, warum es gerade schrecklich sein muss, kann das aber kaum nachfühlen.

Ist das nun das normale Empathieempfinden oder fehlt mir etwas?

Das bringt gerade mein Bild über mich etwas durcheinander :sweat_smile:

Wenn ich das hier so lese, fehlt mir richtige Empathie dann doch, auch wenn ich bisher dachte, ich wäre überempathisch, aber…siehe oben. Ich kann mir das Empfinden anderer meist nur logisch erklären (ob das immer stimmt, was ich mir da zusammenreime, mag dahingestellt sein. Ich empfinde Menschen aber als sehr durchschaubar). Wenn es jedoch keine Logik gibt in dem wie sie reagieren auf das was ich mir zusammenreime, regen mich übermässige Gefühle bei anderen ziemlich auf *g

Andererseits kenne ich aber diesen Stimmungsbarometer, wenn man in einen Raum kommt und sofort die allgmeine Stimmungslage fast körperlich spürt, sehr gut.

Oder wenn bei einer Diskussion, an der mehrere Menschen beteiligt sind, es plötzlich kippt und ich den Augenblick gebau spüren kann. Und merke, dass es anderen kaum auffällt.

DIese Stimmungslagen zu spüren ist aber etwas, das ich öfters gelesen habe bei Adhs/Autismus- Betroffenen.

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Hi, ich kenne 100-prozentig das was du geschrieben hast. Auch ich hab mich für einen therapeutischen Beruf entschieden. Ich bin jetzt allerdings kurz vor der Berentung die ich aber nicht antreten werde, weil ich immer noch aktiv sein möchte. Ich bin irgendwann in einem Burn out gelandet. Genau deswegen Ich konnte mich auch kaum abgrenzen und irgendwann wurde alles zu viel. Ich hab dann festgestellt, dass ich ein extremes Ruhe Bedürfnis habe und ich habe dann über die Jahre hinweg Strategien entwickelt, immer weniger intensiv in Einzelarbeit zu gehen, sondern mehr entspanntere Gruppen arbeiten zu tun und mir noch einen Job zu suchen, der nicht anstrengend ist für meine soziale Fähigkeit des Fühlens und wahrnehmen. Ich kann schon lange nicht mehr Vollzeit in diesem Beruf arbeiten und ich hatte das Glück reduzieren zu können und nur noch mit einem Teilzeitjob durch zu laufen. Ich habe aber auch bei mir dieses enorm hohe Leistungsbedürfnis bemerkt aufgrund meiner Qualität und der Lobeshymnen, die auf mich herabfielen, wollte ich natürlich immer mein Bestes geben das mache ich jetzt nicht mehr. Ich lehne mich zurück, entspanne mich in den Sitzungen und vertraue darauf, dass ich das richtige sage, ohne mir zu viel Gedanken zu machen und zu intensiv! Zuzuhören. Außerdem habe ich Hypnose gelernt, was in den Therapiesitzungen sehr angenehm ist, weil dann der Klient quasi nicht spricht und ich ihm eine Geschichte erzähle und dadurch auch nicht so anspruchsvoll gefordert bin.

Ich erhole mich sehr gut in der Natur beim spazieren gehen und mit einem kaum vorhandenen Freundeskreis. Allerdings habe ich Familie und meine sozialen Kontakte außerhalb meiner Familie sind kaum vorhanden. Mir reicht mein Job und meine Familie mehr geht nicht.

Vielleicht hilft dir das ein bisschen zu verstehen, dass diese Art der Hochsensibilität viel Ruhe und Rückzug braucht

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Ich selbst hatte in den letzten Wochen mehrere ähnliche WTF-Momente:
Mir ist klar geworden, dass Alexithymie und Anhedonie bei mir vorliegen, weshalb ich nicht oder verzögert merke, dass ich selbst emotional werde bzw dass ich die Intensität meiner Emotionen nicht realisiere.
Ich kann zudem Gefühle bei anderen Personen oft nicht richtig deuten, weshalb es zu Konflikten kommt. Bei diesen Konflikten dürfte zudem die Theory of Mind und Double Empathy eine Rolle.

Es hapert an kognitiver Empathie, weil ich aber auf affektive Empathie zB bei Musik und Filmen (weil diese oft eindeutig gespielt wird) anspreche, hatte ich das selbst nie in Betracht gezogen, dass hier Defizite vorliegen.

Tendiere in der Selbsteinschätzung deshalb verstärkt auch zu AuDHS.

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Hallo, bin neu hier im Forum und habe eben deinen Post gelesen und mich zu 100% wieder erkannt. Bislang habe ich nur eine ADHS-Diagnose und frage mich mittlerweile, ob nicht auch ein ASS dabei ist, weil ich mir manche Phänomene nicht erklären kann. Genau das, was Du beschreibst, spricht für mich eigentlich gegen ASS. Oder aber es ist eine Kompensationsstrategie. Ich erlebe das nämlich auch schwarz-weiß: manchmal fühle ich alles von den anderen Menschen und mich selbst nicht mehr, manchmal fühle ich mich total abgeschnitten und wie emotional blind. Ich frage mich, ob dieses Grenzenlose, Alles-Fühlen dadurch zustande komme, dass ich alle meine Energie dahinein stecke, mein Umfeld mitzubekommen. Wenn ich mich entspanne, dann kann es sein, dass ich sehr wenig von meinem Umfeld mitbekomme.

Ich arbeite auch im Gesundheitssystem im therapeutischen Bereich und habe leider erst vor ein paar Jahren verstanden, dass ich eigentlich den falschen Beruf gelernt habe. Nach der Arbeit, nach Stunden im Kontakt mit anderen Menschen, geht es mir oft unfassbar schlecht. Vor allem habe ich oft keinerlei Kapazitäten mehr für soziale Aktivitäten. Und ich habe festgestellt, dass ich meine Arbeit am besten und leichtesten machen kann, wenn ich telefoniere - meine KlientInnen also nicht sehen und riechen, sondern nur hören kann….
Ich versuche jetzt, seit einigen Jahren mein Berufsleben an meine persönlichen Bedingungen anzupassen, aber es ist sehr schwierig.
Ich hoffe, dass Du auch diese Möglichkeit hast.