Gleich zu Beginn der Eindosierung mit Medikinet adult mittags eine 2. Kapsel nehmen?

Hallo an alle!

Ich bin neu hier. Diagnostiziert wurde ich im Frühjahr diesen Jahres und heute habe ich mit der Eindosierung von Medikinet adult begonnen. Ich nehme 10mg nach dem Frühstück. Heute um 09.15Uhr. Nun merke ich leider, dass die Wirkung nachgelassen hat. Mein Kopf war nach Wirkungseintritt für 3 Stunden ruhiger. Ich war zwar etwas müde, was mich gewundert hat, aber ich konnte mich so viel besser konzentrieren und arbeiten als sonst. War wirklich überrascht, was diese erste, ja eigentlich geringe Dosis, doch direkt bewirkt hat. Nun werde ich wieder unruhiger, abgelenkter und der Kopf rattert wieder mehr. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Wirkung schon nicht mehr gegeben ist. Viele nehmen dann Mittags ja eine 2. Dosis. Kann ich das direkt am 1. Tag der Eindosierung machen, oder sollte ich lieber abwarten. Hat da jemand Erfahrungen? Da ich 10mg. verschrieben bekommen habe, könnte ich leider nicht geringer dosieren am Mittag. Laut der Ärztin soll ich jede Woche um 10mg steigern, beobachten und aufschreiben, bis ich die perfekte Dosis für mich gefunden habe. Über eine 2. Dosis haben wir nicht gesprochen oder darüber, dass es dann ja nur Vormittags wirkt und dann zum Nachmittag wieder alles so ist wie ohne Medikamente. Aaaahhhh… ich weiß gerade nicht. Vielleicht bin ich auch zu ungeduldig??

Ich würde mich sehr über Antwort freuen und sage schon einmal Danke! :slight_smile:

Liebe Grüße, Jule

Hallo Jule und herzlich willkommen, :adxs_knuddel:

offenbar meint deine Ärztin, du sollst erst einmal deine Einzeldosis herausbekommen (durch die wöchentliche Steigerung) und in einem zweiten Schritt schauen, ob und wann du eine zweite und eventuell eine dritte Dosis brauchst, um den Tag abzudecken.

Deine Ungeduld verstehe ich gut. :adxs_grins:

Wenn die Ärztin dir nicht ausdrücklich verboten hat, mittags eine zweite Dosis zu nehmen, könntest du es ja machen. Du verträgst es ja offenbar gut. Es ist aber natürlich so, dass dein Vorrat dann schneller alle sein wird.

Du kannst ja mal durchrechnen, ob die Schachtel bis zum nächsten Besuch reicht, wenn du diese Woche 10 - 10 und nächste Woche 20 - 10 usw. nimmst.

Die zweite Dosis kann etwas geringer sein als die erste. Was natürlich in der ersten Woche nicht geht, wenn du nur 10-er Kapseln hast, logisch.

Auch zur zweiten Einnahme musst du etwas essen, damit die Retardierung funktioniert, aber das weißt du vermutlich schon.

Alles Gute wünscht
Falschparker

Hallo Falschparker,

ich danke dir für deine Antwort! Ich bin noch total hin und hergerissen, weil es schon Sinn macht, wie du auch geschrieben hast, erstmal die Einzeldosis die für mich gut funktioniert herauszubekommen. Heute merke ich von den 10mg schon nichts mehr. Ich werde aber schneller steigern, beispielsweise nach 4 Tagen 10 auf 20 gehen, statt nach 7 Tagen. Vielleicht hält die Wirkdauer ja auch bei einer höheren Dosis länger an? :thinking: Dann wäre es wahrscheinlich blöd mittags gleich von Anfang an eine 2. zu nehmen. Hach… ist alles nicht leicht :joy: Vielen Dank für den Austausch, das hilft doch sehr!

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende :sunny:

Anders als bei Dexamfetamin, bestimmt bei Methylphenidat die Höhe der Dosis nicht die Wirkdauer.

Elimination

  • Methylphenidat wird aus dem Plasma mit einer durchschnittlichen Halbwertszeit von 2 Stunden eliminiert.

  • Nach der oralen Gabe werden innerhalb von 48 bis 96 Stunden 78-97% der Dosis im Urin und 1 bis 3 Prozent in den Fäzes in Form von Metaboliten ausgeschieden.

Es ist sinnvoll herauszufinden, wie viel Wirkstoff man morgens mit der ersten Einnahme braucht und wie lange es wirkt.

Aber - viele Wege führen nach Rom.

Man muss nur grob die Pharmakokinetik des Präparats verstehen.

Wenn du nun bei 10mg bist und weißt, wie lange die wirken, kannst du auch 30-45 Minuten vor Wirkende mal eine zweite 10mg Kapsel einnehmen und die nächsten 3-6h beobachten, wie es sich anfühlt.

Das dann ein paar Tage beibehalten und dokumentieren.

Denn, bei rechtzeitiger Einnahme der Folgedosis addiert sich die neue Ladung an Wirkstoff leicht mit dem Rest der vorherigen Dosis im Blut auf.

Sollte es bei rechtzeitiger Einnahme (vor Wirkende 1. Dosis) nach der zweiten Einnahme besser werden, dann ist die erste Dosis zu niedrig.

Dann würde ich als nächstes morgens die erste Dosis steigern und wieder 10mg als zweite Dosis nach der gleichen Zeit einnehmen und das wieder beobachten.

  • Also erstmal paar Tage 10-10-0
  • Wenn ab zweiter Einnahme besser → dann paar Tage 20-10-0

So kann man quasi auch parallel herausfinden:

  1. wie viel Wirkstoff braucht man morgens, um eine gute therapeutische Wirkung zu haben
  2. wie lange hält diese Wirkung an
  3. wie viel Wirkstoff braucht man als zweite Tagesdosis, um die Wirkung der ersten Dosis zu erhalten, ohne sich im Tagesverlauf überzudosieren
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Vielen Dank dafür. Hatte mittlerweile auf 10-10-0 gesteigert und fand das für den Tag auf jeden Falle deutlich besser. Keine schlimme Müdigkeit und gereiztheit am Abend und schlafen konnte ich trotzdem wunderbar. Heute das erste mal 20mg am morgen. Ich habe das Gefühl es ist zu hoch. Evtl. der erste Tag und morgen sieht es anders aus? Ich probiere es. Ansonsten gehe ich zurück zu 10-10-0 und frage beim nächsten Termin nach 5mg um morgens evtl. auf 15mg steigern zu können. Zwischen 10 (wenig wirkung, aber zumindest etwas ruhiger und entspannter durch den ganzen Tag mit der Nachmittagsdosis) und 20mg (total aufgekratzt) ist ein zu großer Unterschied gerade. Naja, ich warte morgen nochmal ab und dann schau ich weiter. Vielen Dank auf jeden Fall für die toller Erklärung.

Viele Grüße und einen schönen Tag :slight_smile:

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Oh, cool. Klingt vielversprechend :adxs_daumen:

Wenn dieses aufgekratzt sein nach 3-5 Tagen nicht weg ist, ist es wahrscheinlich tatsächlich einen Ticken zu viel.

Das könnte man jetzt mit der zweiten Tageseinnahme von 10mg überprüfen.

Wenn es sich bei rechtzeitiger Einnahme mit dem Rest an Wirkstoff der 20mg von morgens leicht aufaddiert, müsste es sich, nach Einnahme der 10mg, zumindest in den ersten (sagen wir mal) 2-3h auch zu viel anfühlen.

Ich stelle mir das anhand solcher Grafiken vor, weil 1x Retard/Adult Präparat theoretisch die Einnahme von 2x Nicht-Retardiert (3h versetzt eingenommen) ersetzen soll.

Anhand der ersten Grafik wirds vielleicht deutlicher, was ich meine.

Angenommen, du nimmst Medikinet Adult 10-10-0. Das wäre ähnlich wie 4 x 5mg Nicht-Retardiert alle 3h eingenommen.

Die erste Einnahme Adult morgens wären also die ersten 2 Bögen.

Bei rechtzeitiger Einnahme vor Wirkende wäre die zweite Einnahme Adult dann also die letzten 2 Bögen.

Plasmaspiegelverlauf: 4x gleiche Dosis MPH Nicht-Retardiert alle 3 Stunden

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Umrechungstabelle: MPH Nicht-Retardiert in Medikinet-Retard/Adult

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Plasmaspiegelverlauf: 1x Nicht-Retardiert vs. 1x Medikinet Adult:

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