Hallo ADHS - Diagnose, Bargeld + Medikinet + Krankenkasse

Hallo zusammen,

Bei mir wurde vor 4 Wochen ADHS diagnostiziert. Gerne möchte ich meine Erfahrung mit euch teilen und auch gerne eure Meinung dazu hören:

Nach langer Suche endlich einen Arzt gefunden und einen Termin bekommen mit dem Hinweis: ich solle 320€ in Bar mitbringen, das kostet die ADHS Testung. Okay, der Arzt ist in unserer Region recht bekannt, hat noch zusätzlich eine leitende Position in einer Klinik. Sollte gut sein. Als der Termin dann war, kam ich an, übergab das Geld der Dame (welche auch seine Frau ist) direkt und unterschrieb dafür dass bezahlt zu haben. Dann kam noch die Krankenkassenkarte zum Einsatz und los ging es ins Arztzimmer.

Ich erzähle ihm was bei mir Thema ist: unruhig, ständig was los, keine Ruhe, keine Konzentration, Dinge die vorher in der Arbeit funktionierten, funktionierten nicht mehr, Vergesslichkeit usw. Daraufhin holte er 2 Formulare aus. Eines von der WHO und eines was sehr alt war. Beide musste ich ausfüllen. das waren Fragen um rauszufinden ob ADHS ja oder nein.

Das dauere rund 10 Minuten. Er wertete diese aus und sagte: ja starkes ADHS. Okay.

Okay. Er hat bisher eigentlich keine Fragen gestellt; ich fühlte mich als müsste ich ihm alles erzählen was evtl. auch wichtig ist oder ggfs. auch eine Depression sein könnte.

Nun gut. Danach erzählt er mir von Medikinet Adult. 10mg. Soll ich testen, dazu etwas essen und im 4 Wochen wieder kommen. Termin ist nun am 16.07.

Also 320€ für 1 Stunde mit 6 DIN A4 Seiten ausfüllen + Abrechnung von irgendwas über die KK.

Jedenfalls habe ich 72 Tabletten bekommen und angefangen zu testen - bei der Einnahme esse ich immer etwas. Morgens Frühstück wie Toast, Müsli. Dann Einnahme. Rund 1h später Kaffee Büro. Mittags Sandwich oder etwas warmes. Nachmittags dann meist ne Kleinigkeit wie Banane oder etwas vom Bäcker. In Summe 3-4 Cappuchinos am Tag:

  1. Morgens 10mg, nachmittags 10mg: war schon mal okay. Cool. Ich spüre etwas.
  2. Dann nach paar Tagen 3x 10mg über den Tag verteilt. Also alle 4 Stunden. Auch okay.
  3. Dann 20mg/20mg/10mg - hm glaube auch besser. Anders irgendwie.

Immer im Abstand von 4 Stunden.

Die Tabletten waren nach rund 2,5 Wochen aufgebraucht und ich holte ein neues Rezept. Ich sagte ich würde gleich die 20mg nehmen. Easy - neues Rezept. Jetzt nehme ich 3x20mg.

Der Crash war mal mehr mal weniger heftig. Hält sich aber in Grenzen. Meist abends, aber selten.

Nun, ist das alles? Mh. Ich überlege Ritalin auszuprobieren bzw. möchte ich meinen Arzt danach fragen. Aber irgendwie will ich auch gar nichts nehmen da ich nie ein Freund davon war aber so ging es nicht weiter. Mein Job stand auf der Kippe, viele teure Fehler verursacht. Seit der Einnahme: kein einziger Fehler mehr passiert.

Zu meinen Fragen:

  • Was meint ihr zum Thema Medikinet und Ritalin? Wechsel ausprobieren?
  • Habt ihr auch für die Testung zahlen müssen?

Ich habe bei meiner KK nachgefragt; die zahlen das eigentlich, der Arzt muss nur die Ziffer angeben. Eine Rechnung erhalte ich wohl jetzt dann beim nächsten Termin. Das kam mir aber erst danach da die Terminzusage so schnell ging nachdem ich 3 Monate gesucht hatte.

Danke an euch vorab.

Ich bin sehr froh dieses Forum gefunden zu haben. So viel spannenden Beiträge.

Danke euch :smiling_face:

Hi, für mein Verständniss, du hast keine Rechnung bekommen?

Hallo und willkommen!

Über die Diagnostik kann ich wenig sagen. Es gibt Diagnostiker, wo man die selber zahlt. Wie und was da in Kombination mit der Kasse abgerechnet wird, weiß ich nicht.

Was mich eher interessiert ist, wie viel er dir noch zur Eindosierung erzählt hat.
Also in welchem Abstand du die Kapseln nehmen sollst und wie viel.
Hat er mit dir darüber gesprochen?

Das irritiert mich sehr, dazu die Menge an Tabletten ,wie @Hobbyhopper bereits erwähnt hat. Nach tatsächlicher Begleitung klingt das nicht gerade, Entschuldigung, ich möchte dich auch keinesfalls verunsichern.

Hallo Marley,

was möchtest du wissen?

Die Rechnung wirst du bei der Krankenkasse nicht einreichen können, wenn es eine privatärztliche Leistung war.

Eigentlich nimmt man Methylphenidat in absteigender Dosis, d. h. es wäre sonderbar, wenn du abends tatsächlich 20 mg brauchst, da dürften auch 10 mg reichen.

Ja, Ritalin Adult könntest du probieren, dann musst du nicht dreimal genau zu bestimmten Uhrzeiten essen. Aber wenn dich das nicht stört und du ja scheinbar mit Medikinet Adult sehr gute Erfahrungen machst, kannst du auch dabei bleiben.

Ja, ich habe auch für die Testung zahlen müssen, weil die Krankenkassen zwar theoretisch zahlen, dies aber nicht für eine ordentliche Diagnose ausreicht. Allerdings so viel Aufwand scheint sich dein Arzt nicht gemacht zu haben. Vielleicht war dein Fall besonders eindeutig, so dass nicht viele Nachfragen notwendig waren?

Bei mir waren es eineinhalb Stunden plus Auswertung der Fragebögen (und eigentlich sollte auch einer von deiner Frau oder einem anderen Angehörigen ausgefüllt werden), und es kostete 200 € - das war aber 2003, da war das Geld noch mehr wert. Heute werden auch schon mal um die 500 bis 800 € verlangt, was auch okay ist, wenn die jeweilige Ärztin es gut macht.

Gar nichts nehmen - ja klar möchte man das, aber wir haben uns unsere Störung nicht ausgesucht. Ich nehme Methylphenidat seit 2003 täglich und schätze die dadurch gewonnene Lebensqualität sehr.

Es wird empfohlen, Koffein in der Eindosierungsphase wegzulassen. Ich vertrage gar kein Koffein mehr, seit ich Methylphenidat nehme. Aber wenn du kein Problem damit hast, will ich dir auch keines einreden.

Viele Grüße und alles Gute

Ich habe auch bezahlt, weil es schnell gehen musste, aber wenn ich bedenk, was ich alles angeben musste: Zeugnisse aus der Kindheit, Fremdbeurteilungsbögen der Familie und Freunde, und einiges mehr. Dafür gab es aber auch eine gute Diagnose, die ebenfalls anderes erkannt hat, wie Angst und Depression. Bei deiner Beschreibung habe ich den Eindruck, hypothetisch kannst du noch andere Baustellen haben, die wichtig wären, um dich besser zu fühlen oder besser „funktionieren für den Job", aber mit dieser Diagnoseform können sie nicht herausgefunden werden. Ansonsten empfehle ich, da dieses Medikament wohl bei dir funktioniert, sich Zeit zu lassen und erstmal verschiedene Dosierungen in Ruhe auszuprobieren. In Ruhe heißt für mich mindestens fünf Tage, eher länger, damit du die Tagesform auschließen kannst als Störfaktor. Wechseln kannst du dann immer noch.

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Warum willst du denn was neues ausprobieren mit dem Risiko das es schlechter wird du Fehler machst etc,

Den Sinn verstehe ich nicht zumal du viel Medikinet nimmst.

20 mg Ritalin werden nicht den gleichen Effekt bringen. Meiner Erfahrung nach braucht Medikinet ca. 1 std voll angeflutet zu sein Ritalin gut 2std und viel sanfter und viel anders

Man muß nicht mega was spüren wenn die Fakten so deutlich sind da Adhsler hat teils auch eine für sich andere/ gestörte Wahrnehmung haben können und dadurch das dann nicht mitbekommen

Die Eigen- und Fremdwahrnehmungsstörung ist nicht unübersichtlich

Hallo zusammen,

Nun ist tatsächlich viel Zeit vergangen. Ich habe den regelmäßigen Bericht vom Forum per E-Mail erhalten und immer gedacht, ja, ich möchte noch antworten, aber es passt noch nicht.

Kurz erwähnt: ich sitze im Auto und spreche diesen Text per Spracheingabe. Ich bitte um eventuelle Fehler oder sonstiges zu verzeihen, aber jetzt gerade habe ich Zeit im Auto dies in Ruhe verfassen zu können.

Ich habe mir gerade nochmals eure Beiträge durchgelesen / angehört und genauso wie ein Benutzer schreibt, ist es: warum etwas Neues ausprobieren wenn doch Medikinet adult tatsächlich so gut wirkt. Ich habe keinerlei Nebenwirkungen, ich bin voll konzentriert, und das Essen: naja, dann nimmt man halt eine kleine Mahlzeit zu sich, die aber auch mal größer oder mal kleiner sein kann.

Tatsächlich hab ich bemerkt, dass wenn ich meine Tablette zu Hause vergessen habe und unterwegs bin, leichte Panik entsteht. Wobei das auch davon abhängt, was in den nächsten Stunden geboten ist oder erwartet wird.

Eine Erfahrung: Mein Arzt war im Urlaub, und meine Tabletten gingen aus. Tatsächlich war es vom Arzt ein sehr spontaner Urlaub, worauf ich hin zu einer Vertretung gehen musste. Da ich keinerlei Unterlagen über meine Tabletten habe, weder einen Medikamentenplan noch sonstige Nachweise, musste ich diesen natürlich erst mal davon überzeugen, dass ich Medikinet bekomme. Denn, wie ich erfahren habe, was ich auch nicht wusste, ist wohl Medikinet in diversen Kreisen auch als starkes Suchtmittel bekannt. Das in Verbindung mit Panik wenn man die Tablette nicht dabei hat, hat mir kurz zu denken gegeben.

Es ändert zwar jetzt nichts an meiner Einnahme, aber ich nehme es aus einer anderen Sicht ne bewusster ein.

Die Rebounds, sind quasi weg. Ich habe mich auf Morgens eine Tablette und Mittags eine Tablette eingestellt. Und das läuft bisher - toi, toi, toi - sehr gut.

Nichts desto trotz, kämpfe ich immer noch hin und wieder mit Phasen, in denen ich sehr, sehr down bin, depressiv, und keine Kraft. Habe auch irgendwas zu tun. Das merke ich aber selber, und dann klappt es meistens ganz gut, dass ich mir selber von außen in den Hintern trete.

Es wurde oben geschrieben, dass wir uns die Störung nicht ausgesucht haben. Ich sehe es nicht als Störung, sondern ich frage mich eher, was war davor? Ich habe 35 Jahre lang problemlos gelebt, Karriere gemacht, gearbeitet, konzentriert und war aus meiner Sicht beruflich erfolgreich. Nach einer nicht schönen Scheidung ging das Ganze nach und nach bergab. Daher versuche ich immer noch tatsächlich rauszufinden, ob es die Störung schon immer gab, ob sie bisher schlichtweg nicht so stark sich gezeigt hatte, geht das überhaupt, dass die Störung sich nicht so stark zeigen kann? Ich weiß es nicht. Ich will damit sagen, dass ich immer einen Freund der Naturheilpraxis war und selten einen Arzt besucht habe. Nur jetzt, natürlich wo auch mein Job auf dem Spielstand aufgrund dessen von unkonzentriertheut etc. ging es nicht mehr anders. Dazu kam noch aber auch die Art und Weise von depressiven Phasen und weiteren Gedanken. Zusammengefasst habe ich heute bzw. gleich meinen nächsten Termin bei meinem Arzt und ich bin gespannt, was er sagt, wozu auch immer. Ich werde wieder berichten.

Ich bedanke mich für alle Beiträge, weil ich weiß auch, dass ein Beitrag schreiben Zeit kostet. Vielen Dank dafür.

Viele Grüße

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Was ich noch vergessen habe, zu ergänzen: die Krankenkasse hat sich gemeldet und darauf hingewiesen, dass das intern geprüft wird. Nach weiteren Wochen kam die Meldung, dass ich ja in einer Behandlung bin in einer aktiven und das dann was anderes ist weil sonst würde es nicht übernommen werden - es ist weiterhin in Prüfung. Dennoch habe ich bisher keine finale Antwort erhalten. Das nur so zur Info vielleicht hilft diese Info wem weiter bzgl. Rechnung und Kosten.

Hallo Marley,

Habe mir gerade deinen Beitrag durchgelesen und mich in einigen Aspekten selbst erkannt, daher wird das mal mein erster Post. :slight_smile:

Du schreibst, dass du „problemlos gelebt“ hast und dich fragst was davor war:

Ich glaube gerade bei uns Frauen ist dies sehr typisch als erfolgreiches Masking, welches im ADHS Kontext eine große Rolle spielt. Ich möchte jetzt gar nicht irgendetwas wiederkauen und kann dir da nur empfehlen dich in Fachliteratur [z.B. "Weibliche AD(H)S Wie frauen mit AD(H)S erfolgreich, selbstbewusst und stabil leben könne von Dr. Neuy-Lobkowicz – das hat mir sehr geholfen mich zu verstehen :smiley: ]oder hier im Forum oder im Internet mal zu beschäftigen und zu hinterfragen, ob dich das all die Jahre / dein Leben lang vielleicht immer viel Kraft und Energie gekostet hat? Ein ständiges Anpassen und „funktionieren“ wie das System außen drum es erwartet?

Es ist, laut Aussage meiner Ärztin, ganz typisch, dass dann ein belastendes Ereignis (bei dir ggf. die „nicht schöne Scheidung“) dafür sorgen kann, dass das Funktionssystem einfach nicht mehr kann und zusammenbricht. Auf diese Weise kommen dann Symptome zum Vorschein, die man Jahre bis Jahrzehnte immer „runtergedrückt“ hat - denn man musste ja funktionieren und konnte sich keine Pause nehmen [turns out, nur unser ADHS Gehirn denkt es kann keine Pause nehmen :wink: ]. Dazu haben wir z.B. mit unserer Fähigkeit zum Hyperfokus ja auch viele Stärken, die einem gerade im beruflichen Kontext (wenn die Rahmenbedingungen passen oder man angepasst funktioniert) auch beim Karriere machen behilflich sein können. Daher ist das alles kein Grund, dass die ADHS nicht schon immer da war. Vermutlich, so gehe ich bei mir zumindest davon aus, ist sie schon immer ein Teil von mir, den ich lange versucht habe zu unterdrücken und hinter anderem zu verstecken.

Vielleicht helfen dir meine Gedanken dazu ja.
Liebe Grüße