Hat jemand Erfahrung mit Absentismusverfahren?

Hallo zusammen,

da es hier ja auch etliche Eltern von Kindern mit ADHS gibt, meine Frage:

Gibt es Eltern, dessen Kind (zu) viele Fehltage in der Schule hat und denen – trotz bekannter ADHS-Diagnose und Attest – mit Absentismusverfahren gedroht wurde?

Meine Tochter hat keine Angst vor der Schule, ist zwar sehr introvertiert, aber motiviert, hat eine Rechenschwäche, derentwegen wir massiv unter Druck stehen, da der Schulabschluss nicht mit einer 5 möglich ist, egal wie die anderen Fächer sind.

Ihre ADHS geht aber einher mit starker sozialer Erschöpfung. Sie muss dann irgendwann auftanken, damit sie funktioniert (auch im Urlaub): ein Tag Action, den nächsten Tag zu Hause durchhängen, am besten allein). Geht sie über ihre Grenzen, reagiert ihr Körper mit Kopfschmerzen (sie ist auch Migränikerin), Übelkeit – in Ausnahmesituationen wie Klassenfahrten geht das bis Kranksein mit Fieber.

Ihr wurde eine zeitlang eine Schulzeitverkürzung an einem Tag gewährt – unter der Bedingung, dass sie dann weniger fehlt.

Da sie gegen Ende des Schuljahres – nach einer harten Prüfungszeit (Mathelernen war eine Tortur für alle Beteiligten) – wieder häufiger fehlte, fing das Schuljahr gleich mit der Androhung eines Absentismusverfahrens an, wenn sie in den nächsten Wochen zu viel fehlt. Mir kommt das komisch vor.

Ist das üblich, dass Schulen so handeln? Was können wir tun, um so etwas abzuwenden? Wo kann man in so einem Fall Hilfe bekommen? Das stresst uns als Familie gerade extrem.

Kennt jemand dieses Phänomen der starken sozialen Erschöpfung?

Gib das mal in Google ein, dieses Verfahren ist klar geregelt bei unentschuldigten Fehlzeiten => mit Attest vom Arzt dann theoretisch nicht anwendbar, da das Attest die Fehlzeiten entschuldigt.

Nicht vergessen Schule ist Behörde und reden reicht nicht! Behörden funktionieren ausschließlich über Formzwang, im Zweifel ständig Entscheidungen und Atteste vom Arzt einreichen und nicht denken das haben wir geklärt!

Wenn du nicht auf Aufforderung Atteste bzw. Daueratteste eingereicht hast würde juristisch gesehen das viel Sinn machen weil ihne ist es unentschuldigt

Kein Aber weil ist Behörde- zur Not über Google das Thema Fehlzeiten Kunder Schule suchen, daß ist glaube ich über schul oder kultumunusterizm einhritlich für jedes Bundesland geregelt!

1 „Gefällt mir“

Herzlich Willkommen!

Ihr habt eine schwierige Situation, das Vorgehen hängt aber sowohl von der Klassen-/Schulleitung ab als auch vom Bundesland.

In den mir bekannten Bundesländern macht die Rechtschreibleistung für die D Note nicht so viel aus, dass aus einer 2 oder 3 eine 5 würde. Bitte informiert euch dazu noch mal, einfach, damit ihr durch „Wissen“ auch „Macht“ im Gespräch mit der Schule habt und vor allem, dass es bei euch den Druck rausnimmt.

Mit 5 in D gar keinen Schulabschluss? In welchem Bundesland? Geht es euch um die Quali für die Oberstufe? Bitte auch hier noch mal gut informieren, wenn es so ist, dann schauen, wie es dann weitergehen könnte.

Dazu hilft dir, die genauen Regelungen deines Bundeslandes zu kennen. Die Klassenstufe spielt dabei auch eine Rolle.

Hat deine Tochter einen Nachteilsausgleich? Der sollte den Notenschutz sicherstellen. Aber das ist eben vom Bundesland abhängig.

Hat deine Tochter einen generellen Nachteilsausgleich bezüglich der ADHS?

Die Kurzzeitbeschulung ist in jüngeren Jahrgängen unproblematisch möglich, wenn es Richtung Abschluss geht, ist das wegen der zielgleichen Beschulung nicht mehr möglich.

Eine Attestpflicht macht die Schule nicht, weil sie „eben eine Behörde ist“, sondern weil auch die Schulen verpflichtet sind, Fehlzeiten zu überwachen und tatsächlich auch „einzugrenzen“. Sie sind den Schulbehörden gegenüber beweispflichtig, dass sie „alles getan haben“.
Der Ruf nach der Attestpflicht muss auch gar nicht von der Klassenleitung selber kommen, es kann sein, dass die Schulleitung da starken Druck macht.

Schulabsentismus ist - grade in den Jahrgängen 7-10 - ein unfassbar komplexes Thema, bei dem jeder Fall anders ist.

Ich gehe davon aus, ihr habt mit der Klassenleitung alle gesundheitlich relevanten Dinge besprochen.

Gibt es Möglichkeiten an der Schule, wo sich deine Tochter zwischendurch zurückziehen kann?

Hat sie vielleicht gute Ohrenstöpsel (kann man super anfertigen lassen, ziehen ca. 25 Dezibel raus, mein Sohn trägt sie dauerhaft in der Schule)?
Kann sie sich im Unterricht anders hinsetzen (Stichwort Licht, Blenden durchs Smartboard, Mitschüler im Rücken etc.)?

(Mein Sohn darf z.B. sein Mittagessen woanders einnehmen, weil die Mensa zu laut ist. Er darf auch auf Wunsch die Klasse verlassen.)

Ich habe mit meinem Sohn den Deals (schon immer quasi), dass es es, wenn es geht, ausprobiert und sich dann krank abmeldet. Er hat trotzdem noch recht hohe Fehlzeiten. Ich bin diesbezüglich aber in ehrlichem Austausch mit der Klassenleitung, sie sehen die Belastung.

Er ist aber jetzt in der 9., ich denke, wenn es so weitergehen, haben wir auch die Themen.
Ich bin allerdings selber Lehrerin, Sek 1, und bin tatsächlich sehr im Thema Schulabsentismus.

Um für euch den Druck rauszunehmen:

Könntet ihr nicht mit den behandelnden Ärzten sprechen über den Druck und eine mögliche Attestpflicht?

Aktuell wird diskutiert, dass jeder AN ab dem 1. Fehltag ein Attest braucht, deine Tochter hat Migräne, könnte der Arzt sie nicht dafür dann auch krank schreiben?

Ich weiß, dass Psychiater Kinder nicht schnell krank schreiben (in der schlimmsten Phase, in der mein jüngerer Sohn gar nicht gehen konnte und z.T. auch nicht durfte, hat die KJP das Kind 2 Wochen krank geschrieben. Das war ein harter Kampf, aber die Ärzte können das.

Oder vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, dass die/der KJP eine Stellungnahme schreibt, in der die Belastung, die daraus resultierende Migräne etc. attestiert und notwendige Ruhephasen.
Vielleicht könnte das die Attestpflicht abwenden.

Zusätzlich ist wichtig, dass eure Tochter gar nicht erst in diese Überforderung kommt, das heißt man muss lernen, dauerhaft zu versuchen, das Level niedriger zu halten. Dafür könntet ihr z.B. eine Reha machen (das geht auch mit Eltern, wenn das Kind ü12 ist, wenn der Arzt das attestiert, ist recht easy).

Dort wird genau an solchen Themen intensiv gearbeitet.

Ergänzung: Gibt es bei euch eine zuständige Einrichtung, die zu Absentismus berät bzw. auch Kinder betreut?
Diese arbeiten unabhängig von Schulen und Jugendamt, es kommt nur zum Austausch, wenn ihr das wollt. Dort kann man euch Eltern beraten, eure Tochter stärken, falls notwendig noch weitere Diagnostik begleiten etc.

Ihr könnt euch als Eltern unabhängig von der Schule dahin wenden.