Hat jemand hier dauerhaft nur 1 Medikament eingenommen über Jahre?

Es wurde gerad schon eine ähnliche Sicht beschrieben, wollte aber gern noch meine Wahrnehmung mit dir teilen.

Ich habe das ganz anders wahrgenommen, als ich die Wirkung gespürt habe und es plötzlich so ruhig in meinem Kopf war, dachte ich mir „Wow, so fühlt sich die Mehrheit der Menschen? Durchgehend? Von allein?“. Mit der Zeit sind mir meine Bewältigungsstrategien dann bewusster geworden. Ich finde es eher krass, dass man kämpft und es garnicht weiß und die Mehrzahl der Menschen es eben nicht muss und die Welt auch noch für die passend aufgebaut wurde. Wieso sollte ich also kämpfen müssen, wenn es ein Medikament gibt, das zumindest bedingt hilft.

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Diese Reminder und Refresher hier habe ich gerade sowas von gebraucht.

Das erdet mich bei der aktuellen Krise wieder und rückt das Bewusstsein nochmal zurecht.

Dankeee :heart:

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Du meinst vermutlich eine Geißel?

Niemals - bei anderen bin ich immer sehr verständnisvoll und auch objektiv, nur bei mir geht das nicht so richtig.

Das erinnert mich an eine Geschichte, die ich immer benannt habe, wenn es mal wieder schief ging:

Jeder Mensch bekommt vom Herrgott ein Paket von Problemen und Schwierigkeiten, die nur dieser Mensch alleine lösen kann.
Je mehr er diesem Menschen zutraut und je mehr er ihn liebt, desto größer ist das Paket.
Sehe es als einen Akt der Wertschätzung.

Meine Antwort darauf - muss der Kerl ausgerechnet in mich so verknallt sein, dass er mir gleich einen ganzen Güterzug schickt? :joy:

Ich danke euch allen für eure Hilfe mich mit anderen Augen sehen zu dürfen.

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Ja klar - Schreibfehler

Ich nehme die Medikation jetzt seid 6 Jahren , mach immer mal wieder einen Auslassversuch , der jedesmal mit der Erkenntnis endet , dass ich dankbar bin, dass es diese Medikamente gibt.
Manchmal habe ich gar Sorge , dass ich die Medikamente nicht mehr vertrage oder das eine neue Verordnung herauskommt und mir plötzlich die Medikation nicht mehr zusteht.

Trotzdem werde ich immer mal wieder Auslassversuche machen mit der Hoffnung das es ohne geht.

Das beruhigende an der Medikation ist ja , dass man ja jederzeit aufhören könnte , wenn man meint es geht jetzt ohne .

Die Medikation bietet einen sehr hohen Nutzwert mit gleichzeitiger Freiheit, weil es kein Spiegelmedikament ist (abgesehen von Amotoxin) und auch nicht abhängig macht.
Darüber stehen mir jederzeit drei Wege offen, falls sich was bei mir ändert .

  1. Dauermedikation
  2. Bedarfsmedikation
  3. keine Medikation

Es gab zwei Situationen in meinem Leben wo ich in einer sehr entspannten Situation ohne Anforderung an mich selbst und von anderen war.
Eine Situation wo man aus der Situation heraus von sich nicht erwarten muss , dass man da irgendwie was selber hinzubekommen hat und dieses an Unfähigkeit liegt.

  1. ganz entspannt ohne Medikation in der Sauna. Draußen auf der Wiese überreizten mich plötzlich das Geplätscher vom Wasserlauf ins Becken, das Gemurmel und die Geräusche der Mitmenschen.
    Ich wurde immer unentspannter und hatte zum Glück noch was unretardiertes in der Tasche. Schon nach 20min machte es plopp im Kopf und der Reizfilter beruhigt. der Tag in der Sauna gerettet.

  2. Wanderung ohne Medikation glücklich und entspannt allein in der Natur. Des Weges unsicher immer mehr abwägen von mir, wie ich weiterwandre und immer mehr Möglichkeiten füllten meinen Kopf. Zur gleichen Zeit wurde das Geplätscher vom Bach, das Vogelgezwitscher, das Flugzeug und die Holzarbeiten in der Ferne zu einer Reizüberflutung. Zugleich noch alte Schneefelder wo ich mich des Trittes der Gefahr wegen konzentrieren musste und zugleich nerviges auf dem Schneelaufgeräusch.

Zum Glück mal wieder noch in meiner Hosentasche eine vergessene unret. Tablette. Dies hatte ich dann eingenommen und mich des Wegesrand gesetzt und Pause gemacht.

Plötzlich flachte die Geräuschkulisse ab und ich konnte wieder vernünftige Gedanken fassen welchen Weg ich nun wie wähle und konnte den Rest der Wanderung genießen.

Genau diese beiden Situationen machten mir deutlich, dass ADHS in meinem Gehirn nunmal besteht und es nicht im Zusammenhang mit meinem Unvermögen irgendwelcher Anforderung oder Auslöser eines normalen Alltags besteht. Nun ja und das eben die Medikation auch allein in tiefster Natur wo keiner davon ausgeht dass es dort notwendig ist doch hilfreich sein kann.

ADHS ist ADHS und hat nicht nur zu tun mit Alltagsstress , da es nunmal rund um die Uhr , egal wie und was, und wo man grade ist besteht.

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Nelumba_Nucifera
ich danke dir sehr.

Auch das du es immer mal wieder OHNE versuchst, auch nach all den Jahren.
Du hast Recht, ich sollte dankbar sein, anstatt mich dagegen zu wehren und es als Zeitknast zu empfinden.

ADHS ist der Knast und das Medikament der Schlüssel daraus.
Das Bild gefällt mir gerade richtig gut

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Es gibt auch Situationen wo ich ganz bewusst darauf verzichte und mein ADHS Chaos mit in Kauf nehme und meinem ADHS freien Lauf lasse.
trotzdem habe ich im Hintergrund im Kopf wie dankbar ich bin das es die Medikation gibt weil ich ebenso endlich überhaupt eine Möglichkeit habe die Situation mit mehr Steuerungsfägihkeit erleben zu können .

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Moin @Jutta-F

Wenn man das Wort „abhängig“ so definiert, dass man etwas benötigt um zu funktionieren (und nicht in einem Suchtstoff Kontext verwendet), dann ja, dann bin ich von diesen Medikamenten abhängig.

Denn ohne bin ich nicht in der Lage, mich ansatzweise zu konzentrieren oder zu fokussieren…

Ähnlich wie ein Diabetiker auf sein Insulin angewiesen ist (ähnlich, nicht exakt!), braucht ein ADHSler seine Medikamente, um zumindest ein teilweise geregeltes leben führen zu können.

Btw…

Nehme jetzt seit über 16 Monaten Elvanse.
Und ich bin dankbar dafür, dass meine Psychiaterin von diesen (in meinen Augen sinnfreien) Auslassversuchen Abstand nimmt.

ADHS bleibt ein Leben lang.

Und weißt du was?
Es ist gut so wie es ist.

Dafür haben wir eine geheime Superkraft, die andere nicht haben :wink:

Superkraft - genial

Du, ohne mein ADHS (und vmtl ASS) wäre ich nicht so extrem auf Excel spezialisiert… :man_shrugging:

Ich betrachte es schon in gewisser Weise als Superkraft :wink:

Denn wie Spiderman uns einst lehrte…
„Mit großer Macht kommt große Verantwortung“ :innocent:

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Ungefähr so abhängig wie davon, regelmäßig zu trinken, essen und schlafen.
Manche brauchen halt noch was dazu. Die einen ne Brille, die anderen was zum einnehmen.

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@UlBre

Daher ja auch dieser Zusatz. Es war auf körperliche Abhängigkeit im Sinne von Entzugserscheinungen oder so bezogen. Eine Brille benötigt man auch dauerhaft im Alltag, aber man wird nicht süchtig danach. Daher fand ich deine Analogie ja auch recht treffend.

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Meine letzte Information war, dass die Symptomatik sich natürlich verbessern/ verändern kann und man dann nicht mehr auf die Medis angewiesen ist. Neuronale Plastizität und so. Die soll wohl bis ins alter möglich sein. Bin jetzt aber auch kein Neurologe und sowas, dauert natürlich dann auch lange. Weg ist’s dadurch natürlich nicht.

Aber ein kleinen Lichtblick gibt’s ja eventuell. :grin: :+1:

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Sorry, falls ich dich vielleicht enttäusche, aber die zwei Zeiträume, in denen das Gehirn sich so stark entwickelt, dass eine Gehirnentwicklungsstörung entstehen oder sich verstärken oder sich auch zurückbilden kann, sind von Zeugung bis 3 Jahre und in der Pubertät. Sie werden deshalb auch die zwei besonders vulnerablen Phasen genannt.

Klar kann sich auch im Erwachsenenalter immer noch etwas verändern. Psychotherapie kann das - aber leider nur in begrenztem Umfang.
Es gibt leider kaum Studien über die Veränderung des Gehirns durch Psychotherapie im Sinne von epigenetischen oder neuroplastischen Gehirnentwicklungsveränderungen. Faslls jemand welche kennt, ich suche danach.

Ich glaube, dass Psychotherapie eher über den Weg von Einsicht/Annahme und von Verhaltensänderungen wirkt, die beide den Stress, die Belastung und aversive Umwelterfahrungen wirken.
Das ist zwar auch neuroplastisch, aber an einer andren Stelle. Eher eine Anpassung der Software als eine Reparatur der Hardware.
Platt als Bild: bei einem Auto ist durch ADHS der Motor schief. Psychotherapie verändert nicht den Motor, sondern ist ein Fahrtraining, wie der Fahrer damit dennoch gut fahren kann.

Bei ADHs bewirken neurophysiologische Probleme einen zu geringen Dopamin- und Noradrenalinspiegel. Der wird durch Psychotherapie nicht erhöht.

Anderes Bild:
es ist anerkannt, dass Hochbegabte mit ADHS lange besser zurecht kommen und die Diagnose bei Ihnen sogar teilweise deutlich erschwert ist, weil sie zum Beispiel in der Schule, insbesondere in den ersten Klassen, unauffällig sind, weil sie keinerlei Anforderungen durch die Schule haben, denen sie nicht gerecht werden können. Es braucht da noch kein Interesse, wenn man sehr leicht lesen, rechnen und schreiben lernt.
Die Probleme kommen bei Ihnen oft erst in der Aufbauschule oder dann im Studium.
Psychotherapie ist für mich etwas, dass dem Menschen einen intelligenteren Umgang mit den Symptomen ermöglicht. Intelligenz alleine ist aber nicht ausreichend, um die Symptome zu beseitigen. Sonst kann hochbegabte ja kein ADHS haben.

Ich bin sehr gespannt, ob es dazu auch ganz andere Meinungen gibt.

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Mein Neurologe hatte mir das gesagt in Verbindung zu der Medikation, beginnt sich dann das ganze ein wenig auszugleichen… so wie ich das Verstanden habe, werden aufgrund der Medikation neue, alte Bereiche wieder mehr angesteuert und aktiver benutzt und Verbindungen geschaffen. Klar wird das nicht die ultimative Erlösung sein aber er meinte das man dann, irgendwann wieder auf die Medikation verzichten kann im aller besten Fall.

Mach mir jetzt bloß nicht die Hoffnung kaputt sonst gibt’s :adxs_aufsmaul: :grin:
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Edit: Ich habe jetzt noch nicht ganz verstanden wie du auf Psychotherapie kommst. Geht ja eigentlich um’s Medikament.

Edit 2:

So weit ich das gelesen habe gibt es bisher begrenzt Studien dazu wie sich das mit HB und Diversen Lernstörungen verhält, wollte ich noch ergänzen. Die kommen wohl nicht ganz so gut durch die Schule… aber da habe ich ebenso wenig Ahnung von wie obig. Weiß aber ehrlich gesagt jetzt auch nicht wie du darauf kommst.

Wang X, Cao Q, Wang J, Wu Z, Wang P, Sun L, Cai T, Wang Y. The effects of cognitive-behavioral therapy on intrinsic functional brain networks in adults with attention-deficit/hyperactivity disorder. Behav Res Ther. 2016 Jan;76:32-9. doi: 10.1016/j.brat.2015.11.003. Epub 2015 Nov 19. PMID: 26629933.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Verhaltenstherapie ähnliche Auswirkungen auf die Gehirnaktivität bei Erwachsenen mit ADHS haben könnte wie Medikamente, die zur Behandlung von ADHS eingesetzt werden.

Draganski B, Gaser C, Busch V, Schuierer G, Bogdahn U, May A. Neuroplasticity: changes in grey matter induced by training. Nature. 2004 Jan 22;427(6972):311-2. doi: 10.1038/427311a. PMID: 14737157.

Die war glaub ich nicht speziell zu ADHS, aber dann übertragbar.

Mongia M, Hechtman L. Cognitive behavior therapy for adults with attention-deficit/hyperactivity disorder: a review of recent randomized controlled trials. Curr Psychiatry Rep. 2012 Oct;14(5):561-7. doi: 10.1007/s11920-012-0303-x. PMID: 22878974.

Meine Notiz dazu: Kombi besser - was vermutlich heißen soll, Therapie und Medikation zusammen erzielen stärkere Effekte…

Hatte noch andere, aber finde ich natürlich in meiner Notiz App gerad nicht wieder :melting_face:

Aber dann müsste sich doch auch das Verhalten, welches sich unter Medikation ändert so auf das Gehirn auswirken dass es dann irgendwann auf ohne Medikation neu programmiert ist . und dass es dann ohne geht.

Oder aber, ich verhalte mich ab heute anders statt Medikamente einzunehmen und bald kann ich es auch so ???

Vor allem passt es für mich nicht, bei all denen , die über Jahre hinweg überkompensiert haben um sich passend zu verhalten. Das hätte dann doch auch das Gehirn dauerhaft neu trainiert haben müssen .

ADHS ist nicht nur Verhalten sondern auch eine erhöhte Wahrnehmung auf Reize die nunmal da ist , dann müsste ich ja auch trainieren können weniger zu hören , zu sehen , zu riechen.
Ich kann doch höchstens mein Verhalten verbessern in dem ich einen Umgang damit lerne und das ist bei mir auch die Hilfe der Medikation in dem ich diese einnehme. Oder hätte ich nach einer Verhaltenstherapie die Wahl zwischen Reizfilter alleine abstellen oder Medikation?

Weniger hören, weniger sehen , weniger riechen ? Das soll mir mal einer in Therapie beibringen :crazy_face:

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Also hiesse das, dass die meisten spät diagnostizierten intelligent sind?
Das bezweifel ich stark… Du müsstest die gründe kennen, weshalb die menschen sich nicht diagnostizieren lassen. Viele Ältere tun das aus Starrsinn und dem Glauben, dass sie ‚der Herr ihrer Lage‘ seien… In meiner Familie ist das zb so. Besonders die Boomer (Jahrgänge Sechziger Jahre: Meine Mutter, meine Tante) glauben, dass sie nur nicht gut und hart genug gearbeitet haben, wenn sie ein ziel nicht erreichen…

Nein, die Medikamente wirken auf die neurochemischen Ungleichgewichte von Dopamin und Noradrenalin und die bleiben ein Leben lang bestehen, auch wenn die Symptome nachlassen. Dahingehend verändert sich also nichts im Gehirn.

Das hier passt ganz gut:

(Das andere Beispiel mit der Hochbegabung nicht, aber das ist mir gerad zu anstrengend das auch einzubeziehen :sweat_smile:)

Verhaltenstherapie hat (der Studie nach) zu Veränderungen in der funktionellen Gehirnvernetzung geführt, insbesondere in Bereichen wie dem fronto-parietalen Netzwerk und dem Kleinhirn. Das fronto-parietale Netzwerk ist für verschiedene Prozesse verantwortlich, wie Aufmerksamkeit, Bewusstsein, Arbeitsgedächtnis, Executive Funktionen, Sensorische Integration (hier ist weniger hören, sehen, riechen zu verorten), motorische Kontrolle. Also eigentlich alle Prozesse, die bei ADHS Probleme machen können.

Hä, aber was ist jetzt mit dem bleibenden neurochemischen Ungleichgewicht von Dopamin und Noradrenalin?

Auch wenn VT Neurotransmitter nicht direkt beeinflusst, kann sie die neuronale Plastizität und die Funktionsweise des Gehirns modulieren. Durch bestimmte Techniken und Strategien können neue neuronale Verbindungen geknüpft, bestehende Schaltkreise umstrukturiert und dysfunktionale Muster korrigiert werden.

Ob das dann ausreicht um irgendwann ohne Medikamente und ohne Therapie auszukommen, ist sicher sehr individuell und hat verschiedene andere Einflussfaktoren wie z. B. Lebensstil und Umgebung.

Ich persönlich denke, dass noch weiter erforscht werden muss, wie genau VT auf die Gehirnaktivität bei ADHS wirkt.

Hoffe, das war hilfreich. Falls irgendwas davon als Inspo für spannende Chat-GPT Bilderu dient, markier mich gerne (wie auch immer man jmd markiert :grinning:)

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