Hat mein Psychotherapeut Fehler gemacht?

Ich bin grade im Flow….

Folgendes : Vor gut einem Jahr habe ich eine Psychotherapie durchlaufen mit insgesamt 30 Einheiten. Grund war eine Anpassungsstörung und auslösend auch ein zerstörtes Selbstbild.

Während der Therapie habe ich eigentlich wiederholt offensichtliche ADHS Symptomatik geschildert , ohne selber zu wissen, dass diese eben adhs typisch ist. Die Symptomatik wurde zum Kernthema , der Therapeut hat es aber immer anders begründet und mir nicht einmal nahe gelegt eine ADHS Diagnostik durchführen zu lassen. Rückblickend betrachtet finde ich das schon problematisch. War es einfach schlichtweg Inkompetenz/Fehler von meinem Therapeuten oder gibt es dafür auch andere Gründe​:thinking: Im Endeffekt hat mich die Therapie aber, weil ich viele Dinge unlogisch fand und dachte, dass viele seiner Begründungen auf mich gar keinen Sinn machen, überhaupt zur ADHS Diagnostik getrieben.

Glaubt ihr sowas passiert öfter :thinking: Was ist denn mit Menschen die dem verständlicherweise folgen was der Therapeut sagt und ihre Symptomatik in anderen Gründen als ADHS suchen

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Das passiert leider oft. Früher noch mehr als jetzt. Bei Mädchen/Frauen besonders oft.

Ich habe leider einige falsche Diagnosen gesammelt und hart an mir in die falsche Richtung gearbeitet. Mit viel Leid. Viele Jahre.

Ich habe Therapeuten und Psychiatern sehr deutlich und wiederholt geschildert was in meinem Kopf los ist und sogar gezielt nach Medikamenten gefragt, die mich etwas abschirmen könnten von dem was alles gleichzeitig und gleichwertig in meinem Gehirn los ist schon vor dem ersten Augenaufschlag morgens.

Der hohe Stresspegel, die innere Anspannung, die Impulsivität usw…

Als Kind vorlaut und frech und faul usw…

Nein, du bist da leider nicht der einzige. Und noch früh dran mit der richtigen Diagnose.

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Tut mir leid zu hören aber ich finde das echt fatal​:exploding_head:

Das ist ja mittlerweile eigentlich ein akzeptiertes und relativ klares Krankheitsbild, gibt es keine Schulung oder so? Zum Glück hatte ich mich dann wirklich aus Zufall mit einer ADHS befasst und dann war es mir quasi schon fast selber klar. Wieso gibt es eigentlich bei Frauen so systematische Probleme in der Diagnostik? Habe mich mit dem Thema noch nicht wirklich befasst

Bei Mädchen und Frauen findet man den typischen „Zappelphilipp“ seltener, der offensichtlicher auf ADHS hinweist.

Mädchen zappeln oft „nur“ innerlich.

Wobei ich zum Beispiel als Kind eine Draufgängerin war und kein „typisches Mädchen“

Aber damals wusste man ja generell noch nicht viel über ADHS.

Ich bin am meisten sauer auf meine Ärzte in den letzten Jahren. Die da drauf kommen hätten müssen!

Und spätestens als mein Sohn diagnostiziert wurde!!!

Das habe ich ja auch meinen Ärzten erzählt.

Da wird dann lieber noch an mir rumkritisiert, dass es anstrengend sei mir zuzuhören, da ich so rasch die Themen wechsele und so schnell sprechen würde.

Aha.

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Hallo,

du sagst selbst, deine ADHS war eigentlich offensichtlich, akzeptiert und klar - kamst aber damals nicht selbst darauf. Warum also sollte der Therapeut darauf kommen?

Ist doch irgendwie widersprüchlich.

Sorry, das habe ich natürlich provozierend formuliert. Viele Therapeutinnen und leider sogar viele Fachärztinnen sind in Bezug auf ADHS genau so Laien wie wir es vor unserer Diagnose waren. Es sollte nicht so sein, ist es aber.

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Ich war sehr lange immer wieder in Therapie, bei der gleichen Therapeutin und auch in einer Tagesklinik. Überall wurde mir Borderline, Depressionen und Angststörung diagnostiziert. ADHS hatte vor ein paar Jahren keiner auf dem Schirm. Meine Therapeutin meinte dazu, dass leider viele Symptome sehr ähnlich sind zu anderen Persönlichkeitsstörungen und die Diagnostik oft sehr schwer. Bei mir war es im Prinzip dann der „Test“ mit Ritalin - das hat so krass (positiv) gewirkt, dass es klar war.

(Auch Menschen mit entsprechender Ausbildung sind Menschen, die Fehler machen, manche Dinge nicht klar sehen oder auch überlastet sind. Ich komme damit viel besser klar, als mit Fachmenschen, die ADHS Kleinreden. Aber das ist nochmal ein anderes Thema. )

Er wird sich einfach nicht damit auskennen und das ist völlig okay. Wieso sollte er auch? Solange er nicht darauf spezialisiert ist.
Ich hab auch 1,5 Jahre Verhaltens Therapie gemacht ohne ADHS Bezug, hatte damals auch noch keine Diagnose und mein Therapeut ist auch nicht drauf gekommen.
Gegen ende der Therapie kam dann meine Diagnose. als ich ihm davon erzählte, war er überrascht. Aber er hat auch zugegeben, dass er sich 0 mit ADHS auskennt und es deswegen weder erkenne n och behandeln kann.

Naja man sollte aber als approbierter Psychotherapeut meiner Meinung nach schon die Fähigkeit besitzen Störungsbilder einzuordnen oder zumindest einen Verdacht zu äußern. Ein Psychotherapeut ist doch auch nicht auf jede Persönlichkeitsstörung einzeln spezialisiert

Ich glaube das sowas leider normal zu sein scheint, obwohl es dies niemals sein dürfte

Entweder weil adhs im Erwachsenenalter so ein wunertier sein muß oder weil alles nur in alten Denkmustern läuft

Anders kann ich es mir selbst nicht erklären

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Definitiv. Mein kleiner Bruder wurde als Kind mit ADHS diagnostiziert. Das wurde in meinen Anamnesebögen auch immer angegeben. Ich war über Jahre bei diversen Psychologen, Psychiatern, Therapeuten und hatte zwei Klinikaufenthalte.

Es standen zwar andere Dinge im Vordergrund, aber dass da trotzdem niemand auf die Idee gekommen/ihr nachgegangen ist…:woman_shrugging:t2:

Mal ganz grundsätzlich, und abgesehen von Therapeuten oder ADHS, suchen alle Menschen ja nach irgendwelchen Antworten. Und neigen auch dazu, einfache Erklärungen zu wollen.

Je nachdem was den Menschen dann zur Verfügung steht (Wissen und Beratung von Außen, aber auch eigene Ressourcen) wird die erst beste Erklärung genommen.

Unser Gehirn kommt einfach nicht damit klar, wenn ein „Bild“ unvollständig ist.

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Hier ein Text zum Thema: Medical Gaslightinhg

Jörg Dreher