Hallo zusammen,
gibt es eine eine Leitlinie, Vorgabe oä in der steht, dass eine (ausführliche) Anamnese zwingend zum Diagnostik Prozess gehört? Habt ihr da eine Quelle für mich?
Hintergrund: Ich bin inmitten der Diagnostik als Selbstzahler (ca. 1500€ in einer privat Praxis) bestehend aus
- Intelligenztest
- diversen Fragebögen (für mich + Fremdbeurteilung)
- Autismus Diagnostik (standardisierte Interview/ Fragen)
- ADHS Diagnostik (standardisierte Interview/ Fragen)
- Differentialdiagnostik (Besprechung/ Nachfrage zu den Ergebnissen eines Fragebogens)
- Termin Fremdbeurteilung gemeinsam mit einem Angehörige (steht noch aus, vermutlich auch nur Rückfragen zu den Fragebögen)
- Termin zur Befunderöffnung
Ich habe aber KEINEN extra Termin für eine ausführliche Anamnese (Lebenslauf, Werdegang oä).
Im Vorweg wurde ich grob über die Inhalte der Diagnostik aufgeklärt. Und bis zu den zwei Interview Terminen dachte ich noch, diese 2 Termine wären dazu da, den “Anamnese Part” abzudecken. Also dass hier eben nicht standard Fragen wie bei einem Fragebogen durchgearbeitet werden, sondern etwas freier die individuellen Probleme usw. besprochen werden. In dem ADHS spezifischen Termin führten diese Standard Fragen dazu, dass die Therapeutin relativ schnell an dem Punkt war zu sagen “Wenn ich Ihnen für diesen Punkt kein klares ja geben kann, dann kann ich keine Diagnose aussprechen und wir müssen den restlichen Teil auch nicht weiter durch gehen. Wollen Sie trotzdem fortfahren?”. Ich war total irritiert weil Ihre Standard Fragen in diesem Moment wirklich dazu führten, dass es sich eher so anhörte, als wenn bei mir alles total in Ordnung und im Rahmen sei. Was definitiv nicht der Fall ist - sonst würde ich ja auch nicht eine Diagnostik starten und schon gar nicht als Selbstzahler. Sie hat es mit ihren Nachfragen aber nicht geschafft die Antworten aus mir raus zu holen, die meine eigentlichen Probleme beschreiben.
Mir ist nach diesen 2 Terminen dann erst bewusst geworden, dass es keinen Termin für die Anamnese gibt und habe dies per Email als Rückfrage thematisiert. Dass ich bisher die Interviews als eben solche verstanden habe und nicht als standardisierte Befragung. Also im Grunde habe ich es falsch verstanden und Interview mit der Anamnese gleich getan. Das hat sie soweit korrigiert bzw erklärt. Dass die Termine bewusst auf standardisierten Fragebögen bestehen, damit sie eine Diagnose stellen können. Bei den Autismus Fragen wird auch eine Beobachtung mit durchgeführt, weshalb sie mir die Fragen nicht bereitstellen wollte/konnte. Die Fragen aus dem ADHS Termin hingegen habe ich nachträglich per Email erhalten. Sie hat mir in beiden Interview Terminen angeboten danach Ergänzungen meinerseits nachträglich per Email zu übermitteln. Weil ich zb bereits in dem Autismus Interview am Ende sagte, dass ich gar nicht all das anführen konnte, was ich wollte. Worauf hin sie verwirrt fragte, warum das der Fall sei. Meine Antwort darauf war, dass ihre Fragen das Gespräch ja geleitet haben und die Fragen nicht derart gestellt wurden, als das es für mich passend erschien, meine Probleme und Beobachtungen als Antwort zu geben.
Mir ist selbst aufgefallen, dass ich in den Interviews immer eher mit der Grundeinstellung “geht schon, nur manchmal, ist nicht so stark” usw geantwortet habe. Weil ich eben keine mega erheblichen Probleme habe und keine “Vollkatastrophe” bin sondern bisher alles irgendwie mit Mühe und Not hinbekomme. Was rein faktisch natürlich dazu führt, dass sie dann eher keine Diagnose aussprechen kann. Da wären wir aber aus meiner Sicht genau bei dem aktuellen Grundproblem der ganzen Diagnostik Prozesse - Masking?!
Das alles hat nun dazu geführt, dass ich natürlich absolut bedenken habe, dass am Ende eine nicht zutreffende Diagnose gestellt wird. Also habe ich ein Dokument fertig gemacht, in dem ich frei alle meine Probleme und Beobachtungen aus dem Alltag und meiner Kindheit versucht habe zusammenzufassen. Was sich natürlich als relativ schwierig gestaltet, wie ihr euch vorstellen könnt. Wenn man versucht ALLES in einem schriftlichen Dokument abzubilden, was viel besser für ein Gespräch geeignet wäre.
Ich muss an dieser Stelle dazu erwähnen, dass ich eigentlich schon die ADHS Diagnose (von einer anderen Stelle) habe und ja bereits mit Ritalin eingestellt bin. Die weitere Diagnostik habe ich wegen dem Autismus Verdacht angestoßen. Und da ich der Meinung bin, dass dies in Kombi sicher nicht einfach zu diagnostizieren ist, wenn nur Autismus beleuchtet wird, habe ich das große Diagnostik Paket “gebucht”. Und bin aktuell etwas enttäuscht und frustriert über den Verlauf. Die Diagnostik bei der anderen Stelle lief im Vergleich zu dieser eher locker - ich habe diverse Fragebögen bekommen, auch einen für eine Fremdbeurteilung. Und dann wurde ein ausführliches Gespräch geführt ohne standardisierte Fragen. In dem es um mich und meinen Werdegang ging inklusive Grundschulzeugnisse. Es war eher ein lockeres Plaudern. Und hier wurden genau die Fragen gestellt, die ziemlich schnell die “wahren Probleme” zum Vorschein brachten. Und ich nicht mit “geht schon, komme klar” geantwortet habe.
Und wenn ich bei dem ADHS Part aus Ihrer Sicht so eindeutig geantwortet habe, dass sie mit Hilfe ihrer Standard Fragebögen keine Diagnose aussprechen könnte. Will ich nicht wissen wie “verschleiert” es dann bei dem Autismus Part ist. Denn meine ADHS Themen kann man nicht von der Hand weisen. Ich habe aber trotzdem so geantwortet, als wenn alles völlig im Rahmen wäre wie bei allen anderen auch….
Wie kann ich auf diesen (fehlenden) Diagnose Part hinweisen/danach Fragen?
Meine große Angst ist, dass sich mein Gegenüber angegriffen fühlt in der Kompetenz oder was auch immer und dies die Diagnose beeinflusst. Auch wenn es rein faktisch und logisch mein gutes Recht ist, das anzusprechen und zu thematisieren. Die Befunderöffnung abzuwarten ist ein Gedanke - dann ist ihre Sichtweise aber ja schon gefestigt. Und es wäre eine Art “Reklamation”, die in der Regel ja auch nicht gut ankommt.