HILFE! Elvanse …. Bitte Erfahrungen

Hallo zusammen,

ich weiß, dass ein Forum keinen Psychiater ersetzt. Da ich Selbstzahlerin bin und jeder Termin für mich mit hohen Kosten verbunden ist, wollte ich erst einmal nach euren Erfahrungen fragen.

Ich nehme seit einer Woche 30mg Lisdexamfetamin (ratiopharm) 30 mg.

Verlauf:

  • Tag 1: war richtig gut. Ich war fast schon euphorisch.

  • Tag 2: war noch okay.

  • Tag 3 - 7 waren furchtbar

    Seitdem bin ich etwas verunsichert.

Positive Effekte:

  • Meine Konzentration und mein Fokus sind auf jeden Fall besser.
  • In den ersten Tagen war mein Kopf unglaublich ruhig – das kannte ich so gar nicht
  • Ich habe deutlich mehr geschafft als sonst, konnte besser zuhören
  • Am Abend bin ich normalerweise mental extrem erschöpft, das war unter der Einnahme gar nicht so. (Ich konnte abends zum Beispiel noch gut mit Freunden telefonieren, ohne abzuschweifen)

Nebenwirkungen:

  • leichte Kopfschmerzen
  • trockener Mund
  • Appetitlosigkeit

Ich habe die ersten Tage die Kapsel gegen 9 Uhr genommen. Weil ich abends aber kaum einschlafen konnte, nehme ich sie inzwischen schon um 5:30 Uhr.

Mein Eindruck ist, dass sie trotzdem bis in den Abend hinein wirkt bzw. im Blut ist. Die Konzentration lässt allerdings am Nachmittag (ca. ab 16 Uhr) deutlich nach.

Was mir aber wirklich Sorgen macht, ist etwas anderes:

Ich bin selbstständig und arbeite gerade daran, mir langfristig etwas Größeres aufzubauen. Ich möchte später promovieren und habe viele berufliche Ziele, auf die ich mich eigentlich immer sehr gefreut habe.

Seit der Einnahme passiert aber fast jeden Nachmittag etwas Merkwürdiges. Ich komme plötzlich ins Grübeln und habe eine Art depressive Verstimmung. Es ist keine klassische Traurigkeit, sondern eher eine latente Hoffnungslosigkeit und Gedanken wie: „Das schaffst du sowieso nicht.“ Oder ich denke plötzlich, dass meine Träume völlig unrealistisch oder absurd sind.

Das passt überhaupt nicht zu mir. Ich bin normalerweise ein sehr optimistischer Mensch und habe immer fest an meine Ziele geglaubt. Diese Gedanken hatte ich vor Elvanse nicht.

Dazu kommt noch mein Schlaf:

Vor Elvanse hatte ich zwar Einschlafprobleme, aber so gut wie nie Durchschlafprobleme. Da ich verhindern möchte. , zu wenig Schlaf zu bekommen, gehe ich um 20:30 ins Bett und schlafe meistens gegen 21:30 ein. Seit der ersten Einnahme wache ich fast jede Nacht gegen 2 Uhr auf. Danach kreisen meine Gedanken und ich kann meistens nicht mehr einschlafen. Heute Nacht war das bereits zum fünften Mal. Ich hab sehr wilde Träume und wache dann mitten im Traum auf.

Heute Morgen habe ich um 5:30 Uhr die Kapsel genommen und mich danach noch einmal hingelegt. Ich bin überraschend schnell wieder eingeschlafen und habe bis etwa 7:30 Uhr geschlafen. Obwohl ich merke, dass Elvanse wirkt, bin ich den ganzen Tag extrem müde und fühle mich körperlich ausgelaugt und traurig.

Deshalb meine Fragen an euch:

  • Hattet ihr am Anfang auch so eine depressive Verstimmung oder Hoffnungslosigkeit?
  • Kann das mit Schlafmangel zusammenhängen?
  • Ist das etwas, das sich nach der Eindosierung wieder legt?
  • Kann so etwas auf eine zu niedrige oder vielleicht sogar zu hohe Dosierung hindeuten, oder lässt sich das gar nicht so pauschal sagen?
  • Kennt jemand diese dauernde Müdigkeit trotz Elvanse?

Wenn diese Verstimmung so bleibt, macht mir das ehrlich gesagt große Sorgen. Ich habe Angst, dass ich irgendwann aufgebe und dadurch meine beruflichen Ziele gefährde. Das wäre für mich wirklich schlimm….

Ichaa freue mich über jede Erfahrung.

Also aufjedenfall sollte das nicht so sein.

Ich tippe darauf das 30mg aktuell noch zu viel sind. Vor allem die Unruhe beim schlafen klingen nach zu hoher Dosis,.

Auch das es am ersten Tag top war und dann schlechter wurde, sieht man häufig bei einer Überdosierung, aufgrund des steady state.

Ich würde eine Woche 20mg empfehlen.

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@hypo Danke dir für deine Einschätzung! Ehrlich gesagt kenne ich mich mit der Dosierung und Themen wie dem Steady State noch kaum aus. Ich werde mich dazu auf jeden Fall mal einlesen.

Ich habe die letzten Tage – und vor allem Nächte :sleeping_face: – sehr viel hier im Forum gelesen und war zwischenzeitlich sogar eher überzeugt, dass ich vielleicht unterdosiert bin. Umso spannender finde ich jetzt deine Einschätzung.

Ich könnte meinen Psychiater mal kontaktieren und nach 20mg Kapseln fragen. Die brauche ich zum hochdosieren später wahrscheinlich eh…

Ich habe generell das Gefühl, dass ich auf Medikamente oft sehr lange bzw. sehr stark reagiere. Ich weiß nicht, ob das etwas mit der Verstoffwechselung zu tun hat …

Ein Beispiel ist Vomex…Viele werden davon wohl einfach etwas müde. Bei mir wirkt eine Tablette wie ein Schlafmittel. Ich bin dann kaum noch wach zu bekommen und die Müdigkeit hält oft sogar noch den ganzen nächsten Tag an.

Vielleicht ist das bei Lisdexamfetamin ja auch relevant? Ich kenne mich damit leider noch nicht gut genug aus.

Gerne. Bzgl steady State einfach mal bei der Lupe eingeben, da findest du viel dazu :slight_smile:

Und das es sich wie eine Unterdosierung anfühlt, ist verständlich. Das liegt oft daran, weil der schlaf zu wenig oder schlecht war.

Hatte das auch schon oft, das eine Dosis sich erst gut angefühlt hat, ich dann aber weniger schlaf bekommen hab, und das dadurch die Vorteile verschwunden sind

Ja, oder falls es dauert mit neuem Termin, kannst du auch eine 30mg Kapsel in Wasser auflösen, und daraus 20mg bekommen.

Wie das funktioniert siehst du im Video. Die Methode wird hier auch oft genutzt

@hypo Danke dir! Das werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren.

Ich hoffe wirklich, dass es sich irgendwann bessert. Der Zustand ist echt ungut und beeinflusst meinen Tag sehr… Ich vertraue mir selbst nicht mehr, weil ich nachmittags und nachts so stark am Grübeln bin und das überhaupt nicht von mir kenne. :confused:

Methylphenidat Retard habe ich auch schon mal probiert… (off Label) da fand ich den rebound abends unangenehm und wollte erstmal Elvanse probieren.

Hattest du ähnliche Symptome bei der Eindosierung? Und verschwindet das wieder???

Also bei den meisten Menschen die mit Elvanse beginnen treten erstmal Nebenwirkungen auf und es dauert bis man die passende Dosis gefunden hat.

Ob sich das mit dem Schlaf, was ich bei dir grade als Hauptproblem sehe bessert, kann ich dir nicht versprechen. Theoretisch könntest du auch noch abwarten mit den 30mg, bei manchen bessert der Schlaf sich auch erst nach einigen Wochen. Ich persönlich habe das nie lange durchgehalten, weil ich bei Schlafmangel ziemlich Probleme bekomme.

Allerdings bist du ganz am Anfang bei der Eindosierung und es gibt bisher keinen Grund zur Sorge.

Es kann gut sein, dass du einfach niedriger starten musst, und du langsam steigerst, oder vielleicht sogar eine niedrigere Dosis gut passt.
Da hilft nur ganz viel Geduld und ausprobieren.

Auf koffein verzichtest du komplett?

Ja ich hab eh nie Kaffee getrunken und muss daher nicht verzichten.

Das einzige, was etwas schwierig geworden ist, ist natürlich das Essen… da muss ich noch stark kämpfen, um was reinzubekommen. Auf Trinken achte ich aber sehr und versuche auf meine 2-3 Liter zu kommen.

da ich die Pille durchnehme, hab ich auch da nie Stimmungsschwankungen oder Probleme. Aber diese negativen Gedanken sind schon unangenehm. Ich weiß aktuell nicht ob das ich bin oder ob das die Medikamente sind.

Ne ganz blöde Frage: "Hast du jemals den Beipackzettel mit den Nebenwirkungen gelegen?
Hast du mal das Thema Schlaf bei Eindosierung Stimulanzien in eine Suchmaschine gegeben und dir die Antworten durchgelesen?

Die erste Zeit schlaflos oder fast schlaflos ist eher sehr typisch für Stimulanzien und verschwindet eher erst der körperlichen Gewöhnung nach einer Dosiserhöhung kann das dann wieder viel schlechter werden.

Wie oft ißt du vor und nach der Einnahme von Elvanse?

Bist du sicher das diese schlechten/ komischen Gedanken nicht mit zu lange nichts gegessen und ggf. im Beginn der Unterzuckerung?

Der Körper braucht auch ohne Hunger regelmäßige Mahlzeiten und Kalorien mit Stimulanzien eher mehr statt weniger Kalorien weil er gerade am Anfang sehr viel mehr verbrennt

Sollte davon nichts helfen wird wohl eher eine Erhöhung mit dem Arzt besprochen werden müssen wenn er dir keine Range mit Erhöhungsintervallen gesagt/ erlaubt hat

Hey Kathy,

Das mit dem Schlaf war mir durchaus bewusst.:see_no_evil_monkey: Mir geht es darum, zu erfahren, ob es mit der Zeit besser wird…. Wenn es so wie jetzt für mehrere Monate anhält, halte ich das auf keinen Fall durch. Ich hab eh schon große Probleme mit dem Einschlafen und sorge zumindest dafür, DASS ich einschlafen kann, indem ich eine gute Abendroutine habe. Nur wenn ich dann jede Nacht um 2 Uhr hellwach bin, ist das auf Dauer zu viel Belastung.

Ich esse morgens mittlerweile nach der Einnahme gegen 8:00 Uhr was. Proteinreich und sehr ausgewogen. Auf Trinken achte ich auch.

Die negativen Gedanken ist das, was mich am meisten besorgt. Ich möchte keinesfalls in Depressionen abrutschen, oder was mitschleppen, was ich irgendwann nicht mehr los werde. Ich hatte noch nie so negative Gedanken in Bezug auf meine Träume und berufliche Laufbahn und gerade in Bezug auf Promotion wäre das fatal, wenn ich das aufgeben würde, nur weil ich ADHS Medikamente nehme…. Ich bin halt etwas verzweifelt aktuell, weil ich eh schon so Hoffnungslos innerlich bin… Ich hoffe einfach, das wird bald besser.

Hallo Berfuchs,

fast alles an deiner Beschreibung kommt mir sehr bekannt vor. Außer, dass ich die depressiven Verstimmungen nicht erst seit der Eindosierung hatte (heute sehe ich diese als Symptom der ADHS). Die Verstimmungen gingen mit der Zeit der Eindosierung aber deutlich zurück.

Meine Eindosierung (noch im Gange): Ich habe mit 30 mg im März begonnen und bin mittlerweile bei 70 mg (könnte jetzt aber zu viel sein). Das Megagefühl am ersten Tag hat sich so nie wieder eingestellt und die Tage danach waren kacke. Zwischendurch gab es Dosen bei denen ich einige Wochen Kopfschmerzen hatte. Ist mittlerweile aber komplett weg. Ich dachte auch oft, dass ich schon überdosiert bin und war über lange Strecke der Eindosierung frustriert. Irgendwann habe ich aber insbesondere in der Rückschau gecheckt, dass das Medikament eher subtil seine Wirkung zeigt. Mit zunehmende Dosiserhöhung bin ich deutlich stabiler im Umgang mit Menschen geworden, kann Dinge durchziehen und Spaß dabei haben. Habe abends noch Energie für meine Kinder, etc.

Zum Schlaf: Anfangs habe ich besser geschlafen wie schon lange nicht mehr, hatte zu Beginn der Eindosierung aber nicht mehr Energie über den Tag und war eben auch viel müde. Und vor ca 3 Monaten haben Durchschlafprobleme begonnen (einschlafen kann ich weltmeisterlich). Ich wache auch regelmäßig ca 2 Uhr nachts auf und habe dann allerdings eher restless legs als Gedankenkino. Das hatte ich früher phasenweise schon, aber nicht so beständig wie aktuell. Interessanterweise hatte ich gute Nächte, wenn ich über den Tag eine leichtere zusätzliche Dosis eingenommen hatte (allerdings nicht immer). Teils nerfen mich die Durchschlafprobleme hart und teilweise denke ich mir „scheiß drauf“. Ich bekomme aktuell mit weniger Schlaf wie ich es gewohnt war mehr auf die Reihe. Womöglich war das ADHS früher so Kräfte zährend, dass ich mehr Schlaf gebraucht habe, als mit medikamentierter ADHS nötig ist. Ich will dazu aber kein abschließendes Fazit ziehen.

Zu deiner depressiven Verstimmung: Die könnte bei dir mit der Zeit ja auch wieder nachlassen und aktuell eine Nebenwirkung der Eindosierung an sich sein und weniger überdosisabhängig. Ohne weiteres Dranbleiben an der Eindosierung wirst du es aber nicht herausfinden :wink:

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Hey @Bergfuchs und willkommen im kreis der eindosierenden :slight_smile:

Ich bin aktuell in Woche 5, weiterhin mit 20mg.

Da es mir darunter eigentlich ziemlich gut geht, ich aber immer ein Mega Loch am Nachmittag und nachts (auch mitten in der Nacht!) hatte, nehme ich 2x am Tag 20mg.

Das mit dem Schlaf fühle ich total, habe mir die letzten Jahre eine super Routine aufgebaut, konnte gut ein- & auch durchschlafen, konnte die ersten 2 Wochen aber mega schlecht schlafen, bin nachts teilweise mehrfach wach geworden und hatte auch mit ganz schön starken dröhnenden Kopfschmerzen/Druck im Kopf zu kämpfen.

Ich kann nur von mir sprechen, aber nach 2-3 Wochen haben sich, bis auf Appetitlosigkeit, alle Nebenwirkungen vollständig eingestellt. Der Schlaf wurde besser & ich wurde teilweise zwar noch wach, aber nur 1x in der nach, wenn überhaupt.

Um das Nachmittagsloch zu überbrücken haben wir dann auf 2x 20mg (7:30 und ca. 15:00) umgestellt - seitdem schlafe ich so viel besser, bin nachmittags entspannter & habe sogar abends Energie für Unternehmungen und so!

Ich kann dir nur raten, dran zu bleiben & nicht nur auf eine höhere/niedrigere Dosis zu schauen, sondern auch vielleicht auf eine mehrfache oder aufgeteilte Dosis zu schauen (zB vormittags höher, nachmittags niedriger). Ich wurde einfach immer nach wirkende total müde & dann unruhig, das gleiche passiert jedoch auch, wenn ich zu lange nichts gegessen habe. Da vielleicht auch nochmal schauen, dass du regelmäßig kleinere , aber sättigende Portionen zu dir nimmst (Vollkorn, Proteine)!

Dran bleiben und, wenn du einen guten Arzt hast, weiter probieren, es dauert! :slight_smile:

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Ich wollte mal wieder ein Update geben, Stand heute, 07.09.

Ich nehme weiterhin 30 mg Elvanse und bin ehrlich gesagt immer noch ziemlich verzweifelt damit.:confused:

Erst einmal zu dem, was tatsächlich besser geworden ist:

Meine Schlafprobleme habe ich zum Großteil in den Griff bekommen. Ich schlafe mittlerweile nur noch mit Schlafmaske und Loop-Ohrstöpseln und das war für mich wirklich ein absoluter Gamechanger. Ich wache nachts deutlich weniger auf und mein Schlaf ist insgesamt besser geworden.Das war es allerdings leider auch schon mit den wirklich positiven Veränderungen.

Großstädte + Einkaufen: RIEEEESEN Unterschied. Vorher war ich davon so erschöpft mental und konnte dann den ganzen Tag nicht klar denken, war einfach Matsch in der Birne. Ich habe kürzlich Urlaub in Paris gemacht für 1 Woche. Undenkbar früher! Ich war abends noch voll klar im Kopf und hatte keine Probleme mit mentaler Erschöpfung! Absoluter Jackpot und Riesen Unterschied. ABER ich war nicht alleine dort! In Gesellschaft sind die unten beschriebenen Symptome weniger stark ausgeprägt, wie wenn ich mit meinen Gedanken alleine bin….

Appetit

Mein Appetit war zwischendurch etwas besser, ist mittlerweile aber wieder kaum vorhanden. Ich versuche das mit Eiweißshakes aufzufangen und esse generell einfach das, worauf ich gerade irgendwie Lust habe. Früher habe ich wahnsinnig gerne gekocht, gerne gegessen und eigentlich immer Lust auf Essen gehabt. Das fehlt mir schon sehr. Es ist weiterhin ein Problem, aber momentan nicht einmal das Problem, das mich am meisten belastet.

Müdigkeit

Die Müdigkeit ist unterschiedlich. An manchen Tagen ist sie stärker, an anderen weniger.

Antriebslosigkeit

Was mich mit Abstand am meisten belastet, ist meine extreme Antriebslosigkeit. Vor Elvanse hatte ich NIE ein Problem mit Antrieb oder Motivation. Im Gegenteil. Ich war eigentlich immer fröhlich, hatte ständig Ideen und wenn ich eine Idee hatte, hatte ich meistens sofort richtig Bock darauf. Typisch ADHS eben. :sweat_smile:

Mein Problem war nie: „Ich will nichts machen.“

Mein Problem war eher: Ich will 20 Dinge gleichzeitig machen, fange fünf davon an, verzettele mich, kann mich schlecht sortieren oder bringe Dinge nicht vernünftig zu Ende.

Gleichzeitig hatte ich eine starke innere Unruhe. Die ist mit Elvanse tatsächlich deutlich besser geworden. Aber ich habe mittlerweile das Gefühl, dass zusammen mit dieser Unruhe auch ein riesiger Teil meines Antriebs verschwunden ist.

Ich weiß, dass hier häufig gesagt wird, dass Elvanse keine Motivation erzeugt und dass man nicht erwarten sollte, plötzlich motiviert zu sein. Das erwarte ich überhaupt nicht.

Meine Frage ist eher: Was ist, wenn die Motivation vorher da war und DURCH das Medikament plötzlich verschwindet?

Ich habe einmal einen Tag pausiert und am nächsten Tag hatte ich plötzlich richtig Lust, mein Haus zu putzen, Wäsche zu machen, Dinge zu erledigen und einfach aktiv zu sein. Ich hatte an diesem Tag zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder das Gefühl: „Da bin ich wieder.“ Aber ich war halt einfach super unkonzentriert und konnte meine Gedanken kaum klar sortieren.

Weitere Diagnose

Ich habe zusätzlich Asperger und Struktur und Ordnung sind für mich normalerweise extrem wichtig. Ich sauge regelmäßig, wische, wasche meine Wäsche und ja, ich mache solche Sachen tatsächlich gerne. :sweat_smile: Ordnung macht mich glücklich und gibt mir Ruhe.

Seit Elvanse fühlt sich selbst das plötzlich wie eine riesige Last an.:sob:

Ich sehe mittlerweile teilweise, dass ich eine Woche nicht gesaugt habe und es macht mich gleichzeitig verzweifelt, sauer, unglücklich, aber ich bekomme mich trotzdem kaum dazu, es zu machen. Früher wäre das undenkbar gewesen.

Ich muss mich inzwischen zu fast allem zwingen und bin dabei total emotional und gefrustet. So kenne ich mich NULL! Das war noch nie ein Thema von mir :pensive_face:

Die eigentliche positive Wirkung von Elvanse kann ich mittlerweile teilweise kaum noch beurteilen. Ich weiß gar nicht, ob meine Konzentration besser ist oder nicht, weil ich teilweise so wenig Antrieb habe, dass ich stundenlang auf dem Sofa liege und auf Instagram scrolle.

Und selbst DAS mache ich nicht fokussiert oder weil es mir Spaß macht. Mich stresst es extrem… hochkonzentriert auf dem Sofa zu liegen und an nichts mehr Freude zu haben und zusätzlich Tinitus die ganze Zeit im Kopf zu hören.

Manchmal habe ich zusätzlich diese negativen Gedanken, die ich schon einmal beschrieben hatte, manchmal sind sie wiederum gar nicht da….die kommen aber in der Regel dann, wenn ich alles andere wieder nicht hinbekomme. Ich fühle mich ein bisschen wie jemand, der plötzlich im Rollstuhl sitzt und vorher Marathon gelaufen ist.

Einen klassischen Rebound nehme ich eigentlich nicht wahr. Die Antriebslosigkeit beginnt bei mir eher zusammen mit der Wirkung und ist dann einfach da. Sie kommt nicht erst am Nachmittag.

Ich werde jetzt auf jeden Fall wieder einen Termin bei meinem Psychiater machen und hoffe, dass wir irgendwie herausfinden können, was da passiert.

Allerdings habe ich leider nicht den Eindruck, dass er besonders viel Erfahrung mit Elvanse hat. Ich hatte ihn zum Beispiel gefragt, ob ich bei der Einnahme irgendetwas beachten sollte und seine Antwort war sinngemäß: „Meines Erachtens gibt es da nichts zu beachten.“

Ich selbst kann überhaupt nicht einschätzen, ob ich vielleicht unterdosiert oder überdosiert bin oder ob Elvanse einfach nicht das richtige Medikament für mich ist. Ich spüre mich selbst kaum noch und kann das gerade nicht so richtig einschätzen.

Ich habe zwischendurch auch einmal ungefähr 40 mg über die Spritzenmethode ausprobiert, aber dabei keinen nennenswerten Unterschied festgestellt und es wieder gelassen.

Denn beim Arbeiten am Laptop ist Elvanse weiterhin eine große Unterstützung. Gleichzeitig habe ich mittlerweile Angst, dass ich es irgendwann komplett aus meinem Leben streichen muss, damit ich mich wieder wie die „Alte“ fühle.

Deshalb würde mich wirklich interessieren, ob jemand von euch etwas Ähnliches erlebt hat:

Nicht dass Elvanse euch „nicht motivierter“ gemacht hat, sondern dass ihr VORHER sehr viel Motivation, Lebensfreude, Lust auf Aktivitäten und Antrieb hattet und genau das unter Elvanse plötzlich deutlich weniger geworden oder fast komplett verschwunden ist.

Gab es bei euch irgendwann eine Erklärung dafür? War die Dosis falsch, war es einfach das falsche Medikament oder hat sich das mit der Zeit noch verändert?

Ich bin langsam wirklich ratlos und hoffnungslos.:pensive_face:

Trauriger Bergfuchs

Hey du!

Ach Mensch, es tut mir sehr leid, dass es dir damit so schlecht geht!

Ich kann viele Dinge nachvollziehen, bin aber selbst nicht von Autismus betroffen und kann dahingehend wenig zu sagen :slight_smile:

Appetit

Ja leider ist das ein großes und weit verbreitetes Problem mit Amphetaminen. Mir hilft eine feste ess-Routine und nicht klassisch 3 Mahlzeiten, ich zB esse 4-5x am Tag, dafür kleinere Portionen, Snacks (in meinem Fall zB. 9:30/11:30/13:15/snack 15:00/18:30) - Da musst du einfach rumprobieren, was am besten zu dir passt :slight_smile:

Zu Schlaf und Müdigkeit.

Ich habe am Anfang, als ich 20mg nur morgens genommen habe, super schlecht geschlafen, war ab mittags (12:00) nur müde und ab 16/17 Uhr so stark, dass ich schlafen musste und abends war ich dann aufgedreht und mega unruhig. Beide Probleme sind mit der Zeit etwas besser geworden, aber nie komplett weg. Später, als ich dann morgens und nachmittags (so 14/15uhr, 1h vor Rebound) 20mg genommen habe, habe ich gemerkt, wie ruhig und entspannt ich plötzlich bin und wie gut ich, vor allem durch die dann länger anhaltende innere Ruhe, schlafen kann.

Antriebslos/„unmotiviert“ sein

Das kann ich am meisten nachvollziehen. Ich war vor Elvanse genau so. Super viele Ideen, am liebsten alles gleichzeitig, super kreativ etc.

Ich habe ein Fehlen dieser Dinge vor allem in den ersten ca. 4 Wochen der Einnahme bemerkt. Ich hab mich antriebslos und unmotiviert gefühlt. Mein (neuer) Psychiater erklärte mir, dass das durchaus von einer Über- aber auch Unterdosierung kommen kann (scheinbar schwer zu differenzieren manchmal). Seitdem ich jetzt (seit ca. 3 Wochen) hochdosiere (aktuell 30mg 2x täglich, ab morgen 40mg morgens, 30mg nachmittags) merke ich, dass dieser „fröhliche und kreative Teil“ noch mehr zurückkommt.

Ich würde trotzdem sagen, dass mich selbst zu reflektieren mit am wichtigsten war. Natürlich bin ich mit Elvanse „anders“. Ich bin ruhiger, hab klare und vor allem bewusste Gedanken, kann besser priorisieren, dafür aber eben keine spontanen Ideen, super Mega große Unternehmenslust. Habe mich aber auch gefragt, wer ich eigentlich überhaupt bin und - viel wichtiger - wer ich eigentlich sein will. Ich habe für mich reflektiert, das beide „Ich“ gut sind, aber für unterschiedliche Dinge. Ich bin im Urlaub oder Wochenende gerne lustig, laut, verrückt, ideenreich. Unter der Woche hilft mir aber der klare Kopf, ich möchte gerne strukturiert(er) und konzentrierter sein.

Ich glaube, es braucht einfach Zeit sich mit dem „neuen Ich“ (zumindest habe ich es so erlebt) auseinanderzusetzen. Ich habe mein Leben lang anders gedacht, gefühlt & gehandelt, was eben plötzlich ganz anders (gut) ist, vielleicht auch mit Ängsten oder Unbehagen (weil anders, neu) verbunden ist und das kann man nicht in 2 oder 6, 7, 8… Wochen begreifen. Damit muss man einfach, so glaube ich, umgehen lernen! :slight_smile: Also nur Mut!

Hinsichtlich meiner Erfahrungen will ich dich gerne dahingehend ermutigen, dran zu bleiben, es braucht einfach Zeit, Geduld und viel viel ausprobieren, aufschreiben/dokumentieren (siehe eindosierungshilfe) (!!!), vergleichen.

ggf. Kann man auch nochmal weiter hochdosieren oder vielleicht auch eine noch niedrigere Dosis als die initiale Dosis auszuprobieren oder eben ein ganz anderes Medikament ausprobieren. Man könnte, wenn möglich, auch schauen, ob man sich eine zweitmeinung von einem anderen Psychiater einholt (war bei mir Goldwert)

Es gibt einige Artikel darüber, und auch mein Psychiater erzählte etwas dahingehend, dass u.U. Bei Autismus (habe hier nun keine Erfahrung, da nicht betroffen) auch sehr geringe Dosen (im Bereich 5-20mg) eine ausreichende und bessere Wirkung haben können (ist jetzt kein fundiertes Wissen meinerseits, aber ich glaube es gibt dazu auch einen guten beitrag im Forum).

Ich weiß, wie schwer es sein kann, bin auch gerade mittendrin und hoffe, bzw. Bin sicher du findest eine passende Dosis/medikament/medikamentenkombi, wenn du dran bleibst! :smiling_face_with_three_hearts:

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@Bergfuchs nach deinem Update scheinen unsere Grundvoraussetzung deutlich andere zu sein. Trotzdem ein Update zu deinem Antriebs-/Lebensfreudethema meinerseits.

Zuletzt hatte ich 80 mg Elvanse täglich für 2-3 Wochen getestet und ebenfalls bemerkt, dass ich wieder unglücklicher und antriebloser wurden. Ich habe auch wieder schlechte geschlafen, was sicher einen Teil dazu beiträgt. Bei zuvor 70 mg hatte ich schon den Eindruck, dass es zu viel sein könnte. (Manchmal wird allerdings berichtet, dass beim Eindosieren nach einer schlechteren Dosis wieder eine noch bessere folgt. Daher mein Test mit 80 mg). Jetzt fahre ich die Dosis wieder langsam zurück.

Daher kann ich mir bei dir die These von @hypo einer Überdosierung bei 30 mg, speziell mit Autismus, gut vorstellen (mit Null medizinischer Fachkenntniss wohlgemerkt :wink: ) Hoffentlich findest du bald den richtigen Ansatz für deine Eindosieren, bevor deine Verzweiflung deine mögliche Medikamentierung sabotiert :slightly_smiling_face: