Ich bin immer noch am Eindosieren von Elvanse (bzw. LDX Generikum) und bin mir nicht sicher, wie ich die Wirkung einschätzen soll bzw. ob ich noch höher dosieren müsste.
Also, ich nehme LDX jetzt schon seit Juni, erst 30 mg, dann im September höher dosiert auf 40 mg. Insgesamt spüre ich definitiv eine Wirkung: Ich bin klarer im Kopf, wacher, aufmerksamer, geordneter, ruhiger, geduldiger, die Stimmung ist insgesamt besser, emotionale Regulation funktioniert besser, mehr Antrieb, mehr Motivation.
Was mich allerdings noch beschäftigt, ist, dass ich zwar mehr Antrieb und Motivation habe, aber irgendwie es nicht schaffe, das zu steuern. Um es salopp auszudrücken: Seit ich LDX nehme, ist meine Küche blitzblank und der Haushalt macht sich super und ich schaffe den Alltag mit Terminen und Kinderversorgen super, aber meine Arbeit für meinen Beruf bleibt liegen. Ich bin freiberuflich selbständig und habe mir zum Glück ein finanzielles Polster angearbeitet, sodass ich durch eventuelle Arbeitspausen keine Schwierigkeiten habe, aber das bedeutet auch, dass ich gerade wenig (zu wenig?) Druck verspüre, mich hinter meine geplanten Projekte zu klemmen.
Ich schaffe es halt echt nicht, den Antrieb und die Motivation, die ich habe, gezielt zu lenken, sondern gehe da leider eher nach spontanem Gefühl, und oft verspüre ich eben einen stärkeren Drang die Küche aufzuräumen und die Wäsche zu machen als mich in mein Büro zu setzen und an meinen Projekten zu arbeiten (ich habe auch festgestellt, dass es mir psychisch besser geht, wenn das Haus – vor allem Küche – aufgeräumt und sauber sind). Ich habe unglaublich viel Elan, den Haushalt und andere Side Quests zu machen, d.h. ich sehe da auf jeden Fall eine Wirkung vom LDX (denn vorher war ich durch jahrzehntelang unerkanntes ADHS einfach so dauererschöpft und auch verzettelt, dass ich das meistens kaum geschafft habe).
Ich denke, das könnte auch damit zu tun haben, dass das Projekt, das ansteht, sich gerade in einer schwierigen Phase befindet und mein Hirn da unterbewusst blockiert, weil das Projekt eben mehr Arbeit und Anstrengung erfordern würde als die Alltagsorganisation. Es ergibt ja Sinn, dass das Gehirn da eher den Weg des geringsten Widerstandes geht und sich Aufgaben zuwendet, die leichter sind.
Generell komme ich aber morgens auch einfach schlecht in die Gänge im Sinne von mit meiner Routine fertig werden und dann bewusst mit dem Arbeiten anfangen – und das mit LDX. Ich nehme es gleich nach dem Aufstehen, mache dann Sport, dann die Kinder fertig für Kita und Schule, und bis die alle aus dem Haus sind und ich wieder daheim und dann gefrühstückt und geduscht habe, wirkt das LDX auf jeden Fall schon, und trotzdem trödele ich in den letzten Schritten (Frühstück, Duschen, mich selbst fertig machen) einfach jedes Mal und kannibalisiere meine Arbeitszeit.
Und jetzt bin ich unsicher, ob ich vielleicht immer noch unterdosiert bin, ob eine höhere Dosis da mehr Selbstorganisation/Zeitmanagement ermöglichen würde, oder ob ich hier in dem Fall vielleicht eher mit Coaching/Verhaltenstherapie oder sonstigen Maßnahmen arbeiten müsste. Denn mir ist auch klar, dass Medikamente nicht alle Probleme lösen und alle ADHS-Symptome magisch weghexen, sondern eher den Boden bereiten dafür, dass man noch weitere Strategien anwenden kann, um die Symptome besser zu managen.
Ich weiß nicht, vielleicht gibt es hier ja andere, die ähnliche Probleme hatten und mir Tipps geben könnten?
Zu mir: Ich bin weiblich, wiege knapp unter 50 kg und hätte dadurch mit 50 mg LDX ja auch schon die Grenze meiner individuellen Höchtsdosis erreicht, zumindest laut meiner Psychiaterin. Sie meinte, die Dosis sei ja an das Gewicht gekoppelt. Also könnte ich dann eh nur noch von 40 auf 50 mg hochgehen und dann wäre Schluss …