Hallo,
ich lese hier schon länger mit und habe mich vor kurzem hier angemeldet, da mich das letzte Gespräch im SPZ etwas verwirrt zurück gelassen hat.
Im SPZ vorstellig wurden wir im November 2023 kurz nach der Einschulung unseres Sohnes aufgrund von Impulsivität (laut werden, Schimpfwörter), Unkonzentriertheit (schafft die Aufgaben nicht in der Schule) und „nicht sitzen bleiben können“, reinrufen statt melden. Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme mit anderen Kindern. Unser Sohn war und ist nicht gewalttätig, aber in der Steuerung seiner Gefühle nicht sehr gut, rhetorisch dafür sehr auf Zack.
Wir haben die Probleme in der Schule sofort ernst genommen, da es zuvor bereits Schwierigkeiten im Kindergarten gab, die wir uns zunächst mit der schwierigen Situation während der Pandemie erklärten. Als die Schwierigkeiten in der Schule weitergingen, war es allerhöchste Eisenbahn zu handeln.
Beim ersten Termin im SPZ wurde ein IQ- Test mit ihm gemacht. Alle Bereiche außer Verarbeitungsgeschwindigkeit und Arbeitsgedächtnis waren an der Grenze zur Hochbegabung. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit dafür unterdurchschnittlich (79). Zwischen der Verarbeitungsgeschwindigkeit und den anderen Punkten lagen zwischen 40 und 50 Punkte.
Im weiteren Verlauf wurde nach Verdacht die gesicherte Diagnose AD(H)S gestellt und deckte sich auch mit dem was wir Zuhause beobachteten.
Zunächst waren wir gegen eine medikamentöse Einstellung (Horrorgeschichten usw. die sich hartnäckig halten). Unser Sohn ging und geht noch einmal die Woche zur Ergotherapie und einmal die Woche zur Verhaltenstherapie (seit dem zweiten Schulhalbjahr der ersten Klasse).
Einiges verbesserte sich. Wir mussten ihn kaum mehr früher abholen. Vor allem weil er eine neue Klassenlehrerin bekam, die sehr unaufgeregt und trocken (ohne seine Ausbrüche auf sich selbst zu beziehen) mit ihm umging. Im schulischen Rahmen arbeitet einmal die Woche noch eine Dame vom Beratungs- und Förderzentrum mit ihm. Er ist Teil der Klasse. Hat Freunde in der Klasse gefunden, mit denen er sich auch regelmäßig außerschulisch trifft. Seine neue Klassenlehrerin und die neue Deutschlehrerin sind im schulischen Alltag sehr wichtig für ihn.
Aber die Unkonzentriertheit (und Impulsivität/war aber das kleinere Problem) blieb. Obwohl er eine hausaufgabenfreie Schule besucht, brachte er fast jeden Tag Hausaufgaben mit. Wir holten Zuhause alles nach.
In der zweiten Klasse kamen die ersten Klassenarbeiten und direkt eine 4 (Deutsch) und 6 (Mathe), trotz dass er die Inhalte außer Rechtschreibung vollständig durchdrungen hatte (Zeugnis, Lernentwicklungsgespräch). Nach Gewährung des Nachteilsausgleich (was uns bald wieder entzogen werden soll), welches beinhaltet, dass die Dame vom BFZ bei den Klassenarbeiten in einem separaten Raum mit ihm schreibt und er statt 25 min- 45 min Zeit hat, waren alle schriftlichen Zensuren bei 1.
Laut dem letzten Lernentwicklungsgespräch ist er dennoch versetzungsgefährdet, weil er im Arbeitsverhalten und im mündlichen auf 5 steht. Er muss jetzt im Unterricht mitarbeiten, sowohl schriftlich als auch mündlich. Wir haben große Sorge vor dem Zurückstellen weil er seine tolle Lehrerinnen und seine Klassengemeinschaft verlieren würde. Seine Lehrerinnen haben Angst dass ihm dann noch langweiliger im Unterricht sei. Eigentlich zählt er zu den leistungsstärksten in der Klasse, mache aber nur mit, wenn das Thema seins ist.
Nach langer Recherche, Rücksprache mit den Therapeutinnen und Lehrerinnen entschieden wir uns für eine medikamentöse Einstellung und standen und stehen voll dahinter. Der Arzt der uns bei dem ersten Gespräch die Medikamente angeraten hatte, sagte plötzlich wir sollten uns nicht zu viel von den Medikamenten erhoffen, wohl zeige unser Sohn AD(H)S- Symptome aber die Diskrepanz zwischen den IQ-Werten weise darauf hin, dass die Medikamente bei ihm wahrscheinlich nicht gut anschlagen würden, denn diese Diskrepanz sei eher untypisch für AD(H)S.
Und an der Stelle meine Frage an das Forum:
Stimmt das? Was sagen eure Erfahrungen?
Ich bin wirklich jedem dankbar, der diesen Threads vollständig gelesen hat und uns antwortet.
LG Artemis
Nachtrag Ein Dosierungsplan
Woche 1: 5mg Ritalin unretadiert
Woche 2: 10 mg Ritalin unretadiert
Woche 3: 15 mg Ritalin unretadiert (aktuelle Woche)
Woche 4: 20 mg Ritalin unretadiert
Von der Schule haben wir bislang keine Rückmeldung. Die VT sagt Sie habe keinen Unterschied zu vorher bemerkt (Termin meist 12-12. 30 Uhr).
Unser Sohn hat bisher keine Nebenwirkungen, außer das er nach abklingen des Medikaments bei Frust sehr weinerlich und laut wird (hatten wir schon lange nicht mehr so).
Wir selber haben den Eindruck (am Wochenende) das er dann etwas fokussierter ist und auch seine Schulaufgaben schneller erledigt und sein Zimmer schnell, selbständig und ohne Ermahnungen sauber macht.
Aber für die Schule wird das wahrscheinlich zu wenig sein.
Sorry das es soooooo lang wurde, aber die Gedanken und Sorgen mussten scheinbar raus.