Hyperfixierungen

Hallo zusammen!

Ich würde gerne ein Problem ansprechen, dass ich habe.
Ich steigere mich schon seit ich ein Kleinkind bin regelmäßig in irgendwas rein. Und damit meine ich alles Mögliche von Spielen, Sprachenlernen, irgendwelchen schulischen Themen bis zu psychologischen Themen - eigentlich alles was mir unter die Finger kommt. Dann recherchiere ich alles darüber, habe das ständig im Kopf, verknüpfe es mit allem und begeistere/ nerve jeden damit. Mir fällt es echt schwer das Thema einfach loszulassen und ich muss dann auch erstmal mein ganzes Gedankenchaos wieder sortieren und mir klar machen was eigentlich wichtig ist. Leider ist mir dieses Prinzip, wie mein Gehirn da funktioniert, auch schon im sozialen Kontext und insgesamt bei persönlichen Themen aufgefallen, das kann wirklich jegliche Situation betreffen, die ich gerade interessant finde oder die mich aufgeschreckt hat. Das kann dann echt zum Problem werden und deshalb bin ich jetzt auch wegen Ängsten in Behandlung. Seit zwei Jahren schon sind mein neustes Thema, aus intrinsischem Interesse aber auch situationsbedingt, psychische Krankheiten. Da ich auch selbst betroffen bin, finde ich, dass das ein negativer Hyperfokus ist, in dem ich mich verlieren kann und der mich runterzieht.

Irgendwie wird mir das jetzt erst bewusst und ich will versuchen das zu verändern, aber ich verstehe nicht warum ich immer wieder in diesem Muster lande. Liegt das an AD(H)S? Weil ich sehe das in so einer extremen Form bei kaum jemandem und fühle mich dann so anders. Ich habe auch Schwierigkeiten einen Therapeuten zu finden, weil ich da meistens schon wieder voll in einer weiteren Hyperfixierung drin bin und nur davon rede. Dann habe ich Angst, in einer Box zu landen, weil es so schwer ist das zu erklären. Mir fällt es auch schwer zum Punkt zu kommen, weil ich zu viel im Kopf habe. Irgendwie versteht auch keiner warum es ein Problem für mich ist im gedanklichen Chaos zu versinken, aber ich finde es im Nachhinein halt beunruhigend zu bemerken, wie sehr ich mich wieder in irgendeinem Thema verloren habe, das kann ja auch irrational werden … so wichtig ist es nunmal meist letzendlich nicht und eine Pause würde mir eher guttun. Beim Sprachenlernen empfinde ich es aber nicht als ein Problem, davon habe ich ja dann auch was.

3 „Gefällt mir“

Hi,
ja, das ist bei AD(H)S häufig. Es ist ebenso bei etlichen Hochbegabten zu beobachten.
Ich würde es als einen Verwandten des Hyperfokus beschreiben, nur nicht auf den Moment der Begeisterung begrenzt, sondern eher als Phase der Begeisterung.
Letztlich ist beides eine Folge einer motivationalen Dysregulation,

2 „Gefällt mir“

Danke, das beruhigt mich :slight_smile: ist echt ziemlich extrem bei mir :sweat_smile: ich muss sozusagen Glück haben, dass mein Kopf ein angenehmes Thema wählt.

Ich hatte Medikinet genommen, da ging es eine Zeit lang, aber meine Psychiaterin hatte auch vermutet, dass es mich etwas drückt. Nun nehme ich Elvanse, dadurch habe ich mehr Antrieb. Außerdem gehe ich auch wieder zur Uni und all die Informationen sind unglaublich interessant und komme auch in viele neue soziale Situationen. Aber das Ganze überfordert mich, weil ich immer alles so genau verstehen will, mich darin verliere und dann ein Taskwechselproblem habe.
Ich finde es auch schade, dass ich dann wie so Scheuklappen aufhabe und nur das aufnehme, was gerade zu dem Subthema passt und in dem Moment anderes gar nicht mitbedenke. Das passiert ganz automatisch, vllt. muss ich mir das Muster einfach immer wieder bewusst machen…

Eine Metapher dazu: Es ist wie als stehe ich vor einer Maschine die ich säubern will (Thema in Uni, soziale Situation, Selbstbeobachtung…). Dann nehme ich die Maschine komplett außeinander und konzentriere mich jeweilig auf die Einzelteile, schaue sie mir genau an und säuber sie. Zuerst vergesse ich dann immer wieder die anderen Einzelteile und wie ich die Maschine überhaupt wieder zusammenbauen soll bzw. dass mein Ziel am Ende eig. das Fahren der Maschine sein sollte. Das gibt dann ein Chaos und ich weiß nicht mehr wo oben und unten ist. Irgendwann dann kann man vieles mehr oder weniger verknüpfen und dann kann ich die Maschine wieder zusammenbauen und dann fährt sie meist auch gut.

Ich hatte überlegt, ob meine Dosis im Moment zu niedrig ist, weil ich so viel im Kopf habe.
Ich habe schon mehrfach gesagt bekommen, dass ich kognitiv weiter bin als emotional.
Einen IQ- Test habe ich mal gemacht und der ist nicht so ausgefallen wie erwartet. Ich hatte Konzentrationsprobleme, bin nicht zum Punkt gekommen und mir fehlt nunmal einiges an Allgemeinwissen. Ansonsten könnte ich mir auch vorstellen, dass mein Hyperfokus oft dann rauskommt wenn mir einfach langweilig ist.

Ich glaube das wird immer ein Teil von mir sein.
Hast du noch Tipps wie man damit umgehen kann?

1 „Gefällt mir“

Was für ein schöner Vergleich!
Den merke ich mir

1 „Gefällt mir“

Hi,

wieviel Elvanse nimmst du denn?
Koffein lässt du weg?

Das mit dem IQ ist bei ADHS so eine Sache. ADHS beeinträchtigt das Arbeitsgedächtnis. Das Arbeitsgedächtnis wird aber von den meisten IQ Tests stark benutzt. Eine optimale Medikation kann daher zwischen fünf und 15 IQ Punkten ausmachen. Ich habe von einem Einzelfall gehört, wo nach der Medikamentierung auf einmal 30 Punkte mehr im IQ Test herauskamen.

1 „Gefällt mir“

Im Moment nehme ich 30mg. Das hat sich zu Beginn angefühlt wie als schießt meine Energie in alle Richtungen. Davor waren es 30mg Medikinet. Seit knapp 3 Wochen nehme ich noch Opipramol, vllt. muss sich das auch erst noch einpendeln. Koffein nehme ich nicht zu mir.
Das ist heftig! Mein Ergebnis beim Arbeitsgedächtnis war dort im normalen Bereich.

@trytoflow, schau dir das mal an, das habe / hstte ich auch:

https://www.adhspedia.de/wiki/ADHS-Teufelskreis

1 „Gefällt mir“

Den Artikel finde ich echt gut, danke! :slight_smile:

Adhspedia finde ich allgemein super. Sehr viel sehr sachlich auf den Punkt gebracht und sehr breit in der Informationsverfügbarkeit.

Hi, ich versuche meine Hyperfixierung zu kontrollieren, dabei ist mir etwas aufgefallen und zwar…

Es gibt bei mir wie einen Unterschied zwischen Informationsgewinnung und Informationsverarbeitung. Die letzten Tage habe ich ununterbrochen über ADxS gelesen und kam nicht vom Handy weg. Nun bin ich zwar vom Handy weg gekommen und erledige einige andere Dinge, aber bin eigentlich das gelesene am verarbeiten. Habe ich den Hyperfokus nun garnie verlassen, sondern nur den physischen Zustand verändert? :face_with_raised_eyebrow:

@Angekommen keine Ahnung, dass kannst ja eigentlich nur Du wirklich wissen oder?. Meine Handyzeit ist jedenfalls wieder mal abgelaufen, bin viel zu viel am Handy und hier im Forum, dass muss wirklich besser werden bei mir, besonders jetzt wo ich krank bin erst recht, muss mich eigentlich schonen statt hier meine Zeit zu verplempern.
Ich bin dann mal weg hier, ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, mach’s gut. :wave:

1 „Gefällt mir“

Ich glaube tatsächlich dass es da auch einen Unterschied gibt. Und zwar dass die Informationsgewinnung irgendwann nicht mehr produktiv ist, man kann zwar immer noch mehr Informationen bekommen, aber oft wäre es sinnvoller sich auf was anderes zu fokussieren um einen gewissen Ausgleich zu bewahren und alles erstmal verarbeiten zu lassen. Wenn ich dann etwas anderes mache und voll im Grübeln stecke ist es meiner Meinung nach immer noch nicht so sinnvoll (kommt aber auch auf die Dauer an und gehört kurzweilig auch dazu). Aber wenn ich was anderes mache und im Hintergrund weiter verarbeite/ das immer mal wieder hochkommt finde ich es natürlich.