Hyperfokus auf Personen in meinem Umfeld

Hi, ich wollte gerne einmal meine Problematik teilen und mich mit Gleichgesinnten austauschen, da das doch ein relativ sensibles Thema ist, über das man nicht Mal eben mit jedem sprechen würde.

Ich bin seit fast einem Jahr diagnostiziert & lerne mich seither immer weiter neu kennen bzw. verstehe ich mich Stück für Stück mehr & hinterfrage mein Leben bis dato und versuche zu verstehen, warum ich so bin wie ich bin.

Vor ein paar Jahren hatte ich, gefühlt wie aus dem Nichts, eine Art Verliebtheit, die eine Person betraf, die ich zwar kenne (zumindest vom Sehen her), aber persönlich sonst nichts mit zu tun habe. Ich musste viel an die Person denken, habe überlegt wann ich die Person nochmal “sehe” & mich in Tagträumen verloren.

Ich habe während dieser Phase angefangen zu hinterfragen, woher das plötzlich kommt bzw. warum, da ich vergeben, verheiratet und sogar Mutter bin. Leider nicht so glücklich wie vor der Geburt (die Veränderung, die ein Kind mit sich gebracht hat, hat mich komplett aus den Angeln gerissen & mir den Boden unter den Füßen weggerissen, da plötzlich alles ganz anders war & ich auch etwas traumatisiert von der Geburt).

Jedenfalls war meine Theorie, dass ich die Unzufriedenheit damit kompensiere, mich auf andere Menschen zu fokussieren.

Mit der Zeit fiel mir dann aber auf, dass diese Verliebtheit nicht neu war. Sie existiert schon seit meiner Kindheit & Schulzeit. Es gab sicher auch Phasen, in denen ich wirklich verliebt war (Beispielsweise von der 2. Bis zur 5./6. Klasse in ein und denselben Klassenkameraden), allerdings fingen danach Schwärmereien für andere Jungs an, die relativ schnell wechselten. Ganz ohne, dass da je was von der Gegenseite gewesen ist. Einfach im stillen, nur für mich war ich wie verliebt.

Das ging so über Jahre bis hin zu meiner Ausbildung.

Da hatte ich dann meine ersten zwei Beziehungen, hatte nur Augen für die Personen. Leider haben gleich zwei Partner:innen hintereinander sich während unserer Beziehungen in Freunde von sich verliebt & daraus eine Beziehung geschlossen, sobald bei uns Schluss war. Es war wie verhext, aber heute kann ich darüber lachen. Ich war jung, es war Lebenserfahrung.

Nun hatte ich in meiner Ehe also schon mehrere Fantasien von anderen Männern: zwei Freunden meines Mannes, einem Inhaber eines Unternehmens in direkter Umgebung, einem Mitarbeiter eines Ortes, an dem ich sehr oft in der Woche bin.

Oftmals macht es sogar vor Promis nicht halt, was auch in der Kindheit schon präsent war. Nur war es da eben auch so, dass ich natürlich wusste, das ist unerreichbar.

Bei den Menschen im realen Leben denke ich verrückter Weise, dass es doch irgendwie möglich wäre. Trauen würde ich mich das niemals, zumal ich mir fremdgehen niemals verzeihen könnte & das auch noch in meinem Sinne wäre.

Jetzt zu meiner Frage an die Community:

Habt ihr solche Erfahrungen auch schon gemacht? Einen Hyperfokus auf Personen, u.a. auch in bestehenden Beziehungen? Wie geht ihr damit um? Was tut ihr, im das zu unterbinden/euch abzulenken? Ich bin langsam etwas ratlos, da es einerseits sehr schön ist (Dopamin), gleichermaßen aber auch ernüchternd, da man es nicht ausleben kann & es auch nicht erwidert wird und ich es dazu nicht schaffe das abzustellen.

Medikamenös bin ich tatsächlich nicht eingestellt, nachdem mein Versuch mit Kinecteen, das ich nicht vertragen habe.

Bin gespannt auf eure Beiträge dazu!

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Hallo @mittezwanzig

Erst einmal herzlich willkommen hier im Forum :hugs:

Ja, ich kenne das auch. Und zwar seit der Kindheit und auch während einer glücklichen Beziehung. Ich hatte dann auch das Gefühl, dass ich mich lieber von Männern fernhalten sollte und gar nicht versuchen sollte, mich mit ihnen anzufreunden. Ich habe vor einigen Jahren mal mit einer Freundin darüber geredet und die ist da sehr pragmatisch dran gegangen:

„Denk einfach daran: Das sind Hormone! Das passiert manchmal, aber es geht auch wieder vorbei. Wie eine Grippe. Man muss es einfach aushalten.“

Bei meinem Mann sind zwar diese aufregenden Schmetterling-im-Bauch-Gefühle nicht mehr so da wie am Anfang, aber ehrlich gesagt wäre mir das auch viel zu anstrengend. Die Gefühle zu meinem Mann sind dafür tiefer: Er ist mein bester Freund und wir verstehen einander einfach so gut. Mit ihm bin ich durch dick und dünn gegangen. Er ist derjenige, dem ich Erlebnisse als erstes erzählen möchte und mit dem ich mein Leben teilen möchte.

Seit dem Gespräch mit meiner Freundin und der dadurch erlangten Akzeptanz habe ich aber diese „unkontrollierten“ Gefühle auch so gut wie gar nicht mehr. Ich würde sie aber auch nie ausleben. Dafür können sie aber trotzdem das eigene (Liebes-)Leben sogar ein bisschen aufpeppen.

Ich habe das übrigens teilweise auch mit neuen Freundschaften, wo ich mich teilweise zu sehr reinsteigere (aber eben nicht auf romantische Art), da muss ich mich dann auch bremsen, weil ich weiß, dass andere dadurch verschreckt werden können.

Liebe Grüße :smiling_face:

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Hallo und willkommen,

so ähnlich kenne ich das von mir auch, allerdings eher weniger im sexuellen Kontext. Das waren eher Personen, die für mich irgendeine besondere Präsenz hatten oder irgendwas ausgestrahlt haben, das ich bewundert habe.
Z.B. irgendwelche Klassenkameraden, meine Reitlehrerin, meine Fahrlehrerin, später Kollegen/Koleginnen, manche Vorgesetzte… Die waren dann ständig in meinen Gedanken und Tagträumen. Problem: Zwar habe ich mir auch im realen Leben mehr Aufmerksamkeit von denen gewünscht und möglichst viel Zeit in deren Nähe verbringen wollen, aber je intensiver sie in meiner Phantasie auftauchten, desto befangener war ich denen ggü. meist im realen Leben. :thinking:
Mit einer neuen Klassenkameradin habe ich mich aber dadurch tatsächlich angefreundet, und sie ist immer noch eine meiner besten Freundinnen. :blush:
Heute mit dem Wissen um ADHS würde ich das auch als Hyperfokus werten, früher habe ich mich dafür geschämt, weil ich es als Zeichen für eine schwache Persönlichkeit gesehen habe. Aber ich konnte auch nichts dagegen machen…
Heute mit Ü50 kommt das nur noch ganz selten vor und nicht mehr so intensiv. Vielleicht treffe ich auch nicht mehr so viele Menschen, die mich dermaßen beeindrucken…
In den letzten ca 10 Jahren kann ich mich aber auch an 2 Männer erinnern, wo das ganze auch in die erotische Richtung ging, aber das ist sicher in langjährigen Beziehungen nicht ungewöhnlich und bleibt auf jeden Fall in meiner Phantasie… Und geht irgendwann vorbei :wink:

LG :slightly_smiling_face:

Bist du sicher das es eine Verliebtheit ist? Und dann auch wirklich in den Menschen?

Ich habe das früher auch empfunden und fand es komisch das mich entweder die Trennung nie störte so nach dem Motto gleich den nächsten oder es vermeindlich verliebt war, doch aus heutiger Sicht war das immer eine Tagträumerei mit Sehnsüchten/Wünschen/ vermeindlichen Sehnsüchten und ich habe früher auch nicht verstanden warum ich höchstens sauer aber nie verletzt war oder für diese Oersonen Liebeskummer oder Traurigkeit, Nachtrauern oder sowas empfunden habe. So ein Wechsel konnte auch schnell gehen sowie die Entscheidungen. Alle fanden es komisch, ich verstand es auch nicht aber mir war damals schon bewußt das der Gedanke/ das herumspinnen wichtiger war wie es real zu leben. Besonders mochte ich es wenn sie dann in Gesprächen das Gedankenkarusell befeuert haben. Ich konnte mich darin verlieren und genoß das sehr sobald es sogar realisiert oder mehr wie ein Flirt oder Tächtelmächtel werden konnte/ sollte ich dann auch wieder weg war und mir die nächste Person für die nächste Träumereien gesucht habe und alles begann von vorne. Hatte ich sogar relativ lange gehabt und gemocht. Ich glaube seit 5 Jahren bin ich dafür nicht mehr offen und seit ich mit mir zu frieden und glücklich bin ist das Bedürfnis einfach nicht mehr da.

Wenn du das Bedürfnis der Träumerei hast bist du dann mit dir und deinem Leben zu frieden oder nutzt du das um alle Sehnsüchte und Bedürfnis zumindest in Gedanken erfüllt zu bekommen ggf. um im Alltag dann nicht an was kaputt zu gehen was du stark vermisst oder brauchst???

Seit hunderdvierunddreißig komma 5 Jahren (circa) bin ich meinem Mann treu. Alle Beziehungen davor waren geprägt von „Nebenbeis“; immer wieder kamen Gefühle für andere auf, und zwar mit wuchtigen Schmetterlingen. Seit ich 6 Jahre alt bin, verliebe ich mich zu tode und merke mir lebenslang sinnlose Details über diese Personen. (Sein Bruder hatte vor 30 Jahren einen Kawasaki ZXR 750cc, zum Beispiel). Bei meinem jetzigen Partner klappt es erstaunlich gut, obwohl da nach hundertvierunddreißig Jahren keine wilden Schmetterlinge mehr da sind.

Wenn jemand Interesse zeigt, versuche ich mich innerlich dagegen wehren und vermeide Kontakt, da ich sons schwuppdibäm verliebt werden könnte. Was ich eigentlich nicht will.
Alternativ wäre ne offene Beziehung. Wenn es erlaubt ist, ist es weniger spannend. Für mich zumindest.

Ich gehe davon aus, dass das aktuell sicher auch ein Grund ist, dass ich nicht so zufrieden bin.

Allerdings zieht sich das ja durch mein gesamtes Leben & ich bin mir nicht sicher, ob ich echt mein ganzes Leben lang immer nur unzufrieden war.

Dass es sich sie Verliebtheit anfühlt ist schon so, da sind oftmals sogar Schmetterlinge. Aber es kann kommen und gehen, und auch zu anderen Personen wechseln bzw. mal pausieren. Es ist gefühlt unkontrollierbar.

Vielleicht darf man das Verlieben in einem hormonell und durch Merkmale wie Reizoffenheit bestimmten nicht steuerbaren Abschnitt und einen vom Großhirn zumindest mitgesteuerten Beschluss „ich bin verliebt“ oder „ich gebe mich Tagträumen hin“ unterteilen.

Dann könntest Du in Phase 1 nur durch die Wahl Deines Aufenthaltsortes eingreifen, aber sobald die Figur „Prinz“ auftaucht und sei es in der Fernsehwerbung, geht die Lampe an.

In Phase 2 hat nun das bewusste Gehirn stärkere Möglichkeiten, über Vernunft und Moral schon einzugreifen und alle weiteren Gedanken zu unterdrücken, so dass Phasen 3, 4, 5 und ganz bestimmt 6 nicht zum Tragen kommen.

Unter den Paartherapeuten, die Podcasts machen, scheint es aber Konsens zu sein, dass „jeder“ diese Spontanverliebtheitsgefühle kennt und nur mehr oder weniger effektiv unterdrückt (und mehr oder weniger ehrlich darüber berichtet). Das sei menschlich und überhaupt nicht schlimm, könne sogar (das wurde oben auch schon angedeutet) eine Bereicherung für das Sexualleben der eigenen Beziehung sein. Beispielsweise mit dem Partner darüber sprechen, welcher der anderen Partygäste sich wohl auf einen Dreier einlassen würde. Wenn Dein Partner und Du die Party denn frühzeitig (zu zweit) verlassen müssen, war die Bereicherung wohl gelungen.

Hey erstmal, habe auch grade ein hyperfokuss auf eine anime Figur oder Musiker, und habe auch dan viel Tagträume von denen und fühle mich irgentwie beschämt sogar. Ich sehe das ich nicht die einzige bin die sowas erlebt, habe auch hyperfokusse auf andere Personen gehabt wo ich mir denke wtf!? :joy:. Wenn ich verliebt bin dan sowie richtig schlimm