Hypertensive Krise unter Concerta sowie verlängerte QT-Zeiten

Hey ihr Lieben
Meine 21jährige Tochter (AdHs mit comorbider Angsstörung) wurde zuerst 2 Monate mit Medikinet unretardiert behandelt (40-60mg) es ging ihr dabei nicht gut und ihre QT-Zeiten waren minimal verlängert. Nun wurde ihr Concerta verschrieben (sie bekam ein Generikum von Mepha) zuerst 2 Tage 18mg, dann 27mg.
Gestern nun, am 2. Tag mit 27 mg ist sie bei der Arbeit (zum Glück in einem Spital) zusammengebrochen. Extrem hoher Blutdruck, Pulsspitzen von 180 bpm, Schwindel usw :unamused:
Medikamente wurden sofort abgesetzt und sollen auch nicht weiter genommen werden. Kein Plan B.

Wir sind extrem erschrocken. Sowohl meine andere Tochter wie auch ich nehmen Stimulantien und haben praktisch keine Nebenwirkungen. Ich habe so gar nicht mit so etwas gerechnet.

Die Frage ist jetzt wie weiter. Sie möchte vorerst verständlicherweise Nix mehr von Medikamenten wissen. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher wie sie ohne Medikamente mit dem Studium zurecht kommt.
Hat jemand Erfahrung mit ADHS Medikamenten und ähnlichen Kreislauf/Herzgeschichten?

Ich bin ziemlich besorgt :worried: Danke fürs Mitdenken.

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Wurde denn vor der Einstellung jemals Blutdruck gemessen bei Ihr?
Ich finde das in dem Maß bei einer jungen Patientin sehr ungewöhnlich und würde raten, sie internistisch/kardiologisch vorzustellen. Sowas kommt eher mal vor, wenn jemand vom Bluthochdruck her schlecht eingestellt ist
Evtl hat sie eine unerkannte Hypertonie o. ä.

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Sie sitzt ja direkt an der Quelle und könnte mal regelmäßig den Blutdruck checken lassen. Vielleicht hat sie ja ne unentdeckte Hypertonie. Das Ding ist halt, dass sowas keinen wirklichen Leidensdruck erzeugt und man das nicht auf anhieb merkt.
Wurde vor Einstellung nen EKG gemacht?

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Nicht wirklich. Sie war bis dahin ja diesbezüglich nicht auffällig…Ich finde es auch sehr aussergewöhnlich. Ich versuche sie zu motivieren, einen Kardiologen aufzusuchen. Die Internistin war diejenige die meinte, nach dieser Reaktion würde sie das nicht mehr riskieren…was mich ärgert ist so diese Einstellung von „das lassen wir jetzt einfach weg, ist ja nicht so tragisch“ als wäre das so ein Lifestylemedikament :unamused:

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Ja, das könnte sein. Es wurde vor der Einstellung ein EKG gemacht wo die Werte im Normbereich waren.

Wenn sie an zu hohen Blutdruck gewöhnt ist, merkt sie das nicht unbedingt. Evtl. liegt auch nur eine Tendenz dahingehend vor. Sie ist erst 21, da würde man nach anderen Ursachen suchen als bei älteren Patienten. Das andere ist die QTc-Zeit Verlängerung. Das ist schon ziemlich selten unter MPH und deshalb würde ich wirklich zu einer kardiologischen Vorstellung drängen. Bzw. würde im ersten Schritt vielleicht auch reichen, wenn der Hausarzt mal drauf schaut, evtl ein Labor macht und eine Langzeitblutdruckmessung. Auf der Grundlage, wenn alles in Ordnung ist, könnte man ja vielleicht nochmal einen Stimulanzienversuch starten. Ohne Abklärung wäre ich ganz bei der Kardiologin und würde sagen, so nicht…

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Danke für den Hinweis. Das habe ich mir gar nie überlegt, sie könnte schon davor einen hohen Blutdruck gehabt haben und es nicht gemerkt haben…und bei so jungen Menschen wird der Blutdruck nicht so häufig gemessen.

Ja genau und vielleicht ist auch alles in Ordnung und sie könnte es dann ruhigen Gewissens mit was anderem Elvanse z. B. versuchen. Mein Sohn hatte mit 12 unter Kinecteen immer wieder eine extrem hohe Herzfrequenz (150 bpm). Unter Elvanse hat er das nicht mehr.

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Ich denke so war das gar nicht gemeint, auch wenn es vielleicht so rüber kam.

Die Entscheidung (Absetzen und nicht mehr weiter nehmen) war in der Situation die einzig richtige. Dazu hätte noch „,bevor die Ursache geklärt ist“ gehört.

Ich würde jetzt wie folgt vorgehen:
-Blutdruckmessgerät (für den Oberarm) kaufen und mehrmals am Tag selbst messen + dokumentieren.
-Termin bei Hausarzt und Kardiologen machen.
Beim Hausarzt: Blutwerte checken lassen, inklusive Schilddrüse, Langzeitzucker, 24-Stunden-Blutdruck, 24-Stunden-EKG und was dem Arzt noch so einfällt…

Mit den Ergebnissen vom Hausarzt zum Kardiologen (der Termin wird eh nicht zeitnah sein, bis dahin habt ihr alles vom Hausarzt zusammen).

Das Problem ist halt, dass alle ADHS-Medis Einfluss aufs Herz-/Kreislaufsystem haben, nicht nur MPH und LDX, sondern auch Atomoxetin. So lange nicht geklärt ist, warum Deine Tochter derart heftig reagiert hat, wäre jeder weitere Versuch mit ADHS-Medis medizinisch unverantwortlich.

Die Reaktion Deiner Tochter ist insofern also auch erst Mal „gesund“ für sie. Wie sie ohne Medis im Studium zurecht kommt, wird sich zeigen. Im Moment sehe ich leider keine andere Alternative. Wenn sie sich zur weiteren Abklärung entschließt, wird es auch noch ziemlich lange dauern, bis sie da „durch“ ist und evl. wieder ADHS-Medis nehmen könnte.

Jetzt erholt Euch erst Mal von dem Schrecken und dann könnt ihr Schritt für Schritt weiterschauen.

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Danke dir. Ja es ist mir klar, dass das im Moment richtig ist. Was mich ärgert ist dass die Hausärztin keine weiteren untersuchen bzw abklärungen angeboten hat. Mehr so wie: ja dann setzen wir das jetzt ab ohne plan B und ohne weiter zu schauen…das suggeriert ja schon sowas wie: so dringend ist das alles auch nicht. Und meine Tochter ist jeweils nicht so die, die Menschen mit Fragen löchert. Ihr ist schnell mal etwas unangenehm und sie möchte nicht so rüberkommen als würde sie Drama machen :smirk:
Und das eine ist das Studium aber ADHS ist ja so viel mehr als nur ein Fokusproblem.
Ich glaube ich werde versuchen meine Tochter zu animieren nochmals vorstellig zu werden und allenfalls mitgehen um sicher zu sein, dass alles was nötig ist gefragt wird

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Nimmt sie noch weitere Medikamente? Wenn ja welche, in welcher Dosierung?
Hat sie Koffein komplett und konsequent weggelassen?

Kommt mir sehr bekannt vor. :wink:
Dann wäre wohl Schritt 1:
Ganz vorsichtig vermitteln, dass es ihr nicht unangenehm sein muss, ärztliche Hilfe zu suchen. Weil ihr Wohlbefinden wichtig ist und es absolut nichts mit Drama zu tun hat, wenn sie ehrlich sagt, dass es ihr schlecht geht und sie Hilfe braucht.

und dann Schritt 2:

Viel Erfolg!

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Lieben Dank :hibiscus:

Nein, keine anderen Medikamente und ja, an diesem Tag hat sie morgens einen Kaffee getrunken. Nun wenigstens keinen Energydrink :roll_eyes:
Der Tipp kam vom Psychiater…wenn sie morgens nicht aus dem Bett komme soll sie doch das Medikament mit einem kalten Espresso runterspülen…:see_no_evil:
Ich habe ihr gesagt, dass ich das keine gute Idee finde, aber was soll man machen :woman_shrugging:t2:

Nun wenn sie für gewöhnlich keinen Espresso zusätzlich zu ihren Stimulanzien zu sich nimmt, könnte darin die Ursache gelegen haben.

Trinkt sie denn für gewöhnlich Kaffee?

Das Morgens nicht aus dem Bett kommen, hör ich immer wieder mal von ADHSlern.

Richtig gut geht’s dann meist erst, wenn die Stimulanzien anfangen zu wirken.

(Irgendwo hab ich mal gelesen, dass in den USA an Stimulanzien gearbeitet wird, die man abends einnehmen muss.
Das könnte, wenn man die Einnahme richtig timed, für viele morgens ein deutlicher Vorteil sein, vorrausgesetzt, die zeitverzögerte Freigabe des Wirkstoffes hat nicht zuviele Einflussfaktoren.)

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Kannst du bitte einen Eintrag zu diesem Psychiater machen?

Du berichtest von Erfahrungen mit einem Arzt / Therapeuten, die wir allen Betroffenen gerne ersparen würden.

Wenn du sicher bist, dass das nicht auf einem Missverständnis beruht, hilf bitte anderen Betroffenen, indem du unter dem folgenden Link deine Erfahrungen mit diesem Arzt / Therapeuten einträgst. Das kann anderen Schaden ersparen.
Herzlichen Dank!

Und natürlich freuen wir uns immer über jede Information zu ADHS-kompetenten Ärzten und Therapeuten.

Nein, sie trinkt eigentlich gar nie Kaffee.

Stimulantien die man Abends einnimmt, tönt spannend :slightly_smiling_face:

Ich schlafe ja um Welten besser seit ich Elvanse nehme.

Das ist so dermaßen kontraindiziert, absolut verantwortungslos! Auch, dass vor dem Beginn der Einnahme kein Blutbild, EKG, Blutdruck etc. erhoben wurden, finde ich erschreckend. Das sollte absoluter Standard sein, um genau so etwas vorzubeugen. Wäre mir fast eine Meldung bei der Ärztekammer wert. Liegt natürlich bei euch.

Trotzdem sollte der Vorfall, unabhängig davon, ob man es nochmal mit einem anderen Medikament versucht, gründlich abgeklärt werden! Es ist jetzt (v.a. für deine Tochter) leicht, sich zu denken, wenn das MPH weg ist, ist ja alles gut. Aber die Reaktion ist, wie du selbst sagst, sehr ungewöhnlich und gehört dringend untersucht.

Ich hab das Blutdruck-Messgerät OM60 von visocor. Das ist gar nicht teuer und laut Tests sehr zuverlässig. Mein Internist hat mir erklärt, dass eigene, regelmäßige Messungen zu ähnlichen Tageszeiten und nach längerer Ruhe deutlich aussagekräftiger sind als die Messung in einer Praxis, die oft in einer Stresssituation stattfindet, nachdem man sich gerade bewegt hat. Vielleicht ginge es bei ihrer Arbeit am Ende der Pause? :slight_smile:

Und ich würde auch nicht verzweifeln. Ich habe mein Studium ohne Medis gemeistert, auch wenn es mit sicher viel einfacher gewesen wäre. Aber dank guter Verhaltenstherapie und Einüben von Systemen und Strategien ging es. Es heißt ja nicht umsonst „Skills and Pills“. :wink: Skills sind mindestens die halbe Miete, und die zu lernen schadet in gar keinem Fall.

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Danke dir. Ja, das mit dem Kaffee ist mir auch komplett unverständlich. Vor Eindosierung wurden Bluttests und ein EKG gemacht. Die QT-Zeiten waren da im oberen Normbereich. Es wird jetzt weiter abgeklärt und noch ein Ultraschall des Herzens gemacht.
Sie ist bei einer Verhaltenstherapeutin und macht dort gute Fortschritte. Mir tuts einfach so leid für sie. Ich habe sie unter MPH einfach so entspannt und gelöst erlebt wie zuletzt als Kind. Aber hey, es ist wie es ist und sie wird ihren Weg auch so gehen.

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Klar machst du dir Sorgen und willst das Beste für dein Kind. :people_hugging: :heart: Ich drück die Daumen, dass sich alles aufklären und ggf. gut behandeln lässt.

Was die QTc-Zeit betrifft, gab es bei mir auch mal Alarm, der sich dann als unbegründet rausstellte, weil die Bazett-Ableitung, mit der der Wert auch heute noch idR berechnet wird, gerade bei höheren Pulsfrequenzen nicht passend ist. Hier gibt es dazu einen Artikel im Journal of the American Heart Association (also echt kein Käseblatt), das verschiedene Ableitungen auch in klinischen Studien vergleicht und eine andere Formel empfiehlt.

Und hier gibt es nochmal eine Zusammenfassung inklusive einem Rechner, der einem die Werte nach verschiedenen Ableitungen ausgibt. Fand ich damals sehr praktisch und hat auch meinem Internisten gefallen. :wink:

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