Ich weiß gerade nicht weiter

Hallo, liebes Forum. Ich bin in einem Moment der Verzweiflung auf der Suche nach irgendwas, das helfen könnte, hier gelandet, habe ein wenig quer gelesen und geweint, weil hier anscheinend lauter Menschen sind, die wissen wie es einem geht.

Kurz zu uns. Mein Sohn hat ADHS, er ist 13. Es war eine Odyssee bis zur Diagnose, direkt im Kindergarten hieß es schon, mit ihm stimme etwas nicht, aber wir haben uns lange dagegen gewehrt, wollten, dass er „normal“ ist. Tja, wir hätten uns alle viel ersparen können, vor allem ihm.

Ich weiß nicht wie viel zur Vorgeschichte ich hier erzählen soll. Das akute Problem ist ja ein anderes. Deshalb erstmal dazu. (Ich kann aber gerne noch mehr zum „davor“ erzählen wenn das hilfreich ist)

Also. Er ist wie gesagt 13 Jahre alt und die Pubertät geht so langsam los.
Er versteht sich mit den Kindern in seiner Klasse gut und geht sehr sehr gern zur Schule. Er ist extrovertiert und gerne unter Menschen.
Ja und hier kommt das Problem.

Er verabredet sich nie. Er hat nie etwas vor. Alle Vorschläge und Versuche bügelt er massiv (!) ab.
Das höchste der Gefühle ist, dass er mal über Sprachnachrichten mit Klassenkameraden kommuniziert am Nachmittag. Da blüht er dann auch richtig auf.

Er hat noch zwei jüngere Brüder, die kein ADHS haben und normale Freundeskreise(also, die Brüder haben normale Freundeskreise, verabreden sich regelmäßig, haben Sport usw).

Sobald von dort jemand zu Besuch ist, sprengt der Große die Party. Ich muss ihn immer mit viel Geschrei quasi aus dem Raum zerren. Der Lärmpegel steigt sobald er reinkommt extrem und normales Spiel ist nicht mehr möglich.

Mein Mann, der nicht sein Vater ist, ist zunehmend genervt und hat sich die ganze Zeit Mühe gegeben aber der weiß gerade auch nicht weiter und ist zunehmend frustriert weil er kaum Zeit mit seinem leiblichen Sohn verbringen kann. Der große sieht: ah, da sind die anderen! Und springt sofort mitten ins Geschehen und reißt alles an sich.

Er meint das alles lieb, aber nachmittags wirken seine Medikamente nicht mehr und selbst mit ihnen ist er unglaublich vereinnahmend. Sobald er im Raum ist kann sich keiner auf was anderes konzentrieren. Er mischt sich in jedes Gespräch ein und egal was man tut, er lernt aus nichts. Alles wird sofort als üble Kritik aufgefasst und er stürmt voller Selbsthass aus dem Raum. Nur um nach 10, 20 Minuten wieder reinzukommen, sich 100 Mal zu entschuldigen und alles wieder von vorne.

Ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Er ist so ein toller Kerl. So geht es aber nicht weiter. Ich denke ihm fehlen Freunde auch ganz dolle. Bei so einer Jugendgruppe ist er, da habe ich ihn hingeschleift die ist aber leider nur alle 2 Wochen. Gegen Sport wehrt er sich mit Händen und Füssen.

Im Moment habe ich wieder so gemeine Gedanken wie „er will nichts außer uns auf die Nerven gehen“ dabei bin ich immer diejenige die ihn verteidigt und allen gut zuredet dass er das nicht böse meint.
Aber ich bin gerade am Ende meiner Kräfte und meiner Weisheit.

Hat irgend jemand irgendeinen kleinen Tipp was ich tun kann??

Hallo, liebe @Daisy,

Ich kann es gut nachvollziehen, wie sehr Du Dich um Deinen Sohn sorgst. Seit wann nimmt er denn Medikamente? Die Vorgeschichte würde mich interessieren, wenn Du sie denn erzählen magst. Tipps geben kann ich Dir leider vermutlich nicht geben, denn ich bin selber ratlos…
Seit wann geht er in die Jugendgruppe? Gefällt es ihm dort?

Bei uns ist es ähnlich, mein Sohn verabredet sich auch nie, nur dass er zusätzlich die Schule hasst. Er leidet auch darunter. Ich habe nun mit der Psychiaterin gesprochen und er bekommt für den Nachmittag eine weitere kleine Dosis. Mal sehen, was dann wird.

Wir Mütter sind auch nur Menschen. Du weißt ja im Grunde, dass er es nicht aus diesem Grund macht. Aber manchmal kommt ein solcher „gemeiner Gedanke“ auf und will gedacht werden. Das ist doch verständlich nach der jahrelangen Anstrengung, die Du andeutest.

Sei ganz herzlich gegrüßt von einer Leidensgenosin.
Robinie

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Oh weh, da scheint ja einiges zusammen zu kommen. Die Pubertätsbaustelle im Kopf tut sicher ihren Teil.

Der Junge klingt wirklich wie ein toller Kerl muss ich sagen :slight_smile:

Ich bin gar keine Mutter, also gib nicht zu viel auf meine Ratschläge.
Aber ich hab mich beim Lesen gefragt, ob er eigentlich unterstimuliert ist und deshalb so abgeht, wenn sich die Gelegenheit bietet.
Andererseits kann ich mir aus der Jugendarbeit ableiten, dass man manchmal Kinder ein wenig vor ihrer eigenen albernen Hysterie schützen muss. Also die Frage ist, ob mehr Auslastung (wie auch immer die aussehen würde) wirklich zu Ausgeglichenheit führt oder mehr aufdreht.

Hat dein Sohn denn irgendwelche Leidenschaften? Es muss ja nicht immer Sport sein. Pfadfinder, NaBu Jugendgruppe, Töpferkurs, Schulband… Vielleicht kann ihn sowas eher aus der Reserve locken? Dann kommen die Freundschaften fast von allein. Sowas wie eine Ferienfreizeit könnte außerdem zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: der Junge kommt unter Menschen und dein Mann kann mit den Jüngeren in Ruhe was unternehmen.

Und in einem Jahr kann die Welt schon ganz anders aussehen. Mit 13 Jahren kann ich dem Jungen nicht wirklich verübeln, dass er auf vieles keinen Bock hat.

Wenn Zeit und Geld vorhanden sind, könntet ihr euch für Ausflüge oder ähnliches auch mal aufteilen. Also mal bekommt ein Kind den alleinigen Papa-Tag im Hochseilgarten und am nächsten Wochenende der Große einen Auflug in die Trampolinhalle.

Hat der Junge denn noch Kontakt zu seinem Vater?
Gerade mit der Pubertät kann ich mir vorstellen, dass er sich zunehmend Orientierung bei der männlichen Bezugsperson im Haushalt sucht und das in die Platzhirschproblematik mit reinspielt…

Aber nochmal: dein Sohn klingt ziemlich klasse und ich finde, du zeichnest ein differenziertes Bild von ihm!

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Liebe Daisy,

herzlich willkommen im ADXS-Forum!

Im Alter von 12 bis 13 hat sich auch der Medikamentenbedarf meines großen Sohnes stark geändert. Da wird offenbar viel umgebaut im Gehirn.

Seht zusammen mit dem Arzt zu, dass die Dosis ausreichend ist und euer Junge lückenlos bis zum Abend Wirkung hat. Das wäre nicht nur für euch, sondern auch für ihn selbst eine große Entlastung.

Das vereinnahmende Verhalten weist darauf hin, dass die derzeitige Medikation nicht ausreichend ist, damit er eine klare Wahrnehmung hat und sich gut steuern kann.

Ich kenne das gut von meiner eigenen Kindheit, denn ich habe meine ADHS-Diagnose erst mit 37 bekommen. Ich muss phasenweise ein sehr nerviges Kind gewesen sein, und ich kann mich gut erinnern dass ich mich selbst auch ganz schlecht damit fühlte. Sich so zu verhalten macht keinen Spaß, dem Betroffenen am Allerwenigsten!

Wie ich damals war, ist mir teilweise heute noch sehr peinlich.

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@Daisy das kommt mir irgendwie bekannt vor, 13 ist natürlich ein schweres Alter, unter anderem spielen erste Verliebtheit, sexuelles Erwachen, Schritte zur eigenen Identitätsfindung eine Rolle.

Auch wenn Dein Sohn bis jetzt ehr der extrovertierte Typ war, kann es sein das sich das nun ins umgekehrte verändert, das er anfängt über sich selbst und Dinge die ihn beschäftigen intensiv nachzudenken, demzufolge jetzt ins Gegenteil umschlägt und er introvertiert wird, sich auch immer mehr zurückzieht.

Ausserdem ist es möglicherweise für seine Mitschüler je nach dem ziemlich stressig wenn er so aufgedreht und dominant ist, heisst in Gruppen reinplatzt und alles an sich reissen will, das kommt ja keineswegs immer und überall gut an.
Kann sein das er das ab und zu mal gesagt bekommt, dies wäre also auch ein möglicher Grund warum er Kontakte meidet.
Bedenke das Deine Wahrnehmung von Deinem Sohn einer anderen Realität entspricht als der Wahrnehmung die andere von ihm haben.

Vielleicht hat er auch schon Zurückweisungen von Mädchen bekommen, was Jungs in diesem Alter dann auch zu schaffen macht.
Du kannst mal vorsichtig probieren was aus ihm rauszukitzeln, aber rechne damit das es ihm zu peinlich ist mit seiner Mutter über solche intimen Dinge zu sprechen, deshalb wird er vermutlich vermehrt im Internet nach Antworten suchen.

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P.s.: @Daisy da fällt mir gerade noch ein das Sport unter Umständen sehr problembehaftet sein kann
z. B. durch gemeinsames Duschen oder das umziehen in der Umkleidekabine.
Dort kann es zu ersten Vergleichen der „Männlichkeit“ kommen, heisst wer hat den grösseren … naja Du weisst was ich meine, sowie wer hat schon die erste Körperbehaarung, Bartwuchs, solche Sachen halt.
Und ausserdem ist Sport ja auch immer Wettkampf, heisst es gibt Gewinner und Verlierer, was auch ziemlich frustrierend für ihn sein könnte.
Wegen den Medis würde ich mich beim behandelnden Arzt* mal informieren, bei einem Gesprächstermin würde ich aber den Arzt* mit dem Sohn alleine sprechen lassen, da er in Deiner Anwesenheit wahrscheinlich kaum über solche Dinge sprechen möchte die ihn beschäftigen, denn dies wäre ihm sicher sehr peinlich.
Viel „machen“ kannst Du ansonsten da eigentlich nicht, er muss selbst durch die Pupertät durch, Du kannst nur für ihn dasein wenn er Dich braucht, gib ihm zu verstehen das Du ihm zuhören wirst wenn er über was sprechen möchte, nehme ihn ernst wenn er das Gespräch sucht, behandle ihn auf keinen Fall wie einen kleinen Jungen, zeige Interesse an seinen Interessen, bedränge ihn nicht gegen seinen Willen in einen Sport Verein zu gehen.
Der Junge wird eben allmählich erwachsen.

@Daisy , was mir noch dazu einfällt ist das Dein ältester Sohn, der einen anderen Vater hat, vielleicht in das Spiel Deiner beiden Söhne mit dem anderen Vater so „rein platzt“ weil er gerne „dazu gehören“ möchte, weil er als gleichwertiges Familienmitglied gesehen werde möchte.
Natürlich empfindet er selbst sich als „aussenstehend“, insbesondere wenn Dein zweiter Partner „genervt“ reagiert wenn „Dein Sohn“ das Spiel „seiner Söhne“ „STÖRT“, es ist nur normal das er sich ausgeschlossen und nicht vollständig akzeptiert, nicht als vollwertiges Familienmitglied angenommen fühlt, wenn von Seiten Deines Partners unterschwellig eine gewisse Ablehnung gegen ihn zum Ausdruck kommt.
Nicht IMMER liegt ALLES am Adhs in einer Familie, nicht IMMER reicht es aus „nur“ die Medikamente richtig einzustellen, manchmal muss man tiefer graben um an die Wurzel der Probleme zu kommen.

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Wow! Also erst mal, vielen Dank für eure zahlreichen Rückmeldungen! Ich bin gerade sehr beeindruckt und auch gerührt. Ich fühle mich so verstanden, dabei bin ich erst einen Tag in diesem Forum. Danke, dass ihr euch die Mühe macht mir zu helfen!

Ich versuche auf alles so gut wie möglich einzugehen.

Also, zunächst mal noch zur Vorgeschichte. Die Diagnose haben wir seit knapp 2 Jahren und die Medikamente bekommt er seit knapp einem Jahr. Er bekommt die Höchstdosis Medikinet retard. Man merkt sofort, wenn er die Tablette mal nicht genommen hat. Seit wir diese Medikamente haben, frage ich mich 1. wie wir das so lange ausgehalten haben und 2. was ich dem armen Kind angetan habe, das nicht eher probiert zu haben. Aber wir mussten erst in einer Klinik landen, bis es besser wurde. Während der Trennung von seinem Vater damals nahm er immer mehr zu, obwohl er eher ein sehr schlankes Kind ist vom Typ her, bis er richtig Übergewicht hatte und kaum noch Nähe zuließ und ich wusste, jetzt muss ich wirklich handeln und wir kommen so nicht weiter.
Mit den Medis wurde alles besser - aber nicht nur mit denen, auch einfach damit, dass die Klinik so toll war und uns wieder allen bewusst gemacht hat, was für ein tolles Kind er ist. Es war ja mitten in Corona, und alle mussten täglich einen PCR Test über sich ergehen lassen in der ersten Welle. Er war derjenige, der sich um die Neuzugänge gekümmert hat, wenn sie Angst vor dem Stäbchen hatten. Auch er hat da wieder etwas Selbstbewusstsein zurück gewonnen. Dann hat er die Schule noch gewechselt und es ging bergauf.

Zu seinem leiblichen Vater hat er guten Kontakt und ist jedes 2. Wochenende da. Wir haben das Wechselmodell versucht, aber das war natürlich überhaupt nichts für ihn, er braucht klare Abläufe und Struktur. (Auch schwierig teilweise, weil ich glaube, dass er das ADHS von mir hat…)

Zu meinem Mann hatte er von Anfang an eigentlich auch guten Kontakt, bis vor wenigen Monaten. Ich weiß nicht genau, warum das so war, aber gefühlt hat er (der Stiefvater) irgendwie aufgegeben. Mein Sohn hatte ihn sogar gleich am Anfang als „Papa 2“ in seinem Handy gespeichert und viel von ihm gelernt. Bzw. haben beide voneinander gelernt. Zu Beginn war mein Mann z.B. noch so drauf, dass alle bei Tisch während des Essens sitzen bleiben, nicht sprechen und warten, bis alle aufgegessen haben. Das ist jetzt ganz anders. Für den Großen haben wir da praktisch alle Regeln aufgehoben, weil er durch die Medis zu unmöglichen Zeiten Hunger hat, und sitzen bleiben kann er nun mal nicht. Wenn man sich damit arrangiert hat, dann findet man das auch gar nicht mehr schlimm. Die Kleinen (von denen einer auch denselben Vater hat wie der Große, übrigens) profitieren davon auch. Wenn wir Besuch haben oder woanders essen gehen, gelten andere Tischregeln, das wissen sie und das klappt auch total gut.

Das nochmal so zu den Rahmenbedingungen.

Witzigerweise war er ausgerechnet heute, wo ich den Thread in meiner Verzweiflung erstellt habe, verabredet, wenn auch nur virtuell - aber immerhin, zum Zocken. Darüber bin ich ja schon total froh…

Okay, ich versuche jetzt mal einzeln auf alles einzugehen. Sorry, falls der Text sehr lang ist… ich versuche das so gut zusammenzufassen wie es geht, aber ich will ja, vor allem bei den tollen Rückmeldungen, auch ein umfassendes Bild geben.

@Robinie das mit dem Schule hassen hatten wir an der Schule vor der jetzigen. Das ist wirklich richtig blöd, er ist so abgesackt. Bei uns war der Schulwechsel ein großer Segen. Da haben wir echt Glück gehabt. Tut mir leid, dass das bei euch noch ein zusätzliches Thema ist.
Und ja, diese negativen fiesen Gedanken wollen gedacht werden. Das kann ich jetzt gerade auch wieder akzeptieren, ich fühle mich zwar in den Momenten, wo ich sie denke, furchtbar; aber ich kann mir das mittlerweile total gut verzeihen, merke ich, wo ich so drüber nachdenke. Weil, richtig, wir sind ja auch nur Menschen. Keine „Erziehungsroboter“ ohne eigene Bedürfnisse und Grenzen.

@theunfedmind Also, gerade die Perspektive „ohne Kinder, von außen“ finde ich auch sehr interessant. Und du sagst da auch was. Ich glaube auch, dass er unterstimuliert ist irgendwo. Er ist beides zugleich, so kommt es mir vor: total überstimuliert durch die simpelsten Dinge und unterstimuliert, weil er durch das Überstimuliert sein so viel vermeidet. Versteht man, was ich meine? Er hat super viele Interessen und ist total neugierig auf das Leben, muss sich aber gefühlt den halben Tag verkriechen, weil er das alles nicht aushält. Das ist so schwierig und es tut mir immer so für ihn leid. Ich denke, es ist diese sichere Umgebung der Geschwister, die ihn das dann rauslassen lässt. Ja, genau.
Zu den Pfadfindern geht er bereits, das ist die Jugendgruppe, die ich ansprach - leider eben nur 2x im Monat. Und wegen Corona viel runtergeschraubt… da musste ich schon sehr kämpfen dass er da hin geht, jetzt findet er es toll. Aber wehe, ich schlage was anderes vor. Da kommt es vor, dass er eine Woche unter Stress steht, mich nur böse anguckt und nicht mehr richtig mit mir spricht!

Ausflüge aufzuteilen ist ein guter Tipp, ich denke, das könnte wirklich was sein. Das müsste ich mehr machen. Das habe ich tatsächlich zufällig heute ausprobiert (wenn auch eher fast unfreiwillig, weil mein Mann auf dem Zahnfleisch ging) und er war super ausgeglichen, dass ich dachte „Wow!“ Aber das kann ich natürlich nicht jeden Tag leisten, das schaffe ich einfach nicht.

@Falschparker Ich denke auch, ich muss die Medikation nochmal neu besprechen. Bisher bin ich vor 2 Tabletten am Tag total zurück geschreckt. Ich merke durch das Schreiben hier gerade: Es ist genau so wie bei der ersten Tablette! Der Gedanke „Aber er soll doch nicht nur mit Medikamenten funktionieren, je weniger desto besser…“ Aber das ist eben nicht so, das ist doch ein Trugschluss? Das habe ich doch schon mal begriffen? Scheint, als müsste ich da noch mal in mich gehen.
Und eine eigene ADHS-Diagnose strebe ich gerade an (wenn ich es mal schaffe, da anzurufen), mein Lebenslauf ist ein absolutes ADHS-Musterbeispiel…

@Abrissbirne Hm, Rückzug kenne ich bei ihm eher nur dann, wenn es ihm nicht gut geht. Klar, das mag mit der Pubertät anders sein/werden. Aber vom Gefühl her bedrückt ihn gerade was. Nichts konkretes, einfach seine Entwicklungsphase; als wäre da ein Sprung, den er gerade machen muss, aber nicht schafft. Ja, genau. So kommt es mir vor. Und dass er für sein (gleichaltriges) Umfeld anstrengend ist und das merkt - das ist definitv manchmal so. Er merkt das Feedback, er ist da sehr sensibel, ein Blick reicht da aus. Kann dann aber trotzdem nicht anders.
Ich kaufe ihm ab und zu so Erklärbücher für Pubertierende und platziere die irgendwo unauffällig im Haus, die verschwinden dann immer irgendwie :slight_smile: Versuche das auf die Weise, weil über solche Themen will er nicht wirklich mit mir reden.

Sport - hm. Also, vom Schulsport schwärmt er immer total und erzählt total viel (so dass ich mich immer schon wundere, ist das wirklich mein Kind? Ich fand das immer furchtbar), aber nachmittags - bloß nicht.
Dabei denke ich eigentlich, dass er das braucht. Eigentlich möchte ich gerne sowas zu ihm sagen wie „Du suchst dir eine sportliche Aktivität Nachmittags, ich mache dir Vorschläge, aber eine Sache wird gemacht.“

Was du über sein Verhältnis zu meinem Mann und dessen leiblichem Kind schreibst - voll ins Schwarze, fürchte ich. Sein Stiefvater gibt sich wirklich Mühe, aber er stößt absolut an seine Grenze, glaube ich zur Zeit. Dazu habe ich ja auch oben schon was geschrieben.

Zum Abschluss dieses Romans nochmal - danke. Ich denke heute kann ich besser schlafen als gestern!

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Hallo Daisy,

ich möchte dich ausdrücklich dazu ermutigen. Es geht nicht ums Funktionieren, im Sinne von Leistung, und dann wieder doch, im Sinne von „Umgänglich Sein“. Und das kann der Arme eben nicht ohne, das ist auch nicht seine Schuld.

Medikamente sparen und dafür ein versautes Familienleben, das haben er selbst und seine Brüder und du nicht verdient. Es könnte ihm besser gehen in der Familie, er würde mehr Bestätigung bekommen und weniger Zurückweisung.

Vielleicht braucht er gar nicht die Höchstdosis, aber dafür mehrere verteilt über den Tag. Und vielleicht passt Medikinet Retard nicht so gut, ich nehme sogar zwei verschiedene - morgens Medikinet Adult (Retard) 40 mg und mittags Ritalin Adult (LA) 30 mg, weil ich nämlich ein guter Frühstücker bin und ein schlechter Mittagesser.

Ich hatte als Kind auch Phasen ohne Freunde und ohne Verabredungen. Das können Eltern auch nicht pushen. Ich bin auch viel für mich Fahrrad gefahren oder habe Musik gehört und gelesen.

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Danke für deine Antwort. Das hilft mir sehr weiter. Der Psychiater hatte 2 Tabletten am Tag schon mal angesprochen, aber das habe ich total abgebügelt.

Mein Sohn fährt tatsächlich auch sehr viel Fahrrad! Wenn etwas blöd läuft - ab aufs Rad, wenn er entspannen muss - ab aufs Rad. Wir haben ihm auch gerade ein richtig gutes gekauft, auf das ich fast neidisch bin (meins ist nur von ebay Kleinanzeigen :D)

Ich werde den Psychiater diese Woche mal anrufen. Der nächste Termin ist mir noch zu lange hin. Vorhin habe ich auch mit seinem Vater darüber gesprochen, der fand das auch eine gute Idee mit den 2 Tabletten.

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Das hätte noch einen Nebeneffekt, mit Medikament werden auch Unfälle mit dem Fahrrad unwahrscheinlicher.

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@Daisy Danke für Deine Antwort, wie gesagt die Adhs Medikamente jetzt anpassen zu lassen ist ein wichtiger und richtiger Schritt.

Ansonsten ist Dein Sohn in einer der schwierigsten Lebensphasen die man in seinem Leben durchläuft.
Als Mutter ist es natürlich schwierig zu verstehen was jetzt im eigenen Sohn vor sich geht, aber kein Grund zur Panik er wird sich schon melden wenn er Dich braucht.
Ausserdem ist jetzt ein männlicher Ansprechpartner, also Papa1 oder 2 , eventuell wichtiger für ihn als eine vielleicht zu „bemutternde“ Mutter.

Meine Söhne hätten mich übrigens wegen „Erklärbüchern“ ausgelacht, die jungen Menschen von heute sind dank Internet viel schneller und oft auch besser aufgeklärt als wir älteren Semester das jemals waren.

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Hallo @Daisy und auch von mir herzlich willkommen!
Zu den guten Ratschlägen oben möchte ich dir empfehlen, dich mit der Adxs etwas näher auseinanderzusetzen, also gute Bücher/ Ratgeber lesen usw.
Zum Thema Freunde, Hobbys, Sport usw. finde ich verhält sich dein Sohn „typisch“ Adxs mäßig. Viele von uns haben keine Probleme Freunde zu finden, eher diese zu halten. Denn für eine Freundschaftspflege muss man ziemlich viel Kraft investieren. Mich z.B. stressen Verabredungen, auch mit Menschen, die ich mag enorm. Auch jemanden anzurufen fällt mir immer wieder schwer. Das was du erzählst, dass er in Gruppe die Aufmerksamkeit auf sich reißt, könnte ein klares Zeichen der Überforderung sein. Ich bin zwar erwachsen, aber bin und war immer so. Ich liebe es im Mittelpunkt zu stehen und wenn sich die Themen oder Aktivitäten nicht um meine Interesse drehen, wird mir zu schnell langweilig. Dann gehe ich entweder weg oder werde albern, und versuche so es mir wieder interessant zu machen. Ich kann es leider sehr schlecht erklären.

Dass du ihn zu Freundschaften, Hobbys etc. motivieren willst, ist an sich natürlich nichts schlecht, man muss aber aufpassen, dass sich mit der Zeit keine Abneigung dagegen entwickelt.

Viele Adxsler mögen zwar nicht alleine sein, aber bitte gerne in Ruhe gelassen werden, wenn du verstehst was ich meine. Ich komme viel besser damit klar, wenn sich manche Sachen spontan ergeben, wie mit deinem Beispiel, wenn die Freunde deines anderen Sohnes zu Besuch kommen und er da sofort mitmischt.

Wäre er mein Sohn gewesen, würde ich ihn Zeit lassen und zunächst zu nichts zwingen. Wenn er sich nicht verabreden oder zum Sport will, dann will er es nicht. Vielleicht kommt er mit sich selbst am besten klar.

Und erneut, die Themen Kraft investieren und Erschöpfung gehören zu den wichtig(st)en „Baustellen“ der Störung. Man kämpft irgendwie ständig mit dem Lärm in seinem Kopf und draußen, das ganze Masking überfordert einem enorm, die kritischen Blicke von außen schmerzen und man versucht ununterbrochen diese zu verstehen, um sie zu vermeiden usw. Dann will man zu Hause einfach in Ruhe gelassen werden und so akzeptiert werden wie man ist, ohne Druck und Zwang.

Und zum Thema Stiefvater möchte ich mich nett äußern, dass er bitte versucht, seine Genervtheit für sich zu behalten, denn sowas braucht dein Sohn bestimmt nicht auch zu Hause zu erleben. Er ist halt ein Kind und er hat nichts falsches gemacht, außer mit seinem Papa2 zu spielen oder Zeit mit ihm zu verbringen. Wenn der Papa2 diese Zeit zu nervig empfindet, soll er mit ihm reden und versuchen mit ihm darüber kindergemäß zu reden, ohne ihn zu verletzen.

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Dafür mag ich dir auch nochmal ein großes Kompliment aussprechen.
Rigide an Prinzipien festzuhalten, die am Ende nur Frust stiften und Kraft kosten und für deinen Sohn trotzdem nicht umsetzbar werden, bringt nichts. Und es ist toll, dass ihr das erkennt!
Getreu dem Motto: Choose your battles

Oh man, da leide ich beim Lesen schon ein bisschen mit.
Gleichzeitig bin ich zuversichtlich, dass sich da in den nächsten Jahren noch einiges tun wird. Manches schneller, manches langsamer.
Und leider kannst du ihm das nicht abnehmen. Aber es wird sich sicher immer mehr rauskristallisieren, wo Wünsche und Neigungen liegen, wo er sich richtig reinfuchst und wann es sich lohnt sich mit Händen und Füßen zu wehren.

Das mit dem Entwicklungsschritt, den du ansprichst, ist einerseits das normalste auf der Welt und es geht vermutlich vielen Jungs und Mädchen in dem Alter so. Mit ADHS kann das nochmal ein wenig länger dauern und vielleicht liegen die Nerven schneller blank. Gerade, wenn man in Teilbereichen schon viel reifer ist und Anderes hinterherhinkt…

Um kein Geld der Welt würde ich nochmal Teenager sein wollen :adxs_lol:

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@theunfedmind, ich auch nicht. :joy:

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Da fällt mir ein: Kidical Mass!
Gibts sowas bei euch?

@Daisy , ich will gerade mal versuchen etwas klar zu stellen was die Medikation von Adhs’ lern angeht.
Ich selbst bin tatsächlich eine Befürworterin was die Medikation bei Adhs angeht.

Besonders bei Kindern, weil ich selbst einer Generation angehöre, die viel zu lange nicht mal WUSSTE „was“ Adhs ist, geschweige denn, das es eine Bezeichnung dafür gibt, was meine persönlichen „Schwierigkeiten im Leben zurecht zu kommen“ überhaupt gibt.

Was ich persönlich „rückblickend“ sagen kann, ist das, das ich FROH gewesen wäre, hätten meine Eltern, die Schule (Lehrkräfte), Ausbilder* nur im „geringsten“ eine Ahnung davon gehabt, das Adhs existiert, das diese „Symptome“ von Adhs nicht „nur“ irgendein Hirngespinst ist, das sich „Betroffene“ zurecht legen, was hätte MIR das im Leben effektiv weiter helfen können.

Deshalb: an alle Eltern die Anzeichen von Adhs oder auch ASS „vermuten“, verfolgt diese Vermutungen weiter, lasst euch nicht „kirre“ machen, bleibt beharrlich, denn die Folgen von unbehandeltem Adhs enden allzuoft in Depression, und ich weiss von was ich rede, blicke ich doch auf ein Leben zurück, indem ich zwar viele „Talente“, viele „Begabungen“ hatte, jedoch aufgrund meiner Schwächen, immer wieder „ausgebremst“ wurde.

Das wirklich traurige ist ja eben genau DAS, das man irgendwie, durch diese Hochsensiblen Fähigkeiten, einerseits über ein Potential verfügt das allzuoft über dem „Durchschnitt“ liegt, und andererseits dieses nicht ausschöpfen kann.

Ich will damit nicht sagen, das „alle“ Adhs’ler* oder ASS’ler* über ein überdurchschnittliches Potenzial verfügen, aber das „einige“ darüber verfügen, ohne das dies je „erkannt“ noch „gefördert“, noch ernst genommen wird, das wir, die von Adhs oder auch ASS, oder in Kombination von beidem, nach wie vor, nicht ernst genommen werden, das man uns lieber einfach als Nerd’s hinstellt, statt uns uns gleichwertig und wertvoll zu behandeln.
Jedenfalls, natürlich träumt irgendwie JEDER* Adhs’ler* davon auf Medikamente wie Ritalin verzichten zu können, die Tatsache ist aber die, das es bis zum heutigen Tag keine andere, wirksamen, hilfreiche Alternative gibt.
Gesunde Ernährung, Sport, Therapie ist wichtig, hilft auch bis zu einem gewissen Grad, aber die Wirkung von Adhs spezifischen Medikamenten kann es nicht ersetzen, das ist nun mal erwiesen.
Klar gibt es auch Unterschiede in der Ausprägung von Adhs, von leicht bis schwer, dennoch kann auch ein „leichtes“ Adhs im Laufe des Lebens zu einem „schweren“ Adhs „mutieren“, und dann helfen oft nur noch Medikamente und Therapie, was ich aufgrund eigener Lebenserfahrung zu behaupten wage.

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Sorry habe hier einen Eintrag gelöscht weil unpassend in diesem Thema, tut mir leid.