Innere Rastlosigkeit - Komme nie zur Ruhe

Meine ADHS-Symptome – kurz & strukturiert

Diagnose

  • diagnostiziert vor einigen Wochen in einer ADHS-Spezialpraxis

  • hyperaktiver Typ laut Psychiater

  • aktuelles Medikament: 30 mg Lisdexamfetamin (1 Woche)

  • Möglicherweise hochbegabt. Zweiter Test steht aber noch aus (Mensa). Bin männlich und 35 Jahre alt.


Kindheit & Schule

  • Grundschule: extrem abwesend, kaum Aufmerksamkeit im Unterricht

  • kein Interesse an Schulstoff, Fokus auf alles außer Lernen

  • später wirtschaftliches Gymnasium: plötzlich sehr gute Noten, hoher Spaßfaktor

  • im Studium ebenfalls Bestnoten – wenn Thema interessiert


Hyperaktivität (mental)

  • „Rastlosigkeit im Kopf“ den ganzen Tag

  • hunderte Gedanken und Ideen gleichzeitig

  • starker Drang, permanent etwas zu machen

  • kaum Abschalten möglich, kaum innere Ruhe

  • Entspannung „funktioniert nicht“ – Massage/ruhig liegen = Albtraumgefühl

  • kaum echte Pausen, selbst Freizeit fühlt sich wie Zeitverlust an


Schlaf & Abends

  • jahrzehntelange Einschlafprobleme

  • viele Gedanken beim Einschlafen

  • Schlaf wirkt „langweilig“

  • Schlafhygiene/Schlafmangel helfen nicht. Psychotherapie etc. völlig wirkungslos.

  • nie wirklich ausgeschaltet, auch nachts mentale Aktivität

  • Seitdem ich Elvanse nehme, bin ich komischerweise deutlich früher müde. Ohne Medikament konnte ich nie vor 2 Uhr Nachts einschlafen… Jetzt schlafe ich oft um 00:00 oder früher.


Impulsivität

  • in manchen Situationen impulsive, harte Reaktionen

  • kurze Zeit später Reue („hätte nicht sein müssen“)


Beruf & Alltag

  • erfolgreicher Unternehmer

  • starker Antrieb, permanent aktiv zu sein

  • Tatendrang beruflich vorteilhaft, privat Belastung. Arbeite oft 7 Tage die Woche 12 Stunden am Tag. Auf Dauer ist das sicherlich nicht gesund

  • extrem zuverlässig, pflichtbewusst, motiviert

  • keine körperliche Hyperaktivität als Kind (außer mit den Füßen wackeln)

  • eher ruhig, unauffällig, höflich, zuvorkommend


Körperliche Anzeichen (Feinmotorisch)

  • ständiges Fußwippen

  • ständiges „Krupeln“ an Fingernägeln bis es blutet


Medikation bisher

  • 1 Woche 30 mg Lisdexamfetamin

  • keine relevanten Nebenwirkungen

  • leichte Konzentrationsverbesserung

  • mental weiterhin sehr rastlos, tausende Gedanken

  • Gefühl: keine innere Beruhigung

Meine Fragen:

  1. Hilft Lisdexamfetamin auch gegen mentale Rastlosigkeit? Bisher hilft es nicht… Falsches Medikament oder falsche Dosis?

  2. Können wenige ADHS-Symptome extrem ausgeprägt sein (innere Unruhe, Tatendrang)? Also bei mir beispielsweise die innere Rastlosigkeit. Andere Symptome von denen andere berichten, treffen bei mir aber überhaupt nicht zu.

    Ich habe wie beschrieben viele Gedanken gleichzeitig, ständige Rastlosigkeit, kaum Ruhe, Einschlafprobleme und impulsive Momente. Gleichzeitig bin ich extrem zuverlässig, pflichtbewusst und beruflich sehr erfolgreich – ADHS zeigt sich bei mir nur in wenigen Symptomen, diese aber extrem.

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Vielleicht reichen 30mg dir nicht aus.. das muss man testen mit der Eindosierung

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Vielen Dank, für die Antwort.

Kann es denn sein, dass man viele Symptome wie die meisten Menschen mit ADHS nicht hat?

Ich bin beispielsweise extrem zuverlässig. Lege Wert auf Pünktlichkeit und bin quasi nie zu spät. Arbeite sehr gewissenhaft und Projekte erledige ich lieber früher als später….

Ich lege auch Wert auf Pünktlichkeit. Ich bin grundsätzlich zu früh weil ich Leute hasse die zu spät kommen..
Ist doch gut wenn du Projekte pünktlich abschließen kannst. Dann hast du deinen Kopf da schon so weit.

Hi @Timo91 und herzlich willkommen! :adxs_wink:

Weißt Du, was Du in der Eindosierungsphase am meisten brauchst?
Das, was in unserem Bauplan vergessen wurde: Geduld!

Die Eindosierung ist ein Marathon, kein Sprint.

Und keins der Medis macht die Symptome alle weg. Die Medis lindern die Symptome - damit Du mit dem Rest auch so klar kommst. Bis Du für Dich das richtige Medikament in der richtigen Dosierung gefunden hast, können Wochen oder Monate vergehen.

Eine Woche mit 30 mg Elvanse ist quasi nix. Wichtig ist, dass Du nicht zu schnell hochdosierst. Damit kannst Du Dir nämlich alles versauen, weil Du meinst, das Medi würde nicht richtig wirken - dabei warst Du nur zu ungeduldig. 1-2 Wochen solltest Du Dir mit jeder Dosis „gönnen“, um wirklich herauszufinden, wie die Wirkung ist.

Und was die Symptome angeht, so sind auch nicht alle bei jedem gleich stark. Außerdem hast Du Dir im Laufe Deines Lebens unbewusst Strategien angeeignet, um bestimmte Sachen auf die Reihe zu bekommen.

Schließt ADHS nicht aus, genauso wenig wie Pünktlichkeit.
Berufliches Scheitern, Unpünktlichkeit, Nachlässigkeit und Unzuverlässigkeit sind keine Diagnose-Kriterien. Gerade überdurchschnittlich intelligente ADHSler rutschen oft durchs Raster, weil sie von kleinauf schnell erkennen, was von ihnen gefordert wird und außerdem in der Lage sind, einen Weg zu finden, den Anforderungen zu entsprechen. Nur frisst das unheimlich viel mentale Energie, die dann woanders fehlt.

Psychotherapie könntest Du nochmal probieren, wenn Du eindosiert bist. Es kann sein, dass der mangelnde Therapieerfolg am unbehandelten ADHS lag. ADHS muss in der Therapie berücksichtig werden, weil wir nunmal anders „ticken“. Deswegen funktionieren die üblichen Therapie-Methoden oft nicht - da muss der Therapeut flexibel sein und was anderes probieren - auch öfter mal - weils dem ADHSler halt schnell langweilig wird und Übungen sich auch schnell „abnutzen“.

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Vielen Dank, für eure Antworten. Hat mir sehr geholfen. Laut Psychiater könnte eine Unterdosierung vorliegen. Erhöhe nun auf 50 mg Elvanse am Tag.

Das scheint mir das Gegenstück zu Prokrastination sein.

Präkrastination gibt es auch als ADHS-Symptom.

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Wie geht es dir mit den 50mg? Merkst du eine besserung. Mir geht es wie dir. Ich bin extrem pflichtbewusst. Ich habe einen vieö zu grossen Radar für Berantwortung was auch gleich meine impulsive Art erklärt Sie bricht in Situationen aus zb wenn jemand sich nicht verteidigen kann oder zu Unrecht Schickaniert wird oder bestraft. Wenn alle schweigen werde ich dann laut. Ich trage die Verantwortung von so vielen Dingen die ich nicht müsste. Ich brenne geradezu für Sie. Das doofe ist viele ADSler tun es wie du und ich.

Es gibt einen unterschied Du bist Geschäftsführer und solltest Veramtwortung tragen. Es steht dir zu.

Mir nicht. Ich trage zwar die verantwortung aber oft für Feiglinge oder Drückeberger einfach weil ich ein”geschäft oder Job” nicht hängen lassen kann. Und wie es so ist mit Verantwortung tragen. Ich habe Sie dann schon für Menschen oder Situationen Getragen, da ist es mir nicht zugestanden. Ich hatte dann vom Leben die Quittung. Aber es passiert immer wieder wie ein Fluch

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Meine Erfahrung mit Elvanse (bzw. LDX-Generikum) war leider nicht so gut, und ich bin auch ein sehr mental hyperaktiver Typ und ständig innerlich rastlos. Diese innere Unruhe ist leider durch LDX bei mir um einiges schlimmer geworden. Ich war quasi wie getrieben.

Ich habe über 5 Monate hinweg verschiedene Dosierungen ausprobiert und bin nun aber zu Methylphenidat gewechselt, da es unter keiner LDX-Dosierung eine Verbesserung meiner inneren Unruhe brachte.

Mit MPH bin ich hingegen deutlich weniger getrieben. Ich habe eine positive Wirkung auf meine Konzentration und Aufmerksamkeit, zwar weniger Antrieb und Motivation als unter LDX, dafür aber insgesamt das Gefühl, etwas ruhiger zu sein. Meine Emotionen sind stabiler als ohne Medikation, ich bin organisierter und vor allem bin ich weniger gereizt. Unter LDX hatte ich beim Autofahren immer noch viele (innerliche) Road Rage-Momente, unter MPH hingegen bin ich um einiges entspannter.

Manchmal fehlt mir schon der Antrieb, den ich unter LDX hatte, aber ich bin sehr froh, die innere Unruhe endlich los zu sein.

Das ist natürlich nur meine Erfahrung, für andere ist es eher genau andersherum, was ich so gelesen habe, und bei denen wirkt LDX viel beruhigender als MPH. Aber jeder ist ja so verschieden, daher dachte ich, dass meine Erfahrung für dich auch interessant sein könnte.

Du könntest ja LDX noch ein bisschen weiter verwenden, um wirklich sicher zu sein, dass sich der Körper an die Dosis gewöhnt hat, aber wenn dann immer noch keine Besserung mit der Unruhe einkehrt, dann wäre vielleicht ein Wechsel auf MPH einen Versuch wert?

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Vielen Dank, für eure Antworten. Nehme nun seit vielen Wochen Elvanse. Aktuell in einer Dosierung von 50 mg… Bin damit sehr konzentriert und habe keinerlei Nebenwirkung. Ich komme lediglich nicht wirklich zur Ruhe… Würde am liebsten 24 Stunden am Tag arbeiten. Mein Psychiater meinte ich solle mal Abends Ritalin Adult zusätzlich nehmen. 20 mg… Damit hatte ich aber keinerlei positive Wirkung. Scheint mir Elvanse deutlich potenter zu sein.

Was bedeutet „am liebsten“?
Bist du völlig mit Leidenschaft und Begeisterung bei der Arbeit und es erfüllt dich komplett?

Oder fühlst du dich innerlich getrieben, um deinem eigenen Anspruch zu genügen? Wenn ja, würde ich erstmal fragen, ob es dein eigener Wert ist, dem du da folgst oder ein erlernter Wert, z.B. dein Wert hängt von deiner Leistung ab.

Oder würdest du etwas Unangenehmes fühlen, wenn du nicht ständig unter Dauerstrom stehen würdest, machst es also zur Ablenkung oder als Ersatzhandlung für etwas, dass du eigentlich brauchst? Arbeitssucht ist gesellschaftlich hoch angesehen, aber nicht unbedingt weniger schädlich als andere Süchte. Und Süchte bestehen oft als Komorbidität bei ADHS.

Es ist natürlich auch gut möglich, dass LDX bei manchen Menschen Ruhelosigkeit fördert. Meine Theorie wäre, dass es das fördert, was man auch ohne LDX versucht zu erreichen. Wenn mir Leistung wichtig ist, unterstützt es mich also diese zu erbringen. Könnte das sein?

Ich hatte diese große Ruhelosigkeit auch mein Leben lang und habe ganz gut funktioniert. Aber es hat sich für mich immer eher falsch angefühlt, als würde ich Ansprüche erfüllen, die nicht meine sind. Und mit LDX (auch mit Methylphenidat) hat sich so ein Entspannungsgefühl eingestellt. Vor allem in der Hauptwirkzeit kann ich entspannt auf der Couch sitzen, aus dem Fenster gucken und voll im Hier und Jetzt sein. Und ich kann viel klarer sehen, was ich eigentlich will. Vorher war es so ein unbestimmtes „irgendwas stimmt nicht, aber keeeeeeeine Ahnung was“.

Ich muss aber zugeben, manchmal zu sehen, was ich sehen will. Wobei dieses Gefühl seit 2 Jahren relativ stabil ist. Kann allerdings auch mit daran liegen, dass ich mein Leben nach der Diagnose ziemlich umgekrempelt habe.

So oder so lohnt es sich vielleicht, mit Meds die Ansprüche und Werte noch mal komplett zu hinterfragen und sich evtl. umzuorientieren, um den Weg nach den eigenen Werten bewusst einzuschlagen :slightly_smiling_face:

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