Keine Aussicht auf Diagnostik

Hallo, ich bin ganz neu hier.

Seitdem bei meinem Kind der Verdacht auf ADHS gestellt wurde und ich mich darüber informiert habe,
Habe ich gemerkt, dass mir das alles zu vertraut klingt.
Ich habe so viele Tests gemacht - auch welche von meinem damaligen Therapeuten. Der meinte aber, er könne das nicht diagnostizieren, weil er sich damit nicht auskennt. Bei allen Tests habe ich „erfolgreich bestanden“.
Dann habe ich versucht einen Termin für die Diagnostik zu machen und bin bei einer Psychologin in Ausbildung gelandet. Trotz meiner Anmeldung dort mit der Bitte um ADHS Diagnostik meinte Sie dann - nach einem halben Jahr Wartezeit - dass sie gar keine ADHS Diagnostik stellen könne und bei mir nicht denke, dass ich ADHS habe sondern nur gestresst sei und die Symptome von meiner Depression kämen. Ich kam nicht wirklich dazu zu was zur erzählen, sie hat mich dann mehr über mein Kind ausgefragt und mir Tipps für dessen Diagnostik und Behandlung gegeben. Sie meint ich brauche mehr Therapie. Das stimmt ja auch, aber ich bin so frustriert.

Ich war so aufgeregt und habe versucht mich zusammenzureißen. Ich war mit der Situation voll überfordert, weil ich einfach mit was ganz anderem gerechnet habe.
Deshalb war mein Eindruck bei ihr vielleicht auch verfälscht? Sie hat keine Tests mit mir gemacht und mir nur Fragen gestellt, warum ich denke, dass ich ADHS habe. Das hat mich so gestresst weil ich mir dann quasi wie ein Imposter vorkam. Sie meinte, sie glaube nicht dass ich ADHS habe, aber ich könne mich ja woanders testen lassen. Oder Medikamente nehmen, dann werde ich automatisch merken ob ich darauf anspringe und „wirklich“ ADHS habe.
Aber wo soll ich mich denn diagnostizieren lassen? Sie war ja die einzige, die ich nach zig Telefonaten erreicht habe und einen Termin bekommen habe, ohne selber zu zahlen.
Habe jetzt adxs nach der Liste gefragt, aber so überfüllt wie alle grad sind, habe ich keine große Hoffnung.
Ich wünsche mir eine klare Diagnose und dann Hilfe, um meinen Alltag und meine Selbstständigkeit besser bewältigen zu können. Im Moment habe ich eher langfristig ungesunde Strategien und bin ständig im Stress.

Ich hoffe der Text ist nicht zu lang und chaotisch. Freue mich über Tipps, wie ich mit der Situation umgehen kann.

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Herzlich willkommen im Forum, schön dass du deine Erfahrungen mit uns teilst!

Nein, ganz und gar nicht. Das ganze Vorgehen dort war höchst unseriös und verschwendete Ressourcen.

Das ist die Antwort darauf:

Die war überfordert, zudem manche Psychologen auf das Thema ADHS blind sind und es nicht sehen (wollen). Habe selbst so eine Erfahrung gemacht. Wobei ich da wegen meiner starken Depression gewesen bin. Am Ende hat alles Sinn gemacht, aber der Therapeut gab selbst zu, dass er für ADHS „zu doof“ sei, aber vieles Sinn ergeben würde.

Da wäre ich vor Ort sehr „impulsiv“ geworden und ihr den Vogel gezeigt. Und ja, Depression ist möglich. Dafür kenne ich dich aber nicht. Aber man sollte nach den Ursprüngen einer Depression suchen. Bekannt ist, dass die eine Folge von ADHS sein kann.

Selbstzweifel sind für uns so typisch, da hat sie dir nichts gutes getan.

Nein ist er nicht. Man merkt, dass du mit der Situation und den Erlebnissen kämpfst, aber auch stark bist. Dir geht es hier nun um eine fachgerechte Diagnose, was dein Recht ist und bisher wurdest du unwürdig „abgewürgt“.

Du hast die Tests gemacht, wo es ziemlich deutlich war. Inoffiziell weißt du also, was Sache ist. Der ärztliche Diagnosetermin ist im Grunde nur das Zertifikat.

Aber: Bereits mit der Erkenntnis ADHS zu haben, kannst du dir sehr viel selbst helfen. Du hast dieses Forum gefunden, kannst gucken was andere so machen bei Problem X. Dann gibt es auch übersichtliche Bücher von Psychiatern mit ADHS für Leute mit ADHS wo eine gemeinsame Sprache gesprochen wird. Mit diesen Mitteln kannst du dein Leid schon analysieren und dein Leben verbessern. Diese Selbsthilfe ist neben einer Therapie und Medikamenten ein Baustein.

Nun wirst du dich wegen der Diagnose leider gedulden müssen, alternativ kannst du, je nach persönlicher Mobilität, ob es etwas weiter von dir Diagnosemöglichkeiten gibt. Die Wartezeit kannst du aber schon mit einem Selbststudium, wie oben erörtert, überbrücken.

:heart:

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Vielen Dank, das tut so gut zu lesen :blush: und bestätigt mich in meiner Wahrnehmung!

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Hi @Eeverafter
Wichtig ist jetzt, dass Du nicht aufgibst. Ich habe ebenfalls solch ein Erlebnis gehabt. Bei mir war der Hauptgrund weshalb ich beim ersten Anlauf nicht diagnostiziert wurde:

Sie hat mir meine übersteigerte Emotionalität bestätigt. Ausgeschlossen hat sie ADHS vor allem, weil ich auf Arbeit Bestleistung bringe. Völliger Quatsch, also dass es deshalb nicht ADHS sein kann. Meine Hypoaktivität hat sie als depressiv gewertet und mir einen Therapeutenwechsel empfohlen. Zum Glück neige ich nicht zu Gewalttätigkeiten :sweat_smile:

Das hat dann meine Neurologin gemacht. Währenddessen habe ich mich um eine Diagnose bemüht. Das musste ich privat bezahlen, weil es in unserer Region nur wenige Diagnostik Anlaufstellen gibt. Auf die Medikamente habe ich passend reagiert.

Viel Glück und stecke nicht den Kopf in den Sand!

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Hallo,

Du kannst bei ADxS.org Adressen von Ärzten und Therapeuten mit Bezug zum Thema AD(H)S anfordern, sofern Du zusagst, Deine eigenen Erfahrungen mit den von Dir kontaktierten Adressen später zurückzugeben.
ADxS.org kennt 1650 Adressen in Deutschland sowie etliche in Österreich und der Schweiz.
Du musst dort eine existierende PLZ angeben, dann bekommst Du die 70 nächstgelegenen Adressen zugemailt.

Hier ist der Link zur Anleitung:

Viel Erfolg :slight_smile:

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Könntest du mir bitte die Adresse als PN schicken, damit wir andere Betroffene warnen können (bleibt anonym) um ihnen so ein verlorenes halbes Jahr zu ersparen?
Danke!

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Ich weiß, dass hier auf dich unterschiedliche Vorschläge einströmen (werden).

Vielleicht könnte dir ein Beschwerdebrief an die Leitung der Einrichtung helfen?

Da könntest du deine Erfahrung und Gefühle durch diesen Termin bei der Noch-nicht-Psychologin mitteilen. Hätte sogar einen therapeutischen Sinn für dich.

Du hast bei der Terminanfrage explizit die ADHS-Diagnostik genannt, erhieltst einen „Lehrling“ bei so einem heiklem Thema zugewiesen und hast nicht nur durch die Wartezeit bis zum Termin viel Zeit verloren. Nun musst du schauen, wo du den nächsten Termin bekommst, womit wieder Monate verstreichen und du weiter leidest. Du hoffst, dass diese Einrichtung dir nun einen zeitnahen Termin zur ADHS-Diagnostik bei einer fachkundigen Person anbietet.

Ich möchte dir da keine Emotionen zuschreiben, aber zumindest so höre ich das bei dir raus. Versuchen würde ich es. Nur weil eine Person was verbockt hat, heißt es nicht, dass die ganze Einrichtung Mist ist?

Angst die Beschwerde (persönlich adressiert an die Leitung) abzuschicken wäre unbegründet. Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. :smiling_face_with_tear:

Lg
Pedro

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Diesen Impuls hatte ich damals (im Sommer 22 :sweat_smile:) auch. Ich habe es aber gelassen und nur alle Ärzte und Therapeuten um mich herum gewarnt. Zudem habe ich die Diagnostikstelle in der Liste entsprechend bewertet. Mittlerweile verschwende ich keinen Gedanken mehr an den ersten Diagnoseanlauf.

Mir hat dieses Loslassen gut getan. Was soll ein Beschwerdebrief in solch einer Situation bringen? Mein Nervenkostüm war so strapaziert, das hätte ich nicht bewältigt und das hätte mir auch keine Diagnose verschafft.

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Jeder tickt anders. Ich mache das gelegentlich um Sachen zu verarbeiten um sie danach abzulegen. Da fresse ich das vielleicht während des Briefverfassens in mich rein, verschwende aber keinen Gedanken daran später wenn ich damit fertig bin.

In der Vergangenheit habe ich tatsächlich die eine oder andere Beschwerde abgeschickt, weil es mir das Wert war. Die Leitung der Einrichtungen/Gemeinschaftspraxen bekommen halt sonst nichts davon mit. Geholfen hat es auch schon. Ich lasse den Brief von Freundinnen dann gerne stark kürzen, wenn ich meine ihn wirklich abschicken zu wollen weil ich mir Vorteile erhoffe. Romane kann ich.:joy:

Nochmals: Ich weiß es nicht, aber da es eine Psychologin in Ausbildung war, ist es sehr wahrscheinlich, dass innerhalb dieser Praxisräume jemand mit Kompetenz sitzt. Denn eine „Auszubildende“ kann den Laden nie selbst schmeißen. Ich hab das unzählige Male bei fachärztlichen Gemeinschaftspraxen (Hautarzt, Zahnarzt, Chirurgie , Innere Medizin) erlebt, wo oft eine Handvoll Fachmediziner auf dem Türschild stehen und ich das Pech hatte, den größten Trottel erwischt zu haben oder ein absolutes Besen als „Gesicht“ einer Praxis hinter dem Tresen. Seither beharre ich darauf nicht von diesem Trottel behandelt zu werden und nehme auch spätere Termine in Kauf. Mit der Zeit findet man in der Gemeinschaftspraxis den Lieblingsarzt.

Daher finde ich es grenzwertig von einer Person auf die ganze Praxis oder Einrichtung zu schließen. Da könnten wir alle Krankenhäuser abwerten. Aber ja, wir ADHSler neigen zu Schwarz-Weiß-Denken.

Wenn mir jemand eine große Freude bereitet hat, schreibe ich sogar positive Sachen. Entweder als Bewertung oder als kleines Briefchen mit einem Dankeschön.

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Danke, dass habe ich auch fast als erstes hier gemacht :slight_smile:

Danke für die vielen Ideen. Im Moment fehlen mir die Kapazitäten für eine Beschwerde. Hatte wegen einer anderen Situation mal die Antidiskriminierungsstelle eingeschaltet und auch das hat nicht viel gebracht, deswegen habe ich da vielleicht so frustrierende Erfahrungen/Assoziationen mit. Aber eigentlich wärs schon sinnvoll. Jetzt warte ich erstmal bis die Liste kommt :slight_smile: Tat gut eure Rückmeldungen zu hören und sich damit nicht so alleine zu fühlen.

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Guten Abend zusammen, der Beitrag hat viel in mir ausgelöst. Auch ich war die letzten Wochen bei einem Psychologen, der meine Probleme nicht wirklich ernst genommen hat. Im Vorfeld habe ich mich viel mit ADHS beschäftigt und hatte das erste Mal das Gefühl, dass ich mit meinen Probleme (Selbstzweifel, Prokrastination, große Unsicherheit) nicht alleine bin und es Erklärungen gibt. Daher hatte ich schon im Erstgespräch erwähnt, dass ich ADHS plausibel finde.

Leider hat der Psychologe meine Probleme nicht ernst genommen, gesagt “das hat ja jeder, dann habe ich vielleicht auch ADHS”. Stattdessen hat der Psychologe bei mir Borderline-Tendenzen und depressive Züge gesehen. Außerdem sei ich sozial viel zu kompetent, Menschen mit ADHS seien anstrengend, ich sei eine sehr angenehme Person. Die depressiven Züge kann ich noch nachvollziehen, Borderline hingegen überhaupt nicht. Er ist mit mir dann Fragenbögen zu Persönlichkeitsstörungen durchgegangen, zu ADHS hat er kein Wort verloren außer “Das spricht jetzt wieder entschieden gegen ADHS”. Ich habe mich so schlecht danach gefühlt und habe die letzten Wochen dann immer sehr an ADHS bei mir gezweifelt, bis ich es teilweise völlig ausgeschlossen habe für mich. Ich kam mir dann selbst lächerlich vor zu glauben, ich könnte ADHS haben. Im Übrigen fand ich die Art und Weise, wie über ADHS gesprochen wurde, einfach nur respektlos.

Die Tage habe ich es dann bei dem Psychologen abgebrochen, sehe keinen Sinn, das dort weiter zu verfolgen. Jetzt habe ich auch große Angst, das Thema weiter zu verfolgen. Nachdem mich das Forum heute sehr aufgebaut hat, möchte ich mir das nicht mit einer erneuten schlechten Erfahrung kaputt machen.

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