Unsere Tochter hat nun die Schule gewechselt und ist auf einem Gymnasium. Schulisch läuft wie immer alles super. Sie schafft es allerdings nicht Freundschaften zu schließen.
Leider hat ihre einzige Freundin, die sie aus der Grundschule mitgebracht hat, ihr nun die Freundschaft wegen Kleinigkeiten gekündigt. Das hat meine Tochter sehr getroffen, aber sie sagt, dass sie es ja gewohnt sei, alleine zu sein und sie das schon gut wegstecken würde.
Wir machen uns allerdings große Sorgen und ich als Mutter leider gerade wirklich sehr darunter. Sie versucht sich zu verabreden aber keiner geht darauf ein. Hat sie mal eine Verabredung, folgt danach aber keine weitere.
Ich kann nicht so ganz festmachen, woran es liegt, da sie bei den wenigen Verabredungen immer sehr fröhlich und aufgeschlossen ist. Die Klassenlehrerin sagt, dass sie auch in der Schule wirklich gut drauf ist, allerdings hat sie oft Probleme, die Signale anderer Kinder zu verstehen. So hat sie beispielsweise bei einer Gruppenarbeit zunächst nicht gut mitgemacht, was die anderen Kinder natürlich geärgert hat. Das ist aber nicht immer so und wir haben auch mit ihr darüber geredet, aber sie kann sich halt schlecht in andere Kinder hineinversetzen.
Ich weiß leider gerade derzeit überhaupt nicht mehr weiter. Mir bricht es einfach gerade das Herz und ich habe keine Idee mehr, wie ich ihr helfen kann.
Hast du ggf. schon mal an eine Ergotherapie oder was vergleichbares gedacht.
Wahrscheinlich hat sie typische Eigen- und Fremdwahrnehmungsstörung, die bei einigen, auch bei mir Beiwerk sind und ich wirklich über 30 Jahre nie verstanden hatte, wie Treffen so toll waren und für mein Gefühl super verlaufen sind es aber meist einmalig war, da andere keine Wiederholung mochten oder ich habe es mir durch mich in Erinnerung bringen (heute extremes nerven und aufdringlich sein - war ohne Medikamente ne Katastrophe), dazu habe ich auch noch einen hochfunktionalen Autismus, bin das lebende Google und habe auch immer recht , icv vergesse nie was und kann es nach 30 Jahren noch wöchentlich wiedergeben und beschreiben als wäre es ein Video was ich vor und zurück spulen kann.
Könnte deine Tochter ggf hochbegabt sein? Ggf noch nen leicht autistischen Touch?
Dann könnte irgendwas in sozialer Interaktion völlig anders rüber kommen als sie es mein, als sie es empfindet ggf. ist sie auch sowas wie zu ehrlich ggf. zu direkt etc.
Wenn sie dann wie in einer Ergotherapie in eine für sie passende Art übersetzt bekommt warum Kinder sich ggf. von gewissen Ausdrucksarten, was wir als lebendig empfinden von „normalen“ Kindern anders verstanden wird, das sie schon anders denken und empfinden für die gleiche Sache, das sie gewisse Sozalregeln haben sie sich ggf. nicht wahr nimmt aber gelebt wird etc. und dann quasi durch die Ergotherapie verstehen lernt, das „normale“ Kinder in einer Art anderen Kultur mit x,y,z „ritualisierten Interaktionen“ das nahe gebracht bekommt wächst sie damit auf, muss nicht durch verzweifelnde Jahre und würde es ggf. dann sehen können als würde eine sehr fancy Tante aus Brasilien oder Bolivien kommen die sich auch anders ausdrücken und mit der Unterstützung durch die Ergotherapeuten hineinwachen, es in eine für sie „verständliche Sprache“ übersetzt bekommt und dann gut auf einen von ihr entwickelten Weg damit dann gut zurecht kommt
hoffentlich wars jetzt nicht zu kompliziert und verwirrend
Im Kopf laufen super Bilder aber ich bekomme die gerade schwer formuliert
Es tut mir sehr leid für dich, dass es dir Kummer macht, dass deine Tochter gerade wenig/ keine Freundinnen hat.
Ich kenne das nur zu gut. Von mir selbst, von meiner Tochter, von meinem Sohn, meinem Mann, meiner Mutter, meiner Schwiegermutter, meinem Schwiegervater und allen neurodivergenten Kids, die ich beruflich begleiten konnte.
Es ist meiner Meinung nach so, dass neurotypische Menschen us neurodivergente anders/ etwas komisch finden und oft Abstand von uns nehmen. Und je älter die Kinder werden, um so deutlicher zeigen sich meiner Ansicht nach die Unterschiede.
Kennst du das Konzept von den Bären & Wölfen? Wölfe sind Rudeltiere. Sie haben viele unausgesprochene Regeln und bleiben gern unter ihresgleichen.
Das Bär/Wolf Konzept hat zumindest unsere Familie geholfen uns besser zu verstehen, die Wölfe besser zu verstehen und mit uns zufriedener zu werden mit unserem Bären-Dasein.
Lösungsansätze kann ich dir leider keine geben aber dir mein Mitgefühl aussprechen und dir eine virtuelle Umarmung schicken.
Neben den Ansätzen und Gedanken, die sicherlich auch wichtig sind, würde ich aber auch sagen, dass es noch mehr Zeit brauchen kann.
Das Schuljahr hat gerade erst begonnen, die Umstellung ist wahrscheinlich sowieso (für alle) groß, es bilden sich neue Verbindungen usw.
Es ist gut möglich, dass sie noch mit anderen in näheren Kontakt kommt, mit denen es gut passt. Vielleicht auch über AGs oder Interessen.
(Und wenn sie jetzt zu sehr versucht sich den anderen anzupassen und auf „dies und jenes“ achtet, sehr guckt, was die anderen denken, wollen, … dann kann das auf Dauer leider auch eher ungesund sein.)