Kind (9) wird von sämtlichen Stimulanzien aggressiv und von Guanfacin depressiv

Hallo,

unsere Tochter hat vor einem Jahr die Diagnose ADHS und Hochbegabung erhalten. Ihr „Schwerpunkt“ bei ADHS liegt vor allem auf Impulskontrolle, niedriger Frustrationstoleranz, dauernder Gereiztheit, Motivationsmangel, oppositionelles Verhalten und Wutantfällen.(Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit auch, aber eher vernachlässigbar.) Autismus wurde ausgeschlossen durch zweifache Testung und ich sehe auch keinerlei Anzeichen dafür.

Vor den Sommerferien letztes Jahr wurde sie immer aggressiver (vermutlich durch Stress, da ein Lehrerwechsel anstand fürs nächste Schuljahr) und so haben wir in den Ferien mit MPH von Ratiopharm gestartet (10mg retardiert). Davon ist ihre Aggression aber noch krasser geworden, sie hat sich ab dem zweiten Tag total gegen das Medikament gewehrt und fing nach ein paar Tagen an, sich selbst zu verletzen. Sie sagte damals, sie hätte das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein und dass die Tablette sie wütend macht, und wenn sie sich selbst weh tut, dann würde das „das schlimme Gefühl im Kopf“ erträglicher machen. Positive Wirkung haben wir keine gesehen, es war einfach nur eine richtig schlimme Erfahrung und wir haben nach 10 Tagen abgesetzt.

Im 3. Schuljahr ging es dann eine Weile gut, aber zu den Weihnachtsferien hin stiegen Impulsivität und Aggression sowohl in der Schule als auch zuhause wieder und es eskaliert in den Ferien erneut (zum Teil über 1 Stunde Schreien), sodass wir im Januar mit Elvanse starteten. Bei 20mg sahen wir erste Wirkung (konnte länger bei einer Sache bleiben), aber folgendes Muster: 3 Stunden nach der Einnahme kam sie in eine aggressive Schimpftirade (z.B. ihr Zimmer sei zu klein, ihre Haar zu hässlich, etc etc), die etwa 1,5 Stunden andauerte. In der Schule hatte sie das im Griff, am Wochenende war es einfach nur anstrengend. Sie hatte keinerlei Appetit mehr und verweigerte untertags fast jegliche Nahrungsaufnahme, was jedoch zu weiteren Wutanfällen über den Tag verteilt führte, in denen sie komplett die Kontrolle über sich verlor. (Sie hat seit jeher kein Gefühl für Hunger und neigt zu hungerbedingten Wutausbrüchen, aber das war nochmal eine Steigerung). Nach etwa 6 Wochen haben wir dann aufgegeben.

Weiter ging es mit Intuniv (1mg), das wir ebenfalls etwa 6 Wochen gegeben haben. Es half einigermaßen gegen die Wut und senkte die Impulsivität etwas ab, allerdings wurde sie dadurch komplett antriebslos und gefühllos (sagte zur mir „Mama, ich habe überhaupt keine Gefühle mehr“ und weinte nichtmal, als ihr Hamster gestorben ist). Ihre Therapeutin machte dann einen Test und teilte uns mit, dass sie Anzeichen für eine Depression hätte.

Da nichts hilft und sie vermehrt Schule verweigert, ist sie jetzt seit 4 Wochen in der Tagesklinik und hatte dabei folgende zwei Medikationsversuche: Kinecteen (18mg): nach 10 Tagen abgesetzt, da wir kaum Wirkung, sondern nur Verschlimmerung aller Symptome sahen (Impulsivität, Unruhe, Dauergereiztheit und Wutanfälle am laufenden Band). Seit ein paar Tagen bekommt sie Attentin (erst 2,5mg, seit heute 5mg) und es ist wieder ähnlich: Wut, Aggression, Gereiztheit, besonders stark ca. 3 Stunden nach der Einnahme. Gegen 13 Uhr war sie dann ziemlich ruhig, da habe ich sie gefragt, wie es ihr geht. Sie sagte: Ich bin innen drin ganz leer, das ist nichts, kein Gefühl, kein Gedanke. Es ist ein bisschen wie in einem Traum, aber der fühlt sich nicht gut an. Kopfrechenaufgaben kamen ihr anstrengender vor als sonst, sie musste quasi „tiefer graben“.

Wir stehen jetzt kurz davor, auch Attentin wieder abzusetzen. Ich habe im Intenet von einem Arzt in den USA gelesen, der verschiedene ADHS-Typen kategorisiert und dass es eine aggresive Form von ADHS gäbe, die man auf keinen FAll mit Stimulanzien behandeln sollte.

Was dann noch bliebe, wäre Atomoxetin, aber meine REchereche hat ergeben, dass das in der REgel schlechter wirkt als Intuniv und ich bin nicht grad scharf drauf, das zu versuchen…

Meine Fragen sind also:

  1. Wie kann es sein, dass unser Kind auf sämtliche Stimulanzien so aggressiv reagiert? Habt ihr jemals davon gehört/selbst erfahren, dass Aggressionen durch Stimulanzien besser werden? Wir können uns das irgendwie nciht vorstellen

  2. Hätten wir mit den MPH-Produkten länger durchhalten müssen, dass die Aggression irgendwann weggeht? (Aber mit Elvanse war das ja auch nach 6 Wochen nicht weg…)

  3. Hat jemand Erfahrung damit, ob bei gesteigerter Aggression höher Dosierung doch besser wäre? Das hört man immer wieder, aber bisher wurde mir das ärztlich noch nciht empfohlen.

  4. Wie sollte es sich denn innerlich anfühlen, wenn Stimulanzien wirken? Klar, wach, gut gelaunt, ruhig, entspannt…?

  5. Hat jemand mit Intuniv ähnliche Erfahrungen gemacht? (Alle Gefühle weg, extreme Antriebslosigkeit)

  6. Ist hier jemand, der das Wutproblem kennt und gute Erfahrungen mit Atomoxetin gemacht hat?

  7. Hat jemand irgendwelche anderen Tipps, die uns helfen könnten, damit klar zu kommen, dass gängige ADHS-Medikamente bei unserem Kind nicht wirken?Anmerkung dazu: Bei ihr geht es gar nicht so sehr ums „funktionieren“, denn sie hat durchweg gute Noten in der Schule dank Hochbegabung. Sie ist außerhalb von zuhause zwar auffällig wild, aber nur daheim haben wir ernsthafte Probleme mit ihr. Und das Hauptproblem ist, dass sie sich nach eigenen Angaben den ganzen Tag eigentlich scheiße, müde oder wütend fühlt (außer wenn sie Konsole spielt oder was süßes isst). Das ist doch kein Zustand, den ein Mensch ein Leben lang durchhalten kann…

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Da ich mit meinen Eltern das als riesen Thema habe, finde ich deine Beschreibung mit „NUR“

ein Thema haben sehr problematisch!

Ist eure Sicht und die große Frage wie es eure Tochter sieht.

Ist euch bewußt das Adhs auch bedeutet das sie eine Eigen- und Fremdwahrnehmungsstörung haben kanb die solch ein Verhalten teilweise aus einer Art Verteidigungshaltung gegen für sie verletzendes/ unterdrückendes Verhalten ander und vieles mehr sein kann, weil ihr Empfinden und ihre Wahrnehmung völlig anders und damit auch ihre Realität so anders zur Wahrnehmung des Umfeldes sein kann?

Das kann mit Medikamenten deutlich besser werden aber auch ein Teil der Probleme bleiben- wenn es die Wahrnehmungsstörung ist finde ich es wichtig Therapie Maßnahmen zu nutzen die zumindest versuchen die gegensätzlichen Bedürfnisse der für sie fremden Wahrnehmung begreiflich zu machen weil sich das zu festsetzen kann und mega lange als grausamer Geist im Leben begleiten und vieles auch in Jahren als Angriff, Liebesenzug, ausgrenzend empfinden lassen kann etc.

Daraus können dauerhaft viele soziale Konflikte empfunden werden…

Das bei Elvanse war im Anfluten das kann ggf. SneedleDeeDoo gut erklären. Elvanse braucht 4,5 std bis es voll angeflutet ist. Wurde versuchsweise auf 30 mg erhöht obs dann weg ist? Könnte unterdosiert gewesen sein unterdosiert ist oft schlimmer als überdosiert

Das mit dem nur soll verdeutlichen das emotional bei der Tochter ganz viel im argen liegen kann was ggf. zu lange nicht richtig bewertet/ wahrgenommen wird und dann lange in ihr nagen kann

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Zunächst einmal möchte ich meinen Respekt dafür ausdrücken, was ihr und eure Tochter auszuhalten habt.

Ich selbst bin 58 Jahre alt (w) ind habe die ADHS-Diagnose letztes Jahr erhalten. Mir geht es wie deiner Tochter, und es erschüttert mich, dass so ein junger Mensch so etwas mitmachen muss.

Leider habe ich nur mein Mitgefühl und keine Empfehlung für dich/ euch, ich kann nur berichten, dass es mir genauso geht wie deiner Tochter. Diese Wut und Impulskontrollverluste sind schon als Erwachsene schwer zu ertragen, um wieviel schlimmer muss es für ein Kind sein? :sleepy_face:

Was sagen denn die Behandler/innen in der TK?

Ich wünsche euch von Herzen, dass eure Tochter zur Ruhe kommt.

Liebe Grüße :smiling_face_with_three_hearts:

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Habt ihr vielleicht mal eine ganz kleine Dosis getestet? z.B. 5 mg MPH retardiert oder 2.5 mg unretardiert?

Und habt ihr bei Elvanse mit 10mg angefangen? Wie war das?

Ich frage weil einiges ein bisschen nach Überdosierung klingt in meinen Ohren… Mein Sohn zeigte bei zu hoher Dosis auch Wut, aber es war so eine sehr kalte, abgeklärte Wut, ich fand das sehr schlimm. Beim Rebound dann wieder die altbekannte ausflippende Wut.

Also ich würde vielleicht wirklich mal eine ganz kleine Dosis testen (siehe oben) und beobachten, wann die Wut zeitlich auftritt. Beim „Peak“ der Wirkung? Beim nachlassen der Wirkung (Rebound)?

Bei Elvanse zB hast du geschrieben, die Wut kam nach ca 3 Stunden. Das deutet zB für mich auch darauf hin, dass die Dosis zu hoch war.

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Hallo!

Was mir, neben den von @Kathy schon sehr treffend angemerkten Aspekten, einfiel: generell Komobiditäten zum ADHS. Manchmal ist es so, dass diese mit den Medikamenten erstmals so richtig sichtbar werden im Verhalten.

Eure Tochter hatte ja bereits davor die Probleme mit Frust, Gereiztheit und Wut, und mal hypthetisch angenommen, dass diese Merkmale zwar durch ADHS ganz sicher verstärkt werden, aber nicht durch sie entstehen, dann hättet ihr eine weitere Baustelle und die wird dann durch Medikation stark sichtbar.

Habt ihr analysiert, gemeinsam mit eurer Tochter natürlich, WANN und WO sie so wütend wird? Und warum? Selbst mit ADHS-Medikation, die bei mir persönlich die Impulsivität dämpft, werde ich wütend und das nie ohne Grund. Meistens geht bei mir große Überlastung voraus und dann gibt es den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

So gut ADHS-Medikamente wirken, es ist quasi nie so, dass man eine Pille nimmt und alle Probleme sind gelöst. Ihr habt das nicht erwartet, das ist mir klar, und das möchte ich euch nicht unterstellen. Ich will nur sagen, dass es sich hier meiner Meinung nach sehr lohnen kann nach Ursachen außerhalb der Medikation zu suchen.

Denn nein, ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, dass ich mit Stimulanzien garantiert nicht immer gut gelaunt, klar oder wach bin. Das Medikament versetzt mich „nur“ in die Lage dazu, die Probleme besser wahrzunehmen. Und wenn ich mal hypthetisch annehmen, dass Kathys Annahme stimmt, dann würde ich sicher auch ausrasten, wenn man mich andauernd falsch versteht und anders warhnimmt.

Das sind nur Anregungen und Ideen, und ich hoffe, du kannst etwas damit anfangen.

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Ich hätte tatsächlich andersherum gedacht: 10mg retardiert sind ja „nur“ 5mg unretadiert und bei Concerta 18mg sind es ja auch „nur“ 5 mg. Schaut man bei Kühle, ist die Wirkung bei 5mg bei dem Großteil der Patienten nicht die optimale Dosis. Ich würde MPH noch eine Chance geben und die Eindosierung nochmal mit unretadiertem MPH, wie du auch beschrieben hast @moya , starten und einfach auch noch höhere Dosen ausprobieren.

Ich schicke dir ganz viel Energie und hoffe, dass ihr nicht aufgebt und das passende Medikament findet.

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Hallo Kathy,

danke für deine Anregung! Ich bin mir nicht ganz sicher, auf was genau du hinaus willst, aber hab es jetzt so verstanden, dass es um das häusliche Umfeld/unsere Erziehung geht. Wir waren vor der Diagnose schon mehrmals bei er Erziehungsberatung, weil unsere Tochter seit Kleindkindalter ein Problem mit Regeln und Frustrationstoleranz hatte (daheim und im Kindergarten). Sie hat einen inneren Drang, Regeln zu testen bzw. zu brechen (wenn sie der Ansicht ist, diese wären nicht nötig, wie z.B. dreckige Socken im Haus ausziehen). Und das eigentlich von Tag zu Tag neu. Jedenfalls bei der Beratung haben wir selten mehr als 2 Termine bekommen, weil die immer meinten „Sie machen das schon richtig, sie sind achtsam für ihr Kind und setzen Grenzen, halten Sie durch, es wird besser werden. Wenn nicht, machen Sie in der Grundschule eine ADHS Diagnostik“ und uns damit quasi „entlassen“. Mein Mann hat außerdem schon zwei erwachsene Kinder, und auch er kommt fast täglich an seine Grenzen und sagt, er hat oft auch keine Ahnung, wie wir auf das und das reagieren sollen, das hat er mit zwei Kindern so nie erlebt.

Ansonsten bieten wir denke ich einen guten Rahmen, wir wohnen in einer spießigen Wohngegend, hatten immer klare Regeln für Medien- und Zuckerkonsum (die wir mit Elvanse zu BEginn des Jahres alle über Bord geworfen haben, da wir sonst als Familie dran kaputt gegangen wären) und haben keine Ehekrise (wenn wir streiten, dann geht es fast immer nur darum, wie wir mir Ausrastern umgehen sollen, alle drei sind dann unter Stress und wir als Eltern maximal überfordert.)

Seit einem halben Jahr ist unsere Tochter bei einer Kinderpsyhotherapeutin, die ihr „hyperkinetische Störung im Sozialverhalten“ attestiert hat, aber dabei immer wieder betont, dass es eine Komorbidität von ADHS ist und nicht unser elterliches Versagen. Sie hat auch keine Traumas oder „Gründe“ für ihre Wut. Sie ist ab dem Aufstehen gereizt und zur Explosion kommt es dann, wenn sie alltägliche Dinge erfüllen muss: Zähneputzen, in die Schule gehen, Socken ausziehen, Eisverpackung in den Müll werfen, Hausaufgaben machen, 1x1 üben… DAS sind Auslöser für Wutanfälle.

Und glaube mir, seit 9 Jahren bin ich am Reflektieren, was meine elterliche Kompetenz angeht. Ich bekomme von extern sämtliche unaufgeforderte Tipps. Das reicht von „du solltest mal bedürfnisorientierte Erziehung ausprobieren“ (da sehe ich mich ehrlich gesagt auch am meisten, ich denke ich habe feine Antennen und spüre, wie es ihr geht, aber es laugt unendlich aus, über soviele Jahre Ko-REgulation zu betreiben ohne sichtlichen Erfolg), über „Wutanfälle sofort blocken, das Kind muss lernen, wann Wut nicht angebracht ist“ (spoiler: funktioniert defintiiv nicht bei uns, haben wir ganz schnell sein lassen) bis hin zu „ein GEschwisterkind würde euch bestimmt gut tun, dann lernt sie mal, dass sie nicht allein auf der Welt ist“. (Da musste ich ganz arg lachen, denn für ein zweites Kind hätte ich keine Kraft gehabt, das habe bereits nach einem Jahr gewusst. Usnere Tochter war ein unruhiges SchreiBaby, das man immer am Körper tragen musste, wurde zu einem unruhigen Kind, dass sich sich so gut wie nicht regulieren und selbst beschäftigen kann und mit der Einschulung ging es dann so richtig los mit den Wutanfällen.

Viele haben gesagt, das wäre typisch, dass Kinder sich in der Schule „zusammenreißen“ und dann daheim komplett auseinander fallen udn das wäre ein Zeichen dafür, dass sie daheim sie selber sein kann. Und das denke ich auch, denn wir haben eine sehr gute Bindung zueinander und abends, ab ca 20 Uhr, verwandelt sie sich wie von Zauberhand in ein ruhiges, verständnisvolles Kind, fährt komplett runter, will mit mir reden, mir vom Tag erzählen und kann sich kritisch reflektieren. Das ist es eigentlich, was unsere Verbindung aufrecht erhält, den REst des Tages finde ich nur ein Wort für ihr Verhalten: ANSTRENGEND

Und was mich eigentlich so traurig macht, ist, dass wir als Eltern so hilflos sind.

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Hallo,

Danke für deine mitfühlenden Worte :heart_suit:

In der TK sehen sie „gängige“ ADHS Symptome, wie Impulsivität und auch mal Unkonzentriertheit, aber nicht die ganz großen Aussetzer. Nur einmal, in der ersten Woche, wollte sie wieder mit heim und als klar war, dass sie bleiben muss, hat sie eine Stunde lang dort getobt, da haben sie einen Einblick bekommen, was wir mehrmals pro Woche daheim haben. (Das war schrecklich, ich selber bin heulend raus an dem TAg). Von Kinecteen haben sie dort nicht viel bemekrt, aber bei Attentin haben mir die Betreuerinnen berichtet, dass sie emotional instabil und gereizt wurde.

Die Psychiaterin dort ist jung und unerfahren und ich habe den Eindruck, dass „wütend werden aufgrund von stimulanzien“ nicht in ihr Weltbild passt. Sie sagt, dass kann nicht vom Attentin kommen, das wäre so gering dosiert, da dürfte sie eigentlich gar nix merken.

Die Oberärztin hat schon einen Blick drauf, aber auch sie hat kein Patentrezept wie mir scheint. Ich habe gerade einfach das GEfühl, usner Kind wäre das einzige, das so auf das Zeug reagiert und daher habe ich jetzt ins Forum geschrieben, in der Hoffnung, dass hier auch andere Leute diese Erfahrung gemacht haben.

achja und wegen der Elvanse Frage: wir haben testweise mal auf 25mg erhöht, aber es dann sein lassen, weil alles nur noch schlimmer wurde. Es wäre aber einen Versuch wert, nochmal mit Elvanse zu starten, das hat bisher die beste Wirkung gezeigt und vor allem sagt sie bei Elvanse, dass sie sich besser fühlt und wollte es selber gar nciht absetzen.

Danke dir, ich denke, das könnte vielleicht ein nächster Schritt sein, muss ich mal mit der TK besprechen.

Hallo,

Danke für die Idee! Ja, das haben wir auch mal testweise gemacht (2,5 und 5mg MPH retardiert, Elvanse 10mg), allerdings hat das (außer Appteitmangel) leider keinerlei Wirkung gezeigt.

Ich hab auch mal gehört, dass das Wirkungsverhältnis so ist: 20mg Elvanse enstpricht in etwa 10mg MPH. Daraus habe ich geschlossen, dass, wenn bei ihr 20mg Elvanse wirken, 10mg etwa das MPH-Level sein müsste. Und leider war es ja so, dass die 20mg Elvanse erst der Wirkungsbeginn waren, also die Grenz, wo wir überhuapt was positives gesehen haben, z.B. dass sie mal 30min sich mit was beschäftigt oder es schafft, länger als eine Stunde mit der Freundin zu spielen ohne Streit. Mit der Zeit ließ das aber nach und der nächste Schritt wäre dann die Erhöhung gewesen, und bei 25mg haben wir dann abgesetzt, weil die Nebenwirkungen noch schlimmer wurden.

Und das mit der Uhrzeit…auch bei MPH war wir die schlimmste Zeit etwa 2-3 Stunden nach der Einnahme. Da stehen wir zum Beispiel um 10:30 Uhr (mit 18mg Kinecteen) im Laden beim Einkaufen und sie fängt an rumzubrüllen, wir gehen mit ihr raus und sie schreit „ich halt das nicht mehr aus, ich will heim, ich kann nicht mehr, ich bin so wütend, mach das weg!“. Mit Elvanse war es eher das, was du als kalte Wut beschreibst. Da schaute sie mich mit so einem kompett hasserfüllten Blick an und wirft mir Dinge vor wie „mein Zimmer ist hässlich und viel zu klein, du zerstörst mein Leben, du machst extra ekliges Essen, damit ich es nicht mag“ etc, etc. wie am Fließband. Da hilft nur ruhig bleiben, und „ok, ich höre dich“ sagen und warten dass es vorbei geht. Oder, an Tagen wo man einfach keien Kraft hat, Konsole spielen lassen… im Prinzip ist sie aber durchgängig gereizt und dadurch, dass sie kaum was isst, kommt dann nach wenigen Stunden der nächste Wutanfall, sie explodiert z.B. weil ich sage, räum bitte deine Bücher vom Sofa weg. Einen REbound in dem Sinne haben wir noch nie beobachtet. Es gibt wie gesagt nur diese 3-Stunden-REgel und den restlichen Tag random verteilte Ausraster, mal mehr mal weniger. Hängt ovn ihrer Tagesform, den Ereignissen und Hungerpegel ab.

So generell sagt sie aber, dass, in der Zeit wo sie Medikamente nimmt, sie sich auch abends schlechter fühlt.

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Hallo,

Danke fürs Teilen deiner Erfahrung! Ja, da hast du REcht, tatsächlich hat sie auch eine „hypertkinetische Störung im Sozialverhalten“ attestiert bekommen, also schon nochmal etwas, was übers reine ADHS hinausgeht. Und die Wut-Problematik ist eigentlich auch der Grund, warum wir es immer wieder mit Medikamenten versuchen. Wir halten es streckenweise einfach nicht mehr mit ihr aus und mit jedem Versucht besteht die Hoffnung, dass das Medikament sie innerlich zur Ruhe bringt.

Ich habe in meiner Antwort auf Kathys Beitrag schon einiges dazu geschrieben, daher hier nur in Kürze: im Prinzip sehen weder wir noch die Therapeutin Ursachen für die Wut, an denen wir arbeiten könnten. Sie wacht an 80% der Tagen morgens gereizt auf und jede noch so kleine alltägliche Anforderung kann das Fass zum Überlaufen bringen (Zähneputzen, Anziehen etc.), sie ist wie man so sagt, ein Pulverfass auf zwei Beinen. 20% sind zufällig verteilte gute Tage, da läuft es „fast normal“ bei uns, bis auf die Impulsivität und Hyperaktivität, die ist immer da.

Der Kinderarzt meinte letztes Jahr zu mir, dass Hochbegabung ein treibender FAktor sein könnte, weil sie sich viel in der Schule langweilt und das für ein ADHS-Kind natürlich noch frustrierender ist, dann ruhig zu bleiben am Vormittag. Aber eine Klasse überspringen lassen können wir sie nicht, weil sie emotional unreif ist, ich würde sagen eher auf Stand einer 1. Klässlerin, und ein Hochspringen bedeuten würde, dass sie im Herbst in die 5. Klasse müsste. Dazu kommt halt auch, dass sie wenig motiviert für die Schule, sie blockt sämtliche geistige Anstrengungen außerhalb der Schule ab (Hausaufgabenverweigerung, Uhr lernen, 1x1 üben - alles NEIN…sie kann sehr willensstark sein…).

Von daher gibt es aus unserer Sicht kein wann, wo und warum der Wut. Wir versuchen es seit Jahren zu verstehen, aber sehen mehr und mehr, dass sie irgendwie einfach so ist. Das sagt sie selber auch manchmal (ohne Medikamente intus): „Mama, ich bin immer so wütend und weiß nciht, warum. Alle anderen Kinder sind fröhlich, aber ich bin einfach nur genervt vom Leben“ Da muss man schlucken als Eltern - kann es sein, dass ein Mensch mit so einer Grund-Wut geboren ist (sie war ja schon als Baby extrem unruhig) und damit leben muss?

Und ja, vielleicht ist das etwas, was einfach überhaupt ncihts mit ADHS zu tun hat und deswegen sehen wir diese Verstärkung unter Medikation…macht irgendwie Sinn…

Hey!

Eigentlich beschreibst du in deinen Beiträgen das Wann und Warum doch sehr gut und reflektiert :slight_smile: Also kann es sein, dass ihr als Eltern mehr verstanden habt als ihr selbst es inmitten des sehr anstrengenden Alltags (verständlicherweise!) sehen könnt?

Mein spontaner Gedanke war das Konzept PDA (Pathological Demand Avoidance oder auch mal Pervasive Drive for Autonomy genannt). Du hast vielleicht schon mal davon gehört, wenn du in der ADHS-Bubble auf Social Media oder auch hier im Forum unterwegs bist, obwohl PDA gerne als Autismus-Profil deklariert wird. Da muss noch ganz viel Forschung passieren bis man weiß, was genau PDA ist, so viel ich weiß. Darum soll es auch gerade nicht gehen.

Was ich dir mitteilen will, ist eher, dass es sich eventuell für eure Probleme lohnen kann PDA zu recherchieren und sich aus diesem Bereich Umgangstipps zu holen. Das sind nämlich in der Regel Kinder, die jede kleinste Anforderung im Alltag als extreme Bedrohung ihrer Autonomie empfinden (so wird es jedenfalls oft beschrieben) und das könnte nach deinen Posts zu urteilen zu eurem Kind passen. Dass sie nicht autistisch ist, spielt da keine Rolle. Eventuell findest du da gute Quellen und Ratschläge, oder auch Austausch mit anderen Eltern, für eure Probleme. Falls du das alles bereits weißt und recherchiert hast, ignorier meinen Post einfach.

Falls du recherchierst, pass auf vor Scams und Coaches, die mit der Verzweiflung von Eltern Geld verdienen wollen. Gibts leider oft.

Ich kenne diese Grund-Wut aus eigener Erfahrung von mir selbst aus den Zeiten, in denen ich maximal mit den Anforderungen an mich im Alltag überfordert war. Ohne Medikamente war das bei mir praktisch täglich so. Aber auch mit Medikation ist diese Wut, wie bereits erwähnt, nicht einfach weg bei mir. Zumal ich auch erwachsen bin und kein Kind mehr, das deutlich weniger Freiräume und Lebenserfahrung besitzt, weshalb ich mich inzwischen besser regulieren kann.

Die Überforderung war bei mir dann schon sowas wie Zähneputzen oder Anziehen am Morgen, und nicht etwa eine Aufgabe bei der Arbeit oder etwas noch Komplexeres.

Vielleicht kannst du was mit meinen Ideen anfangen.

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Hallo,

wir haben gute Erfahrungen mit atomoxetin gemacht. Mein Sohn hat es 2 Jahre lang bekommen. Mit Beginn der Pubertät hat es dann nicht mehr gereicht.

Ich würde es ausprobieren, ABER sehr niedrig und langsam einschleichen. Die erste Woche war bei uns emotional sehr schwierig, dann ging es bergauf.

Die Ärzte erhöhen atomoxetin gerne wöchentlich wie MPH, würde ich aber nicht machen. Mein Sohn hat z.B. 25 mg gut vertragen, höher dosiert wurde er wieder aggressiver. Da muss man länge Zeit eine Dosierung beobachten.

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Das ist kein ADHS-Symptom.

Ich denke mal laut, und viel mehr als zu prüfende Hypothese denn als Ergebnis:
Man kann ja Läuse UND Flöhe haben.

Vielleicht eine komorbide Conduct Disorder oder ODD?
Und dann gabs noch so was wie Pathological Demand Avoidance. (Nachtrag: Wie ich gerade sehe, hatte @KiwiSam das auch schon erwähnt.)

In der Richtung könnten niedrig dosierte Antipsychotika ziemlich hilfreich sein.

Und mein Eindruck: So, wie du das schreibst, so, wie ihr euch bemüht, würde ich nicht vermuten, dass ihr irgendwas falsch gemacht hättet. Ich bewundere eure Kraft und Geduld!

Minimaldosen von Stimulanzien könnten einen Versuch wert sein. Gerade dass die Aggressionen immer bei der stärksten Workzeit auftreten, lenkt meine Gedanken darauf. Manche Menschen brauchen sehr geringe Dosen, das ist nicht die Regel, aber es gibt es. Fragt mal den Doc, ob er das mitgeht - könntet ihr dann ja mal an Wochenenden testen…

Ja, HB kann da auch rein spielen.
Da bei ADHS 3 Jahre sozialer Rückstand durchaus handelsüblich sind, und ich sozialen Umgang für wichtiger halte, würde ich sie in der Schule nicht pushen. Als HB kann sie alles aufholen, wenn sie es irgendwann will.
#Was ihr aber super helfen könnte, wäre, andere HB-Kids kennenzulernen.
Als HB hat man auch das Gefühl, nicht dazuzugehören, denn HB geht nicht nur mit einem schnelleren Denken, sondern mit eigenen Charaktertraits einher. Dazu einiges unter Hochbegabung… auf ADxS.org. Z.B. geht HB genauso wie ADHS in die Richtung einer Dominanz des intrinsischen Interesses.
Ich würde euch wärmstens empfehlen, bei Mensa e.V. nach Veranstaltungen für HB-Kids zu suchen. Das Gefühl, endlich nicht mehr soooo anders zu sein (in diesem Fall vielleicht auch nur noch halb so anders zu sein wie vorher) kann unglaublich viel bewirken… Das könnte ein echter Türöffner sein, wenn auch nur für die HB-Teile.

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Wie war es denn da mit der Wut? Und zwar innerhalb der Wirkzeit, d.h. bei MPH retardiert ab ca. 30 min nach Einnahme bis ca. 5h nach Einnahme? Irgendeine Veränderung?

Hallo, das hört sich für alle Beteiligten anstrengend an. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich ein bis zwei Wochen 10 mg Elvanse probieren und dann eventuell langsam steigern, ich löse 20mg in einem kleinen Gläschen auf, schüttel und trinke die Hälfte. Bei mir reicht gerade 10mg. Durch Zufall habe ich gemerkt das ich ich das Lisdexamfetamin besser von der Firma Aristo vertrage. Ansonsten würde ich Therapie mit dem Kind zusammen machen und nicht nur das Kind alleine dorthin schicken, egal wo die Probleme herkommen, es wird sich so anfühlen dass sie falsch ist und wahrscheinlich sich allein gelassen fühlt. Alles Gute

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Das ist jetzt nur ein Gedanke der mir gerade aufblitzte und ich will es zumindest kurz in den Raum werfen - auch wenn es vielleicht totaler Quatsch ist…

Ich musste daran denken, dass mir mal eine Mutter erzählt hat, dass ihr Kind Zöliakie hat und vor der Diagnose ständig gereizt, schlecht drauf usw. war und sich das quasi schlagartig änderte als diese Ursache bekannt war.
Das Kind war körperlich sonst normal entwickelt, pfiffig usw. also keine besonders spezifischen Symptome und auch Bauchschmerzen konnten nicht klar benannt werden.

Ich knüpfe dabei auch etwas an die „Läuse und Flöhe“ Aussage an. Ggf. gibt es etwas, was sie (körperlich) in einen dauergereizten Zustand versetzt (Zöliakie wäre ja nur ein Beispiel) - Wut und Aggression fänd ich da, gerade in Kombination mit weiteren ADHS- und ggf. HB-Gegebenheiten, eine nachvollziehbare Reaktion.

Sorry, falls es zu sehr am Thema vorbeigehen sollte.
Ich hoffe ihr findet trotz der großen Herausforderungen einen Weg ihr zu helfen :four_leaf_clover:

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Danke dir! Gute Idee, das mit dem Verdünnen - Wir haben am Anfang ewig mit dem feinen Pulver rumgepfriemelt (gar nicht so leicht, da die Hälfte zu finden…) und dann hab ich zufällig erfahren, dass man Lisdexamfetamin (von Aristo) auch als Saft bekommen kann. Den hatten wir dann auch ne Weile, damit kann man auf mg genau dosieren.

Wegen der Therapie: Die Kinder-Therapeutin, bei der wir sind, macht das so, dass jede 5. Sitzung mit den Eltern ist und jede 6. sogar nur Eltern ohne Kind. Das finde ich ganz gut, weil sie Input von uns holt, und wir als Eltern auch so ein bisschen eine Anlaufstelle haben. Ab Herbst bekommen wir voraussichtlich einen Erziehungsbeistand vom Jugendamt, da kommt dann jemand zu uns nach Hause - was ich früher krass gefunden hätte, und heute hoffe ich einfach nur, dass es bald losgeht… Soweit ich verstanden habe, gibt es sonst keine Angebote, wo alle Familienmitglieder „betreut“ werden und man Konflikte zusammen angehen kann.

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10mg Elvanse hatten meiner Erinnerung nach einen etwas milderen Effekt (also nur leicht wütend nach ca 3 Stunden), und an die niedrigen Dosen von MPH kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr so richtig erinnern. Das haben wir auch jeweils nur für ein paar Tage gemacht und es ist echt lang her, ich meine da war sie wie immer. Wir haben das nicht lang gemacht, weil keine Verbesserung bei der Impulsivität usw. zu sehen waren und dann haben wir es sein lassen.

Den aktuellen Versuch mit Attentin machen wir jetzt erstmal weiter, aber ich bespreche das bei nächster Gelegenheit mit der Ärztin.

Bis jetzt war der Fokus immer auf „ADHS therapieren“, in der Annahme, dass die Wut Teil der ADHS ist und wenn man das im Griff hat, ist die Wut „erledigt“. Aber leider ist das bei uns nicht so, hier kamen ja schon viele Anregungen, was noch dahinter stecken könnte, und die Gereizthiet/Wut muss gesondert betrachtet werden…

Danke! An sowas hat bisher noch niemand gedacht, ich nehme das auch mal mit ins Gespräch mit der Ärztin.

Meine „todo“ Liste ist mittlerweile echt lang :wink: , aber immerhin haben wir jetzt wieder Ideen, wie wir weitermachen können: Dosis erhöhen, Dosis minimieren, andere psychische/oder körperliche Ursachen für die Wut finden, niedrigdosierte Antipsychotika und das Thema Hochbegaung angehen…Viel zu tun, aber wir geben nicht auf!

An der Stelle nochmal ein großes DANKE von uns an alle, die mitgelesen und sich Gedanken gemacht haben!:heart:

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