Hallo,
unsere Tochter hat vor einem Jahr die Diagnose ADHS und Hochbegabung erhalten. Ihr „Schwerpunkt“ bei ADHS liegt vor allem auf Impulskontrolle, niedriger Frustrationstoleranz, dauernder Gereiztheit, Motivationsmangel, oppositionelles Verhalten und Wutantfällen.(Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit auch, aber eher vernachlässigbar.) Autismus wurde ausgeschlossen durch zweifache Testung und ich sehe auch keinerlei Anzeichen dafür.
Vor den Sommerferien letztes Jahr wurde sie immer aggressiver (vermutlich durch Stress, da ein Lehrerwechsel anstand fürs nächste Schuljahr) und so haben wir in den Ferien mit MPH von Ratiopharm gestartet (10mg retardiert). Davon ist ihre Aggression aber noch krasser geworden, sie hat sich ab dem zweiten Tag total gegen das Medikament gewehrt und fing nach ein paar Tagen an, sich selbst zu verletzen. Sie sagte damals, sie hätte das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein und dass die Tablette sie wütend macht, und wenn sie sich selbst weh tut, dann würde das „das schlimme Gefühl im Kopf“ erträglicher machen. Positive Wirkung haben wir keine gesehen, es war einfach nur eine richtig schlimme Erfahrung und wir haben nach 10 Tagen abgesetzt.
Im 3. Schuljahr ging es dann eine Weile gut, aber zu den Weihnachtsferien hin stiegen Impulsivität und Aggression sowohl in der Schule als auch zuhause wieder und es eskaliert in den Ferien erneut (zum Teil über 1 Stunde Schreien), sodass wir im Januar mit Elvanse starteten. Bei 20mg sahen wir erste Wirkung (konnte länger bei einer Sache bleiben), aber folgendes Muster: 3 Stunden nach der Einnahme kam sie in eine aggressive Schimpftirade (z.B. ihr Zimmer sei zu klein, ihre Haar zu hässlich, etc etc), die etwa 1,5 Stunden andauerte. In der Schule hatte sie das im Griff, am Wochenende war es einfach nur anstrengend. Sie hatte keinerlei Appetit mehr und verweigerte untertags fast jegliche Nahrungsaufnahme, was jedoch zu weiteren Wutanfällen über den Tag verteilt führte, in denen sie komplett die Kontrolle über sich verlor. (Sie hat seit jeher kein Gefühl für Hunger und neigt zu hungerbedingten Wutausbrüchen, aber das war nochmal eine Steigerung). Nach etwa 6 Wochen haben wir dann aufgegeben.
Weiter ging es mit Intuniv (1mg), das wir ebenfalls etwa 6 Wochen gegeben haben. Es half einigermaßen gegen die Wut und senkte die Impulsivität etwas ab, allerdings wurde sie dadurch komplett antriebslos und gefühllos (sagte zur mir „Mama, ich habe überhaupt keine Gefühle mehr“ und weinte nichtmal, als ihr Hamster gestorben ist). Ihre Therapeutin machte dann einen Test und teilte uns mit, dass sie Anzeichen für eine Depression hätte.
Da nichts hilft und sie vermehrt Schule verweigert, ist sie jetzt seit 4 Wochen in der Tagesklinik und hatte dabei folgende zwei Medikationsversuche: Kinecteen (18mg): nach 10 Tagen abgesetzt, da wir kaum Wirkung, sondern nur Verschlimmerung aller Symptome sahen (Impulsivität, Unruhe, Dauergereiztheit und Wutanfälle am laufenden Band). Seit ein paar Tagen bekommt sie Attentin (erst 2,5mg, seit heute 5mg) und es ist wieder ähnlich: Wut, Aggression, Gereiztheit, besonders stark ca. 3 Stunden nach der Einnahme. Gegen 13 Uhr war sie dann ziemlich ruhig, da habe ich sie gefragt, wie es ihr geht. Sie sagte: Ich bin innen drin ganz leer, das ist nichts, kein Gefühl, kein Gedanke. Es ist ein bisschen wie in einem Traum, aber der fühlt sich nicht gut an. Kopfrechenaufgaben kamen ihr anstrengender vor als sonst, sie musste quasi „tiefer graben“.
Wir stehen jetzt kurz davor, auch Attentin wieder abzusetzen. Ich habe im Intenet von einem Arzt in den USA gelesen, der verschiedene ADHS-Typen kategorisiert und dass es eine aggresive Form von ADHS gäbe, die man auf keinen FAll mit Stimulanzien behandeln sollte.
Was dann noch bliebe, wäre Atomoxetin, aber meine REchereche hat ergeben, dass das in der REgel schlechter wirkt als Intuniv und ich bin nicht grad scharf drauf, das zu versuchen…
Meine Fragen sind also:
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Wie kann es sein, dass unser Kind auf sämtliche Stimulanzien so aggressiv reagiert? Habt ihr jemals davon gehört/selbst erfahren, dass Aggressionen durch Stimulanzien besser werden? Wir können uns das irgendwie nciht vorstellen
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Hätten wir mit den MPH-Produkten länger durchhalten müssen, dass die Aggression irgendwann weggeht? (Aber mit Elvanse war das ja auch nach 6 Wochen nicht weg…)
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Hat jemand Erfahrung damit, ob bei gesteigerter Aggression höher Dosierung doch besser wäre? Das hört man immer wieder, aber bisher wurde mir das ärztlich noch nciht empfohlen.
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Wie sollte es sich denn innerlich anfühlen, wenn Stimulanzien wirken? Klar, wach, gut gelaunt, ruhig, entspannt…?
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Hat jemand mit Intuniv ähnliche Erfahrungen gemacht? (Alle Gefühle weg, extreme Antriebslosigkeit)
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Ist hier jemand, der das Wutproblem kennt und gute Erfahrungen mit Atomoxetin gemacht hat?
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Hat jemand irgendwelche anderen Tipps, die uns helfen könnten, damit klar zu kommen, dass gängige ADHS-Medikamente bei unserem Kind nicht wirken?Anmerkung dazu: Bei ihr geht es gar nicht so sehr ums „funktionieren“, denn sie hat durchweg gute Noten in der Schule dank Hochbegabung. Sie ist außerhalb von zuhause zwar auffällig wild, aber nur daheim haben wir ernsthafte Probleme mit ihr. Und das Hauptproblem ist, dass sie sich nach eigenen Angaben den ganzen Tag eigentlich scheiße, müde oder wütend fühlt (außer wenn sie Konsole spielt oder was süßes isst). Das ist doch kein Zustand, den ein Mensch ein Leben lang durchhalten kann…