Kleinkind < 2 Jahre

Hi,

ich will jetzt keine ADHS Verdachstdiagnose für mein Kind konstruieren. Ich habe aber selber ADHS und habe es erst letztes Jahr mit 39 Jahren diagnostiziert bekommen und bin natürlich auf das Thema sensibilisiert.

Ich habe letzte Woche gesehen, wie meine Tochter gegen den Türrahmen gelaufen ist und mit der Schulter daran gestoßen ist. Das ist einmal passiert und daraus kann man keine Diagnose aufbauen. Das ist mir soweit klar.

Ich erkenne viele charakterliche Ähnlichkeiten meiner Tochter zu mir in dem Alter. Es würde mir das Herz brechen, wenn ich nicht in ihren jungen Jahren positiv darauf hinwirken könnte und etwaige Probleme lösen kann.

Ich vermute aber, dass man die räumliche Aufmerksamkeit vielleicht schon jung trainieren kann, damit das sich nicht zum Symptom entwickelt?

Das Kind möglichst vom Smartphone fernhalten - mindestens bis es in der Schule ist (bestenfalls bis 10 Jahre) und möglichst viel in den Wald und auf den Spielplatz. Das trainiert räumliche Vorstellungskraft und -aufmerksamkeit würde ich sagen. Bildschirm - alles flach keine Info, die das Hirn braucht.
Wenn ihr einen Motorikpark habt umso besser.

Bausteine, Lego, Puzzles… haptische Eindrücke, Raum.

Mehr würde ich aktuell noch nicht machen. Einzig zum Augenarzt kannst du mal mir ihr gehen, falls noch nicht passiert. Da würde ich mal ausschließen, dass da etwas ist.

Später kannst du dann weiterschauen und evt. etwas in Richtung Ergotherapie machen etc.

adhs wird doch zu 80% vererbt und du wirst nicht nur von dieser Beobachtung sondern wahrscheinlich viele andere Wahrnehmungen das schon vermutet haben und dann war diese Beobachtung wahrscheinlich „der letzte Tropfen der das Faß zum überlaufen brachte“.

Ich hatte kein Alter gelesen aber du könntest mal nach Selbsttests für Kinder schauen oder den Selbsttest versuchen für sie auszufüllen und könntest es dann normal etwas anders bewerten

Danke ein Test macht in dem jungen Alter keinen Sinn.
Selbst wenn, was wäre die Konsequenz aktuell?

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Mmm ne also mit zwei laufen viele noch hin und wieder gegen Türen, Tische und so weiter. Hauen, kratzen, beißen auch normal, Wutanfälle im übrigen auch. Sollte dein Kind allerdings ständig gegen irgendwas laufen, könnten es auch die Augen sein, Bewegungsstörungen und und und. Ich finde man sollte aber auch nicht alles pathologisieren. Das kann eine normale Entwicklung auch behindern. Also erstmal noch etwas entspannen. Es gibt ja auch die Vorsorgeuntersuchungen.

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Hier geht es um ein Kleinkind. Das ist normal.

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Nachtrag: das gegen etwas laufen, ist ein Teil des Trainings der räumlichen Wahrnehmung. Wenn sie mit 5 immer noch überall gegen läuft, dann wirds schon komisch.

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Meine Kinder waren nach einem Wachstumsschub eine zeitlang immer etwas unbeholfen. Als müssten sie sich an andere Proportionen oder längere Gliedmaßen gewöhnen.

Daraus alleine wirst du kein ADHS ableiten können. Sollte es weiterhin bestehen könnte auch ein Augenproblem oder eine Wahrnehmungsstörung vorliegen. Aber ich glaube von so einem Verdacht bist du noch Lichtjahre entfernt.

Behalte die genetische Komponente im Hinterkopf. Mehr nicht. Mach dich nicht verrückt, bringt dir aktuell sowieso nichts. :people_hugging:

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Stimmt. :+1: Und besonders wenn sie Jungs sind und ins teenageralter kommen, werden sie schlacksig und durchleben das Ganze noch einmal. Für manche ist das durchaus etwas unangenehm, weil sie es in dem Alter ja sehr bewusst mitbekommen.

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Hi, viel verschiedene Untergründe spüren lassen, möglichst unebenes Geländer (Wald, Wiese, Acker, Strand), viel tanzen, kriechtunnel, Parcours wo man nicht berühren darf. Außerdem Konzentration fördern: keine Bildschirme, nur 1-2 Spielsachen gleichzeitig anbieten, puzzle, memory, vorlesen, üben Dinge zu Ende zu bringen.

(Diese Dinge macht man nur im Spiel und nichz als Pflichtprogramm :wink: )

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Das gilt fürs ganze Leben :sparkling_heart:

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Die einzige Frage in diesem Alter:

Entwickelt sich dein Kind weiter? Wenn ja, dann ist erstmal alles prima.

Vielleicht hinkt die Grobmotorik etwas hinterher, dafür ist sie woanders weiter. Das räumliche Sehen, Begriffe wie weit und nah oder oben und unten, dahinter oder drin und draußen werden alles in den ersten drei Jahren erlernt. So aus meiner Beobachtung würde ich sagen, dass sich Kinder bis etwa zur Schulreife völlig unterschiedlich entwickeln. Mein Sohn konnte mit zehn Monaten laufen, hat aber sehr spät gesprochen. Mein Enkel kann mit vier Jahren schrauben und sägen, weiß, wie ein Motor funktioniert, aber kann nicht altersgerecht malen. So what…

Natürlich solltest du das ADHS im Hinterkopf haben. Aber warte doch erstmal ab, ob sich „echte“ Probleme abzeichnen. Und dann kannst du immer noch überlegen, ob sie dich einfach nur nachahmt (Vorbild erzieht).

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Und dann kommen die Kinder irgendwann in die Schule und sollen plötzlich alle zum selben Zeitpunkt dieselben Interessen haben und dasselbe lernen!

Da merkt man doch mal wieder wie wenig kindgerecht unsere Schulsysteme sind.

Es ist sehr normal, dass sich Kinder unterschiedlich entwickeln.

Dies nur am Rande weil ich es so schrecklich finde wie geht es da draussen immer noch gehandhabt wird.

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Genau mit unter 2 kann das Kind erst seit sehr kurzer Zeit überhaupt gehen. Da darf es wirklich noch tapsig sein.

Wichtiger finde ich die Tipps der Förderung von oben. Das geht auch alles nebenbei. Ich bin ein sehr großer Fan von Vorlesen und Vorsingen. Gerade im angegeben Alter ist das schon so wichtig. Bilderbücher und Wimmelbücher haben wir ab einem Jahr angeschaut. Das schult auch ganz gut die Konzentration - nebenbei natürlich Wortschatz und Grammatik. Viele unterschätzen wie wichtig das Vorlesen für die Grammatik ist. Ein Kind lernt die Mitvergangenheit im deutschen fast nur über Vorlesen und Hörbücher! Und die Mitvergangenheit brauchen die Kinder quasi in jedem Deutschaufsatz.

Bei den Bilderbüchern bisschen Vorlesen, wenn man merkt das Kind verliert den Focus zwischendurch kurz die Bilder anschauen. z.B. indem man etwas dazu fragt: Wo ist denn xy? Was macht ab? etc. Oder man zeigt etwas. „Schau, da ist XY, der ha dies und das an.“ Damit bringt man den Focus zurück und kann weiterlesen. Das geht anfangs oft nur stückweise.
Man merkt wie die Kinder immer länger folgen, dann kann man immer länger vorlesen.

Was mich auch schockt: Mein Sohn war in der Schule der einzige in der Klasse, der wusste, was ein Hörbuch ist! Da wird klar, warum die Kinder teils einen wirklich eingeschränkten Wortschatz haben…

Alles mit Balancieren lassen z.B. auf Balanceboard, Trampolin, Sandkiste, Wippe, Schaukeln, Laufrad dann Rad etc. ist natürlich auch wertvoll. Kein Bildschirmzeug vor der Schule - das kann ich nur immer wieder betonen. Fernsehen nur stark dosiert - max. 30min am Tag vor Vorschüler.

Ansonsten einfach Kind sein lassen. Vor 5 Jahren würde ich gar nichts ruminterpretieren, es sei denn es fällt etwas massiv auf.

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Hallo uzlopak,

ich finde es wichtig auf frühe Anzeichen einer ADHS zu achten, zumal sie in der späteren Diagnostik von Relevanz sein werden. Meiner Beobachtung nach, zeigen ca. 1/3 der Kinder mit ADHS auch schon im Kleinkindesalter ungewöhnliche Verhaltensweisen, wobei diese sich bei vorhandener Hyperaktivität viel deutlicher herauskristallisieren als ohne.

Was mir bisher aufgefallen ist:

-ein geringeres Schlafbedürfnis, Einschlaf- und Durchschlafprobleme schon als Babys

-während des Fütterns immer wieder daran erinnert werden müssen, weiter zu essen, weil das Kind abgelenkt ist z.B. durch einen Gegenstand, den es mit den Augen fixiert oder durch ein Geräusch usw., öfteres verlangen nach Zwischenmahlzeiten

-Zappeligkeit, ungewöhnlich unruhiges Strampeln, Händewedeln, Beine kreisen lassen (ausgiebiger als andere Kinder) usw.

-Körperliche Anspannung: Muskelsteifheit, häufiges Fäusteballen bis hin zum Moro-Reflex-ähnlichen Zuckungen, Zehengang und ab ca. drei Jahren bewusstes überdehnen der Hände und anderer Körpergelenke (marfanoid)

-nicht selten, ungewöhnlich frühes Sprechen und oft schon in kurzen Sätzen

Die Aufmerksamkeitssteuerung ist mit zwei noch nicht wirklich ausgereift. Das dauert noch sehr lange. Irgendwo habe ich gelesen, dass das bei Männern bis Mitte zwanzig dauern kann. Ich würde mich den Empfehlungen der anderen hier anschließen, keine Bildschirme, viel herausgehen, das Kind bei der sensorischen Suche unterstützen z.B. im Sand spielen lassen. Reize, wie Lärm, die Stress und Reizüberflutung verursachen könnten vermeiden und lieber etwas weniger Spielzeug zur Verfügung stellen.

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Manche Eltern fangen sogar wieder an, ihre Kinder Hörspiele auf Kassette hören zu lassen. Ach, wie habe ich das geliebt, auch dieses mechanische Drumherum bei dem Ritual, die Kassette einzulegen, vor- und zurückzuspulen, umzudrehen, Bandsalat wieder aufzuwickeln usw.

Kein Bildschirm, keine Überforderung mit zu viel Auswahl, kein Autoplay. :heart:

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Unser jüngstes Kind (jetzt 13) wurde mit 4 Jahren diagnostiziert und mit 4 Jahren und sieben Monaten bekam er zum ersten Mal (ganz wenig) Methylphenidat. Das ist sehr früh, bei uns aber rückblickend richtig.

Ich denke, noch früher macht das keine Ärztin, und Medikamente vor dem 6. Geburtstag werden auch nur gegeben, wenn sehr viel dafür spricht.

Aber dass man im zweiten Lebensjahr schon was sehen kann, denke ich auch. Das kann sich noch relativieren oder auch nicht.

Unser Großer war von Anfang an sehr aktiv und anspruchsvoll. Kein Schreibaby, aber sehr rege. Bei dem Kleinen dachten wir im ersten Jahr, wie schön, ein einfaches Kind. Aber nach dem ersten Geburtstag ging es los.

Das sagt auch Cordula Neuhaus. Das Laufenlernen sei ein wichtiger Punkt, wo sich etwas wenden kann.

@tamaracha Den Bandsalat vermisse ich kein Bisschen. Was war das ärgerlich, und immer die (Lieblings-) Kassetten.