Klugscheißer und Allwissend #hilfe

Ich mußte in 35 Berufsjahren lernen, daß es mir einfach nicht möglich ist „unter dem Radar zu fliegen“ - sprich, meine Behinderungen konsequent zu verstecken. Meine Behinderungen/Diagnosen sind einfach ein Teil von mir. Und das Verstecken/Masking kommt einer Selbstverleugnung gleich. Das tut auf Dauer der Psyche gar nicht gut.

Stattdessen gehe ich offen und authentisch mit meinen Eigenheiten um. Auch in der Arbeit. Das macht Vieles einfacher.

Ja, leider kenne ich diese Angewohnheit.

Wie geht es dir denn, wenn dir jemand Verbesserungsvorschläge für deine Arbeit macht?

Oder dir ungefragt Tips gibt?

Manchmal geht es nicht um Lösungen. Manche Menschen wollen es gerne selber herausfinden, und nur über die Situation, in der sie sich befinden, reden.

Ich versuche (gelingt nicht immer, aber immer besser) zuzuhören und dann zu Fragen, ob sie meine Hilfe oder Vorschläge hören wollen, oder es erstmal alleine versuchen.

Oft wollen sie letzteres, aber kommen gerne wieder, zum darüber Reden und manchmal dann doch zu Fragen :wink:

Je nachdem ist es auch gut zu betonen, “Ich würde folgenderweise vorgehen…” und dann zeigt sich oft, dass sie es so verändern, wie sie es brauchen, oder vertreten können.

Ich bin sehr am Üben und lerne viel neues über zwischenmenschliche Kommunikation und Beziehung.

Es gelingt mir immer mehr mich auszubremsen.

2 „Gefällt mir“

hmm, also ganz verstehe ich das nicht. Im beruflichen Kontext frage ich doch andere nur etwas, weil ich wissen will wie es geht - sprich eine Lösung haben will?

Sprich das ist ein fachliches Gespräch und es geht doch nicht um “nur Zuhören und Anteilnahme”. Es geht darum ein Problem zu bearbeiten.

“Beleidigtsein” kann dann nur sein, weil jemand falschen Stolz hat oder man es blöd rüberbringt. Aber doch nicht, weil man sagt, wie es geht.

Gut, wenn man weiß wie es geht und ein neuer kommt uns erklärt einem alles neu, ist das von mir aus wieder was anderes. Aber auch das kann man so kommunizieren a la “ich habe das bisher so gedacht/gemacht” statt “Man muss das so und so tun”.

Über den Unterschied von Wieso und Warum denke ich hier im Thread auch nach. Und ich dachte, ich habe Sprachgefühl :zany_face:

Das lese ich nicht als Frage :thinking:

Also, falls du das wegen mir gemeint hast. Im fachlichen Umfeld sage ich doch nicht nur “ich weiß nicht wie ich xy umsetzen kann…” und bin beleidigt, weil mir wer Lösungsvorschläge macht. Ich rede doch so etwas nur, weil ich das lösen will. Und lösen kann man Themen doch bitte auch mit Ideen anderer. Wenn man das nicht will, muss ich es halt mit mir selber ausmachen. Beziehungsweise im fachlichen geht’s doch nicht drum “einfach nur zu reden”… äh, dachte ich.

äh, ja vermutlich verstehe ich das Problem noch nicht ganz.

Und ja, ich kenne es auch so, dass viiiiel Emotionen im Spiel sind, egal wie fachlich ein Thema angeblich ist. Damit rechne ich sowieso immer. Und Emotionen sind nicht nur schlecht. :upside_down_face:

Übrigens eine arbeitstechnische Rückmeldung, die ich mal bekam, war dass ich mich zu sehr mit meiner Arbeit identifiziere.

Das stimmt noch immer, denke ich, aber ich mache es jetzt bisschen schlauer. :grin:

Hi,

meiner Erfahrung nach werden wieso/weshalb/warum Fragen fast immer konfrontativ empfunden. Das Mitgesagte ist hier nämlich: das würde ich (und jeder) anders machen.

Was ja gar nicht unbedingt der Fall sein muss, oft kommunizieren auch ADHSler (nicht nur die ohne ASS) sehr literal, also überwiegend wortbedeutungsorientiert. Sie meknen das nicht unbedingt konfrontativ. Neurotypische in der Regel schon und deshalb kommt es auch so an.

Besser wäre hier also z.B.: ‘habt ihr gute Erfahrungen mit dem Vorgehen… oder: auf welchen Grundlagen wurde dieses Vorgehen so festgelegt?

In der anderen Situation sind die beiden Knackpunkte 1. die Impulsivität: schnelle, einfache, da für dich offensichtliche Lösung, mitkommuniniziert hier u.a.: warum seid ihr da nicht selbst drauf gekommen? (Ihr Idioten)? Probleme wie diese löse ich in fünf Sekunden!…

und 2. das helfen wollen. Das ist zwar nett von dir, aber die Leute dort haben in der Regel Erfahrung mit dem, was sie machen. Warum solltest du als Newby da die besseren Ideen haben? Eventuell sind die da auch schon selbst drauf gekommen und mussten die Idee wieder verwerfen, weil sie sich nicht umsetzen ließ, aus Gründen, die in der Struktur des Unternehmens o.ä. begründet sind…

Es ist nämlich häufig keine besondere Stärke von ADHSlern, die vielen kreativen spontanen Ideen dann auch praxistauglich umzusetzen (ich nehme mich da nicht aus).

Besser wäre vielleicht in so einem Fall ein Weichmacher wie z.B.:

Spontan fällt mir dazu ein…. aber sicher habt ihr das bereits schon durchgespielt….

Oder: möchtest du meine spontane Idee dazu hören? … und dann wirklich die Klappe halten, wenn die andere Person das lieber nicht möchte und das dann keinesfalls kommentieren.

Ich weiß, leichter gesagt als getan.

Gutes Gelingen wünsche ich Dir. Der Chef scheint ja schonmal super zu sein!

Kommunikation voll schwer…

Als Newbie würde ich generell mal Zurückhaltung empfehlen und halt wirklich ehrlich fragen im Sinne, dass man es lernen will.

Allerdings muss ich auch ehrlich sagen. Wenn jemand ein Problem erwähnt, nur weil er plaudern und die Zeit rum kriegen will, soll er beleidigt sein… zum Glück bin ich aber nicht mehr neu und kann quasi nach Belieben klugscheißen. :grin:

Ich muss aber sagen, ich arbeite gern in Teams. Ich mag es wenn jeder seinen Platz hat. Ich kann sogar mit Zank und Co gut leben. Für mich geht’s am Ende immer um die Sache.

Bin aber auch schon mal angeeckt, als ich meinte: “Sagt doch bitte ehrlich, was euer Bauchgefühl sagt.” Dann hieß es, dass ja natürlich nach Argumenten entschieden wird… äh ja, genau. Ich kenne doch das Spielchen. Aber man muss die ganze ZEit so tun als ob… na kein Wunder, wenn man abends heim kommt und müüüüde ist.

Ich glaube ja, dass ich nicht wortwörtlich kommunziere. Allerdings bin ich in letzter ZEit doch etwas verunsichert. :upside_down_face:

So sehe ich das auch. Erstmal ankommen im neuen Job, die Rangliste erkennen und einhalten, mit der Zeit sein Ansehen verdienen.

Ich gehöre auch zu den Klugscheißern :zany_face:, habe allerdings ganz ganz früh gelernt, die Klappe zu halten, um ja niieee mehr aufzufallen. Mein Interessengebiet ist auch sehr umfangreich. Und da ich bei Interesse sehr viel sehr schnell erarbeiten kann, ist es für mich relativ leicht, diesen jeweiligen Bereich ständig zu erweitern. Bin auch öfter mal überrascht, wie manche so durch den Alltag kommen. Waren die denn nie in einer allgemein bildenden Schule? Sorry hierfür…..

Vielleicht könntest du lernen, deinen Trigger so rechtzeitig zu erkennen, dass du ihn gerade noch abfangen kannst? Übungsaufgabe mit Achtsamkeit und Atemtechnik. Gehirn umprogrammieren.

Und outen würde ich mich persönlich auch nicht. Das Schubladendenken ist hier einfach zu stark verankert. Ich bin nun seit ca 3 Jahren in einem kleinen Unternehmen mit einem Arbeitgeber-Ehepaar, die beide ADHS-ler sind - er total hibbelig und aufgeregt, sie sehr lieb, einfühlsam und ruhig, und froh, wenn sie wieder alleine ihren Tag machen kann. Aber geoutet habe ich mich bisher nicht und habe es auch nicht vor - nicht mal ihnen gegenüber…..