LDX-Einstieg/Dosierung

Liebe Leute, ich bitte um Hilfe und Tipps!
Ich habe meine Diagnose erst kürzlich bekommen. Mein Psychiater hat mir LDX verschrieben. Ich habe mit 10 mg begonnen, dann 20, 25, jetzt 30. Ich nehme es morgens gegen 9 Uhr ein. Ich spüre relativ schnell eine “kleine Wirkung” (z.B. Muskelschmerzen lassen nach). Gegen Mittag ist der Peak erreicht, ich fühle mich oft konzentriert und stark. Aber: Der Rebound ist oft heftig und kommt meist etwa 7 oder 8 Stunden nach Einnahme.

Durch die Erhöhung von 10 auf mittlerweile 30 mg habe ich keine “Verlängerung” der Wirkung gespürt.
Frage: Kann es sein, dass die Dosis immer noch zu niedrig ist und Aussicht besteht, dass ich mit einer höhren Dosis den kompletten Tag lang eine Wirkung spüre?
Oder: Sollte ich es besser ausprobieren und mittags nochmal "nachlegen”?
Weitere Frage: Warum wird empfohlen, proteinreiche Nahrung (v.a. Frühstück) zu sich zu nehmen? Welche Auswirkung hat das? Ich habe es mit Nüssen und Eiern versucht, konnte aber keine große Veränderung wahrnehmen…
Erlaubt mir noch eine Frage: Ich weiß, dass Appetitlosigkeit zu den häufigsten Nebenwirkungen zählt. Auch mit erwischt es meist voll. Mittags kann ich kaum etwas essen. Es geht erst abends wieder, wenn die Wirkung nachgelassen hat. Hat jemand Tipps, was man gegen die Appetislosigkeit unternehmen kann?

Danke für Eure Hilfe!

Moinsen :adxs_wink:

Du scheinst schon bissl was gelesen zu haben.

Anders kann ich mir die 25mg Dosis nicht erklären.
Es sei denn, du hast das Aristo Präparat in Tropfenform bekommen (eher unwahrscheinlich, aber möglich).

Bevor du bei LDX Präparaten überhaupt über Dose-Splitting nachdenkst, folge doch erstmal dem Standardschema.

Einstiegsdosis für Erwachsene → 20 oder 30mg.

Werden die gut vertragen, dann in Abstimmung mit dem verordnenden Arzt maximal wöchentlich in 10mg Schritten steigern - wie es die Packungsbeilage / Fachinformation vorgibt.

Empfehlenswert wäre ein Eindosierungstagebuch, denn nach 1-3 Wochen wirst du eventuell nicht mehr objektiv einschätzen können, wie die vergangenen Wochen mit Dosis X gelaufen sind.

Solltest du hier und da mal von mehreren Dosen am Tag lesen - lass es lieber. Aus verschiedenen Gründen - aber in erster Linie, weil das Präparat aufgrund der Pharmakokinetik eben nicht für eine mehrmalige Einnahme am Tag vorgesehen ist.

Die Halbwertszeit ist zudem auch recht lang und vom Steady State kannst du hier oben über die Suchfunktion das wichtigste nachlesen


Thema Ernährung:

Egal, wer was wo erklärt.

Der Körper hat einen täglichen Bedarf. Darunter natürlich auch Proteine, ebenso wie Ballaststoffe, Kohlenhydrate, etc.

Zudem ist bei ADHS das Hirn gehandicapt und das hat eh schon einen recht hohen Energiebedarf (frisst rund 30% des Tagesbedarfs an Energie), weil es verdammt viel leistet.

Mangelernährung, Blutzucker-Achterbahn usw. wirkt sich u.a. negativ auf die kognitive Leistung, Stimmung usw. aus - und um das gehts bei uns besonders.

Abgesehen davon, dass Proteine für etliche Prozesse im Körper wichtig sind, sind einige der darin enthaltenen Aminosäuren wichtig für die Neurotransmitter-Synthese.

Sie unterstützen also solche Prozesse, die u.a. bei ADHS Stimulanzien wichtig sind.

Eine ausreichende Versorgung mit Proteinen kann daher also keinesfalls schaden. Im Gegenteil.


Auch, wenn man es hier oft liest, dass „einfach keine Nahrung reingeht“ (ob mit oder ohne Medikation) → es muss.

Nur morgens ein spärliches Frühstück und dann erst am Abend eine volle Ladung, oder auch Mist-Food zwischendurch, wirkt sich immer negativ auf die kognitive Leistung aus - und auch auf die subjektiv empfundene Effektivität der ADHS Medikation.

Dass es den „Rebound“ befeuert, wäre dann zumindest auch nicht verwunderlich.

Eine stabile, gesunde Versorgung und auch Snacks alle paar Stunden zwischendurch über den Tag verteilt können da Wunder bewirken :slight_smile:

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Danke für Deine schnelle Antwort. Ich habe eine Arzt-Problematik: Ich habe Elvanse jetzt vom Kinder-Psychiater meiner Tochter auf Privatrezept bekommen. Ich habe in diesem Sinne keine ärztliche Kontrolle…

Aber jetzt kommt es ganz heftig: Gestern Nacht beim Zubettgehen hatte ich zum ersten Mal so etwas wie einen Anflug von Angstgefühl. Heute morgen beim Anfluten von LDX war es dann auch da. Heute Abend beim Rebound/Abfluten schlägt die Angst ziemlich heftig zu. Leider ist das eine bekannte Problematik bei mir. Ich habe als Erstes nach meiner Diagnose Buproprion bekommen. Ging 2 Wochen gut, dann hatte ich einen richtigen Angst-Zusammenbruch, konnte nicht allein sein. Ging über mehrere Stunden, meine Frau musste mich “betreuen”. Dann habe ich Methylphendidat bekommen. Eine Tablette 10 mg retardiert. Beim Abfluten das gleiche beschissene Angstgefühl wie bei Bupropion nur nicht ganz so heftig. In den ersten 10 Tagen bei LDX war nichts zu spüren. Aber jetzt merke ich, wie es sich das Angstgefühl immer weiter aufbaut. Ein bisschen habe ich auch das Gefühl, dass ich mich jetzt reinsteigere. Aber ich bin sicher, dass da etwas ist, dass LDX verursacht/verursacht hat. Meine Frage ist jetzt: wie weiter? Man liest (auch hier im Forum): erst mal durchhalten, man liest von Psychiatern, die Tavor verschrieben haben und die Durchhalteparole ausgegeben habe. Ich habe auch gelesen, dass man auf keinen Fall komplett absetzen soll (obwohl es ja eigentlich kein Spiegelmedikament ist. So recht verstehe ich das nicht…). Also gehe ich jetzt erst mal dazu über zu reduzieren? 15 oder 20 mg statt 30. Vielen herzlichen Dank für Deine Hilfe!

Bei milden / moderaten / akzeptablen Nebenwirkungen würde ich zustimmen, 1-2 Wochen durchzuhalten und zu hoffen, dass es nur der Eingewöhnung geschuldet ist.

Sowas wird zwar auch in den Nebenwirkungen der Packungsbeilage gelistet. Wenn es aber so starke Angstzustände auslöst, würde ein Arzt wahrscheinlich empfehlen, abzusetzen und vorbeizukommen.

Da stimmt dann das Verhältnis Nutzen / Nebenwirkungen nicht, wenn der Körper so sensibel auf den (vermutlich) Noradrenalin Schub reagiert. Zumindest würde ich es mir so erklären, dass es am Noradrenalin liegt, denn auch Bupropion wirkt noradrinerg und treibt an.

Wenn man sich da gedanklich reinsteigert und selber auch nicht rausholen kann, ist es für mich keine akzeptable Nebenwirkung während der Eindosierung mehr.

Richtig, es ist kein sogenanntes Spiegelmedikament.
Es kann trotzdem vorkommen, dass man nach dem Absetzen ein paar Tage durchhängt bis alles raus ist und das Hirn sich wieder eingependelt hat. Schlimmer als der aktuelle Zustand dürfte es aber nicht sein, würde ich annehmen :slight_smile:

Wenn die KJP nicht erreichbar oder zuständig ist, kann - zumindest bezüglich der Angst - auch ein Hausarzt helfen.

Zur Sicherheit (falls ichs überlesen haben sollte, tut es mir Leid): du verzichtest auf alles koffeinhaltige absolut uns ohne Ausnahme? kein kaffe, kein Enrgy-drink, kein schwarzer tee (manche würden auch grünen Tee mit auflisten)

Und die Dosis hältst du eine Woche lange konstant?

Hallo, danke für deine Hilfe. Kaffee und Schwarztee weiss ich erst seit gestern. Habs heute weggelassen und auf 20 mg reduziert. 30 hatte ich nur 2 Tage, das war wohl zu heftig für mich. Ich war heute mit meiner Tochter bei einer Kinderpsychiaterin und konnte ganz kurz um Rat fragen. Sie meinte, die Dosis sei zu hoch. Die Angst käme vom Herzklopfen… Seit ein paar Stunden sind diese beklemmenden Gefühle weg. Ich hoffe sie kommen nicht mehr wieder. Herzlichen Dank!!

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Oh das hört sich dann schwer danach an, dass Koffein (ist auch ein Stimulanz; hier im Forum finden sich unendlich viele Infos dazu) mit hoher Wahrscheinlichkeit ursächlich verantwortlich ist für die Nebenwirkungen.

Also genau das was du jetzt angefangen hast, nochmal „zurück auf Los“ mit der Eindosierung: eine Woche lang 20mg, dann eine Woche lang 30mg, dann 40, usw. Und führe ein eindosierungstagebuch, bewerte Wirkung jnd Nebenwirkung im Schnitt von ein paar Tagen und nie ein einzelnen Tag, …

Da du ja alleine auf dem Weg bist: Meine dringende Empfehlung hier im Forum dich gut unzusehen und vor allem auch das Kompediu adxs.org sehr intensiv zu lesen. So kommst du an den allergrößten Teil an wichtigen Infos und bist ggf. sogar besser dran als manche, die das Pech haben an Psychater*innen ohne Zeit und/oder Ahnung von ADHS Behandlung zu geraten.

P.S. eine Excel Tabelle als Eindosierungstagebuch findest du auch hier im Forum. Ggf auch nur als Anhaltspunkt welche Aspekte gut wären zu beobachten bei dir selber

Und ich kann das was SneedleDeeDoo schrieb bzgl Ernöhrung nur unterstreichen: Achte darauf dass du ausreichend und ausgewogen isst und auch gleichmäßig über den Tag verteilst ausreichend trinkst. Falls es jetzt in der Eindosierungsphase schwierig ist, stelle dir einen Wecker, arbeite mit Flaschen an denen du erkennst wieviel du getrunken hast, u.ä. Auch wenn du dirs im ersten Moment albern dabei vorkommst, es hilft bei der Wirkung. Und wenn du deine Dosis gefunden hast und alles stabil läuft, dann kannst du immer noch audprobieren wie viel Laissez-faire du einreißen lassen kannst (sofern du das überhaupt willst) ohne dass die Wirkung flöten geht

Herzlichen Dank Euch allen. Kann ich mich wirklich nochmal an eine höhere Dosis heranwagen? Es war schrecklich… ich trinke eigentlich immer recht regelmäßig, min 2 Liter pro Tag. Ich ernähre mich auch weitgehend gesund und koche jeden Tag selbst. Aber mit LDX lässt der Appetit und damit auch die Lust am Kochen ziemlich nach…

Aus meiner Sicht und was ich hier von anderen gelesen habe, Koffein kann für die Nebenwirkungen der alleinige Verursacher sein. Um das zu verifizieren, bleibt dir nur nochmal höhere Dosen ausprobieren. Wenn du aufmerksam bist, ggf auch deinen Blutdruck mal daheim selbst regelmäßig misst und keine Vorerkrankungen/Risikofaktoren bzgl herz hast, spricht wenig dagegen. Ggf. kannst du ja mal beim Hausarzt nachfragen, ob die dort mal EKG machen und falls nicht im Rahmen der ADHS Diagnostik schon gemacht worden ist (Ausschluss anderer Ursachen für die Symptome), einmal Blutwerte für Leber, Niere, Schilddrüse machen. Einfach damit du sicher bist.

Und zum Essen/Kochen: Ja das ist ein Problem mit dem viele von uns erstmal lernen mussten umzugehen. Hunger/Appetit zeigt sich anders. Da muss man sich erstmal dran gewöhnen. Manches gibt sich aber auch nach ein paar Wochen/Monaten. Daher schrieb ich davon, im Zweifel während der Eindosierung erstmal mit Hilfsmittel arbeiten. Mit der Zeit wirst du sicher einen neuen Dreh rauszubekommen, wie du mit der fehlenden Lust auf Kochen und Essen umgehst oder sie kommt (ggf anders) zurück.

Und durchhalten und Geduld haben lohnt sich, Eindoskerung ist ein Marathon und kein Sprint. Du hast - wenn es gut läuft und du die gut passende Dosis findest - noch viele Jahrzehnte mit guter Medikationswirkung vor dir. Da sind jetzt ein paar Tage oder Wochen mehr, die eine langsame aber struturierte Dosisfindung vielleicht kostet, nichts gegen das was du verlieren könntest, falls du hektisch wirst und die Dosis mit für dich oltimaler Wirkung verpasst.
Dies nur noch als Gedanke mit auf den Weg, da es am anfang oft schwierig ist, man als ADHSler oft eh nicht mit Geduld gesegnet ist und ja am liebsten möchte, dass Medikation von jetzt auf gleich alles besser macht, etc. Aber das ist total normal.

Gerade weil du etwas alleine dich durchschlagen musst und selbst die hilfreicheste und wohlmeinenste Kinderpsychaterin als Unterstützung vermutlich vieles eher Erwachsenen spezifisches (siehe z.B. Koffein) vermutlich nicht so auf dem Schirm hat.

Du wirst das sehr gut hinbekommen!!

Liebe Leute!
Danke für Eure Ermutigung, danke für Eure Hilfe. Das Forum, die Community, die Aministratoren, einfach großartig. Ich werde auch spenden und möchte auch alle anderen dazu auffordern, die hier profitieren.

Nun habe ich im Weiteren neue Anliegen/Fragen, auf die ich hier noch keine Antwort gefunden habe und bitte erneut um Hilfe.

Zunächst ganz kurz meine Situation: Ich bin 47, habe die Diagnose vor vier Monaten bekommen. Ich konnte es eigentlich nicht glauben, bis ich zufällig jemanden gefunden habe, der sich Zeit seines Lebens mit den gleichen Problemen rumschlägt: Bei mir sind das im Wesentlichen muskuläre Probleme und sich daraus ergebende Schmerzen. Das Chaos im Kopf/die Unkonzentriertheit habe ich gar nicht richtig wahrgenommen, das war einfach normal. Aber nicht die Schmerzen.
Ich bin auch nicht ganz allein unterwegs, wie ihr vermutet habt. Ich war bei zwei Psychiatern, die keine Ahnung hatten. Dann bin ich zu dem Kinderpsychiater gekommen, durch meine Tochter (die dort zur Diagnose war). Der gute Mann ist wirklich hilfreich. Er macht nur Kinder, hat mich aber in seine Privatkartei aufgenommen. Beratungen etc. stellt er mir nicht in Rechnung. Aber halt Privatrezepte, die ich zahlen muss. Was zu verschmerzen ist. Konkret hat er mir auch jetzt geholfen. Gestern rief er zurück, wie auch auf das Thema Kaffee und andere Stimulanzien und hin. Er hat mir nun zusätzlich Nebivolol verordnet, ein Betablocker, weil er meint, dass ich so Probleme mit dem Adrenalin habe. Was ich dazu nur sagen kann: tatsächlich fühle ich mich Zeit meines Lebens empfindlich/sensibel, wenn etwas “Neues” oder “Anderes” auf mich zukommt. Sofort geht der Puls hoch, das Herz scheint schneller zu schlagen.
Konkret frage ich nun, ob sich jemand mit der Kombination auskennt: LDX und Nebivolon. Erfahrungen, Nebenwirkungen, Anwendung. Ich habe auch ein bisschen Sorge, dass ich meinen Sport (Rennrad) nicht mehr richtig ausüben kann. Das Medikament wird auch bei Bluthochdruck verordnet, wobei ich Zeit meines Lebens zu niedrigen Blutdruck habe…

Ein zweites Thema, bei dem ich Hilfe/Erfahrungsberichte benötige: Mein ganzes Leben ist ein Auf und Ab. Ich habe immer Phasen für ein paar Tage, da ist die Lage ziemlich gut (keine Schmerzen, keine Verspannungen, ich nehme alles gelassen, kaum etwas bringt mich aus der Ruhe). Dann wieder (ohne Auslöser) geht es in ein richtiges Loch (Schmerzen, Muskelverspannung, hochsensibel). Das hat man immer als Depression oder depressive Phase gewertet. Aber ich bin mir sehr sicher, dass es auch mit ADHS zusammenhängt. Hat jemand dafür einen Erklärungsansatz und ggf. auch einen Ausweg. Denn selbst unter LDX kann ich das Phänomen weiter beobachten. Die Probleme sind zwar gedämpft, aber wahrnehmbar. Dann geht es wieder ein paar Tage besser… Im Frühling/Sommer ist die Lage insgesamt besser, aber das hängt vermutlich auch mit Serotonin zusammen. Ich habe jetzt eine Tageslichtlampe, die hoffentlich im kommenden Winter hilft.

Die dritte Sache betrifft meinen Sport, Rennradfahren: Die muskulären Probleme können teils extrem sein, sodass ich kaum mehr sitzen kann, auch Kopfweh kriege und absolut unruhig werde. Oft kann ich nach einer Rennradtour (2-4 Stunden) danach kaum mehr was machen. Schmerzen, totale Matschbirne. Mit LDX ist das schon besser. Nun aber meine konkrete Frage: Ich habe gelesen, dass Ausdauersport die Wirkung von LDX um bis zu 40 Prozent senken kann… Warum? Müsste ich mich dann anders verhalten?
Danke an ALLE, die mir helfen!!!