Danke für eure Nachrichten. Es würde mich auch interessieren, wie das eventuell bei anderen betroffenen (angehenden) Lehrkräften ist?
Also ich muss sagen, ich glaube ich werde nie auf Dauer Vollzeit arbeiten können. Vor allem nicht als Lehrperson. Ich habe jetzt für ein halbes Jahr eine 80% Stelle und ich glaube das kriege ich auch hin (auch wenn als LP 80% sich oft nicht weniger anfühlen als 100%), aber danach möchte ich denke ich schon reduzieren. Ich muss sagen in der Schweiz ist es auch nochmal deutlich einfacher gewesen, weil es kein Ref gibt, sondern nur Praktika und ich so keine 1,5 Jahre Vollzeit arbeiten “musste”. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass es wenn man länger im Beruf ist auch Vollzeit gut klappen kann, wenn man eingespielt ist. Ich denke mir wäre es aber zu viel.
Geselle mich gerne auch dazu. Ich unterrichte in der Schweiz Sekundarstufe 1 (also letzte 3 Jahre Volksschule, 7.-9.) Deutsch und eine Fremdsprache, momentan im 55% Pensum, da ich nebenher noch mein päd. Studium habe.
Ich komme mit wachsendem Pensum und immer mehr Verantwortung (zB bin ich seit Sommer Co-Klassenlehrerin) an meine Grenzen - habe mich einerseits etwas übernommen (bin mit Studium+Job über 100%), andererseits nutze ich halt aber meine Verfügbare Zeit auch einfach schlecht (Ablenkung, Prokrastination, wenig Schlaf etc…), da nützt keine Ausrede.
Das wird leider auch immer deutlicher an meinem Unterricht sichtbar. Ich komme nicht nach mit Korrekturen (mMn eh das schlimmste am Beruf). Zeit für vertiefte Prozessbegleitung, formative Feedbacks, was ja eigentlich soooo wichtig wäre, bleibt einfach nicht. Mein Unterricht ist eigentlich nie mehr als 1 Tag im Voraus konkret geplant, auch die Grobolanung reicht selten weiter, was mich natürlich auch immens stresst (wenn ich krank würde, könnte ich der STV gar nichts geben z.b.).
Also ja, das ‘mein eigener Chef sein’ ist definitiv nichts für mich. Aber ich liebe das Unterrichten an sich, hätte auch ungemein tolle Ideen für Einheiten, Schulentwicklung etc, nur leider schaffe ich es nicht die umzusetzen…
In anderen Worten - bin ziemlich frustriert.
Hallo an alle Kolleg*innen ![]()
Ich bin auch Lehrerin (an einer Gesamtschule in Deutschland) und bisher ist es ein ständiges „Kopf über Wasser halten“ (s. Beitrag).
Ich bin seit zwei Jahren dabei, fühle mich durchgehend überfordert und schaffe alles nur auf den letzten Drücker und nicht ansatzweise so, wie es eigentlich mein Anspruch wäre…
Besonders das erste halbe Jahr (Vollzeit) war heftig (bin ja auch Mutter). Dann aber sowohl eine Klassenleitung übertragen bekommen als auch meinen ersten Abiturkurs übernommen, der ich dieses Jahr das Abitur ablegt. Ich war aber zumindest langsam an die Schule gewöhnt. Trotzdem habe ich nach den ersten anderthalb Jahren auf 75% reduziert. Ich habe aber das Gefühl, dass ich durch meine Unorganisiertheit und Prokrastination so viel Zeit verliere, dass das gar keinen großen Unterschied macht…
Ich glaube der Job hat so viel Potenzial: Man kann kreativ sein, hat sehr viel Abwechslung, hat Kontakt zu Leuten, aber ich komm einfach in keine richtige Routine in der es funktioniert und ich nicht völlig ausgelaugt bin selbst, wenn ich eigentlich nicht viel geleistet habe. Ich schaffe es auch nicht das Wochenende oder Ferien gut zu nutzen und verbringen die Zeit meistens damit aktiv zu Prokrastination und entsprechend mit einem schlechten Gewissen, das wiederum Energie zieht.
Gab es für euch irgendwelche GameChanger, wie ihr alles besser unter einen Hut bringen konntet?
PS: Bin erst ganz frisch diagnostiziert und erst seit einer Woche in der Eingewöhnung mit Medikinet adult.
Hallo ihr Lieben
Diese Probleme habe ich alle auch. Ich plane immer am Tag zuvor und bin erst am Morgen wirklich bereit. Das stresst mich extrem, ich schaffe es aber nicht es zu ändern. Bin irgendwie stets am arbeiten, aber häufig nicht das richtige und habe oft auch im Klassenzimmer mit den Kindern Chaos, weil meine Aufträge zu wenig konkret sind. Dann habe ich noch ein Kind, dass den Kreis so extrem stört, dass ich nicht weiss was machen, weil es auf gar nichts hört, was ich sage…
Leider bin ich auch noch im Studium und muss meine letzten beiden Arbeiten schreiben… komme aber nicht dazu, weil ich ja auch das andere machen muss.
Das mit dem nicht krank werden dürfen habe ich auch. Ich wüsste nicht, wie ich meinen Unterricht übergeben könnte.
Normalerweise arbeite ich 45%, nächste Woche aber 100%, weil meine Kollegin und ich abgetauscht haben. Das wird extrem stressig. Habe zwar jeweils Ideen was ich noch alles besser machen müsste, aber irgendwie keinen Plan.
Habe jetzt mal vorgehabt eine kleine Routine nach dem Unterricht einzubauen, wo ich in einer gewissen Zeit alles möglichst schnell aufräumen will. Z.B. während 4 Liedern. Muss aber mal praktisch schauen, was Sinn ergibt.
Und vielleicht dann kontinuierlich so Routinen die auch ein bisschen variabel sind in meine Vorbereitungszeit einzubauen, damit ich nicht so ineffizient meine ganze Zeit mit arbeiten verbringe.
Die Medikamente haben mir aber wenigstens schon so weit geholfen, dass ich während dem Vorbereiten nicht noch das Gefühl habe zuerst schlafen zu müssen und dann noch ein paar Videos schauen zu müssen, etc.
Falls Dinge für uns funktionieren können wir diese ja gerne teilen.
Bin gerade so glücklich, dass es diesen Thread gibt. In meinem Kollegium traue ich mich kaum bis gar nicht, das Thema (v.a. nicht in seinem ganzen Ausmass) anzusprechen. Und fühle mich darum gerade sol erleichtert, dass hier vielleicht ein Austausch entstehen kann, dass ich mich hier nicht allein fühle.
Es ist ein Prozess. Ganz viel kommt mit den Jahren, mache das jetzt das jetzt das 5. Jahr nach Referendariat.
Ich tracke mein Arbeitszeit und halte mir so konsequent das Wochenende und die Abende frei.
Abends die Schultasche packen hilft mir.
Ich habe zwei freie Tage, weil nur 60%. Ich wünsche mir immer den Montag, das rettet mir das Wochenende.
Ich plane die Woche grob vor und dann von Tag zu Tag. Länger hat keinen Sinn, weil ich immer wieder vergesse, was ich geplant habe.
Ich plane Unterricht in OneNote bzw nach und nach in bycs/mebis. Da lege ich auch meine Dateien und Arbeitsblätter ab und scrolle quasi dann nur durch meine Stunden.
Farbiges Papier war ein echter Gamechanger: eine Mappe für jede Gruppe. Darin ein grünes Blatt für wichtige Notizen. Denke, es wäre eine gute Idee, den Sitzplan auf gelbes Papier zu drucken. Dann muss man auf dem Pult nicht soviel danach wühlen.
Ich habe auch offen mit meiner Schulleitung gesprochen, werde auch einen GdB beantragen. Die versuchen, mich zu unterstützen, wenn ich konkrete Wünsche äußere, bei Stundenplan und Raumbelegung oder sowas.
Interessant, ich bin ja noch unschlüssig ob und wen ich ‘einweihen’ soll. Also Schulleitung, Kernteam, einzelne (z.b. slbst betroffene) oder alle Schüler*innen…
Wie macht ihr das so?
Also eines der Symptome von ADHS ist ja, dass man oft zuviel erzählt und vieles nicht für sich behalten kann.
Das war bei mir keine bewusste Entscheidung, sondern rein impulsiv. Ich kann sowas null steuern. Bisher habe ich das aber in diesem Fall aber nicht bereut.
Ich habe es bisher nur meiner Coklassenleitung erzählt. Ich hab noch nicht entschieden, wem ich es noch sage.
Ich glaube, bei mir wird es auch darauf hinauslaufen, dass es einfach mal aus mir hinaus platzt ![]()
Ich wäre da eher zurückhaltend über eigene Diagnosen am Arbeitsplatz zu erzählen.
Damit können viele Arbeitgeber/Arbeitskollegen nicht gut umgehen.
Also sofern sich das herausplatzen vermeiden lässt, lieber ![]()
Mir hat eine Kollegin erzählt, dass sie ADHS hat. Wir haben beide so im kurzen Austausch von unseren Schwächen erzählt und sie sagte dann, dass sie das ärztlich bestätigt hat und ich meinte voller Freude ich auch.
Bei ihr habe ich es mir sowieso gedacht.
Habe es aber auch anderen Kolleginnen erzählt und der ehemaligen Schulrätin.
Eltern und Kindern werde ich es aber nicht erzählen, weil ich auch denke, dass das im Team nicht so gut ankommt und auch eine Kollegin die Schulpsychologin ist davon abgeraten hat.
Glaube einigen Kindern könnte es helfen und evtl. Auch einigen Eltern, aber einige wenige könnten das auch entweder lächerlich finden (Modediagnose), oder es als Kritik nehmen, sobald man einen Fehler macht.
Ich habe mich auch entschieden, das in der Schule für mich zu behalten. Meine Familie und enge Freunde wissen Bescheid. Bzgl. Kollegen erlebe ich immer wieder unschöne Reaktionen auf Probleme von Schülern mit ADHS. Insbesondere wenn welche neu diagnostiziert worden sind und dann in der Nachteilsausgleichs-Konferenz darüber gesprochen wird, welche Probleme die Schüler haben und was ihnen im Unterricht helfen könnte.
- “Das trifft doch auf alle Schüler zu”
- “Das sind doch bloß Ausreden”
- “ Ich kann mich auch nicht für uninteressante Themen motivieren, bekomme ich dann auch xy?”
- “Dann sollen sie mal daheim weniger zocken, dann klappt das auch mit xyz”
Und so weiter. Da frage ich mich, was würde mir ein Outing wohl bringen? Blödes Gespräch hinter meinem Rücken und der ständige unausgesprochene Vorwurf, meine ADHS sei doch eh nur eine Ausrede um dieses oder jenes nicht in vollem Umfang machen zu müssen? Nein danke.
Ich bin in solchen Konferenzen eh schon der, der in den Augen der anderen viel zu viel Verständnis für Betroffene aufbringt und die lieben Kollegen über Symptome und deren Konsequenzen aufklärt - und falls einer nachfragt, wieso ich das so genau weiß, habe ich den Deckmantel, dass die Kinder meiner Schwester das auch haben (stimmt tatsächlich
).
Trotzdem muss ich immer aufpassen, was ich so sage, um mich nicht versehentlich im Gespräch mit befreundeten Kollegen zu outen.
Mir ist es einmal “rausgerutscht” weil ich den Witz einer Kollegin total falsch interpretiert habe, in die Richtung, dass sie selbst ADHS habe, worauf ich mich sicher fühlte und freute, sodass ich sinngemäss sagte: “ich auch!”. Die ist aber zum Glück sehr gut und interessiert damit umgegangen. Als sie mich später einmal darauf ansprach, fühlte ich mich irgendwie gezwungen, mich der dritten anwesenden Person ebenfalls zu öffnen, damit diese das Gespräch nachvollziehen kann (ist people pleasing eigentlich auch ein Symptom?)…
Ansonsten habe ich bisher auch darauf verzichtet, aus diversen bereits von euch genannten Gründen. Dies obwohl mein Kollegium vermutlich mehrheitlich mit Wohlwollen bis Desinteresse, aber nicht mit Missgunst damit umgehen würde. Habe in der Hinsicht eine gute Stelle gefunden.
der Grund, weshalb ich es meiner Schulleitung gerne erzählen will, ist vermutlich folgender:
Ich merke halt, dass meine Entwicklung als Lehrerin so krass durchs ADHS blockiert wird. Also wenn ich meine Entwicklungsschwerpunkte reflektiere (muss ich ja für die Ausbildung immer wieder und aktuell eben auch gerade als Vorbereitung auf das jährliche Mitarbeitergespräch), merke ich das. Ich habe das nötige Wissen (methodisch, didaktisch, fachlich etc). Ich hätte auch einigermassen genügend Zeit. Aber ich kann es einfach nicht umsetzen.
Jedes Jahr komme ich dann zum Gespräch mit dem Schulleiter und habe immer noch die selben ‘Baustellen’. Ich weiss, wie ich die anpacken müsste, aber ich schaffe es einfach nicht. Und langsam wird es halt unagenehm.
Zwar möchte ich ADHS auch nicht als Ausrede oder so benutzen. Aber es ist nunmal eindeutig, dass ich zuerst ‘an mir arbeiten’ muss, bevor ich mich beruflich noch signifikant weiterentwickeln kann. Und irgendwie muss ich das doch.. rechtfertigen, oder nicht? Ach keine Ahnung… vielleicht habe ich auch einfach zu hohe Ansprüche an mich selbst? Soll ja vorkommen
Darf ich fragen, welches deine “Baustellen” sind?
Die eine geht im weitesten Sinne um Regeln - diese nachhaltig zu etablieren und konsequent einzufordern. Einerseits bzgl Verhalten im Unterricht, also das Herstellen von lernförderlicher Atmosphäre, es ist einfach zu oft zu unruhig, zu unkonzentriert (und ich weiss dass es zu grossen Teilen an mir liegt, weil die Lerngruppem bei anderen nicht so sind). Andererseits bzgl. Einfordern von Mitarbeit, Erfüllen von Aufgaben. Das vergesse ich immer wieder, bzw geht es wegen schlechter Planung/Zeitmanagement meist unter
Die Zweite ist schlicht die Selbstorganisation. Also Prokrastination ist da das Stichwort. Ich mache alles so dermassen auf den letzten Drücker, dass halt keine wirkliche Unterrichtsplanung möglich ist, ich hangle mich von Stunde zu Stunde. So wird es auch schier unmöglich z.B. Lernprozesse sichtbar zu machen, dafür bräuchte es ja von Anfang ein Ziel und von Anfang mitgedachte Gelegenheiten für formative Beurteilungen usw… und so ist mein Unterricht oft mehr Beschäftigungstherapie als wirklich Lernzeit.
Die erste Baustelle habe ich jedes Jahr angesprochen, die zweite noch nie, da ich somit ja quasi zugeben müsste, dass ich meinen Job nicht so richtig mache ![]()
Wow, du hast es gut geschafft, meine zwei größten Baustellen auf den Punkt zu bringen! Also mir geht es exakt genauso!
Hat hier jemand Lösungsansätze?
Ich habe ein paar ein Ideen für euch, aber gerade keine Zeit, sie ausführlich aufzuschreiben. Es sind jedenfalls auch meine beiden Problemfelder….