Lernstrategien in der Ausbildung

Hallöchen ihr lieben,

Einmal eine kleine Info zu meiner Person. Ich bin 30 Jahre, Männlich, nehme momentan Elvanse 30mg, befinde mich dazu in einer Umschulung vom Zerspanungsmechaniker zum Fachinformatiker für Systemintegration. Mein ADHS Typ ist der Unaufmerksame Verträumte mit einer gewissen Hochsensibilität.

Meine Frage: Wie lernt ihr? Ich habe in den letzten Jahren nahezu nie gelernt, gelegentlich mal für Klausuren oder die Abschluss/Zwischenprüfung. Ich bin damit immer soweit ganz gut gefahren. Mittlerweile versuche ich mehr zu lernen da der Beruf meiner Meinung nach nicht ganz ohne ist. Mir ist dazu bewusst geworden, dass ich anscheinend nicht mit großen Informationsfluten arbeiten kann. Texte, Vorlesungen oder Videos gehen bei mir selten rein. Ich habe für mich bisher lernen können das ich Dinge einfach praktizieren muss und diese einfach vom Gesamtkern verstehen muss. Die gewisse Tiefe ist dahinter und dementsprechend bin ich ein langsamer lerner. Ich müsste praktische Aufgaben haben und diese mehrmals wiederholen um den Stoff zu verstehen allerdings ist das ein immenser Zeitaufwand und davor drücke ich mich leider zu gern. Daher meine Frage wie ihr am besten damit umgehen könnt und ob ihr Hilfreiche Tipps habt wie man es etwas schneller und effektiver umsetzen kann. Ich habe auch wahnsinnig Angst vor meiner Prüfung da ich so oft einfach unwissentlich Flüchtigkeitsfehler mache und dementsprechend trotz Kontrolle die Kleinigkeiten nicht sehe.

An die Moderatoren etc: Tut mir leid falls es thematisch in der Falschen Kategorie liegt, ich weiß nicht ganz wohin damit und ob es nicht ähnliche Beiträge gab :sweat_smile:

Gib doch mal in die Suchmaske „adhs lernen“ ein.
Da gibts schon sehr viel.

Es gibt Bücher (auf adxs.org auch ein ganzes Kapitel dazu).
Es gibt psychotherapeutische Ansätze.
Es gibt Therapie-Tools - und und und.

Was davon für einen persönlich funktioniert, muss man aber leider selber ausprobieren. Wäre toll, gäbe es die eine Lösung, aber so funktionierts leider nicht :confused:

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Hallöchen :slight_smile:
Ich weiß nicht, wie aktiv du noch auf dem Forum bist, aber ich hab eine ganze lange Reihe an diversen Ausbildungen hinter mir und bin jetzt im 2. Semester im Studium.

Ich habe undiagnostiziert eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel begonnen und dort erste richtige Schwierigkeiten (mental) gehabt. Also habe ich mir Hilfe gesucht, eine Diagnose bekommen und seit dem hat sich wirklich mein ganzes Leben verändert.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten zur Medikamentendosis und Rückfindung in die Schul- und Berufswelt (ich hab dann das erste Ausbildungsjahr wiederholt) hab ich unglaubliche Leistung erbringen können.
Ich hab dann nach der Ausbildung, die ich mit einem 1er Schnitt abgeschlossen habe ein paar Jahre in dem Bereich gearbeitet und mich ganz schnell gelangweilt.. man kennt’s :smiley:

Also hab ich mit 23 nochmal eine zweite Ausbildung angefangen in der Altenpflege, meine Liebe zur Medizin entdeckt und den Entschluss gefasst Medizin zu studieren, was leider nur mit einem Abitur geht.
Also hab ich im letzten Ausbildungsjahr parallel zur Ausbildung die Abendschule fürs Abi begonnen. Die Ausbildung mit 1 abgeschlossen und angefangen neben dem Abi im Krankenhaus zu arbeiten.
Letztes Jahr hab ich dann mit einem 1,0er Schnitt das Abi beendet und seit Oktober studiere ich an meiner Wunschuni <3 (auch mit 30 Jahren jetzt :smiley: )

So viel zu mir aber das war garnicht deine Frage sondern was meine Lernstrategien sind:
Ich habe für mich folgendes gelernt:

  1. Ich lerne auf jeden Fall ganz anders als alle die ich kenne und ich glaube da muss jeder seinen Weg finden!
  2. Ich erlaube mir Pausentage. Wenn ich nach ein paar Anläufen merke „heute wird kein Tag an dem ich gut lernen kann“ mach ich was anderes was mir Spaß macht und belasse es dabei.
  3. Das Schwierigste und Wichtigste ist eine gute Balance zwischen ausreichend Schlaf, GESUNDER(!) Ernährung und Sport, der fordert und Spaß macht. Damit einfach das Hirn vernünftig arbeiten kann.

Aber zu meinen Lernstrategien:
Es fällt mir unglaublich schwer mich an eine Aufgabe zu setzen, wenn mich das Thema absolut nicht interessiert oder ich die notwendigkeit des Themas nicht sehen kann.
Dann hilft es mir (und das klingt jetzt ganz verrückt)- nebenbei noch ein Spiel zu spielen, was nicht viel Aufmerksamkeit braucht, aber mich am Schreibtisch hält.
Zum Beispiel (alles Steam Spiele)

  • Siedler von Catan
  • Zug um Zug
  • Flügelschlag

Das sind alles Brettspiele und bis die anderen (langsameren <3) Leute ihren Zug gemacht haben kann ich mich mit dem Lernstoff auseinander setzen. Ich kann eh nicht vom Schreibtisch weg, weil ich ja warte bis ich dran bin und die Langeweile zu warten fülle ich dann mit dem Lernen :smiley: Das klingt verrückt, aber es hilft.
Meistens, wenn ich dann endlich im Lernen drin bin, lenkt mich das Spielen so sehr ab, dass ich freiwillig aufhöre und nur lerne.

Dann der Klassiker Body Doubling.
Ich lade mir Freundinnen ein, die entweder auch lernen müssen oder einfach nur bei mir sind und dann selber was lesen oder zocken. Das ist einfach der 0/8/15 ADS Trick, wenn man Dinge schaffen will - bei mir zumindest!

Ja ich hoffe mein Tip kann dir helfen :smiley:
Ansonsten versuche ich auch grade meinen Weg mit dem Thema Vorlesungen zu finden, weil die mir auch irgendwie garnichts bringen aber ich FOMO hab was wichtiges zu verpassen für die Prüfungen/ Klausuren :face_with_peeking_eye:

Danke für deine ausführliche Antwort und auch die Erfahrungen die du geteilt hast!

Das mit den Spielen nebenbei ist tatsächlich sehr interessant um da Spannung reinzubringen, ergibt auch irgendwo Sinn meiner Meinung nach :thinking: Ich spiele tatsächlich in der Berufsschule mittlerweile nebenbei Turn based Games und höre nebenbei zu um die mündliche Mitarbeit gut gestalten zu können :smiley:

Auch den Punkt mit dem Abwägen der eigenen Verfassung zum lernen kenne ich, ich wünschte nur mich würde es dann zeitweise nicht unter Druck setzen weil ich permanent dran denke. Für mich hab ich feststellen können das mir der Leistungsdruck da etwas im Weg steht, woher das kommt gilt für mich noch herauszufinden. Wenn ich Bock aufs spielen habe nutze ich das um mich selbst im Anschluss damit zu belohnen, klappt auch sofern ich generell motiviert bin für irgendwas. Ich behalte deine Idee auf jeden Fall im Hinterkopf :slight_smile:

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