Hallo ihr,
das ist mein erster Post hier, weil ich meine Gedanken einfach mal loswerden und mich mit Leuten austauschen möchte, die Ähnliches durchmachen.
Ich habe schon lange ADHS und über einen längeren Zeitraum Medikinet, später Medikinet adult genommen. Danach habe ich eine sehr lange Pause gemacht, gemerkt, dass es doch nicht ohne geht, und wieder angefangen. Beim Absetzen von 10 mg Medikinet hatte ich dann plötzlich starke Derealisationen und einen dauerhaften Angst-/Panikzustand. Damals habe ich mir geschworen, es nie wieder zu nehmen. Bis heute weiß ich allerdings nicht, ob es wirklich davon kam – die Dosis war ja eigentlich niedrig, es gab gleichzeitig viele Veränderungen in meinem Leben, und ich bin generell nicht die psychisch stabilste Person.
Long story short: here we are again, diesmal mit Lisdexamfetamin. Ich nehme seit knapp einer Woche 20 mg, am Wochenende musste ich pausieren, weil ich auf Partys war und zu spät aufgewacht bin. Insgesamt bin ich ganz zufrieden. Den Appetitverlust merke ich, aber das ist für mich nicht weiter schlimm. Deutlicher spüre ich die Kopfschmerzen – die hatte ich bei Medikinet allerdings auch, und ich hoffe, dass sie sich noch legen.
Das einzig wirklich Negative: Morgens merke ich, wie es wirkt, fühle mich richtig gut, bin wacher und zufriedener als sonst und habe echten Tatendrang. Nachmittags bzw. abends falle ich dann aber in ein totales Loch – ähnlich wie damals bei Medikinet. Ich bin extrem gereizt, müde und überstimuliert und hänge viel in Gedankenspiralen fest. Ein bis zwei Stunden versuche ich irgendwie durchzukommen, danach wird es wieder besser. Kennt das noch jemand? Wird das mit der Zeit weniger? Oder bin ich einfach nicht für Medikamente gemacht? Für mich fühlt es sich wie eine schmale Gratwanderung an zwischen „es hilft“ und „es richtet mehr Schaden an“.
Genau deshalb möchte ich es eigentlich nicht durchgehend nehmen, vor allem nicht an Wochenenden und in Zeiten, in denen ich keine Leistung bringen muss. Meine Psychiaterin meint, das sei in Ordnung, und auch in der Packungsbeilage steht nirgends, dass man es durchnehmen muss. Ich habe nur Angst, dass es mir zum Beispiel im Urlaub richtig schlecht geht, weil ich dann mit den Nebenwirkungen des Absetzens zu kämpfen habe. Macht das jemand von euch so und kommt gut damit klar?
Ich möchte nicht mein Leben lang durchgängig auf Medikamente angewiesen sein, sondern auch immer wieder erleben, wie sich mein Körper eigentlich anfühlt. Ohne Medikamente fühle ich mich nämlich wohler in meiner Haut – nur funktioniere ich dann überhaupt nicht. Ich bekomme nichts auf die Reihe, besonders im Arbeitskontext, und auf Dauer laufe ich so in den Burnout. Wäre ich arbeitslos, käme ich problemlos klar – klar, mit Tollpatschigkeit und allem, aber das würde ich hinbekommen.
Habt ihr Geschichten, die Mut machen? Ich brauche gerade positive Berichte, bitte keine ganz schlimmen, sonst fange ich nur an zu spiralen und merke Nebenwirkungen, die gar nicht da sind, haha. Einfach ein bisschen Austausch.