Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit trotz Medikation?

Hi,

ich würde mit einer Zusammenfassung seit meiner Eindosierung starten.

Seit Anfang 2024 war ich in psychotherapeutischer Behandlung wegen einer Depression und Angststörung, und Mitte 2024 kam die ADHS-Diagnose dazu.

Seit der ADHS-Diagnose startete auch die medikamentöse Einstellung der eben genannten Diagnosen. Angefangen hatte es mit Sertralin und Medikinet. Beim Sertralin sprach ich damals gut an, beim Medikinet eher weniger, weshalb ich nun schlussendlich beim Elvanse bin.

Seit der Diagnose 2024 hatte sich einiges geändert, ich habe meine Ausbildung diesen Sommer erfolgreich abgeschlossen, und die Psychotherapie, welche seit Anfang 2024 hatte, neigte sich auch dem Ende.

Da hatte ich auch das Gefühl, dass sich die Depression im Vergleich zu Anfang 2024 gebessert hatte, als auch die Angststörung komplett verschwand.

Was mir jedoch im Kopf geblieben war, ist wie ich die letzten Monate und Jahre emotional auf schöne Erlebnisse reagiert habe. Zum Beispiel die abgeschlossene Berufsausbildung, oder Psychotherapie, in beiden Momenten hatte ich das Gefühl, dass ich nicht wirklich Freude empfunden hatte, wobei beide Ereignisse aus meiner Sicht das verdient hätten.

Zudem kommt dazu, dass ich seit geraumer Zeit eine Lust- & Antriebslosigkeit verspüre, ich jedoch nicht weiß, ob ich das eher dem ADHS, oder der anscheinend noch vorhandenen Depression zuschreiben würde. Dabei geht es nicht um unliebsame Aufgaben wie den Haushalt erledigen, sondern auch Hobbies, die auf intrinsischer Motivation basieren, wo ich mich aber nicht durchringen kann, tatsächlich etwas anzufangen. Auch ist der Nikotinkonsum in den letzten Monaten mehr geworden.

Ich habe die Lust- & Antriebslosigkeit bereits der Psychiaterin mitgeteilt, von der ich sonst die ADHS-Medikamente bekomme, und sie hatte daraufhin das Sertralin durch das Escitalopram ersetzt. Ich bin jetzt circa seit einem Monat von den 150mg Sertralin zu den 10mg Escitalopram, verspüre aber keinen Unterschied.

Auf Arbeit habe ich das Gefühl, dass ich auch recht antriebslos geworden bin, frage lieber die erfahrenen Kollegen nach Rat, als mich für eine eigene Lösung anzustrengen. Auch vergleichsweise einfache Aufgaben, deren Erledigung verlangt, sich konzentriert und mit etwas Verstand an die Sache heranzugehen, fühlen sich schwerer an, als sie tatsächlich sind. Manche der Aufgaben outsource ich an KI-Modelle, weil das “selber denken” und die damit verbundene Anstrengung sich nach zu hohem Aufwand anfühlt. Als wäre ich in den letzten Monaten zu einem Dünnbrettbohrer verkommen.

Hat jemand von euch vielleicht ähnliche Erlebnisse, und kann mir mit ein paar Tipps weiterhelfen?

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Ich bin kein Therapeut oder Psychiater. Keine Stimulanz wie z.B. Elvanse oder Medikinet können deinen Antrieb verändern. Sie unterstützen lediglich dabei den Fokus besser halten zu können und weniger Sprünge zu haben.

Eher ist es hier so, dass durch den ruhigeren Kopf dank Stimulanz nun die depressive Stimmung etwas mehr in den Vordergrund rücken kann.

Das ist aber eher einer Theorie als eine Ahnung. Solltest mit der Therapeutin ggf. eine Steigerung der Dosis des Antidepressiva überlegen.

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Ich hatte bei meinem Medikations Versuch einen größeren Fokus das ich schneller aufräumen konnte und sinnvoller..

Habe da in 30min schneller meine Wohnung aufgeräumt als als die Jahre zuvor wo sich das über Tage oder Wochen zieht. Gerade wenn die Kids wieder zu Besuch waren.

Freude ist als Depressionspatient halt schwierig.

Freue mich wenn meine Kids ein Erfolgserlebnis haben, aber bei mir selbst sehe ich das als “joa geschafft oder “ja drum gekümmert”, weiter geht’s im Leben.

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Und dieses das man sich nicht mehr freuen oder stolz sein können verstehen die Leute nicht. Am meisten Leute aus der Familienhilfe, denen fehlt der Psychologische Hintergrund…

Meiner will mir ständig erzählen wie toll ich was mache bla bla… und ich denke mir nur.. joa ist wie wenn man krank ist geht man halt zum Arzt, völlig normal…

Und das ich mich um die Hobbies und sozialen Kontakte der Kids kümmere…Ja weil man das in einer intakten Familie auch so macht..einer muss das Heft in die Hand nehmen…

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Das finde ich nicht, oder? Dachte auch immer adhs wäre typisch hippelig, rastlos. Aber es gibt aber auch den Typ der dies innerlich ist. Ich komme z.B erst nach der Einnahme in die Gänge. Sonst liege ich nur und überlege was ich jetzt mache, was zuerst usw. Aber mit der Einnahme mach ich einfach.

Wir sollten aber auf jeden Fall normalisieren das es keine Wundermedizin ist. Das jeder Mensch ob mit ADHS oder ohne, schlechte oder gute Tage hat. Oder einfach mal eine Woche einen cliffhänger hat, einen Gefühlsausbruch hat, was vergisst usw.

Ich denke wenn man sich das verinnerlicht, kann man auch mal eine Hänger haben. Die Medikamente unterstützen, verändern aber nicht deine innere Absicht.

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Ich liege auch schon den halben Tag rum..außer etwas aufräumen und 2 Maschinen Wäsche ist nicht viel passiert, obwohl ich soviel vor hatte… nennt sich Prokrastination

@NISSIN Ist seit Beginn der Behandlung mit Elvanse schon mal versucht worden, die SSRI zu verringern oder gar wegzulassen? Serotonerge Medikamente können (manchmal bisschen dosisabhängig) bequem machen, Antrieb unterdrücken.

Ansonsten würde ich bei Antriebslosigkeit mit Anhedonie an noradrenerge Medikamente denken, aber eigentlich nimmst du die schon (Elvanse). Kannst deine Psychiaterin ja mal drauf ansprechen, ob noch was anderes noradrenerges in Frage käme. (Bei vorhandenden oder vergangenen Angststörungen müssen die allerdings vorsichtig eingestellt werden, da Ankurbelung der Noradrenalin-Signalisierung Ängste verschärfen kann; findet man im Netz ganz interessante Artikel zu.)

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das tatsächlich noch gar nicht, der einzige Wechsel war von den 150mg Sertralin zu den 10mg Escitalopram. Da kann ich aber bei der Psychiaterin nochmal nachfragen.