Maximal überfordert (seit Jahren..)

Moin zusammen,

lange war ich hier nur stiller Mitleser.. Aufgrund vieler toller Hilfestellungen, werde ich nun meinen Fall auch mal schildern.

Ich habe seit ungefähr 6 Monaten meine ADHS-HI Diagnose, wobei sich meine Hyperaktivität körperlich gar nicht (mehr) so stark zeigt. Ich muss aber dauerhaft etwas zu tun haben, je mehr desto besser. Als Kind habe ich schon 4 Gesprächen gleichzeitig zugehört, damals war das noch eine Gabe und kein Fluch. Als ich dann irgendwann von meinen Eltern ausgezogen bin, habe ich ziemlich schnell eine Angststörung entwickelt und konnte viele Dinge nicht mehr so tun, wie vorher. Mit der Zeit, wurde es besser. Ich hatte auch immer wieder nach intensiven Wochenenden einen Tag (meist Dienstags) an dem mein Körper den Stecker gezogen hat und ich einfach nicht aufstehen konnte und 16h geschlafen habe. Der nächste Tag war dann wieder iO. Depressionen sind dann natürlich auch irgendwann diagnostiziert worden.

Ich habe zwei längere Auslandsaufenthalte gemacht, beides Mal mit völliger Überforderung, Nervenzusammenbrüchen, und kaum fähig das Haus zu verlassen. An den Tagen, wo genug Energie vorhanden war, war alles wie immer, ich konnte Freude empfinden.. etc. - irgendwann an solchen Tag konnte es dann aber plötzlich kippen und nichts ging mehr.

Das hat sich über die letzten Jahre dann so durchgezogen und mein Körper hat angefangen die Wahrnehmungen zu dämpfen, ich bin nicht mehr voll da und je mehr Reize auf mich ein treffen, desto mehr dissoziiere ich.

Vor ein 3 Jahren dann der erste richtige Zusammenbruch, nach 6 Monaten im neuen Job im Großraumbüro. Es ging nichts mehr für eine Woche und ich konnte kaum noch stehen, mein Körper hat einfach dauerhaft gekribbelt und gebrannt, meine Beine waren instabil und mir war schwindelig. In der Folge gab es dann Escitalopram (10-0-0).

Die Instabilität und das Brennen sind erst noch geblieben, aber ich habe dann einfach weiter gemacht. Dann aber überwiegend aus dem Home Office. Brennen ist dann auch wieder weg gegangen. Wegen der bleibenden Instabilität in den Beine kann ich bis heute keinen Sport mehr ausüben. Nach 15-20 Min Spaziergang kommt diese Instabilität und wenn ich dann zu weit weg von einem Safespace bin, kommt die Angst. Mein Leben ist also massiv eingeschränkt.

Ich hatte im Oktober 25 dann den nächsten großen Zusammenbruch und nichts ging mehr, nicht mal mehr Lesen. Mit dem Psychiater wurde dann MPH eindosiert, 3 Versuche mit 10-0-0 musste ich abbrechen, weil die Anspannung/Unruhe einfach zu hoch wurde. Bin dann für 8 Wochen in einer Akutklinik gelandet. Dort ging es mir dann Stück für Stück besser. Das Gefühl in den Beinen ist aber weiterhin präsent gewesen. Bei mehr als 15 Min akustischen Reizen feuert mein Körper das sofort raus. Oder bei intensiver Bewegung. In Der Klinik wurde Atomoxetin getestet (40-0-0), auch das musste ich nach einer Woche absetzen, weil die Anspannung zu hoch war…

Nun bin ich seit 2 Wochen wieder zuhause, komplette Überforderung. Bin auch etwas blauäugig zurück und hab in Woche direkt wieder einiges gemacht. Konnte die erste Woche allerdings kaum schlafen immer so ab 4 Uhr wach, immense Anspannung. Nehme zusätzlich seit 11 Tagen nun Bupropion (150-0-0). Anspannung und nicht Schlafen waren aber vorher schon… In Woche 2 hatte ich die Idee mal wieder Sport zu machen, es ging eigentlich etwas besser… 50 Min Kraft-Ausdauer. Danach halber Zusammenbruch mit massiver Anspannung seitdem .

Ich überlebe die Tage im Moment vor allem Dank Promethazin, da reagiere ich extrem sensibel drauf. Schon 3 Tropfen haben bei mir einen sehr guten Sedierungseffekt, ohne zu stark müde zu werden.

Ich bin so maßlos überfordert, dass ich gerade echt nicht weiter weiß. Kennt das jemand eventuell und habt ihr Tipps für mich?

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Ich lese da zwischen den Zeilen Hinweise (das ist vielleicht zuviel gesagt, eher eine Ahnung) in Bezug auf Autismus. Meltdowns wegen Reizüberflutung.
ADHS und ASS haben eine starke Überdeckung.
Bei ASS werden häufig Medikamente nur in geringeren oder gar nur minimalen Dosen vertragen.

ATX sollte man langsamer eindosieren, mit 18 mg beginnen.

Bei Anspannungsproblemen Bupropion um dann mit einem sedierenden Medikament wieder gegenzusteuern? Welcher Arzt kommt auf diese schräge Idee? Bupropion erhöht den Antrieb und kann Anspannung fördern…

Ich würde Lisdexamfetamin testen, aber in minimaler Dosierung starten. Also deutlich unter den üblichen 30 mg - eher 10 oder sogar nur 5 mg. Kapsel öffnen und teilen.

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Hallo @UlBre, danke für deine Antwort!

ASS würde mich ehrlich gesagt wundern, ich habe außer den “Meltdowns” und hohem IQ (>140) wenig bis keine Anzeichen. Diese Reizüberflutung habe ich auch erst seitdem ich von den Eltern ausgezogen bin.

Mittlerweile meine ich mit Bupropion gut klar zu kommen, ich habe in den letzten Tagen versucht den Grund für die Anspannung einzugrenzen. Es ist so, dass sobald ich soziale Reize einspare und meiner Erschöpfung Raum zu Erholung gebe, kaum noch Anspannung vorhanden ist. Wenn ich allerdings durch die Erschöpfung durchpushe, steigt die Anspannung wieder (stark). Promethazin braucht es ohne pushen auch nicht. Aber mein Leben ist so natürlich ziemlich eingeschränkt. Reize kann ich zur Zeit fast gar keine aushalten…

Macht es Sinn sich erstmal “richig” zu erholen, bevor man die Medis ändert?

Und dann zweite Frage: Bupropion komplett weg und dafür langsam mit Lisdexamfetamin starten?

Danke

Es hört sich so an, dass neben der ADHS Symptome Ängste auch noch eine große Rolle spielen. Der Stress durch ADHS und den Ängsten kann sich vermischen. Hoher Stress durch Ängste kann sich auch auf die Wirkung von ADHS Medikamenten auswirken. Diese Zittrigkeit und das nachlassen von Muskeltonus (Beine) ist in dem Sinne ja kein direktes ADHS Symptome.

Mit ADHS im Leben nach dem Auszug von den Eltern plötzlich alleine klarzukommen, kann schnell alles überfordern und auch Angst machen.

Ich glaube du benötigst einerseits Hilfe im Bezug zum ADHS und Lebensalltag , aber auch im Umgang mit deinen Ängsten.

Ich könnte mir gut vorstellen das dich deine Beine eines Tages wieder weitertragen werden .

Bei mir war auch schon mal alle System durchgebrannt und Nix ging mehr . Selbst ne Fliege an der Wand mir schon zu viel.

Danke für Deine Antwort.

Es ist tatsächlich so, dass Ängste eine Rolle spielen. Im Zusammenhang mit den instabilen Beinen / Schwindel kommt irgendwann die Angst. Dann ist es ein ziemlicher Teufelskreislauf.

Außerdem gibt es noch ein sehr zentrales Thema, das heute in der Therapie benannt wurde: Bindungsstörung vom unsicher ambivalenten Typ. Jetzt ergeben auch so viele Dinge einen Sinn..

Denn zur Zeit befinde ich mich in einer sehr herausfordernden Bindungssituation, an den Tagen wo es besonders schwer ist, ist das ADHS auch stärker spürbar.

Das ist gerade alles so überfordernd :frowning:

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