Medikamente bei adhs (7-jähriger Junge)

Hallo ihr Lieben,

Wir sind mit meinem Sohn (7,5j.) seit 2 Jahren ca Patient beim SPZ. Er kann sich nicht so gut konzentrieren, muss immer in Bewegung sein und ist schnell wütend. Wir haben uns lange geziert Medikamente zu nehmen. Sind auch regelmäßig mit der Lehrerin in Kontakt. Sie meinte für sie ist es OK. Er ist zwar öfter unkonzentriert, aber sie hat ihn gut im Griff. Sie kann ihn wohl immer wieder zurück holen!

Zuhause lässt er natürlich dann das volle Programm raus. Er möchte woanders nicht negativ auffallen deswegen klappt es woanders recht gut. Er sagte biem letzen Termin beim SPZ, das es ihn sehr anstrengt am Unterricht teilzunehmen. Da meinte die Ärztin wir sollten es mit niedrig dosierten Tabletten einfach mal ausprobieren. Wir nehmen also seit Montag das Medikinit retard 5 mg. Er meint es würde bisher kaum bis gar nix merken. Die Lehrerin hatte ich heute erst per Mail kontaktiert.

Die Ärztin meinte ich solle ihr erst Ende der Woche die Info geben. Er nimmt morgens um 7 eine Tablette. Wenn er dann aus der schule kommt gegen 14.30 ist die Wirkung kaum mehr da wenn nicht sogar weg… Deswegen is es für uns schwierig eine Einschätzung zu geben. Die Ärztin meinte auch man könne das Medikament auch nach „Bedarf“ nehmen?! Ich dachte immer dieses Tabletten brauchen nen Spiegel im Blut? Sie sagte einige bekommen an den Wochenenden keine oder in den schulferien.

Muss man die Tabletten erst eine Zeit lang nehmen das man wirklich was spürt oder wirken die direkt so wie es sein soll. Vielleicht sind sie ja auch zu niedrig dosiert. Dies meinte die Ärztin. Das man evtl hör geht. Das Telefonat hab ihx mit ihr kommende Woche. Da werde ich auch nochmal einige Sachen ansprechen. Wie lange dauert es denn in der Regel bis das passende gefunden wird. Ich weiß jeder Körper ist anders…

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Hallo Janine und herzlich willkommen,

ich finde es schon grenzwertig, dass das SPZ erst nach 2 Jahren das Medikament empfiehlt.

Dass es für die Lehrerin OK ist mag ja sein, aber für die Lehrerin gebt ihr das Medikament ja nicht, sondern er muss sich wohl fühlen und das tut er offenbar nicht. Für ihn ist alles anstrengender als für andere Kinder.

Und das gilt auch für zu Hause. Wenn er schnell wütend wird und es deswegen Streit gibt, sollte langfristig (!) die Wirkung natürlich zu Hause auch da sein. Ich hatte meine ADHS ja auch schon als Kind und weiß rückblickend sehr gut, wie schlecht es einem geht, so zu sein. Ich empfinde das Medikament heute als großen Segen, es ist einfach wunderbar, ausgeglichen und ruhig sein zu können und nicht ständig streiten zu „müssen“. Hätte ich rückblickend als Kind auch gerne gehabt. (Rein theoretisch, denn in den 70-er Jahren war ADHS-Behandlung in Deutschland noch wenig bekannt.)

Ja, 5 mg Medikinet Retard ist sehr wenig und ja, wenn euer Kind nach Hause kommt, ist von der Wirkung nicht mehr viel da. Deshalb ist ein wichtiger Tipp, jedes neue Medikament und jede Dosissteigerung am Wochenende zu machen, so dass ihr euer Kind zuerst selbst mit der Medikamentenwirkung seht, bevor es zum ersten Mal damit in die Schule geht.

Dass man bei Medikinet Retard immer etwas dazu essen muss, hat euch die Ärztin gesagt? Also für Frühstücksmuffel ist das leider nichts.

Schaut euch am Besten morgen und am Sonntag an, ob ihr eine Wirkung der 5 mg bemerkt und wie lange. Das Gleiche gilt, wenn ihr in Absprache mit der Ärztin steigert, also auch das am Besten am (nächsten) Wochenende probieren. Bei 10 mg müsste man bei einem Siebenjährigen eigentlich etwas sehen.

Nein, einen Spiegel braucht das Medikament nicht, man könnte es „bei Bedarf“ nehmen. Aber da spricht aus meiner Sicht weniger für als gegen, gerade in der Anfangszeit. Erstens, ihr müsst ein Gefühl für die richtige Dosis kriegen, das geht schlecht wenn man immer nur an bestimmten Tagen das Medikament gibt.

Zweitens, euer Kind muss sich mit dem Medikament neu kennen lernen. Morgens so und nachmittags so, oder an Schultagen so und an Wochenenden so, das ist nicht gut. Daher nehmt die bevorstehenden Sommerferien als Chance, die Eindosierung und die Eingewöhnung hinzukriegen, und lasst euch von der Ärztin Kapseln für zweimal täglich, also morgens und nachmittags, verschreiben.

Meist braucht man am Nachmittag etwas weniger als morgens.

Ich glaube es ist auch eine Chance für euch als Familie, euren Sohn mal mit weniger Wutanfällen zu erleben, und vor allem ihm wird es gut tun, sich (auch in der Familie, nicht nur in der Schule) als „selbstwirksamer“ zu erleben.

Ich habe leider beiden Kindern meine ADHS vererbt, und beide haben früh Medikamente bekommen, was wir nie bereut haben.

Alles Gute euch! :adxs_daumen:

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Vielen Dank für deine Rückmeldung :blush:

Naja dadurch das man so ewig auf Termine im spz warten musste hat sich das gezogen. Auch wir als Eltern waren die ganze Zeit unsicher u haben ständig Angst und Zweifel gehabt,ob Medikamente ja oder nein. Man liest natürlich viel. Hat vielleicht auch Angst das es an uns Eltern liegen könnte. Das er vielleicht nur "anstrengend ist " für uns. Wir haben uns dann letztendlich dafür entschieden weil seine schulischen Leistungen leiden. Und durch das viele Lesen man versteht wie unfassbar anstrengend ein Schultag sein muss für ihn. Klar das er dann zuhause alles raus lässt… Nicht hört, impulsiv ist, sich nix merken kann, laut ist und ständig in Bewegung ist. Es strengt uns ja auch an. Er macht mich oft nervös. Ich werde es morgen beobachten und wenn ich das Gefühl habe es bringt nicht viel dann werde ich bei dem Telefonat nächste Woche mit der Ärztin sprechen das man hör geht. Wie ist es denn wenn bei euch die Medikamente nachlassen?
Ach ich weiß nicht warum, aber es tut mir im Herzen weh das er diese Sache durch machen muss. Obwohl es ja nur das beste für ihn ist und man dankbar sein sollte das es sowas gibt. Ist vielleicht auch nur eine gewöhnungs Sache.
Und ja es klingt einleuchtend das er das Medikament besonders am Anfang regelmäßig nehmen sollte. :+1:

Ehrlich gesagt nicht nur am Anfang…
Wenn er gut eingestellt ist und damit klar kommt, gibt es meiner Ansicht nach keinen Grund, ihm das aus XYZ Gründen nur noch"ab und an" oder"bei Gelegenheit " zu geben.

Ja, Medikamente können in gewisser Weise eine Belastung sein.
Jedoch, saubere und verträgliche Einstellung vorausgesetzt, können sie, wie @Falschparker sagte, genau so gut ein Segen sein.

Bezieht euer Kind bitte auf jeden Fall mit ein und achtet darauf wie er sich damit fühlt. Wenn er sich über mehrere Tage bspw nicht gut fühlt, sollte definitiv geschaut werden woran das liegen kann (bspw wenn kurz zuvor die Dosierung erhöht wurde, kann das vielleicht zu viel gewesen sein).

Bei Fragen einfach melden :slight_smile:

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Wir haben ihn jetzt das we beobachtet! Er wirkt vor allem wenn ihm langweilig ist sehr depressiv total traurig. Wenn ihn was verunsichert bockt er. Gestern sagte seine cousine er bekäme kein Eis da setzte er sich auf den Hof und schaute nur traurig. Normalerweise würde er nur nen blöden Spruch raushauen oder so. Mein Mann findet das sehr befremdlich das er so emotional reagiert. Er meint auch heute er hätte nur Pech usw. Sind das Nebenwirkungen die wieder verschwinden?

Hallo Janine,

welche Nebenwirkung tritt zu welcher Zeit auf?

Ich frage das, weil du unterscheiden musst zwischen der Zeit, wenn das Medikament wirkt bzw. wirken sollte, also sagen wir mal 3 bis 5 Stunden nach Einnahme, und der Zeit wenn die Wirkung nachlässt, also danach.

Beim Nachlassen kann die ADHS-Symptomatik kurze Zeit stärker sein als sie ganz ohne Medikament wäre. Es gibt aber Wege das zu umgehen.

Also heute hat er um 10 seine Tablette genommen und um ca 15.30 war er heute sehr depri. Gestern ungefähr ca 2 Std danach und einmal kurz und ja so zum Ende der Wirkung hin nochmal.

Ein Beitrag wurde in ein neues Thema verschoben: Schärfer sehen mit Medikinet Adult?

Hallo @Janine_1984,

wie ist es denn weitergegangen?

Alles Gute für euch
Falschparker

Hallo, wir wechseln jetzt bald auf 10 mg. Die Wirkung von 5 mg hat nach paar Wochen nach gelassen. Wir haben aber ewig keinen Termin bekommen… :eyes: Die Lehrerin meinte ihr ist aufgefallen das er etwas konzentrierter wäre aber der Bewegungs drang is nach wie vor da. Also minimal ist was zu merken. Hier zuhause is alles wie vorher

Wir sind ebenfalls mit 5mg Medikinet retard gestartet und dann in 5er-Schritten bis aktuell 20 mg hochgegangen. Wir haben einen 8-jährigen, der nicht schmächtig ist. Die 20mg waren auch ohnehin das angepeilte Ziel unseres KJP. Er meinte damals, bei 5mg werden wir noch nichts merken und so war es dann auch. Mir war aber wichtig, langsam hochzugehen.

Bei uns gab es in der Anfangszeit auch durchaus ruhige/traurige/zurückgezogene Abschnitte über den Tagesverlauf, die wir so nicht von unserem Sohn kannten. Wir haben das dann immer über mehrere Tage beobachtet und meist waren diese Stimmungen nicht von Dauer. Für die Eindosierungszeit hilft es, finde ich, sehr geduldig zu sein. Nicht immer jede Regung auf die Goldwaage zu legen sondern versuchen, dem Prozess zu vertrauen.

Bei uns war es dann so, dass bei etwa 15mg erstmalig eine Wirkung feststellbar war und mich das total irritiert hat. Mein Sohn kam mir so zurückgenommen vor, schaute viel was um ihn herum passiert. Wirkte auf mich teilnahmslos. Tatsächlich fiel mir dann auf, dass die Medikation gut auf seine Impulsivität wirkt und ich ihn so überlegt und sortiert einfach (noch) nicht kannte. Auch der Umgang mit Traurigkeit ist anders geworden. Traurigkeit aus unterschiedlichen Gründen war nun häufiger da, bzw. war er näher an diesem Gefühl dran. Die auslösenden Situationen hätten vor der Medikation eine Reihe anderer Reaktionen ausgelöst (Stänkern, Drama, Jammern, Wut), nun war die zugrunde liegende Traurigkeit unmittelbar spürbar. Das war also durchaus eine gewünschte Wirkung des Medikinet, auch wenn das nicht sofort erkennbar ist. Später hat sich das dann gelegt, er ist jetzt wieder sehr fröhlich.