Hallo zusammen,
ich nehme seit etwa 1,5 Jahren Medikinet. Zuvor wurde ich lange immer Mal wieder gegen Ängste und Depressionen behandelt (Therapie und Medikamente), mit wenig Erfolg. Mir wurde auch immer vermittelt, dass das nicht so ganz passt. Zuletzt nahm ich Sertralin, dass ich kurz nach dem Medikinet runter dosierte. Bis heute nehme ich 25 mg, aus Angst vor Absetzerscheinungen (das habe ich Mal bei Escitalopram erlebt) und weil ich jeweils beim Aufdosieren unter starken Nebenwirkungen gelitten habe, irgendwie wollte ich dann doch ein „Backup“. Ich hatte bei keinem AD bisher das Gefühl, das es mir wirklich viel gebracht hat, außer einer deutlich herabgesetzten Libido und ein etwas „wattiges“ Gefühl.
Ich hatte über die Jahre immer wieder Phasen der absoluten Erschöpfung, eingehend mit Ängsten, Verzweiflung, negativen Gedankenspiralen usw… Meistens habe ich mich dann irgendwann wieder etwas gefangen. Gut war es nie, weil die ADHS Symptomatik ja blieb mit Selbstzweifeln, ständigen Gefühlen von Überforderung, Chaos im Kopf, innere Unruhe usw., aber ich hatte wieder Lust auf Dinge, konnte im Hyperfokus Projekte angehen und hatte irgendwie auch Ziele/Wünsche. Bis zur nächsten Phase des Shutdowns. Und diese Abstände wurden irgendwann immer kürzer. Vor der ADHS Diagnose hatte ich dann ein richtiges Burnout. Ich werde meinem Psychiater, den ich nach einem Wechsel schon eine Weile aufsuchte, für immer dankbar sein, dass er die Puzzleteile für mich zusammensetzte.
Die Diagnose ADHS war nach einiger Auseinandersetzung eine absolute Offenbarung. Ich nehme seit fast zwei Jahren auch Medikinet (mittlerweile 30-20-10, vor den Tagen 30-30-10), was grundsätzlich auch viel verändert hat. Ich hab auf einmal gedacht: Ach, so kann man sich auch fühlen? Im Kopf bin ich viel geordneter, ruhiger, nach und nach traue ich mir bei der Arbeit auch wieder mehr zu und schaffe es, mich auf eine Sache zu konzentrieren. Ich schaffe einen (sehr herausfordernden) 80% Job seit etwas über einem Jahr mit dem Medikament erstmal relativ gut. Schwankungen erlebe ich insbesondere in der Woche vor meinen Tagen (ich habe immer schon mit PMSD zu kämpfen). Viel mehr als den Job schaffe ich gerade aber auch nicht.
Wenn ich ehrlich bin habe ich das Gefühl, mich von dem letzten Zusammenbruch nie wirklich erholt zu haben. Ich bin häufig antriebslos, erschöpft, habe viele düstere Gedanken, manchmal auch lebensmüde (ich kann mich aber bisher gut davon distanzieren, es geht mehr in die Richtung: Ich kann nicht mehr!) und mir fehlt einfach total, Mal wieder Ziele und Träume zu haben. Ich bin früher gerne gereist, habe mich mit neuen Themen auseinandergesetzt, habe Konzerte geliebt, gutes Essen usw… Jetzt hab ich oft auf nichts Lust. Ich habe keinen Partner (zu den Problemen hab ich auch Mal was geschrieben), eigentlich einen großen Kinderwunsch, den ich aber als nicht realistisch ansehe, da ich meine Instabilität keinem Kind antun würde. Ich fühle mich oft einsam, habe Angst, dass die einzige enge Bezugsperson (meine Mutter) irgendwann nicht mehr ist und ich dann ganz allein dastehe. Ich hab keine Probleme, soziale Kontakte zu knüpfen, aber ich kann sie nicht halten. So existenzielle Ängste habe ich im Moment besonders im rebound abends, das geht dann schon in Richtung Angstzustände/ Panikattacken, die ich schon von früher kenne. Ich bekomme dann schlecht Luft, fühle mich, als würde ich innerlich zerreißen und als könnte ich mich nie wieder gut fühlen. Ich weiß, es muss sich was ändern, aber ich weiß nicht wie. Mir fehlt die Energie, der Antrieb. Ich liege derzeit immer häufiger nach Feierabend auf dem Sofa, mache kaum noch was und merke, dass es so nicht weiter geht.
Ich habe gehofft, durch die Milderung der ADHS Symptome durch das Medikinet die Strategien zur Verminderung depressiver Symptome besser einsetzen zu können, ich „zwinge“ mich immer Mal wieder zu Freizeitaktivitäten und Bewegung, mache gerade einen Kurs/ Selbsthilfegruppe bei Martin Winkler mit, habe viel gelesen und zB mein Vitamin D aufgefüllt, nehme Magnesium usw… Ich habe gehofft, diesen Zustand/ Teufelskreis damit endlich durchbrechen zu können.
Wie ich oben schon geschrieben habe, ich kann gerade einfach Mal wieder nicht mehr, breche ständig in Tränen aus und alles ist einfach zu viel. Das kommt jetzt, da ich gerade eine Woche Urlaub habe, erst richtig raus. Mir wird auch zunehmend bewusster, dass ich den Job nicht ewig durchhalte, aber das ist ein anderes Thema. Ich habe das Gefühl zu kämpfen, ohne dass sich je etwas ändern wird, das wird jeden Tag schwerer. Und irgendwie bin ich auch oft wütend auf mich selbst, weil ich denke, dass ich das jetzt alles besser hinbekommen müsste.
Mein Psychiater ist total zugewandt und nett, aber eher von der alten Schule. Elvanse habe ich Mal angesprochen, auch wegen dem Rebound (ich habe das auch tagsüber, wenn ich den genauen Zeitpunkt verpasse, die nächste Dosis zu nehmen) er sagte, er habe damit keine guten Erfahrungen, Medikinet sei das Mittel erster Wahl. Meint ihr es macht Sinn, das wegen dem Rebound und der manchmal beschriebenen leichten antidepressiven Wirkung nochmal anzusprechen?
Und: Habt ihr eine Idee, was ich für die depressiven Symptome noch versuchen könnte? Ein Mittel, dass bei ADHS ganz gut wirken könnte? Ich habe hier einiges gelesen, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Ich bin derzeit auch wieder auf der Suche nach einem Therapieplatz. Allerdings habe ich mit der letzten Therapie nicht so gute Erfahrungen gemacht und möchte jemanden, der ADHS bei Erwachsenen/ mich zumindest einigermaßen versteht und einbezieht, ich glaub sonst bringt das bei mir nur noch mehr Druck. Das ist in einer ländlichen Gegend wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen.
Ich danke euch schon Mal vielmals ![]()