Medikamenteneinstellung Mädchen 7Jahre

Hallo zusammen.
Ich lese hier schon einige Zeit interssiert mit.
Ich hab ein Pflegekind, bei der jetzt ADHS diagnostiziert wurde. Sie bekommt Medikinet 10mg unretardiert. Dadurch wird sie extrem ruhig und in sich zurück gezogen. Sie klebt an mir wie eine Klette. Sie hat viel mehr Ängste und ist teilweise komplett blockiert. Eigentlich liebt sie es im Tierpark Ziegen zu streicheln/zu füttern, jetzt traut sie sich nicht mal mehr in die Nähe der Ziegen. Sie könnten sie ja mit den Hörnern stoßen. Oder sie stand auf der Wiese im Garten und traute sich nicht mehr ins Haus zurück. Sie war völlig blockiert in der Angst , dass in der Wiese ja Bienen sein könnten, die sie (durch die Schuhe) stechen könnten. Ich mußte sie ins Hause tragen. Jetzt im Urlaub sind wir Fahrrad gefahren, einen leichten Berg runter. Sie war von der Angst, das Fahrrad fährt so schnell, (was gar nicht der Fall war) so blockiert, dass sie nicht mehr wußte, wie bremsen geht. Ich habe sie dann abgefangen…
Auf meine Frage, welche Wirkung die Tablette für sie hat, meinte sie: sie würde davon so müde und bekäme Bauchschmerzen. Gut sei, daß wir uns nicht mehr so oft streiten…
Sie bekommt das Medikinet jetzt seit 10 Wochen. Ich dachte dass sie sich nach und nach an die andere Wahrnehmung der Welt gewöhnen würde. Das scheint aber (noch) nicht der Fall zu sein. Eine Überdosierung kann es doch eigentlich auch nicht sein, weil die Zieldosis ursprünglich 20mg gewesen wäre…
Den nächsten Arzttermin haben wir im August…
Ich bin irgendwie sehr unsicher …und möchte wissen, ob bei anderen sich auch diese extremen Ängste und Blockaden zeigen…
Danke

Hallo,
so extrem war es bei unserem Sohn nicht, aber er wurde deutlich ängstlicher mit Medikinet.

Seht ihr sonst eine gute Wirkung?

Ich würde ein anderes Medikament ausprobieren.

Ist bei deinem Pflegekind denn auszugehen, dass es in schwierige Lebensbedingungen reingeboren wurde ?

Ja, schon. Die Bedürfnisse eines Babys konnten nicht erkannt werden…in der Bereitschaftsfamilie war sie auch nicht so wirklich gut betreut. Deshalb war auch immer die Frage, welche Verhaltensauffälligkeiten durch die Bindungsstörung hervorgerufen wurden und / oder ADHS vorliegt. Jetzt ist ja die ADHS Diagnostik erfolgt und sie reagiert so deutlich auf das Medikinet…trotzdem trägt sie ja die frühkindlichen Vernachlässigungserfahrungen weiterhin mit sich rum…

Ja, die sehe ich deutlich. Die Stimmungsschwankungen und Ausraster sind viel weniger geworden. Ich werde nicht mehr komplett zugetextet…sondern erst nachmittags :wink: Das Spielen mit der Pflegeschwester klappt besser.
Rückmeldung aus den letzten Schultagen war eher, dass sie weit weg ist. Sie sich gar nicht mehr traut, sich zu beteiligen…

Sprich mal mit der Ärztin wie weit eine ADHS Medikation auch traumatische Einflüsse wieder „anregen“ kann und die Kleine davon „überfordert“ ist.

ADHS Medikation kann auf traumatische Probleme auch Erwachsene überfordern.

Danke für den Hinweis. Werde ich machen.

Gerade hat sie Fieber und einen Magendarm Infekt . Da ist sie eh so ruhig, dass ich ihr kein Medikinet gegeben habe, auch um die Bauchweh nicht noch mehr zu verstärken…
Habt ihr auch die Erfahrung gemacht?

Liebe Anne,

herzlich willkommen im ADXS-Forum! :adxs_knuddel:

Wie seid ihr denn auf diese Dosis gekommen? 10 mg unretardiert ist für eine 7-jährige schon ungewöhnlich viel, und 20 mg aus meiner Sicht schon fast absurd - wenn es wie gesagt unretardiert ist.

Bei Kindern dieses Alters sollte man mit 2,5 mg beginnen und dann auch in 2,5-mg-Schritten wochenweise hochgehen.

Und zweitens, wie häufig gebt ihr eurer Pflegetochter die Tablette? Oft reicht die Wirkung nicht länger als 3 Stunden, so dass man schon nach zwei bis zweieinhalb Stunden die nächste Tablette geben muss. Eine unretardierte (!) Tablette wirkt nicht mal für den Schulvormittag - und am Nachmittag haben die Kinder ja auch noch ADHS!

Unsere Kinder brauchten relativ geringe Dosen, wobei sie allerdings beide im Vergleich früh begonnen haben, mit 5 bzw. 4 Jahren.

Mein großer Sohn bekam zu Anfang 5 mg Einzeldosis, und das genügte auch völlig bis er 11 war! Allerdings fünf- später sechsmal täglich. Das war in den Nullerjahren, heute würde man sicher Retardkapseln geben, das war damals noch nicht so verbreitet.

Mein kleiner Sohn wurde mit 5 mg sehr ruhig und ängstlich. 2,5 mg waren aber deutlich zu wenig, wir haben dann die 10-mg-Tabletten gedrittelt, d. h. er kriegte dann die Einzeldosis von ca. 3,33 mg. Nachdem er 6 wurde, hatte die Ärztin dann auf Attentin umgestellt, das eignet sich besser für ihn.

Manche Ärzte machen leider den Fehler, hohe Einzeldosen und dafür zu lange Abstände vorzugeben. Mit dem Ergebnis, dass die Kinder zeitweise überdosiert sind und zwischendurch Wirklücken haben. :adxs_noooin:

Gute Besserung für eure Kleine! Bauchschmerzen verstärken würde das Medikament bestimmt nicht; allerdings stellt sich natürlich die Frage, ob es sich nicht erübrigt, wenn sie krankheitsbedingt eh geschwächt ist.

Ja, Pflegekinder haben natürlich häufig Bindungsstörungen und weit überrepräsentativ ADHS. Dass leider FASD, also Störungen durch Alkohol im Mutterleib, bei Pflegekindern auch oft vorkommen, ist dir sicher bekannt?

Ich will euch da nichts einreden, aber man sollte die Möglichkeit bei Pflegekindern eben immer mitdenken.

Hallo Falschparker
Die Dosi kommt von der Ärtzin. Wir haben mit 5mg angefangen. Dann sollten wir relativ schnell auf 10mg und dann 15mg erhöhen. Bei 15mg stand sie 6 Std lang völlig neben sich, so dass die Dosis wieder auf 10mg reduziert wurde. Jetzt ist die Wirkung ca 4-4,5 Std…
Sie bekommt morgens 1 Tablette.
Wir sollten das unretardierte Medikinet nehmen, um zu sehen, ob es Wirkung zeigt oder ob das Verhalten doch durch die Bindungsstörung hervorgerufen wird.
5mg, meint die Ärztin, würde keine Wirkung zeigen, weil es zu niedrig dosiert sei…
Ich möchte im Prinzip schon gerne auf ein retard Medikament umsteigen, damit die Wirkung auch im Nachmittagsbereich noch zu spüren ist und der Rebound nicht so heftig ist.
So wie es aktuell ist, ist es nicht optimal.
Thema FASD steht auch etwas im Raum. Ein Freundin von mir, deren Pflegekind FASD hat, meinte, so wie sie mein Kind erlebt, würde sie auch auf FASD tippen. Aber ich konnte bei den leiblichen Eltern noch nicht nachfragen…bzw. meine vorsichtigen Versuche, mehr über die Schwangerschaft zu erfahren, wurden vorm Vater direkt abgeblockt…
So, ich hoffe, ich habe alle Fragen beantwortet…

FASD hat zu 60, 70 % auch ADHS.
Testet mal in 2,5 mg-Schritten rauf und runter… Das kann einen großen Unterschied machen!

Und: mit nur 1 Dosis ist sie Mittags komplett unmedikamentiert. Das ist Unfug!

Wann sind die Ängste da - während der Wirkzeit oder außerhalb?

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Hallo,

meinte die Ärztin, oder war es auch so?

Aber selbst wenn, dazwischen wären ja noch 7,5 mg.

Die für FASD typischen Symptome seht ihr mit zunehmendem Alter vielleicht auch so - was ich euch bzw. ihr natürlich nicht wünsche.

ADHS-ler brauchen lange, um aus Erfahrung zu lernen; FASD-ler lernen gar nicht aus Erfahrung. Das zu wissen wäre, je erwachsener der oder die Betroffene wird, natürlich nicht unwichtig.

Und: Auch FASD-ler werden mit Stimulanzien behandelt. Was das betrifft, könnt ihr jedenfalls nichts falsch machen. Außer falsch dosieren natürlich, siehe oben.

Die Ängste sind während der Wirkzeit da.

Ob die 5mg nicht gewirkt haben, kann ich tatsächlich nicht sagen, weil sie die Dosis unter der Woche während der Schulzeit hatte.
Ich scheue mich „einfach so“ , ohne Absprache mit der Ärztin rum zu „experimentieren“, da auch Jugendamt , Vormund und Kinderpflegedienst mit drin hängt und jeder meint, seinen Senf dazugeben zu müssen. Es haben zwischen der Diagnose und dem Zeitpunkt, bis ich ihr Medis geben durfte, 2 Monate gelegen… :see_no_evil:
Ich weiß, auch die Ärtzin macht nichts anderes, aber es hat rechtlich etc. einen anderen Stellenwert als wenn ich das "einfach so " mache.

Dann gib es ihr doch mal am Wochenende, wenn du es beobachten kannst. Oder will die Ärztin das nicht? Dann wäre die Eindosierung allerdings kompletter Blindflug. Das wäre grober Unfug.

5 mg unretardiert bei einer 7-Jährigen pauschal unwirksam?
Das ist definitiv falsch. Es mag für die Mehrheit stimmen, aber ein Arzt behandelt keine Statistik, sondern Individuen, und bei manchen ist das ganz definitiv schon genug.
Falls sie das wirklich so gesagt hat, solltet ihr über einen Arztwechsel nachdenken. Zusammen mit dem Eindosierungsschema nur eine Dosis und nur in der Schule, damit ihr ja nichts davon mitkriegt, ist das alles in der Summe schon recht wirr.

Eine wichtige Regel ist, jede Dosiserhöhung (und natürlich die allererste Dosis) am Wochenende zu beginnen, wenn man das Kind jederzeit beobachten kann. Um dann, wenn die Dosis offensichtlich zu hoch ist, das Kind damit eben nicht zur Schule zu schicken, sondern wieder mit der nächstniedrigeren.

Aber mit der jetzigen Dosis siehst du deine Pflegetochter am Wochenende bzw. jetzt sind bei euch Ferien? Oder sollst du an freien Tagen das Medikament nicht geben? Das wäre, wie Ulbre schon sagt, Unfug.

Aber falls das nicht der Fall ist, hättest du in den Ferien ja freie Hand, denn Ärztin, Vormund, Lehrer usw. kriegen nicht mit, wieviel du gibst. Und weniger als verordnet zu geben ist in keiner Weise leichtsinnig, da wird die Ärztin nichts gegen haben.

Nein, auch für die Mehrheit stimmt es nicht. Nicht bei 7-jährigen, da wäre es eine große Ausnahme, bei 5 mg gar keine Wirkung zu sehen.

Vielleicht ist der typische Patient der Ärztin ein 10-jähriger kräftiger Junge? Oder sie dosiert immer über, und keiner merkt es, sondern die jeweiligen Eltern setzen es wieder ab und denken, Methylphenidat ist eben nicht das richtige Medikament?

Wir haben noch 2 Wochen Ferien…
Von daher werde ich ihr jetzt probeweise nur 5mg geben und die Wirkung genauer beobachten.
Danke für euer Mitdenken und eure guten Hinweise.

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