Medikamentenfindung

Hallo zusammen,

ich habe seit Anfang März meine ADHS-Diagnose und mich Anfang Juni dazu entschlossen, eine medikamentöse Behandlung auszuprobieren. Meine Psychiaterin hat mich beraten und mir selbst aber die Wahl überlassen, was ich zuerst ausprobieren möchte: Medikinet oder Elvanse. Ich hab mich für Elvanse entschieden und das irgendwie schon direkt bereut. Weil ich im Termin NICHT gesagt hatte, dass ich langfristig (natürlich nicht während der Eindosierung) lieber nur nach Bedarf ein Medikament nehmen möchte. Also an Arbeitstagen z.B. oder wenn ich eine Hausarbeit schreiben muss.
Dafür habe ich verschiedene Gründe: Einmal die Angst, dass ich das irgendwie dringend brauche und ohne gar nicht mehr klarkomme - auch, wenn ich weiß, dass das wahrscheinlich Quatsch ist - aber andererseits ist es irgendwie so, dass ich viele Dinge, die ich meinem ADHS zuschreibe, an mir auch ganz gerne mag. Nur eben nicht IMMER. Ich möchte manches gar nicht „verlieren“, weil ich es mag und weil ich auch glaube, dass es andere teilweise an mir mögen. Meine seltsamen Gedankensprünge, wirren Erzählungen, … In manchen Situationen ist das unpassend und ich wünsche es mir anders, aber gerade im privaten Kontext führt sowas auch häufig zu lustigen und schönen Situationen. Weil ich mich ja ohnehin privat mit Menschen umgebe, die mich auch so mögen, wie ich bin. Aber beruflich und, noch schlimmer, im Studium führen mein Chaos, meine Konzentrationsschwierigkeiten, meine Prokrastination, mein Zerdenken von wirklich ALLEM, usw. auch echt zu großen Problemen.
Ich habe aber ein paar Tage nach dem Termin mit der Einnahme von 20 mg Elvanse begonnen, weil ich dem Medikament auf jeden Fall eine Chance geben möchte und viele das ja besser finden, das ist ja individuell total unterschiedlich. In den ersten Tagen war meine Mundtrockenheit so unerträglich, dass ich kurz davor war, es abzubrechen, weil ich gedacht habe, dass es niemals so gut wirken kann, dass ich das in Kauf nehmen möchte. Aber es wurde besser. Sie ist noch da jetzt nach 3 Wochen, aber deutlich erträglicher. Eine Wirkung spüre ich nicht. Meine innere Unruhe, die loszuwerden mir mit das wichtigste war, ist noch vorhanden. Vielleicht unverändert, ganz eventuell stärker, aber das weiß ich nicht sicher. Ich verspanne meinen Kiefer, kann vor allem im Auto nicht aufhören, immer irgendwo rumzutrommeln, selbst wenn meine Finger vor Anstrengung schmerzen :smiley: Bessere Konzentration stelle ich nicht fest, also nichtmal ein bisschen. Deshalb habe ich heute mit 30 mg begonnen. Ich rechne mit stärkerer Mundtrockenheit, aber vielleicht wird das dann auch wieder nach ein paar Tagen besser. Wenn ich aber ansonsten wieder NICHTS merke in der nächsten Zeit, habe ich irgendwie gar keine Lust, noch rumzuprobieren. Ich denke, diese unangenehmen Nebenwirkungen werden ja bei höherer Dosis bestimmt nicht weniger.. Und weil ich außerdem total ungeduldig bin und sowieso auch noch im Hinterkopf habe, dass Medikinet für MICH und meine Wünsche (Einnahme nach Bedarf) vielleicht auf Dauer sowieso besser wäre, überlege ich schon jetzt vor meinem nächsten Termin Ende der Woche, ob ich direkt einen Wechsel ins Gespräch bringen sollte. Ich hab irgendwie im Kopf, dass ich am liebsten beide testen will, bevor ich mir so eine anstrengende Eindosierungsphase anzutun. Weil die dann am besten auch direkt zum Erfolg führen soll..
Wie seid ihr damit umgegangen, wenn ein Medikament nicht sofort Wirkung gezeigt hat? Also nicht nur nicht ausreichend, sondern gar nicht?
Ich habe ja hier schon viel gelesen und irgendwie schreckt mich das oft ab, wenn ich von so vielen Schwierigkeiten lese und so unfassbar langen Eindosierungszeiten, dass ich damit lieber aufgehört habe und selbst ein Thema eröffne :smiley:

Hey,

probier’s doch erst mal noch weiter aus. Es ist eigentlich keine schlechte Idee, die Medikamente auch an Tagen zu nehmen, wo du nicht arbeitest oder lernen musst. Ich kann auch nicht bestätigen, dass man dadurch irgendetwas verliert oder sich grundlegend verändert. Gerade was du beschreibst, ist wahrscheinlich eher einfach die Art und Weise wie du halt denkst :slight_smile:

Viel Erfolg bei der Findung! :four_leaf_clover:

Da kann ich dich beruhigen, die Medikamente werden dich nicht plötzlich zu einem anderen Menschen machen. Elvanse und MPH machen meinen Kopf zwar sehr ruhig aber die Medikamente verändern nicht wie ich denke. Bei mir haben die Medikamente (vor allem Elvanse) dafür gesorgt dass meine positiven Eigenschaften meiner Aufmerksamkeitsstörung sogar noch mehr in den Vordergrund gerückt sind.

Mundtrockenheit hatte ich auch als Nebenwirkung, das ist auch die einzigste Nebenwirkung die nach mehreren Monaten immer noch da ist. Bei mir kommt das glaube ich aber vor allem durch meinen Zigaretten und Cannabiskonsum.

Eine Unterdosierung kann bei Stimulanzien auch Nebenwirkungen auslösen, ich kann mittlerweile aus eigener Erfahrung bestätigen dass diese Nebenwirkungen sehr ähnlich wie die einer Überdosierung sind. Ein verspannter Kiefer und innere Unruhe können sowohl bei einer Unterdosierung als auch bei einer Überdosierung eintreten, da du noch keine Wirkung hast und bei einer eher niedrigen Dosis bist würde ich eher von einer Unterdosierung ausgehen. Die Annahme dass die Nebenwirkungen bei einer Dosiserhöhung schlimmer werden ist falsch. Ist zwar möglich, es ist aber auch gut möglich dass die Nebenwirkungen bei einer höheren Dosis angenehmer werden oder sogar komplett verschwinden, so war es bei mir der Fall. Mit Kieferverspannungen hatte ich zu Beginn auch große Probleme, nach ein paar Wochen ist das immer besser geworden. Seit ich jeden Tag Magnesium zu mir nehme sind die Verspannungen verschwunden.

Du kannst natürlich auch MPH ausprobieren, aber ich würde jedem empfehlen sich erst mal Zeit mit der Eindosierung zu lassen. Die Eindosierung bei Elvanse dauert meiner Erfahrung nach einfach ein bisschen, auch wenn das natürlich nervig ist. Wenn du die Eindosierung weiter durchziehst kannst du dir sicher sein dass Elvanse das richtige/falsche Medikament für dich ist, wenn du jetzt auf MPH wechselst und es nicht verträgst (was gar nicht so unwahrscheinlich ist) müsstest du ja wieder zurück wechseln, ich würde das extrem nervig finden. Bei beiden Medikamenten auf jeden Fall Koffein weglassen!

dir ist bewußt das Medikinet zwingend eine reichhaltige Mahlzeit vor jeder Einnahme braucht um möglichst gleichmäßig zu wirken und gerade ab 20 mg retard nicht ggf. zu früh due zweite Dosis freizusetzen und ggf. das Gefühl der Überdosierung auftreten könnte

„Meine seltsamen Gedankensprünge, wirren Erzählungen“

Ich finde es deprimierend nach zwei Sätzen vergessen zu haben worauf ich hinaus wollte, von Menschen zu hören, dass sie überhaupt keine Ahnung haben was ich gerade sagen will, wie ich darauf komme oder was das mit dem Thema zu tun hat.

Sprachnachrichten in welchen ich in einer Minute vier Mal das gleiche erzähle sind dann auch keine Seltenheit.

Du veränderst deinen Charakter nicht durch die Medikamente, du kannst nur deine vorhandenen Kapazitäten endlich auch nutzen und dich an deinen Qualitäten erst erfreuen.