Medikamentenspiegel bestimmen

Hallo!

Meine Psychiaterin hat scheinbar ein Problem mit ADHS-Medikamenten.

Ich nehme aufgrund von mangelnder Verfügbarkeit von 36mg Concerta 2x18mg.
Die Erhöhung von 18mg auf 36mg habe ich auf eigenen Faust gemacht, da von ihr leider keinerlei Unterstützung während der Eindosierung zu erwarten war.

Die 36mg sind schon mal besser als die 18mg, aber sie hat mir wieder nur eine Packung aufgeschrieben, die also dann gerade mal für 15Tage reichen wird.
Anstatt zu akzeptieren, dass ich mit 36mg besser zurecht komme als mit 18mg, will sie jetzt, dass ich einen Medikamentenspiegel erstellen lasse, um zu sehen, ob die Dosierung passt.

Warum reicht mein subjektives Empfinden nicht und ist das normal?

Liebe Grüße
Nimue

Hä? :adxs_noidea:

Das ist definitiv nicht normal.
Üblicherweise merkt man, dass die Dosierung passt, wenn das Medikament hilft, also die ADHS-Symptome reduziert werden.
Und üblicherweise fängt man mit der niedrigsten Dosierung an und steigert so lange im Wochenrhythmus bis die Dosis passt.

Concerta gibt es in 18 mg, 27 mg, 36 mg und 54 mg. Die Ärztin kann doch nicht erwarten, dass Du mit der niedrigsten erhältlichen Dosis auskommt? Wie kommt sie denn auf das schmale Brett? :adxs_gruebel:

Vielleicht bringst Du ihr mal die Packungsbeilage mit? Und markierst ihr die von mir zitierten Stellen schön bunt?
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Quelle: Original Beipackzettel von Beipackzettel CONCERTA 18 mg Retardtabletten | Apotheken Umschau

Es gibt überhaupt keinen Grund, den Wirkspiegel messen zu wollen, wenn Du 36 mg nehmen willst und es Dir damit gut geht. Da fehlt schon mal schlicht die Indikation für die Untersuchung. Es sei denn, sie traut Dir nicht und meint, Du würdest deutlich mehr nehmen. Ob du es regelmäßig nimmst, kann sie mit dem Blutspiegel gar nicht feststellen, weil die Halbwertszeit so kurz ist. Concerta ist ja kein Spiegelmedikament. Das ist abends wieder komplett abgebaut, spätestens über Nacht.

36 mg sind absolut im Rahmen. Das ist gerade mal die Hälfte der maximalen Höchstdosis!

Die therapeutische Breite ist auch so groß, dass der Blutspiegel überhaupt nichts darüber aussagt, ob es bei Dir gut wirkt oder nicht.

Quelle: Untersuchung: Methylphenidat | MVZ Dr. Eberhard & Partner Dortmund GbR (ÜBAG)

Du wirst mit 18 mg Concerta wohl kaum im oberen therapeutischen Bereich liegen und mit 36 mg auch nicht.

Das Spiel der Ärztin würde ich definitiv nicht mitspielen.

Hat sie Dir dafür eine Überweisung gegeben oder sollst Du das auch noch selbst bezahlen?

Danke für Deine schnelle Antwort, die mein Gefühl bestätigt.
Natürlich hat sie mir keine Überweisung gegeben.

Es ist so unfassbar mühsam!

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Moin!

Habe die letzten beiden Tage noch ein bisschen recherchiert und frage mich ganz ehrlich zu welchem Zeitpunkt man am Tag den Wirkstoffspiegel bei Concerta bestimmt.
Durch die 22:78 -Freigabe des Wirkstoffs ist der Anstieg ja nicht gleichmäßig.

In meinem Fall frage ich mich außerdem, ob es einen Unterschied macht, ob ich eine Kapsel 36mg nehme (die aktuell nicht lieferbar ist) oder 2x 18mg.
Rein rechnerisch müsste die freigesetzte Wirkstoffmenge gleich sein, aber ist das wirklich so…

Diese Geschichte mit dem Wirkstoffspiegel ist echt wieder Futter für mein ADHS-Hirn und ich verblemper zu viel Zeit damit! :angry:

Die Geschichte mit dem Wirkstoffspiegel ist hirnrissiger Quark.

Den bestimmt man, wenn ein Medikament in der üblichen therapeutisch wirksamen Dosis nicht so wirkt, wie es wirken soll. Dann sucht man nach Ursachen.

Das ist aber bei Dir nicht der Fall. MPH wirkt ja. Anscheinend auch so, wie es soll. Und 36 mg ist eine übliche therapeutisch wirksame Dosis. Die Ärztin ist nur zu doof, das zu erkennen. Oder sie unterstellt Dir Medikamentenmissbrauch.

Es steht nirgendwo geschrieben, dass 18 mg Concerta ausreichen müssen. Wenn das so wäre, würde es ja keine 27, 36 und 54 mg geben. Die Tageshöchstdosis (laut Packungsbeilage) ist 72 mg! Also das Doppelte von dem, was Du nimmst. Mit 36 mg bist Du weit entfernt von Medikamentenmissbrauch.

Wenn die 36 mg bei Dir gut und ausreichend lange wirken, gibt es überhaupt keinen Grund, einen Medikamentenspiegel bestimmen zu wollen. Wenn die Ärztin das trotzdem für nötig hält, dann soll sie das begründen und Dir eine Überweisung ausstellen, damit die KK das zahlt.

Grundsätzlich hatte ich für MPH (unretardiert) was von 2 Stunden nach Einnahme gelesen.
Für retardiertes MPH habe ich folgende Kurven für den Plasmaspiegel gefunden:


Quelle: Depotpräparate mit unterschiedlicher Freisetzungskinetik - 01 - 2008 - Heftarchiv - PPT (ppt-online.de)


Quelle: Anhaltende Symptomkontrolle durch mittellang wirksames Methylphenidat - 06 - 2006 - Heftarchiv - PPT (ppt-online.de)

Danach müsste dann wohl 5-6 Stunden nach Einnahme die Bestimmung erfolgen, weil da der Plasmaspiegel am höchsten ist.

Aber nochmal: Die therapeutische Breite des Wirkfensters ist viel zu groß, um da irgendwas ableiten zu können. Ob Du nun am unteren oder oberen Ende des Wirkfensters bist oder in der Mitte, sagt genau nichts darüber aus, wie gut oder schlecht die Wirkung bei Dir ist. Das ist ein subjektiver Eindruck, den man nicht im Blutspiegel messen kann.

Letztlich sagt die Bestimmung des Blutspiegels bei MPH nur eins: Du hast MPH in einer Dosis im therapeutischen Bereich im Blut. (Ich gehe nicht davon aus, dass da bei 36 mg irgendwas anderes bei rauskommt). Und dafür braucht man keine Laboruntersuchung. Dafür reicht eine logische Schlussfolgerung: dass Du MPH im Blut hast, wenn Du Dir MPH einwirfst.

Oder will sie den Test mit 18 mg, um zu sehen, ob Du damit unterhalb des therapeutischen Bereichs liegst? Ist genauso Blödsinn. Weil es eben auch sein kann, dass die 18 mg nicht ausreichen, selbst wenn Du im (unteren) therapeutischen Bereich liegen würdest.

Der untere therapeutische Bereich reicht eben nicht für jeden. Deswegen ist der Bereich ja so groß bei MPH. Weil es individuell sehr große Unterschiede in der Wirkung gibt und manche erst im oberen therapeutischen Bereich drauf ansprechen.

Frag die Ärztin, wozu genau sie Medikamentenspiegel haben will. Sie soll das genau begründen. Am besten schriftlich. Und Dir eine Überweisung dafür geben. Ich würde den sinnlosen Quatsch auf keinen Fall auf eigene Kosten mitmachen. Aber ich streite mich halt auch mit Ärzten, wenn die mich für dumm verkaufen wollen.

Nutze die Zeit lieber, um dir einen Arzt zu suchen, der weiß, was er tut. :adxs_zwinker:

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Danke für Deine Antwort!
Ich glaube, sie würde mir lieber Antidepressiva andrehen.
Die hat sie mir nämlich angeboten und von ADHS-Medikamenten redet sie nur schlecht, weil es ja Suchtmittel sind, ich bei einem Verkehrsunfall automatisch schuld bin, weil bei mir MPH nachgewiesen werden kann und weil sie mein Immunsystem zerstören…
Es kommt nur unqualifizierter Bull sh** und wenn es bei uns Alternativen zu ihr gäbe, wäre ich schneller weg als sie schauen kann.
Leider sind wir hier in der Diaspora was KOMPETENTE Fachärzte angeht.
Mit unseren Kindern fahren wir 1,5h pro Strecke zur KJP, weil es bei uns nix gibt.
Ich suche parallel nach einem anderen Psychiater und würde auch 2h Fahrt auf mich nehmen, aber dazukommen noch die Wartezeiten von mind 6Monaten, so dass ich im Augenblick noch bei ihr bleibe, damit ich zumindest das Rezept für Concerta bekomme.

Die hat ja nen Knall.

Ich glaube, Du gar keinen besonders kompetenten Arzt. Du brauchst nur einen normalen Arzt, der die (leider veraltete) Leitlinie für ADHS-Behandlung nicht nur als Klopapier benutzt, sondern wirklich mal gelesen hat. Da steht nämlich u.a. drin, dass Antidepressiva für die ADHS-Behandlung nicht zu empfehlen sind.