Medikinet: Eindosierung + Tinnitus

Hallo zusammen,

ich bin 44 und habe vor zwei Wochen meine ADHS-Diagnose bekommen. Meine Hauptprobleme sind innere Anspannung sowie starke Empfindlichkeit gegenüber Lärm und Licht - das begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben.

Als Kind hatte ich Tics wie zwanghaftes Blinzeln, habe zeitweise gestottert und war deshalb beim Neurologen. Am Ende wurde ich zum Autogenen Training geschickt. Mit der Zeit hat sich vieles irgendwie „verwachsen“, und ich habe gelernt, die innere Unruhe zu kontrollieren.

Ich kann mich grundsätzlich schon gut konzentrieren und habe mein Studium problemlos abgeschlossen. Das Problem war immer der Preis dafür: Nach intensiven Lern- oder Arbeitsphasen war ich extrem erschöpft und hatte kaum noch Energie. In meinem ersten Job habe ich fast drei Jahre lang praktisch nur gearbeitet und die Wochenenden, wenn es welche gab, komplett verschlafen.

Irgendwann wurde mir bei der Arbeit schwarz vor Augen. Die Ärzte stellten Verdacht auf Burnout und einen Hörsturz fest. Seitdem habe ich einen permanenten Tinnitus, der je nach Stress stärker oder schwächer ist. Außerdem habe ich seit dieser Zeit das Gefühl, dass meine Reizfilter endgültig weg sind. Laute Familienfeiern, Kantinen, grelles Licht oder auch der Laubbläser draußen bringen mein Nervensystem schnell an die Grenze. Wenn dann noch zusätzlicher Stress dazukommt, kommt es manchmal zu Impulsdurchbrüchen.

Nachdem ich das dritte Handy an die Wand geworfen hatte, habe ich mir Hilfe gesucht. Seit der Diagnose nehme ich Medikinet 10 mg und werde in ein paar Tagen auf 2×10 mg erhöhen. Ich merke bereits, dass ich ruhiger werde und vor allem die Licht- und Lärmempfindlichkeit deutlich nachlassen. Ich habe mich sogar dabei ertappt, mit Arbeitskollegen Smalltalk zu machen - das wäre vor ein paar Wochen noch undenkbar gewesen :upside_down_face: Nebenwirkungen habe ich bislang keine.

Meine eigentliche Frage: Ich habe mehrfach gelesen, dass manche Menschen unter Medikinet als Nebenwirkung einen Tinnitus entwickeln. Gibt es auch Fälle, in denen sich ein vorhandener Tinnitus verbessert oder zurückbildet? Da mein Tinnitus stark stressabhängig ist, habe ich die leise Hoffnung, dass sich auch hier noch etwas verändern könnte.

Besten Dank und sorry für den vielen Text.

Hallo Matt0815,

das kann dir logischerweise niemand vorher sagen, ob es bei dir schlimmer oder besser wird.

Jedenfalls, von einem neu entstehenden Tinnitus ausgelöst durch Stimulanzien habe ich noch nie etwas gehört. Mag es geben, wäre dann aber sehr sehr selten.

Deine Überlegung finde ich plausibel, dass wenn der Tinnitus stressbedingt ist, er auch besser wird, wenn das Stimulans gut wirkt.

(Könnte auch sein, dass in den seltenen Fällen, die beobachtet wurden, der Tinnitus vom ADHS kommt und nicht vom Medikinet. So ist das auch beim verzögerten Längenwachstum bei Kindern, wo man jahrelang dachte, es kommt vom ADHS-Medikament. Stimmte aber nicht. Logischerweise hat jedes Kind, das ADHS-Medikamente nimmt, ADHS. Also dachte man… usw.)

Hallo Falschparker,

besten Dank für deine Antwort. Dass es keine Vorhersagen gibt ist klar. Dachte nur, ob andere damit vielleicht Erfahrungswerte haben. Ich merke halt, dass ich bspw. im Sommerurlaub deutlich weniger Probleme habe, wenn die Sonner scheint, ich weniger Stress habe und so weiter. Merke in Stressphasen, dass Nacken und Kiefer verspannt sind und der Tinnitus dann stärker wird. Aber weder HNO, noch Zahnarzt oder Physiotherapeutin haben wirklich etwas identifizieren können.

Ich merke durch das Medikinet eine Entspannung, die aber noch deutlich ausbaufähig wäre. Bin erstmal gespannt wie es wird, wenn ich 2x10 mg täglich nehme und ggf. in ein paar Wochen die Dosis noch etwas angehoben wird.