Medikinet hilft, ist aber nicht optimal – besser Elvanse?

Hallo, ich bin neu hier.

Ich bin 51 Jahre alt und weiß seit 2024, dass ich ADHS habe, die offizielle Diagnose habe ich dann im November erhalten. Habe Mitte November mit Medikamenten begonnen, erst unretardiertes Methylphenidat. Die ersten Wochen mit dem MHP waren (ganz klassisch) ein ziemliches Highlight, ich war vor allem über die innere Ruhe erstaunt und darüber, dass ich abends noch Energie übrig hatte. Ablenkbarkeit besser, Konzentration besser, kann Dinge beginnen, entscheiden, bin emotional stabiler.

Allerdings hatte ich auch viel mit Kopfschmerzen nach Wirkungsende zu tun (neige zu Spannungskopfschmerzen/Migräne). Ab Dezember hab ich dann Medikinet Adult bekommen, erst 10-0-0, dann 10-10-0. Mit 20-10-0 komme ich relativ gut zurecht.

Aber: Auch wenn ich die Wirkung nicht mehr missen möchte, kommt es mir trotzdem nicht optimal für meinen Alltag und Körper vor.

Ich hasse Frühstücken und kriege morgens an manchen Tagen einfach nicht genug runter. (Ich esse immer etwas, aber an manchen Tagen ist mir einfach echt übel und ich schaffe nur 1 Banane, ich merke aber dass ein richtiges Frühstück deutlich besser funktioniert mit Medikinet). An den Tagen mit zu wenig Frühstück bekomme ich leider häufig Kopfschmerzen oder fühle ich mich auch schon überdosiert (Helmgefühl, Unruhe, leicht zittriges Gefühl).

Noch schwieriger ist das Timing der zweiten Dosis: Ich hab im Job leider oft Termine über die Mittagszeit, weshalb ich teilweise zu früh oder zu spät die zweite Dosis genommen habe. (Oder mit zu wenig Nahrung, s.o.) Zu früh ist nicht gut, zu spät auch nicht. So oder so spüre ich oft ein Wirkungsloch. – Abends bin ich wenn die Wirkung nachlässt, teilweise sehr gereizt und völlig kaputt und habe das Gefühl mein ADHs kommt mit voller Wucht zurück und ich hänge nur noch vor dem Handy und kriege nix mehr auf die Reihe und (am blödesten), gehe zu spät ins Bett weil ich mich nicht aufraffen kann vom Sofa aufzustehen. Meine Tochter hat mir schon das Feedback gegeben, dass ich “schrecklich bin”, seit ich das Zeug nehme. Dass ich tagsüber damit viel entspannter und ausgeglichener bin, merkt sie am Wochenende.

Ich scheine empfindlich auf Dosisschwankungen zu sein, bei der Eindosierung mit dem unretardierten Methylphendiat war oft der erste Tag bei einer Erhöhung ein echter Kopfwehtag (habe mit 5 begonnen, dann 10, dann 10-10, dann 15-10, dann 20-10. 20 hab ich zwei Tage ausprobiert, da hatte ich dann so schlimme Migräne, dass ich wieder auf 10 runtergegangen bin). Mit Medikinet adult gab es auch schon mal so eine Reaktion auf eine Dosiserhöhung, hatte in den Ferien (weil ich immer so lange geschlafen habe) nur 20 mg am Tag genommen (also keine Mittagsdosis). Nach den Ferien hatte ich einen 12 Stunden Arbeitstag und ich dachte “da halte ich doch einfach mit 20-20 dagegen”, was total nach hinten losging. Von 20 auf 40 mg am Tag fand mein Körper richtig scheiße. Überdosierung spüre ich offensichtlich deutlich.

Ich finde wie gesagt die Wirkung auf meine Symptome gut, aber ich finde es enorm anstrengend das Timing für die zweite Dosis im Alltag hinzukriegen und bin mittlerweile genervt davon immer wieder Traubenzucker einwerfen zu müssen, weil ich Kopfweh kriege oder ständig Snacks zu essen, weil ich mich so komisch unterzuckert fühle, obwohl ich nicht mal Hunger habe. Ich merke häufig ein unangenehmes Wirkungsloch Mittags und bin dann sehr schlapp. Das “ich bin abends deutlich fitter als früher” Gefühl vom Anfang der Eindosierung mit dem unretardierten Methlypphedidat ist leider auch nur noch selten da, sondern statt dessen kämpfe ich oft abends mit bleierner Müdigkeit oder Kopfschmerzen

Das Wochenende: Ausschlafen, eine Dosis (20 mg) ist eigentlich immer gut, da bin ich zwar Abends auch etwas ADHSsy, aber ich hab das Kopfwehproblem nicht und nicht diese komischen Schwankungen.

Ich habe meinen Arzt geschrieben (warte noch auf Antwort), mein Eindruck ist, dass vielleicht Elvanse besser passen könnte, weil weniger Wirkungsschwankungen hat. Und das Zwangsessen wegfällt. (Würde es so gerne einfach morgens als erstes nehmen, dann 1 Stunde später frühstücken wie früher).

Was meint ihr?

Oder soll ich Medikinet noch länger eine Chance geben?

Freue mich über Einschätzungen (natürlich entscheidet der Arzt, aber der ist wohl offen für Vorschläge meinerseits).

Herzliche Grüße!

Nein.

Ich habe das hier schon öfter geschrieben, vielleicht sollte ich das irgendwie automatisieren: Medikinet morgens ist ein sehr gutes Medikament für Leute, die regelmäßig frühstücken. Medikinet mittags ist ein sehr gutes Medikament für Leute, die regelmäßig (und zwar genau passend) Mittag essen.

Aber nur für die. Für alle anderen nicht. Ganz einfach, oder?

Und das ist auch nicht schlimm, denn es gibt verschiedene Kapseln mit Methylphenidat, die nicht wie Medikinet an eine Mahlzeit gebunden sind. Und wenn die Wirkung im Prinzip wie gewünscht ist, nur das mit den Mahlzeiten nicht passt, liegt es nahe, zuerst ein anderes Methylphenidat auszuprobieren und nicht Elvanse.

Ich nehme morgens Medikinet Adult und mittags Ritalin Adult. Begründung siehe oben.

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Vielen Dank für die Antwort!

Ja, an Ritalin hatte ich auch schon gedacht.

Allerdings habe ich auch an Tagen an denen ich gut esse + das mit der zweiten Dosis/Mittagessen gut hinbekomme manchmal das abendliche Problem mit dem Rebound und der Reizbarkeit.

Deshalb habe ich (auch durch die Beiträge hier im Forum) den Eindruck bekommen, dass Elvanse bedingt durch den langsameren Abbau “sanfter ausläuft” – und ich dachte vielleicht tut mir diese Gleichmässigkeit gut und macht mich auch wieder “sanfter”. (bin vorhin wegen einer Kleinigkeit richtig an die Decke gegangen, das fühlt sich gar nicht richtig nach mir an.)

Meine Tage sind außerdem sehr lang und gerade in der Mittagszeit habe ich viele Termine bei denen ich sehr konzentriert sein muss – blöd, wenn ich da im Wirkungsloch hänge.

Eigentlich lieber Falschparker müsdten wir das jedem Arzt der Medikinet verschreibt deutlich ins Köpfchen hämmern das er zwingend auf das Essen bei Medikinet hinweisen muß und das auch explizit abfragen und auch selbst nochmal bewerten muß ob regelmäßiges Essen überhaupt bei der Person geschieht und somit das überhaupt im Wohle des Patienten vertretbar ist Medikinet zu verordnen- oder nicht weil schlecht oder gat nicht gefrühstückt wird…

Ich glaube das nervt mich am meisten das die meisten Ärzte das nicht tun und ihnen ja Wurst zu sein schein und damit viel unnötiges Leid/ Unwohlsein ausgelöst wird

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Ich bin heute bei meinem Psychiater und werde ihm die Lage schildern. Vielleicht habe ich ja Glück und kriege Elvanse oder Ritalin.

Elvanse ist aber ein völlig neuer Wirkstoff und kann völlig anders wirken Ritalin ist gleicher Wirkstoff nur eine andere Retardierung und könnte stabiler aber gleich angenehm wirken

Ich habe jetzt Elvanse bekommen. Soll mit 20 mg starten und dann langsam hochgehen (wenn nötig). War heute morgen sowas von erleichtert, dass ich meine alte Morgenroutine wieder hatte. Tee trinken und erst später in Ruhe frühstücken. Bin gespannt, wie der Tagesverlauf so ist. Bisher fühlt es sich sehr ähnlich an zu Medikinet, außer dass ich bis jetzt noch kein Mittagsloch gemerkt habe.

Steady-state 5 Tage der erste Tag ist insgesamt nicht aussagekräftig. Spannender wie es nach 1 Woche ist

Ja, der Plan ist in jedem Fall 5-7 Tage bei 20 mg zu bleiben und dann erst zu erhöhen. Ich bin extrem gespannt!

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Ich bin jetzt beim 4 Tag mit 20 mg Elvanse. Positiv: ich kann wieder ohne Frühstück in den Tag starten und essen wenn ich wach bin, Konzentration ist gut, hab den Eindruck es wirkt etwas später als Medikinet aber ähnlich. Und ich habe keine Kreislaufprobleme mehr. Muss nicht mehr ständig Snacks einwerfen, damit mir nicht komisch ist. Appetit ist relativ normal, kann Mittags ganz normal essen. Was anders ist: Bin Abends deutlich weniger kaputt als sonst, das ist mir fast ein bisschen unheimlich.

Zum Schlaf kann ich noch nicht viel sagen, weil die Woche super stressig war und ich in der letzten “Medikinet nacht” um vier wach war (so ist das bei mir im Stress). Ich habe immer relativ spät geschlafen und war teilweise schon nach 6 Stunden wieder wach. Mal gucken, wie das nächste Woche ist, da habe ich Urlaub.

Irgendwann Mitte nächster Woche gehe ich dann mal auf 30 hoch. (Arzt wollte das ich 30 und auch 40 teste, ausser natürlich 30 sind schon zuviel).

Bis jetzt bin ich jedenfalls ganz zufrieden.

Ach so: Und bis jetzt gar keine Kopfschmerzen.

Ich nehme jetzt seit 6 Tagen Elvanse 30 mg (nachdem ich vorher 20 mg ausprobiert hatte).

Ich bin zwiegespalten: Einerseits vertrage ich Elvanse offensichtlich deutlich besser als Medikinet, jetzt nach 12 Tagen merke ich, was alles besser ist: Kein Wirkungsloch Mittags, keine Reizbarkeit abends, keine Blähungen mehr abends (hatte ich bei Medikinet immer, so als wäre meine Verdauung tagsüber komplett lahmgelegt gewesen um dann Abends durchzudrehen. Ich kann mich gut konzententrieren ohne mich dabei irgendwie komisch fixiert und wie im Tunnel zu fühlen. Und ich kann essen und frühstücken wann ich will. Richtig super.

ABER: ich schlafe schlechter, brauche zwar nur minimal länger um einzuschlafen, aber bin deutlich früher wach und morgens immer etwas gerädert.

Ich habe gelesen, dass das bei einigen hier irgendwann besser wurde.

Und würde mich freuen zu hören, wann es besser wurde?

Ich würde eigentlich gerne bei Elvanse bleiben.

Liebe Grüße, und danke!

Mein Schlaf ist besser, dadrüber bin ich sehr froh. Ich überlege jetzt, ob ich die Dosis noch einmal Testweise auf 40 mg erhöhe. Ich habe den Eindruck, dass ich mit Medikinet ein bisschen mehr innere Ruhe hatte und etwas weniger Prokrastiniert habe. Aber alles andere spricht für Elvanse.

Dann bleib bei Elvanse. Mit Methylphenidat-Medikamenten (Medikinet, Kinecteen) hatte/habe ich auch mehr innere Ruhe. (Deswegen bin ich von Lisdex/Elvanse weg). Die unterschiedlichen ADHS-Medikamente dämpfen die ADHS-Symptome eben unterschiedlich. Ein Medikament, das total symptomfrei macht, wäre super - habe ich noch nicht gefunden.:roll_eyes: