Medikinet oder Antidepressivum für unaufmerksamen Typ?


Herzlichen Dank! :slight_smile:

Nur noch eine kleine Typograpie-Klugscheisserei von mir:
Bei dieser sehr weit verbreiteten Keinschreiberei vergessen die Schreiber leider oft, dass sie ja nicht nur für sich schreiben, sondern auch gelesen werden wollen…und Typograpie ja auch einen Sinn hat, nämlich die Gewährleistung des Leseflusses. Die Versalien leiten einen neuen Satz ein und das Hirn kann durch sie die Hauptwörter schneller von den Adjektiven und Verben unterscheiden.

Die Art und Weise, wie Schrift und Texte gestaltet bzw. formatiert werden, folgen gewissen Gesetzmäßigkeiten, die sich dem Laien nicht erschließen, aber dennoch Sinn machen.

Unter Schriftsetzern nennt man das „Versalienfriedhof“ :mrgreen:

Daaaanke!!!

Bei euren kleinen Provokationen fällt mi ein Dialog aus Fluch der Karibik ein.

Captain ( in dem Fall ihr ):" Sie sind der schlechteste Pirat von dem ich gehört habe.

Jack Sparrow (ich) : " Das mag sein , aber ihr habt von mir gehört. :slight_smile:

Eins vorweg/allgemein , ich fühle mich nicht angegriffen. Ich bin sehr schlagfertig & habe einen spontanen guten Humor. Es könnte aber auch eine histrionische Persönlichkeitsstörung sein.

Gehen wir von Ersterem aus (zweiteres kenne ich nicht :rotwerd …)

Ich hatte das jetzt eigentlich nicht provokativ gemeint - und freute mich vor allem über @Andromaches Wertschätzung typografischer Regeln :lovedumb

Warum solltest Du Dich auch angegriffen fühlen? (ist natürlich trotzdem schön, dass Du es nicht tust :stirnkuss ) Versalienschreiben ist ja jetzt kein unveränderliches Persönlichkeitsmerkmal… (falls ja, dann würde ich mir WIRKLICH Gedanken machen) - obwohl, ich kenne einige Architekten, die immer - handschriftlich - in Versalien schreiben, ich denke, die können nicht mehr anders…

Aber - zurück vom thematischen Eichhörnchen - zum Thema…

Hey @allmighty ,
wie hast du die Kombi aus Sertralin Elvanse vertragen? Meine Ärztin wollte mir auch erst Sertralin verschreiben, meinte dann aber, dass das zu gefährlich sei.

Hallo @Valerina, ich habe diese Kombi nicht so lange und in der Zeit war ich gerade in der Elvanse Einstellung, daher kann ich leider nichts zuverlässiges sagen. Aber warum soll es gefährlich sein? Ich hatte damals zum Schluss 50 mg. Sertralin und glaube 15 mg. Elvanse genommen und hatte keine körperlichen Nebenwirkungen.
Sertralin an sich ist in der Wirkung absolut klasse, aber das Ein- und Ausschleichen kann manchmal ziemlich unangenehm sein, wobei ich persönlich keine Nebenwirkungen am Anfang hatte.

Wie war denn das Ausschleichen des Sertralins bei Dir, @allmighty ? Was waren die Probleme und wie hast Du es letztlich bewältigt?

Mein nicht ADHS-diagnostizierter Sohn nimmt Sertralin, zwar eher niedrig dosiert, dennoch würde es mich interessieren.

Ich würde ihn auch gerne mal Elvanse oder Medikinet probieren lassen, weil er, seit er Sertralin nimmt, so eine „Scheißegal“-Haltung hat, selbst bei Sachen, die ihm normalerweise wichtig sind.

Klar kann es von einem depressiven Zustand kommen.

Ich halte es aber auch für möglich, dass inzwischen die Depression von der Enttäuschung über seine Misserfolge wegen der Scheißegal-Haltung kommt.

Denn in den drei Monaten seiner Krise mit Ängsten und Zwängen, in denen er wegen der laufenden Diagnostik noch unmedikamentiert war, waren die Noten noch gut. Es ging erst mit dem Setralin bergab.

Das wäre eine fatale Abwärtsspirale für einen Jungen, der vor zwei Jahren durchweg tolle Noten ohne große Mühe geschafft hat. Und nun schreibt er aufgrund mangelnder Motivation und Disziplin in einfachen Fächern Fünfen.

Ich habe die Vermutung, dass er aufgrund seiner deutlichen Hochbegabung ein ADS bis zur Unauffälligkeit kompensiert. Es ist natürlich unbewiesen.

Aber auch Zwänge und Ängste können, wie Depressionen, von unerkanntem ADxS kommen. Am Deutlichsten habe ich das in den Büchern von Helga Simchen gelesen.

Und obendrein sind sein Bruder, seine Eltern, Großmutter, Onkel und Tante betroffen, sei es diagnostiziert oder mit deutlichen Persönlichkeitszügen.

Bislang will der KijuPsy das nicht sehen…

Aber wenn jemand mit 10 Jahren schon so eine Krise erlebt und nach über einem Jahr selbst kleinste Reduktion von Sertralin nicht verträgt, sehe ich es als meine Aufgabe an, auch andere Ursachen in Erwägung zu ziehen und das auch zu überprüfen.

Daher würde mich das interessieren, wie mit Problemen beim Ausschleichen von Sertralin pragmatisch umgegangen werden kann.

Ich habe damals Sertralin nicht ausgeschlichen, sondern sofort abgesetzt. Es war absolut keine gute Idee meinerseits. Ich habe ca. 1 Monat ausgehalten und habe dann Duloxetin genommen. Daher kann ich dir zum Ausschleichen leider keinen Tipp geben.
Diese Scheißegal- Haltung kenne ich eigentlich vom Sertralin nicht, ich war zwar deutlich entspannter und die Ängste/Zwänge waren weniger, aber sonst…

Sind seine Zwänge und Ängste weniger durch Sertralin geworden? Und ist Sertralin für Kinder und Jugendliche überhaupt zugelassen?

Seine Zwänge könnten natürlich aus einer Adxs kommen, aber ich würde andere Gründe dennoch nicht ausschließen. Meine Beobachtung ist, wobei absolut Küchen psychologisch, dass eher das magische Denken und die Ordnungszwänge für Adhs oder Asperger sprechen würden.

War er in einer Therapie, wo man explizit die Zwänge behandelt hat? Ich an eurer Stelle würde zeitnah eine Kinderklinik aufsuchen, die auf Zwangsstörung spezialisiert ist, wo er auch gegebenenfalls das Sertralin ausschleichen könnte. Ich will dir keine Angst machen, aber eine Zwangsstörung hat nur dann eine Chance vollständig geheilt zu werden, wenn die rechtzeitig behandelt wird.

Danke @allmighty für den Hinweis mit den Zwängen. Das ist irgendwie schwierig festzustellen, da er nicht mit uns drüber spricht.

Sie wurden seit dem Sertralin besser, auch die irgendwie damit verbundenen Ängste. Es schien im Winter alles gut zu sein.

Sertralin ist offenbar zugelassen… unser Kiju ist ein sehr vorsichtiger Arzt. Er war Oberarzt hier in der KijuPsy Klinik. Die Klinik sahen wir damals voll- oder teilstationär nicht als Lösung an, zumal durch das Medikament und unser „Training“ mit ihm alles besser wurde.

Aber jetzt scheint sich wieder etwas einzuschleichen. Insofern wirklich vielen Dank für den Hinweis, den ich so noch nicht gehört habe.

Beim letzten Arzttermin war es noch nicht der Fall, aber übernächste Woche sehen wir den Arzt sowieso wieder. Nächste Woche habe ich auch wieder einen Termin bei der Psychologin.

Also was ich auch extrem schwierig finde, ist der Umgang mit einem Kind, das extrem sensibel ist, kognitiv 15 und emotional 8 Jahre alt… er leidet unter unseren Regeln, die den Familienalltag zeitlich strukturieren, verträgt null Kritik, nimmt sich ohne Scham heimlich, was er meint, das ihm „zustünde“…

Zugleich erleben wir viele emotionale Ausbrüche mit unserem ADxS-hochfunktionalen ASS/Asperger Sohn, 15. Der nimmt ja nun seit 6 Monaten Atomoxetin und ich frage mich, was ist Pubertär und was ist evtl vom Medikament… bzw. der Dosis…

Grade spielte mir ADDitude Mag einen Link über die Vermeidung von Wutausbrüchen zu… muss ich noch lesen…

Also diese zwei Kinder und jetzt nach dem Tod meines Vaters auch noch meine Zuständigkeit für eine narzisstische (?) - ADxS (?) - Borderline (?) Mutter, mit der ich nun viel in Kontakt sein muss - das ist schon ein Irrenhaus hier.

Deshalb ist der Kleine bislang nicht in einer Verhaltenstherapie. Die Psychologin arbeitet sehr allgemein mit ihm und hilft, was wir auch wichtig finden, den Wahnsinn um ihn herum zu verarbeiten. Die Hochbegabungsthematik wollen wir jetzt mal über Mensa beleuchten. Wir wollen ein Summer Camp besuchen. Von einer anderen Mutter mit einem ähnlich betroffenen Jungen im gleichen Alter habe ich gehört, dass die Camps Ihrem Sohn unwahrscheinlich gut tun.

Das in der heutigen Kindergeneration oft gestörte Freundschafts-/Verabredungsverhalten ist auch ein großes Thema… sich verabreden, was dürfen wir dann machen, wenn wir zusammen sind, müssen wir draußen spielen, können wir rein gehen, wie streng setzt die jeweilige Familie in der Wohnung die Regeln um… traue ich mich da hin/finden meine Eltern das gut…

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Oje meine liebe @Nono das klingt mir wirklich alles nach einer grossen seelischen Belastung, hoffentlich hast Du jemand kompetenten, vielleicht eine Fachperson der/die Dir bei Fragen, Sorgen und Nöten zur Seite steht, alleine kann man solche Probleme kaum stemmen.

Es tut mir sehr Leid für die ganze Situation bei dir, hoffentlich entspannt sich einiges bei dir bald.
Ich wünschte, ich könnte dir irgendwie mehr helfen! Sieh zu, dass du dich selbst und deine Familie schützt, auch wenn es heißen würde, die Verantwortung für deine Mutter in fremde Hände abzugeben, um falls dich der Kontakt zu ihr auf Dauer kaputt macht, diesen auf einen Minimum zu reduzieren.

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Liebe Nono!
Erstmal schick ich dir ganz viel Liebe und Kraft. Meinen größten Respekt hast schon schon, mit beiden Kids und einer solchen Mutter (kenn ersteres aus der Arbeit und letzteres persönlich).
Schließe mich @allmighty an, sich ggf wen von außen dazu zu holen. Und wenn deine Mutter sich dagegen wehrt, das kann nicht alles auf deine (seelischen) Kosten gehen.

Sertralin und Fluoxetin sind meines Wissens nach tatsächlich die einzigen ADs die auch bei Kids eingesetzt werden dürfen, wobei Sertralin, genau, bei Zwängen hilft. Zwänge, eine gewisse Rigidität, nicht Aushalten wenn etwas nicht so ist… sind ganz häufig bei ASS, genau. Aber da kennst du dich sicher bereits bestens aus, durch den älteren Sohn.
Wut kann irgendwann auch von ner sekundären Depression kommen, die sich dann eben mit Frust/Wut zeigt eher.
Und hast Recht, beim ADDitude Mag gibt’s gute Artikel/pdfs zum oppositional behavior, bin da auch am WE wieder drüber gestolpert :slight_smile:, mit Einbeziehen beim Regelmachen, Konsistenz bei Routinen (=Sicherheit), bei Ausrastern gucken wo ein Skill/Bedürfnis fehlt und dann proaktiv habdeln…

Hab drei Verständnisfragen:

  • Versteh ich das richtig: der ältere Sohn ist Aspie und hat ADxS und der jüngere offiziell bisher „nur“ ASS mit Verdacht auf ADxS?
  • Er leidet unter euren Regeln und der Struktur?
  • Ist dein jüngerer Sohn in irgendeiner anderen Behandlung außer sporadisch bei der Psychologin und ist sie auf ASS spezialisiert?
    (Ich weiß nicht wie es in D ist, aber in Ö gibt es „autismusspezifische psychologische Behandlung“, da wird dann ganz konkret mit „social stories“ und Ähnlichem geübt, wöchentlich.
    Vielleicht bekommt ihr eh schon eine ähnliche Behandlung, dann ignoriere bitte die Idee.)

Liebe Grüße und schönen Wochenstart euch allen,
AWOL

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Hi @AWOL , der jüngere hat keine ASS Diagnose, nur damals Zwänge/Ängste, die Zwänge nicht durchführen zu können, die Depressionen waren zum Zeitpunkt der Diagnostik Fragebögen noch nicht in der vollen Schwere ausgeprägt. Deshalb tauchen sie in dem Bericht noch nicht als richtige Diagnose auf. Aber ich denke, dass es schon ein echter depressiver Zustand war damals…

Die Wutanfälle hat in erster Linie der Große, aber der Kleine hat auch mit zwei Jahren schon mit fester Faust auf den Tisch gehauen… wurde scherzhaft „Josef“ (Stalin) genannt… heute schlägt er Türen zu und schmollt entsetzlich dramatisch und vorwurfsvoll… und setzt eine sehr demonstrativ depressiv-leidende Mine auf… es geht sehr oft um Gaming und TV…sprich kurz vor der Sucht-Verhalten… dieses Suchthafte lässt mich halt auch irgendwie an ADxS denken…

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