Den gesamten Oktober 2025 habe ich an einem Ort verbracht, der mein Leben zum besseren verändert hat. Wie das passiert ist, möchte ich hier mit euch teilen.
TL:DR → Ein Reha Aufenthalt mit ADHS Spezialisierung kann euer Leben verändern. Ihr fühlt euch gesehen. Ihr wisst besser mit euch selbst umzugehen. Durch meinen Bericht erfahrt ihr mehr. Verbindet euch. Persönlich. Sucht eine Selbsthilfegruppe oder sonst gründet selbst eine. Sucht den Kontakt zu Gleichgesinnten. Ich hab’s gemacht. Das ist meine Geschichte dazu.
5 Monate Wartezeit hatte ich hinter mir. Ein Winter den ich durch Konfusion mit meiner neuen ADHS Diagnose in tiefe Depression verfallen war. Mich durch den Wust an Medikation, der Akzeptanz meiner Hausärzt:innen mir auch vor Ort meine Medikamente auf BTM-Rezept zu verschreiben gekämpft hatte. Ein hin-und-her mit Psychiater:innen die selbst zugaben nur wenig Ahnung von ADHS bei Erwachsenen zu haben. Von dem Glück bei einem Therapeuten zu sein, der sich aus eigenem Interesse heraus schon im Studium mit Menschen im neurodivergentem Spektrum auseinandergesetzt hat und um die US-amerikanische DS5 Definition (Stichwort ADHS-I / ADHS-H) wusste.
Da war ich nun. In Bad Salzig. Was das mir hier bringen sollte hatte ich nicht im Geringsten geahnt. Du kommst an, denkst wann geht es endlich los? Zweifelst. Hast Angst vor all diesen vielen Menschen. Hast Vorstellungen im Kopf wie das hier abläuft, ein vage Ahnung was du hier überhaupt willst. Das waren meine Gedanken in der ersten Woche. Eine Situation im Essbereich, wo ich mich mit Mühe zu anderen setzte, in der Hoffnung nicht angesprochen zu werden, trotzdem einen blöden Spruch losgelassen, gleich den ganzen Abend darüber geärgert. Den nächsten Tag auch. Wie konnte ich hier schon ahnen wie ich sehnsüchtig diesen Ort aufsuchen sollte? Mit dem Gedanken hier wieder herauszugehen eigentlich diesen Ort niemals verlassen zu wollen?
Das Programm in der Klinik setzte sich aus verschiedenen Themenfeldern zusammen. Es gab
- Erklärungs-Vorträge (eher langweilig, aber der vom Leiter war ziemlich gut!)
- Gruppentherapien (nicht zu knapp)
- ADHS Infogruppe (Austauschgruppe)
- Indikative Gruppe „Achtsamkeit“ (es gäbe auch „Schmerz“, u.a.) → die war

- ADHS Ergotherapie (Themenspezifisch wie umgehen im Alltag)
- Basisgruppe
- Werken, Gartenarbeit, Kunst
- Sport / Bewegungskurse / Physiotherapie
- Rückenschule
- Hydro Gymnastik
- Bewegungstherapie verknüpft mit Achtsamkeit (fand ich mega gut!)
- Nordic Walking (jeden Morgen)
- Wellness Angebot
- Hydrojet (Massage mittels Wasserstrahl was auch sehr beliebt war)
- Rotlicht (angenehme Wärme)
- Elektro Muskel-, Venen, Lymphgefäßeentspannung
Und was soll ich sagen? Die erste Woche war ich skeptisch. Erste Gespräche führte ich. Dachte mir mein Programm sei nicht passend. Wie das denn funktionieren würde wenn mein Bezugstherapeut im Urlaub sei. Zwei Sachen fielen aus. Ich war viel auf dem Zimmer. Aber irgendwie trieb es mich dann einmal abends in den Sportraum wo abends Tischtennis lief. Es war eine Überwindung und anfangs eher semi gut. Fühlte sich komisch an, als ob alle die da waren schon in einer Gruppe sind.
Bei den Terminen „wo man sich eben so mal wieder aufeinandertrifft“, da ging es los. Es wurden Verabredungen, es wurden Gespräche. Lange Gespräche. Ich sagte mir selbst: Du ziehst es jetzt hier durch und zwar so, dass es für DICH etwas bringt. Diese Einstellung, so blicke ich rückblickend darauf, war entscheidend. Es brauchte diese erste Woche um zu ihr zu kommen.
Aus längeren Gesprächen wurden Freundschaften. Menschen mit denen ich bis heute im Kontakt stehe. Eine echte Reha Familie samt einer Chatgruppe die ein halbes Jahr später weiterhin aktiv und in Verbundenheit steht.
Vielleicht hatte ich auch etwas Glück mit meinem Bezugstherapeuten. Er war ein Genie! Er hatte mich schnell verstanden. Mir vor allem zugehört. Bestätigung wie „normal“ meine Geschichte doch ist, habe ich bei ihm, aber auch durch so viele andere feststellen dürfen. Das hat den Unterschied gemacht. Mich gesehen, gehört und vor allem verstanden zu fühlen war absoluter Gamechanger!
Es war aber auch ein Mix. Die Nähe zur Natur, die Ausflüge und auch dieser eine Achtsamkeits-Kurs bei Frau Richter (ich liebe diese Frau/Gymnastiklehrerin [wie es im Flyer heißt]). Die Menschen waren toll dort. Das Essen war auch gut. Das Frühstück ausgiebig und gesund.
Wo stehe ich heute (Juli 2026)? Nun ich habe es soweit weiter verfolgt mit der Achtsamkeit, dass ich zwei aus der Rehafamilie ausgiebiger beraten haben. Da kam mir eine Idee. Die Idee es einfach mal anzubieten. Professionell. Deshalb studiere ich jetzt im Fernstudium Psychologie im Master, bin dabei ein Café zu eröffnen das ein Begegnungsort für Neurodivergente Menschen sein wird. Das Leben ist schön, es wird für mich seit Bad Salzig jeden Tag ein Stück schöner.
Ich würde sofort dorthin zurück. Es fühlte sich schlussendlich an wie ein Himmel auf Erden. an jeder Ecke gab es etwas zu erleben. Es war Wellness für die Seele. In jeder Hinsicht. Uneingeschränkt empfehle ich euch hierhin zu gehen.
Bei Fragen schreibt mir gerne. Oder folgt mir auf Insta @falcoweich da bekommt ihr mit wie es mit Coaching und Café weitergeht. Freue mich von euch zu hören!