Hallo,
seit meiner Kindheit bin ich mit ADHS diagnostiziert worden und erstmalig seit letzem Jahr auf einer medikamentösen Behandlung.
Meine ausführliche Geschichte, ich hoffe jemand findet sich hier auch dabei:
Ich habe mich erst überhaupt in Behandlung begeben, weil ich mich die Jahre davor kaputt diszipliniert habe, was sowieso nicht funktionierte und ich dachte mir einfach, dass so etwas doch nicht sein kann. In meinem Hinterkopf wusste ich immer dass ich ADHS habe, aber alle Symptome, die ich über die ganzen Jahre gehört habe, haben oft einfach nicht gepasst und mit anderen ADHSlern habe ich mich auch überhaupt nicht verstanden. Nach intensiver Recherche, auch auf diesem tollen Forum hier, habe ich dann doch gemerkt dass ich Probleme habe, von denen ich gar nicht wusste und 80% meiner ganzen Probleme vom ADHS stammen.
Langer Rede kurzer Sinn, 3 Monate später war ich dann auch schon auf Elvanse und es gibt nicht mehr zu sagen als: Lebensverändernd.
Ich habe zum ersten Mal „richtig“ gelebt und hab verstanden, dass ich mich eigentlich durchs ganze Leben davor gequält habe.
Irgendetwas war aber noch tief unbeantwortet in mir, ein Bauchgefühl, dass einfach den Rest „wissen“ wollte und ich wusste die ersten Monate nach Beginn von der Medi-Einnahme einfach überhaupt nicht was ich damit anfangen sollte.
Wir spulen vor zum April 2026, nach weiterer langen Recherche, dachte ich endlich, ich habs. Es muss noch Autismus sein. Ich begab mich also noch Mal im Mai zu meinem Therapeuten für einen Autismus Test und da es auch das erste Mal war, dass er mich auf Medikamenten kennenlernen konnte, waren seine Ergebnisse schnell und eindeutig. Ich habe definitiv keinen Autismus, sondern bin höchstwahrscheinlich hochbegabter ADHSler. Leider macht er aber keine Hochbegabten Tests, aber wieder, nach - wer hätte es gedacht - weiterer Recherche meinerseits, zu den überlappenden Symptomen von ADHS + Hochbegabung hat sich auf ein Mal mein ganzes Leben endlich erklärt und das unbeantwortete unwissende Gefühl, war plötzlich weg - Ich wusste endlich was ich bin, obwohl ich schon immer wusste wer ich bin und was ich kann. Nach einigen Emails an Psychologen, die sich auf Hochbegabung spezialisieren, um es einfach auf einem Blatt Papier bestätigt zu bekommen, bekam ich leider nur Absagen, aber jede Schilderung meinerseits wurde mit „stimmig“ beantwortet. Einen ausführlichen Hochbegabungs Test werde ich irgendwann in der Zukunft wohl noch machen, kostet aber ein Haufen Geld und ob ich den wirklich brauche, eigentlich nicht, aber interessant wäre das schon. Noch angemerkt, ich habe davor noch nie in meinem Leben darüber nachgedacht hochbegabt zu sein, aber, mit einem „aber“:
Seit meiner Kindheit wusste ich, dass ich speziell bin und mich von anderen Kindern komplett abhebe. Ich habe extrem früh Sachen verstanden, die manche Erwachsene bis heute nicht verstehen. Meine problematischen Hauptsymptome waren immer schon Unterforderung, Unruhe, Stress, Angst, Emotionsregulierung und vor allem Unkonzentriertheit bei Themen, die mich nicht bewegen, aber dafür absolute Interesse und Hyperfokus bei Sachen die mich interessieren - mich hat wirklich alles interessiert außer Schulstoff. Dennoch kam ichs auf Gymnasium ohne wirklich zu lernen und so ging das weiter. Ab der 9ten Klasse hat das einfach nicht mehr funktioniert und der Stress hat mich gesundheitlich sehr geschädigt und da ich auch bemerkte, dass es nur noch um pure auswendig lernen geht, bin ich runter auf die Realschule und ab da war das Leben wieder schöner. Ich musste einfach nichts mehr lernen, hab meinen Schlaf im Unterricht nachgeholt und bestand meinen Abschluss mit 2,6. Statt Schulstoff zu lernen beschäftigte ich mich eigentlich nur mit meinen Leidenschaften. Das war das einzige was mir Sinn im Leben und dadurch Motivation und Spaß gegeben hat.
Ich entdeckte früh meine Leidenschaft mit Computern, so konnte ich dann schon mit 11 Jahren, Programme programmieren, mit Hardware arbeiten, kannte Windows in und auswendig, bohrte in tiefen Systemdateien, entcodete Spieldateien und veränderte Werte in Multiplayer spielen, 3D Animationen erstellen und Videos bearbeiten und schneiden und das in professionellen Programmen, die auch in Hollywood verwendet werden, ich konnte alles mögliche was mich nur ansatzweise interessiert hat und auch umsetzen, auf einem fachlichem Level, weil wenn ich etwas wissen möchte, gehe ich ans Maximum des Themas. Mit 16 war ich auch schon erst Mals selbstständig und verdiente damit 4-stellige Umsätze. Das Leben wurde nach der Schule aber extrem schwer. Ich bewarb mich 3 Jahre auf eine IT-Ausbildung, wurde bei Vorstellungsgesprächen gelobt bis zum Himmel, nur dass mich im Endeffekt keiner genommen hat. Heute weiß ich von einem Personaler, dass ich einfach zu kompetent war für eine Ausbildung, ja sowas ist leider anscheinend wirklich ein Grund. Nichts desto trotz wollte ich einfach eine Ausbildung abschließen, nur um das Papierchen zu haben, obwohl für mich sowieso immer klar war, dass es außer der Selbstständigkeit nichts anderes werden kann. 3 Jahre verloren, aber dann fand ich eine Ausbildung in einem PC Laden als Einzelhandelskaufmann, die ich auch ohne Probleme abschloss. Ich arbeitete dann 2 Jahre weiter dort, aber hab es irgendwann nicht mehr ausgehalten, weil der Chef ein Narz… war, weswegen ich kündigen wollte, aber mich dann einfach kündigen lassen habe, weil ich wusste, dass er jeden Mitarbeiter für Kleinigkeiten, die an seinem Ego kratzen schon gekündigt hatte und deswegen habe ich ein Mal professionell und nett eine Grenze aufgezeigt, was komplett normal in der Berufswelt ist, nur bei ihm nicht, wofür ich zum Glück die Kündigung bekam und ab hier begann auch komischerweise der „Burnout“ und ich begab mich in Behandlung (Mai 2025). Seit dem sitze ich auf ALG1, dennoch über den ärztlichen Dienst von der Age im Januar 26 ein Attest für 6 Monate bekommen habe, das ich auch wohl wirklich gebraucht habe, wenn ich erst vor zwei Monaten mein ganzes Leben mir endlich vollständig erklären konnte. Ich habe auch in der Zwischenzeit 2 neue Sprachen gelernt und kann jetzt insgesamt 5, das witzige daran ist, dass ich in der ersten und zweiten Klasse einen zusätzlichen Deutschkurs nach dem Unterricht besuchen musste. Jetzt bin ich kurz davor mich wieder Selbstständig zu machen, alles ist fertig geplant und Ziele sind gesetzt, die „arbeitslosen“ Zeit hab ich sehr gut genutzt. Außerdem beschäftige ich mich schon seit Jahren intensiv mit Finanzmärkten, aber mehr kann und möchte ich auch nicht sagen.
Ich habe hier mein Leben bewusst so im Detail beschrieben, weil ich hoffe, dass sich vielleicht hier jemand wieder erkennt und dennoch fehlt so extrem viel, deswegen bin ich für jede Frage offen.
Viele besondere Skills, aber auch Symptome habe ich weggelassen. Ich kann nur sagen, einige fallen beim ADHS komplett weg, andere potenzieren sich, aber größtenteils gleichen sich die Symptome aus. Mit dem unbehandelten ADHS war es wie bei zwei gleichnamigen Polen eines Magneten, die sich abstoßen, anstatt sich zu ergänzen, was nun das Elvanse macht.
Fazit: Meine Hochbegabung hat mich mein ganzes Leben vor schlimmerem bewahrt.
Gerne alles fragen, oder auch nicht, aber wenn auch nur eine Person das liest und sich Sachen dadurch klären, bin ich schon sehr glücklich.
Liebe Grüße
RT