Hallo zusammen,
ich habe bereits als Kind unter verschiedenen (Pseudo-)Allergien wie Sonnenallergie, Hausstaub, Beifuß usw. gelitten. Ich bin 1990 geboren, und in der Grundschule wurde bei mir ADHS diagnostiziert, was damals auch medikamentös behandelt wurde. Ich bekam zudem Ergotherapie und war in verschiedenen Vereinen aktiv (Kampfsport, Chor, Tauchverein).
Meine Familie, besonders meine Mutter, war nicht einfach. Es wurde viel mit Scham, Drohungen und Vorwürfen gearbeitet. Mein Papa war nie daheim, und wenn er mal da war, hat meine Mutter ihn für das Scheitern seiner Firma (Insolvenz) und die damit verbundenen Geldprobleme verantwortlich gemacht. Wir waren viel unterwegs, und ich weiß noch, dass ich immer müde war. Ich erinnere mich auch daran, ständig von Arzt zu Arzt geschleppt worden zu sein, wobei mir immer suggeriert wurde: „Ich bin falsch.“ Mit der Diagnose kam damals auch heraus, dass ich einen IQ von 114 und ein überdurchschnittliches Vorstellungsvermögen habe. Beim Spielen habe ich mich oft in andere Welten geträumt.
In der Schule hatte ich Momente, in denen ich erst drei Sätze mitgeschrieben hatte, während andere schon eine halbe Seite voll hatten. Wenn Leistung verlangt wurde, versuchte ich immer, eine Hintertür zu finden oder zu schummeln. Trotz mittelmäßiger Noten musste ich mit einer Aufnahmeprüfung auf das Gymnasium, wo ich meine Zeit eigentlich nur absaß und wegen meiner Andersartigkeit wenig Freunde fand. Hinzu kam, dass sich meine Homosexualität herauskristallisierte, die ich nur engen Freunden offenbarte und die von meinen Eltern bis heute negiert wird.
Nachdem ich die 7. Klasse wiederholt hatte und nach zwei Monaten Verweigerung in der 8. Klasse auf die Wirtschaftsschule wechselte, wurde alles etwas besser. Der schulische Druck ließ nach und ich fand leichter Anschluss. Englisch gefiel mir plötzlich: Statt der 5 am Gymnasium hatte ich auf einmal eine 1 und durfte die Schule bei einem Stadtaustausch nach England repräsentieren – etwas, das mir am Gymnasium mit den Worten „Du würdest unsere Schule nicht gut vertreten“ verwehrt worden war. Dennoch war ich aufmüpfig, machte nie Hausaufgaben und hatte keine gesunde Lernkultur. Wenn ich etwas interessant fand, wurde ich allerdings rasend schnell zum Experten.
Frühstück gab es bei uns nie, und ich habe morgens bis heute wenig Hunger. Abends haute ich dafür rein wie ein Scheunendrescher, bis mir schlecht wurde – nahm aber nicht zu. Mit 14 fing ich an zu rauchen und beim Weggehen zu trinken. Ich hatte ziemlich viele Freiheiten, aber kaum finanzielle Mittel. Andere Drogen waren für mich absolute No-Gos, da ich einen eigenwilligen, aber sehr hohen moralischen Kompass hatte und habe. Man hat viel Mist gebaut, geriet aber nie auf die schiefe Bahn.
Ich weiß noch, dass es einmal daheim so schlimm wurde, dass ich einen Abschiedsbrief schrieb und mich selbst verletzen wollte. Ich konnte und kann mir aber selbst keine Schmerzen zufügen. Man hat eben Strategien entwickelt, um sich anzupassen, im System zu funktionieren und nicht aufzufallen.
Ausbildung und Traumatisierung
Es folgte eine Ausbildung im sozialen Bereich. Es war nicht mein Wunsch; eigentlich wollte ich etwas mit Technik oder Medien machen. Da aber Ausbildungsflaute herrschte, wurde ich an der Berufsschule genommen – vor allem, weil ich ein Junge war und meine Schwester dort zuvor die gleiche Ausbildung absolviert hatte. Die Praxisjahre waren hart. Mir wurde ständig gesagt, ich sei nicht für den Beruf geeignet, aber ich habe es schlussendlich durchgezogen.
Mit dem ersten Gehalt kam der Wunsch, sich Dinge zu leisten. Meine Mutter hatte schon immer viel gekauft, und auch ich wollte mich mit materiellen Dingen glücklich machen. Was sexuelle Erfahrungen anging, war ich ebenfalls kein Kind von Traurigkeit und sehr umtriebig, wobei unter den unzähligen Männern nur wenige konstante Beziehungen zustande kamen.
Leider geriet ich an einen älteren Mann, der anfing, mir das Blaue vom Himmel zu versprechen. Er pumpte mich mit Geld voll, hörte sich meine Probleme an und begann schleichend, mein Leben zu kontrollieren. Er stellte mir nach, erpresste mich und zwang mich zu sexuellen Handlungen. Je mehr ich mich wehrte und den Kontakt abbrechen wollte, desto mehr stachelte ihn das an weiterzumachen. Er lauerte mir auf, erstellte Fake-Profile, um mit mir zu chatten und mich zu Treffen zu locken, klonte meine Social-Media-Accounts und bezahlte „Freunde“ und Fremde, um mich zu beschatten. Als er mir einmal auflauerte, sagte ich ihm, dass es reicht und ich jetzt zur Polizei gehe. Er erwiderte nur: „Mach ruhig, die machen sowieso nichts.“ Genau so war es. Er saß sogar mit im Präsidium und verhöhnte mich: „Hab ich dir doch gesagt, dass nichts passiert.“
Damals ging ich in den Wald und suchte mir Bäume, an denen ich mich aufhängen wollte. Ein anderes Mal fuhr ich mit dem Auto meiner Eltern mit 200 Sachen über die Autobahn und sah mich schon gegen eine Brücke steuern. Ein Rechtsbeistand und der Weiße Ring halfen mir schließlich, aus der Sache herauszukommen. Ich schämte mich unendlich und fühlte mich ekelhaft. Jedes Mal nach den Übergriffen wollte ich mir aus purem Ekel die Haut vom Körper kratzen; ich fühlte mich einfach schmutzig. Lediglich engen Freunden und meiner Ausbildungsstelle habe ich davon erzählt – meine Eltern durften es nicht wissen. Ich begann eine Therapie, wusste damals aber gar nicht richtig, was das bedeutete, und brach sie ab, weil ich dachte, sie würde mir ohnehin nicht helfen.
Arbeitsleben und Zwangsstörung
Ich zog die Ausbildung durch, zog aus (erst in zwei WGs, dann alleine) und fand einen angemessenen Job. Ich bin ein empathischer Mensch, möchte anderen gefallen und ziehe schwierige Situationen oft mit Witzen ins Lächerliche. So vergingen die Jahre, meist alleine. Ich hatte Probleme, mich zu öffnen, konnte anderen kaum vertrauen und witterte überall Betrug und Ausnutzung. Klar hatte ich soziale Kontakte, aber irgendwie fühlte sich alles leer und unwirklich an.
In dieser Zeit entwickelte ich eine Zwangsstörung. Geprägt von Zwangshandlungen mussten meine Wohnung und mein Körper klinisch sauber sein. Ich putzte ununterbrochen und konnte erst nach einer strikten Routine frisch geduscht ins Bett. Mit der Zeit entwickelt man natürlich Vermeidungsstrategien. Meine Wohnung sieht heute immer noch tipptopp aus, aber meine Kellerparzelle kann man nicht mal mehr betreten. Das ist das Paradoxe: Alles in meinem direkten Umfeld muss perfekt geordnet sein, der Rest ist mir völlig egal. Zur Einordnung: In der Grundschule tauchte einmal meine Lehrerin mit einer Kiste voller Zeug bei mir zu Hause auf, kippte sie auf dem Esstisch aus und sagte zu meiner Mutter: „Jetzt sehen Sie mal, was für ein Schlamper Ihr Sohn ist.“
Mit den Jahren kam die Monotonie. 2020 wurde mir eine Leitungsposition bei meinem Arbeitgeber angeboten. Ich füllte die Rolle meines Erachtens gut aus, merkte aber, dass ich von den ständigen Problemen, der Verantwortung und den „Seelenblähungen“ der anderen ziemlich genervt war. Die Covid-Zeit tat ihr Übriges. Einerseits war ich ein extremer Moralapostel, andererseits stressten mich die ständigen Regularien und deren Umsetzung massiv. Ich musste einmal 15 Familien, meine Mitarbeiter und mich selbst in Quarantäne schicken und trotzdem die Koordination weiterführen. Ich hätte mich damals sogar für Impfstudien zur Verfügung gestellt, um irgendwie zu helfen. Letztendlich hatte ich – trotz fünf Impfungen, die ich nicht infrage stelle – dreimal Covid mit krassen Verläufen, die gesundheitlich nicht spurlos an mir vorbeigegangen sind.
Während Corona hatte ich viel Kontakt zu einer alleinerziehenden Bekannten. Als in ihrer Nachbarschaft gebaut wurde, beschlossen wir zu dritt dort einzuziehen. Gleichzeitig wechselte ich in den öffentlichen Dienst, weil mir die Leitungsstelle über den Kopf wuchs und ich Angst vor Kurzarbeit hatte. Da ich finanziell immer knapp bei Kasse war oder Schulden hatte, sehnte ich mich nach Sicherheit. Beides – der Jobwechsel und das Zusammenziehen – stellte sich jedoch als absolute Verschlimmbesserung heraus. Der Job war geprägt von toxischer Arbeitsatmosphäre, hohen Krankenständen und schwierigen Klienten. Das Zusammenleben war eine reine Katastrophe: Sie war sehr dominant und hatte ständig Besuch. Wenn ich mal Besuch empfing, wurde dieser gecrasht, an sich gerissen oder mit schlechter Laune madiggemacht. Ich musste mich um alles kümmern (Möbel aufbauen, Küche konzipieren, Gartenpflege, Putzen), was null wertgeschätzt wurde. Ich kam mir vor wie Dobby der Hauself in einem goldenen Käfig. Nach einem großen Streit zog ich schließlich aus.
Im öffentlichen Dienst passte ich mich zwar an, erschrak aber darüber, wie schnell ich den rauen Ton und die vorherrschenden Methoden übernahm. Es war ein System ohne Freiräume, in dem nichts funktionierte und ständig mit Schuldzuweisungen gearbeitet wurde. Schließlich bekam ich wieder eine Stelle bei meinem alten Arbeitgeber, für den ich zuvor schon 7 Jahre gearbeitet hatte.
Um meine Schulden und das ständige Umziehen zu finanzieren, arbeitete ich samstags zwei Jahre lang als Aushilfe in einem Möbelhaus – was mir unglaublich gut gefiel! Ich fuchste mich extrem in das Konfigurationsprogramm ein (für das ich nie geschult wurde) und war stolz darauf, guten Umsatz zu generieren und als „beste Aushilfe“ im Ranking zu stehen. Mir wurde sogar eine Festanstellung angeboten, die ich wegen mangelnder Sicherheit jedoch ablehnte. Ein Glücksfall, denn vor zwei Jahren mussten alle neuen Mitarbeiter und Aushilfen das Unternehmen wegen Einsparungen verlassen.
Der Zusammenbruch
Irgendwie kam ich danach mal zur Ruhe – nach Covid, dem goldenen Käfig, dem öffentlichen Dienst und den 52-Stunden-Wochen. Aber plötzlich ging gar nichts mehr. Ich saß nur noch grübelnd daheim, zitterte, hatte starken Durchfall, bekam heftige Zwangsgedanken, war komplett überreizt, verspannt, unendlich müde und konnte trotzdem nicht schlafen. Ich kannte solche Phasen von früher, aber sie waren immer wieder abgeklungen. So extrem wie vor zwei Jahren war es noch nie: Die Welt war nur noch grau.
Es begannen Schwitz- und Kreislaufanfälle. Auf dem Volksfest bekam ich in der Straßenbahn eine Reizdarm-Attacke und musste fluchtartig hinter ein Bushäuschen. Zweimal (auf dem Heimweg und in einem Restaurant) schaffte ich es nicht mehr rechtzeitig. Als ich endlich mal wieder intimen Kontakt mit einem tollen Typen hatte, bekam ich Kreislaufprobleme, Ausschlag und blockierte peinlicherweise stundenlang seine Toilette.
Da ich seit 10 Jahren zum Thema Allergien und Histamin recherchiere, versuchte ich gegenzusteuern. Es war bei mir immer sehr diffus. Ich probierte Cetirizin, DAO-Präparate, Nahrungsergänzungsmittel – alles mit mäßigem Erfolg.
Im Gegenteil: Als ich akut in einem Loch steckte und mit dem Zug von einem Elternbesuch zurückfuhr, bekam ich eine erneute Reizdarm-Attacke. Weil die Zugtoiletten verriegelt waren, stieg ich auf halber Strecke aus und schaffte es gerade noch ins rettende Einkaufszentrum. Zurück im Zug überkam mich extremes Unbehagen, sofortiger Stuhldrang und ein Ameisenflimmern vor den Augen. Ohne echte Erinnerung oder bewusste Kontrolle schleppte ich mich in die Bereitschaftspraxis des Klinikums, wo ich nur noch lallte und nicht mehr richtig reden konnte. Sie verwiesen mich an die Notaufnahme, wo körperlich nichts festgestellt wurde. (Einen ähnlichen Zusammenbruch hatte ich 2013 auf einer Isolierstation bei einer an Leukämie erkrankten Freundin – damals dachte ich, es sei Unterzuckerung). Heute weiß ich: Das war eine massive Panikattacke.
Danach war mein Nervensystem völlig zerschossen. Ich hatte extreme Zwangsgedanken (Autos zerkratzen oder anderen Gewalt zufügen – was ich niemals tun würde! – und starken Ekel). Die Zwangshandlungen eskalierten. Ich aß kaum noch und verlor bei 1,75 m Körpergröße ganze 16 kg (von 79 kg abwärts). Ich war zwar schlank, fühlte mich aber psychisch und physisch elend – noch schlechter als der Status quo. Ständiger Durchfall, Migräne, Ausschlag, Tremor, innere Unruhe, absolute Erschöpfung, Verspannungen, Nystagmus (Augenzittern) und zwei kreisrunde, kahle Stellen am Hinterkopf (Kreisrunder Haarausfall) prägten meinen Alltag. Ich fühlte mich permanent von anderen bewertet, war nur damit beschäftigt, nicht aufzufallen, und verzweifelte an der Frage, was mit mir nicht stimmt. Die Interaktion mit selbst wenigen Menschen fiel mir extrem schwer – paradoxerweise, wo ich früher oft mit 200 Menschen gleichzeitig führend interagiert habe.
Psychiatrie und Therapie
Irgendwann ging absolut nichts mehr. Auf meinen eigenen Wunsch fuhr mich eine Freundin in die psychiatrische Akutstation. Dort wurde ich auf die Warteliste für eine stationäre Behandlung gesetzt und bekam Mirtazapin und Lorazepam. Beides schluckte ich wie Tic Tacs. Der Ausschlag und die Durchfälle wurden sogar schlimmer; ich fühlte mich völlig dissoziiert und derealisiert. Immerhin war der Alltag wieder einigermaßen zu bewältigen.
Ich setzte Himmel und Hölle in Bewegung, um richtig behandelt zu werden. Es folgten die dritte Magen-Darm-Spiegelung innerhalb von 10 Jahren (ohne Auffälligkeit, nur leichte Reizung), Besuche bei der Neurologin (kein Schlaganfall, EEG/MRT vom Kopf unauffällig) und das Warten. Eine Dringlichkeitsbescheinigung für eine Therapie lief mangels Kapazitäten ins Leere. Nach drei Monaten bekam ich endlich einen Platz in der stationären Psychiatrie. Ich wollte da unbedingt hin!
Die ersten drei Tage waren furchtbar schwer. Ich habe nur geheult, mit niemandem geredet und mich vor allem geekelt. Es war mit viel Scham und einem harten Eingeständnis verbunden. Nach und nach öffnete ich mich und verstand mich mit vielen Mitpatienten extrem gut. Ich nahm an allen Aktivitäten und Sitzungen teil, kannte inhaltlich durch meinen Job im sozialen Bereich allerdings schon sehr vieles.
Es wurde eine regelrechte Medikamenten-Odyssee gestartet:
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Mirtazapin (Dosiserhöhung): Löste krasse Zwangsgedanken aus (ich sah meinen eigenen Suizid vor mir, hörte Stimmen, die mir befahlen, mich umzubringen). Keine Wirkung auf den Schlaf, Dosis schwankte zwischen 7,5 und 45 mg – und ich nahm extrem an Gewicht zu.
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Quetiapin/Pipamperon (zum Schlafen): Führte zu einer Panikattacke im Schlaf. Ich stand einmal völlig high im Schlafanzug vor dem Schwesternzimmer.
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Fluoxetin: Keinerlei Wirkung.
Trotz der sozialen Kontakte und der krassen Schicksale anderer empfand ich den Aufenthalt inhaltlich nicht als den großen Durchbruch. Was sich jedoch grundlegend geändert hat, ist mein Bild von der Psychiatrie: Ich empfinde es nicht mehr als Scheitern oder „Beklopptsein“, sondern als enorme Stärke, sich mentale Hilfe zu holen. Im Gegenteil: Ich verstehe heute eher nicht, warum sich so viele andere diese Hilfe nicht holen.
Nach 5 Wochen wurde ich wegen guter Führung entlassen. Meine Diagnosen: ADHS (meine Kindheitsdiagnose hatte ich dort angegeben), Anpassungs- und Zwangsstörung sowie eine schwere Episode der Depression ohne psychotische Symptome.
Ich hatte das enorme Glück, eine Psychotherapeutin zu finden (nachdem ich vor der Klinik ca. 50 Therapeuten abtelefoniert und sogar die Krankenkasse hatte suchen lassen). Seit knapp zwei Jahren bin ich nun mit abnehmender Frequenz in Verhaltenstherapie und psychiatrisch weiterhin an das gleiche Klinikum angebunden.
Diagnostik, Medikamente & Aktueller Stand
Meine ADHS-Diagnose wurde in der Klinikambulanz zunächst nicht anerkannt, obwohl ich mit ebenjener Diagnose aus der Station entlassen wurde. Also kam ich wieder auf eine Warteliste zur Testung. Ich bekam Bio- und Neurofeedback verschrieben. Das Biofeedback zeigte, dass ich in der rechten Körperhälfte fünfmal so angespannt bin wie in der linken und eine extrem flache Atmung habe. Das Neurofeedback machte ich 6 Monate lang. Heraus kam, dass meine Beta- und Theta-Wellen viel zu niedrig sind und die rechte Hemisphäre stark für die linke kompensieren muss (Asymmetrie). Die Trainerin tippte auf eine Sehschwäche. Das stimmte tatsächlich: Weitsichtigkeit mit Astigmatismus (rechts schlechter als links). Eine große Überraschung, da ich erst 2022 einen unauffälligen Sehtest hatte. An meinen Gehirnwellen hat sich aber trotz Training und neuer Brille nichts geändert.
Mein ADHS wurde schließlich von meiner Therapeutin obligatorisch getestet, was das Klinikum dann auch irgendwann anerkannte. Das Testergebnis war mehr als eindeutig.
Auch ambulant ging das Medikamenten-Roulette weiter:
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Bupropion: Keine Wirkung.
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Paroxetin: Keine Wirkung, stattdessen extremes Restless-Legs-Syndrom.
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Agomelatin: Etwas besseres Einschlafen, aber kein Durchschlafen.
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Daridorexant (Quviviq): Gutes Einschlafen (wenn man das Zeitfenster genau trifft), aber wieder kein Durchschlafen.
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Atomoxetin: Keine Wirkung.
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Medikinet: Davon war ich völlig paralysiert.
Eigene Versuche:
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Cannabis (inhalieren, nicht rauchen): Bisher eigentlich für mich verpönt. Sorgte für Gleichgültigkeit, Müdigkeit und Entspannung. Wenn man jedoch bereits grüblerisch oder überreizt ist, verstärkt es die negativen Gefühle und die Unruhe massiv.
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Antihistaminika: Besseres Einschlafen.
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Melatonin: Gutes Einschlafen, aber kein Durchschlafen, dafür Herzrasen und spürbarer Überhang am nächsten Tag.
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Safran & Nahrungsergänzungsmittel.
Manchmal sind Aktivitäten so unfassbar einfach. Ich war zum Beispiel vor einer Woche auf Mallorca im Aquarium mit Haien tauchen (ohne Käfig) und war absolut null aufgeregt. Der Tauchgang war mega entspannt. Panik hatte ich nur kurz davor, weil der Tauchanzug nicht zugehen wollte, und unter Wasser, weil ich das Austarieren erst wieder erfühlen musste. Vor den Tieren oder den unzähligen Zuschauern hatte ich keine Angst. Leider habe ich in solchen Momenten oft das Gefühl, das Ganze nicht richtig wahrzunehmen oder emotional betäubt zu sein.
Letztes Jahr hatte ich massive Flugangst – dieses Jahr gar nicht. Ich gehe wahnsinnig gerne zum Eishockey. Manchmal ist mir dort aber alles viel zu viel: zu hell, zu laut, zu warm, und der Panikblick sucht die nächste Toilette. Ein anderes Mal ist wieder alles perfekt. Der Zwang oder die Panik kommen wie aus dem Nichts und verschwinden wieder. Vieles hängt davon ab, was ich wann gegessen oder wie ich geschlafen habe.
Auch das mit dem Histamin ist verflixt schwammig. Ich habe meinen DAO-Wert zweimal bestimmen lassen (einmal 6, einmal 4 – also sehr niedrig). Manchmal geht es mir trotz übelster Fressattacken blendend, an anderen Tagen komme ich nicht von der Schüssel runter.
Mit der neuen Brille komme ich seit 3 Monaten auch überhaupt nicht gut zurecht. Zwei erneute Sehtests haben bestätigt: Sie ist richtig eingestellt. Zwar habe ich keine Migräne mehr, aber optisch wirkt alles trapezartig, es strengt extrem an und Schrift zieht Schlieren.
Heute habe ich mit Elvanse angefangen – mal sehen, wie das wird.
Ich hoffe, ich habe euch mit diesem langen Text nicht zu sehr gelangweilt. Vielleicht hat ja jemand etwas Ähnliches hinter sich oder erkennt sich in einigen Punkten wieder. Ich bin wahnsinnig gespannt auf eure Erfahrungen und ob bei euch etwas geholfen hat!