Meine Wahrnehmung verändert sich und ich kann es nicht zuordnen

Hallo in die Runde!

Ein Thema beschäftigt mich gerade sehr und belastet mich auch. Ich hoffe, durch diesen Beitrag ein bisschen Klarheit für mich zu gewinnen, vielleicht auch durch eure Erfahrungen.

Seitdem ich weiß, dass ich auch im Autismus-Spektrum bin (Audhs), sehe ich vieles mit anderen Augen. Menschen, die vor einem halben Jahr interessant oder sympathisch für mich waren, kann ich plötzlich nicht mehr „riechen“ (RW)

Große Gruppen, zum Beispiel meine Selbsthilfegruppe zum Thema Sucht , meide ich mittlerweile oft. Da ich mich immer mehr finde und weniger maskiere, spüre irgendwie noch stärker, was mir guttut und was nicht.

Aber oft misstraue ich meiner Wahrnehmung, weil es auch widersprüchlich ist.
Zum Beispiel:
Ich fühle mich in der Gruppe nicht mehr wohl, aber wenn alle anderen sich super verstehen, spüre ich trotzdem ein seltsames Stichgefühl. Ich kann das Gefühl gar nicht richtig zuordnen. Vielleicht ist es Eifersucht? Aber gleichzeitig mag ich die Menschen doch gar nicht richtig…

Kennt ihr das?
Fühlt ihr euch auch so, dass sich eure Wahrnehmung verändert, ihr aber selbst nicht genau wisst, wie ihr das einordnen sollt?

Ich bin gespannt, ob ihr ähnliche Erfahrungen macht.

Danke schon mal für eure Rückmeldungen!

2 „Gefällt mir“

Fühl ich, leider : D selbst wenn sich Leute ohne mich treffen, mit denen ich nicht mal ne enge Bindung habe, habe ich auch manchmal so ein Eifersuchts-Gefühl. Das hat aber nichts speziell mit Autismus zu tun, das haben alle Menschen mal (Freunde von mir ohne ADHS /Autismus haben sowas auch beschrieben).

Das sind deine Gefühle. Neid/Eifersucht ist auch ein Gefühl.

Die Frage, die du dir stellen solltest: Woher kommt das und was steckt dahinter? Das hat mir mein Therapeut beigebracht. Hinter jeder negativen Emotion steht eine “Übergreifende” Emotion, Wut oder Angst. Kommt die Eifersucht daher, dass du Angst hast, etwas zu verpassen ? (klassische FOMO, fear of missing out.) Dass du Angst hast, ausgeschlossen zu werden? Oder ist es Wut, darüber dass sie dich vielleicht nicht so integriert haben in ihre Gruppe, wie manche anderen?

Wenn du die Kernemotion herausgearbeitet hast, analysiere sie. Woher kommt die Wut oder Angst, ist es ein Triggerpunkt aus der Kindheit? Wurdest du gemobbt und hast daher heute auch Angst, ausgeschlossen zu werden? Usw. Es hilft mir immer sehr, in die Analyse zu gehen. Ich schreibe sowas immer in meinem Tagebuch, dann habe ich es Schwarz auf weiß und kann es besser einordnen.

Also wie gesagt, ich würde es nicht direkt Wahrnehmung nennen sondern deine Emotionen. Dass du evtl keinen guten Zugang zu deinen Gefühlen hast (wie viele ADHSler/Autisten) und es daher nicht einordnen kannst. Da hilft eine Therapie ungemein (meine ging knapp 2 Jahre).

1 „Gefällt mir“

Vielen Dank @CirillaVonCintra für deine ausführliche Rückmeldung! Da war einiges für mich dabei

Diese Fragen hab ich mir auch schon gestellt. Es ist eher Angst ausgeschlossen zu werden, weil ich nicht gut genug bin. Und ich bin irgendwie grollig auf mich selbst, weil ich much aufgrund mangelnder Kapazitäten nicht so gut einbringen kann.

Ich bin in meiner Kindheit ziemlich gemobbt worden und habe familiär Gewalt erfahren. War alles nicht so toll. Hab dbzgl auch Traumatherapie gemacht, aber damals wusste ich nich nichts von Adhs/Ass und gefühlt haben all diese Therapien nichts gebracht.

Ich hatte 5 Jahre eine Therapeutin, bei der ich jetzt auch wieder Stunden habe. Mein Eindruck ist, dass Sie gerade mit dem autistischen Sein etwas überfordert ist.

Ich bin halt einfach unsicher bzgl der Gruppe: meide ich sie aus Angst, oder tut sie mir wirklich nicht gut? Es kommen sehr oft neue Leute ( überwiegend Männer) dazu und irgendwie stresst mich das so sehr, dass ich gar nichts mehr sagen oder teilen möchte. Ich habe bisher keine andere Lösung gefunden, außer dann online teilzunehmen, aber online ist halt nicht das selbe. Ach, keine Ahnung😐 Irgendwie komme ich da nicht weiter….

1 „Gefällt mir“

Hi Lapatricia,

Tut mir leid, dass das gerade so verwirrend und anstrengend ist.

Und ja, das kenne ich (AuDHD, Entdeckung und Diagnose vor 20 Monaten) auch aus der ersten Phase. Inzwischen hat sich das aber beruhigt, nach etwa einem Jahr.

Ich glaube so eine späte Entdeckung ist einfach echt krass und wirft einiges durcheinander. Bei mir kam dann noch medi Wirkung/Eindosierung und anfangs eine akute Krise dazu. In Summe: echtes Chaos, ich wusste nicht mehr was ich wann warum fühle…

Was mir glaube ich geholfen hat da etwas ruhiger zu werden war der Gedanke, dass trotz all dieser neuen Informationen und Widersprüche ja ich immer noch ich bin. Und wenn ich in dem Moment etwas fühle darf ich das einfach fühlen. Und wenn dahinter ein Bedürfnis steht danach handeln, so lange es niemandem schadet.

Was immer noch da ist bzw aktuell heftiger als am Anfang ist Trauer und Wut über Dinge aus Kindheit und Jugend, verpasste Chancen, unterlassene Hilfeleistung, unfaire Bewertungen.

Das kommt so in Wellen, seitdem der Alltag wieder ein wenig seinen Rhythmus gefunden hat.

Alles Gute Dir auf Deinem Weg,

Flo

1 „Gefällt mir“