Methylphenidat für Erwachsene nur retardiert?

Laut <LINK_TEXT text=„https://www.adhspedia.de/wiki/Methylphe … Erwachsene“>Methylphenidat – ADHSpedia</LINK_TEXT> gibt es für Erwachsene nur zwei Methylphenidatpräparate, die zugelassen sind. Beide sind retardiert.
Ich lese aber auch folgendes:

  1. Sind wirklich nur retardierte Präparate für Erwachsene zugelassen? Welchen Grund hat das?
  2. Wie wird denn da in der Praxis verfahren? Werden andere Präparate off-label verschrieben?
  3. Welche Präparate finden überhaupt bei der Behandlung von Erwachsenen Anwendung? Wird alles off-label durchprobiert, was entfernt in Frage kommt?

Meine Ärztin hat mir problemlos MPH unretardiert verschrieben, musste es aber selber bezahlen.

Ich hab gerade mal die Zulassung meines Präparats rausgesucht (<LINK_TEXT text=„https://s3.eu-central-1.amazonaws.com/p … /73854.pdf“>https://s3.eu-central-1.amazonaws.com/prod-cerebro-ifap/media_all/73854.pdf</LINK_TEXT>) und das scheint tatsächlich nur für Kinder zugelassen zu sein.

Hallo ieru,

das hat historische Gründe. Man ging vor 40-50 Jahren davon aus, dass ADHS nur bei Kindern und Jugendlichen vorkommt, und deswegen wurden Stimulanzien nur für Kinder und Jugendliche bis 18 zugelassen.

Die Zulassung für Erwachsene musste von den Herstellern einzeln beantragt werden, und das war kostspielig, denn dafür mussten Studien durchgeführt werden. Unretardiertes Methylphenidat und unretardiertes Amfetamin haben schon lange keinen Patentschutz mehr.

Und warum sollte ein Hersteller Geld ausgeben für Zulassungsstudien, wenn jede Konkurrenzfirma das Produkt billig nachmachen kann? Und deswegen wurden nur ganz bestimmte Produkte mit patentierter Retardierung zugelassen - 2011 Medikinet Adult, 2014 Ritalin Adult und 2019 Elvanse Adult.

Nichtzugelassene Medikamente verschreiben können Ärzte natürlich trotzdem. Vor 2011 ging es ja gar nicht anders, da haben wir alle alles selbst bezahlt. Wir bedeutet hier: wer schon vor 2011 medikamentös behandelt wurde.

Leider findet aufgrund der fehlenden Zulassung des unretardierten Methylphenidats die empfohlene Eindosierung bei Erwachsenen in der Praxis kaum statt, es sei denn, man ist bereit, es selbst zu bezahlen.

Da sich die Kosten aber in Grenzen halten, sollte man sich überlegen, ob man das nicht trotzdem so macht.

Dann fehlen also nur noch die Psychiater, die das ihren Patienten empfehlen.

Oder war das bei jemandem von euch so?

Mein Therapeut hatte eine Eindosierung mit unretradiertem Medikinet vor.
Der Psychiater wollte aber lieber zunächst mit Adult starten.
Er ist aber auch immer sehr bedacht im Bezug zu Unkosten für seine Klienten, ich gaube der hat viel Klienten mit wenig Geld
Zugleich ist er auch Substitutionspraxis also bestimmt dann auch vorsichtiger im Bezug zu Mißbrauch.

Dann hat einmal mein Hausarzt mehr oder weniger ausversehen unretadiertes verschrieben und ich konnte es so testen :lol: , was mein Psychologe sehr gut fand.

Mein Psychiater hat meinen Umgang/Verbrauch mit Adult beobachtet und habe dann auf Nachfrage und Schilderung durch die Erfahrung mit den unretardierten mir irgendwann die kleinste Packung unretardiertes verschrieben und nun bekomme ich die 100er.

Muß man halt selbst zahlen. Erster Antrag auf Kostenübernahme wurde abgelehnt ich habe es dann gelassen.
Mir ist es das wahrlich Wert es selbst zu zahlen, Und mit einer 100er Packung 10mg komme ich sehr weit, da ich meist nur 5mg oder 2,5mg benötige.

Gibt es außer die Wirkungszeit einen anderen Unterschied zu den Retardierten (was für ein Wort :ai )? Wie ist der Rebound damit, wahrscheinlich der selbe?

Der Rebound kann sogar noch heftiger sein, weil es sehr stark an- und wieder abflutet.

Hallo,

nein, nach meiner Erfahrung ist der Rebound nicht schlimmer oder geringer, ob man retardiertes oder unretardiertes MPH nimmt. Man muss natürlich rechtzeitig nachnehmen, um Lücken zu vermeiden, und die letzte Dosis darf nicht zu hoch sein.

Und genau das ist mit unretardiertem MPH etwas einfacher. Ich nehme morgens und mittags wie oben geschrieben jeweils eine Kapsel und abends nur noch 5 mg MPH, also eine halbe 10-mg-Tablette. Bei der Dosis ist der Rebound nicht der Rede wert.

Und wenn du Retardkapseln gewöhnt bist und diese probeweise durch zweimal unretardiertes MPH ersetzen möchtest, nimm vorsichtshalber nicht einfach zweimal die halbe Dosis, sondern etwas weniger.

Denn ich musste, umgekehrt, eine etwas höhere Dosis nehmen, als ich auf Kapseln umstellte.

Ach so, und zu der Frage, dass Ulbre und Andere empfehlen, eine Dosiseinstellung zuerst mit unretardiertem MPH zu machen, dann ist das zwar durchaus sinnvoll. Die Tabletten wirken kürzer und sind teilbar, also ist man damit flexibler, klar.

Aber wenn der Arzt das nicht will oder man den Preis dafür nicht selbst zahlen will, dann ist das jetzt auch kein Beinbruch, finde ich. Man muss aber die Eigenschaften der Kapseln berücksichtigen. Mit Medikinet Adult kommt nicht jede*r zurecht, weil man eine Mahlzeit dazu haben muss. Und die Wirkung kommt plötzlicher als bei Ritalin Adult, das kann man vorteilig oder nachteilig empfinden.

Ritalin Adult gibt es leider nur in 10-er-Stufen. Die ersten Jahre gab es nicht mal 10-mg-Kapseln, da fing es bei 20 mg an!

Die Retardierung besteht in der Hülle des Granulats (nicht der Kapsel), die sich bei der Hälfte des Granulats verzögert auflöst.
Würde man das Granulat zerkleinern, wäre die Retardierung futsch.

Ja richtig. Wobei man das nicht als Kochrezept auffassen sollte, also Kügelchen zerstoßen und man hat unretardiertes MPH. Vermutlich erfolglose und vor Allem unnötige Arbeit.


Verstehe ich dich richtig: Zerstoßen hebt die Retardierung deiner Ansicht nicht auf?

Das weiß ich nicht. Ich glaube jedenfalls nicht, dass das zuverlässig geschieht, denn dann müsste man jedes Kügelchen erwischen.

Und wie gesagt, wofür? Es gibt unretardiertes MPH, was zwar die Kasse meist nicht zahlt, aber auch preiswerter ist als Kapseln. Meine halbe Tablette für den Abend kostet umgerechnet 17 Cent.

Hast du dir die Kügelchen mal angeschaut ?

Sie sind zweifarbig und dann hättest du halt zweifarbig gemischtes Pulver wo vermutlich das farbliche immer noch für eine spätere Freisetzung sorgt ???

Bis man heraus hat welches MPH-Medikament wie wirkt bedarf es einiger Zeit , auch mal das aushalten von Nebenwirkungen.

ich komme besser mit Medikinet Adult klar. Ritalin Adult steigt zum Ende noch mal an und das war mir immer zu viel. Mein PsychDoc sagt es sei für einen Schulalltag gemacht damit mit man zum Ende des Schultages und für Hausaufgaben noch Wirkung hat.

Ich fand zunächst die Tabletten in allem heftiger im an und abklingen, aber viel viel besser zu kalkulieren. Den Rebound verspüre ich bei den Adulten anstrengender , ich vermute das hängt mit der Retardierung zusammen. Dieser Wirkverlauf von den Adulten hat mich manchmal auch verwirrt.

Es hat einige Zeit gedauert und dann hatte ich den dreh raus und für mich ist die Kombination von beidem einfach am besten.

Ich habe in meinem Antrag auf Kostenübernahme der Krankenkasse sogar vorgerechnet wieviel die sparen würden , wenn die das unretardierte übernehmen, aber das war auch kein Argument.

Man gibt so viel Geld für irgendwelchen Scheiß aus und da muss ich auch nicht mit mir diskutieren ob es mir das Wert ist.

Ich übertreibe es mal sehr, aber aus einen anderem Beitrag zur noch nicht gestattetn Kostenübernahme von Attentin zog ich den Gedanken:

Um eine Chance bei der Krankenkasse zu haben müsste ich glaub ich die Medis erst weglassen, dann nicht mehr arbeitsfähig sein , dann nicht mehr am sozialen Leben teilenehmen können, dann musste es klar nachweisbar sein , dass es genau die MEdis sind die mich wieder am Leben teilhaben lassen , aber vorher muss noch zig anderes ausprobiert sein. :wink:

Ich weiß das die Medis mir helfen das ich arbeitsfähig und sozialfähig bleibe und möchte es nicht auf einen Beweis ankommen lassen das ohne nicht so wäre.