Morgendliche unberechenbare Stimmung

Hallo liebe Forums-Gemeinschaft,
ich habe hier durch das Lesen von Beiträgen schon so viele hilfreiche Tipps bekommen und möchte dafür zu aller erst Danke sagen!
Ich fühle mich oft sehr alleingelassen mit den Herausforderungen, die das Adhs meines Kindes mit sich bringt und Erfahrungen von anderen sind einfach oft goldwert!
Ich möchte mich heute mit einer Situation, in der ich einfach nicht weiterkomme, an euch wenden.
Bei meinem Sohn (7J.) wurde im Sommer letzten Jahres ADHS diagnostiziert.
Im letzten halben Jahr haben wir mit der medikamentösen Einstellung begonnen. Er nimmt Elvanse /20g. Den Tag über kommt er damit meist gut klar.
Bei 30g war seine Konzentration besser, aber seine Stimmung eher gedämpft.
In die Schule geht er glücklicherweise sehr gerne und hat bislang keine Probleme. Seine Hausaufgaben macht er seit der Medikation, in der Regel ohne allzu große Schwierigkeiten.
Allerdings haben wir zu Hause mit starken Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Am schlimmsten ist die Situation morgens. Wenn er aufsteht weiß man nie was auf einen zukommt.
Manchmal provoziert er sofort seine Geschwister, verhält sich absolut seltsam, macht Geräusche, schreit, wirft mit Sachen und ist aggressiv.
Es ist dann keine Kommunikation mehr möglich. Kein Durchdringen zu ihm, kurzum er ist nicht er selbst.
Das schwierige für mich ist, dass ich auf sein Verhalten eingehen muss, da sonst die Situation zwischen den Geschwistern eskaliert und ich allen einen friedlichen Start in den Tag ermöglichen möchte.
Allerdings verschlimmert das sein Verhalten und führt zu dazu, dass er mich übel beschimpft. Kurzum der Morgen ist oft furchtbar und meine Aufmerksamkeit komplett von ihm vereinnahmt.
Es ist ein Teufelskreis und ich weiß nicht wie ich ihn durchbrechen kann. Es frustriert mich ungemein, dass so der Start in den Tag für meine Kinder und mich beginnt. Für mich ist der positive Beginn des Tages sehr wichtig.
Ich selbst stehe schon um 5.30 Uhr auf um mich und alles zu richten, so dass keine Hektik meinerseits entsteht, wenn die Kinder wach sind und eine gemütliche Atmosphäre herrscht. Ich finde es furchtbar, dass mein Sohn durch sein unberechenbares Verhalten und seine folgende Wut den Start für die Familie steuert und auch steuern kann.

Manchmal klappt es auch gut und er ist vollkommen friedlich. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, an dem sich festmachen lässt, welche Richtung es einschlägt.
Abends kann es in eine ähnliche Richtung gehen.

Macht jemand ähnliche Erfahrungen?
Vielen Dank für eure Hilfe!

3 „Gefällt mir“

Hallo @Livielise,

deine Zerrissenheit kann ich sehr gut nachvollziehen. In meiner Familie gab es eine Person mit instabiler Persönlichkeitsstörung, aber kein ADHS. Es fiel ihr als Kind extrem schwer, aus der einmal angefachten Wutwolke wieder rauszukommen. Ich konnte schnell wieder runterregeln, sich wieder vertragen usw., aber sie war in solchen Situationen wie eingesperrt in einem vor Anspannung knisternden Käfig. Also worauf ich hinaus wollte: Einerseits ist es für die anderen sehr belastend, wenn diese STimmungen so dominieren, andererseits ist auch das Leid und die Not der instabilen Person geradezu mit Händen zu greifen. Diesem Kind wurde leider auch deutlich gezeigt, dass es mit seinen Regulationsproblemen ein Störfaktor ist, was die Sache schleichend verschlimmert. Fühl dich bitte nicht angegriffen, ihr habt noch viel Zeit und Möglichkeiten, diese Dynamiken zu durchbrechen.

ADHS hat viel mit Stress zu tun. Morgens beim Aufwachen kommt ja auch ein Push an Stresshormonen, was normalerweise aufweckt. Vielleicht ist er da überpusht. Überschüssige Power kann unleidlich machen. Ich denke, für so ein Kind ist es wichtig, dass es nicht heimlich lernt „Ich bin falsch und müsste ganz anders sein“, sondern dass es seinen „inneren Stresstiger“ als eine Seite an sich kennenlernt, womit es umgehen kann (Coping und Akzeptanz). Alle Menschen müssen ab und zu aufs Klo, einige müssen öfter Stress ablassen. Könntest du ihm vielleicht Gelegenheiten oder Routinen zum Stressabbau anbieten, wenn ihr den Tiger kommen seht? Anti-Stress-Ball, riesiges Stofftier verprügeln, kleines Sportründchen, sich mit einem Igelball stimulieren, in ein Kissen schreien?

Sag gern Bescheid, falls mein Ansatz an eurem Problem vorbeigeht oder ihr solche Dinge schon versucht habt. Die Leute hier, die Medikamente nehmen, haben vielleicht noch Tipps zu Wechselwirkungen mit Ernährung, Schlaf usw.

2 „Gefällt mir“

Vielleicht sind diese von Null auf 100 Eindrücke morgens schon zu viel.

Vielleicht ihn etwas ehr wecken , damit er in Ruhe mit deiner Aufmerksamkeit starten kann. ?

Ganz spät wecken nach dem die anderen schon versorgt sind ?

Elvanse schon direkt am Bett geben ?

Morgens einen warmen Kakao ans Bett , damit er für sich langsam in den Tag findet? …. So wie viele Erwachsene zunächst einen Kaffee benötigen?

War das schon immer so oder ist es mit Elvanse so geworden?

Mein Sohn hat früher manchmal gleich beim aufwachen um sich geschlagen. Seitdem er Atomoxetin nimmt, klappt es deutlich besser. Es heißt nicht, dass ihr jetzt das Medikament wechseln sollt. Aber vielleicht wäre ein Spiegelmedikament als Ergänzung gut. (Mein Sohn hat weder MPH noch Elvanse vertragen, deswegen sind wir bei Atomoxetin gelandet)

Ja, das wäre sicher erleichternd, aber leider schwierig. Ein Kind ist Frühaufsteher und bereits um 6 Uhr wach und später müssen wir alle gleichzeitig los.

2 „Gefällt mir“

Die Überlegung eines Spiegelmedikaments gab es auch schon und wir haben es mit Intuniv 1 mg probiert. Allerdings hatten wir den Eindruck, dass sich seine Aggression verstärkt hat. Nach 2 Monaten haben wir es wieder weggelassen. Wir haben uns nicht getraut auf 2 mg zu erhöhen, was die Alternative gewesen wäre.

1 „Gefällt mir“

Hatte mein Sohn auch.

Ja, ich denke, dass es sich bei dieser Dynamik tatsächlich um einen Teufelskreis handelt.
Hast du bestimmte Möglichkeiten im Kopf, wie diese Dynamik zu durchbrechen ist?

Unser Sohn ist 6 und morgens hatten wir auch lange Zeit täglich Wutanfälle. Bei uns funktioniert es morgens in der Regel gut seit wir einen Wochenplan haben, damit er weiß,
was auf ihn zukommt, und morgens als Ritual zum Aufstehen ein paar Minuten lesen. Vielleicht spielt auch mit rein, dass wir abends inzwischen Melatonin geben, damit er früher zur Ruhe kommt.
Manchen Kindern soll auch ein Plan für die Morgenroutine helfen, den sie z.B. abhaken können. Damit wurde bei uns nur Quatsch gemacht.
Wir haben bei ihm auch gute Erfahrungen mit einem Punkteplan gemacht, bei dem er Punkte für etwas Besonderes sammeln konnte, wenn er in einer bestimmten Situation gut mitgemacht hat, die vorher sehr schwierig war.
Hat halt genau für die Situation geholfen.

1 „Gefällt mir“

Hallo @Livielise ,

wir haben bei unserem Sohn gute Erfahrungen damit gemacht, ihm sein Medikament 30 Minuten (eventuell länger, falls das Elvanse länger braucht bis es wirkt) bevor er aufstehen muss, zu geben.

Die Tablette, etwas Wasser zum Nachtrinken und einen Keks, und dann darf er noch eine Weile weiterschlafen. Unser Junge hat sich daran gewöhnt, und das Aufstehen, Anziehen usw. verlaufen viel entspannter.

Natürlich ist dann die Wirkung auch eine halbe Stunde früher vorbei. Du schreibst ja ohnehin, dass abends davon nicht mehr viel zu spüren ist. Da braucht ihr vielleicht noch eine Dosis für abends, dann natürlich kein Elvanse, sondern vielleicht Attentin oder unretardiertes Methylphenidat? Ich finde es wichtig, dass der ganze Tag abgedeckt ist, vor allem die konfliktträchtigen Phasen.

3 „Gefällt mir“

Habt ihr es dann abgesetzt/ausgeschlichen? Oder habt ihr zuerst noch einen Versuch mit Dosisveränderung gemacht?

Ich habe überhaupt keine Idee, ob das funktionieren kann, aber spontan hatte ich gerade den Gedanken, ob es vielleicht was hilft, wenn ihr ihm morgens als erstes eine Gewichtsweste anzieht, damit er sich erstmal richtig spüren und in der Welt verorten kann, bevor der ganze Morgenkrempel so von Null auf Hundert losgeht?

3 „Gefällt mir“

funktioniert auch bei mir, sonst ist die adhs voll da und ich mach nur blödsinn.
nehme 70 eine stunde vor dem aufstehen im halbschlaf, funktioniert also zumindest auch bei mir als erwachsenen so.

was mir auch hilft ist direkt nach dem aufstehen musik hören um irgendwie sinnvoll die überschießenden emotionen abzufangen mit viel zappeln und bewegung.

2 „Gefällt mir“

2 mg Intuniv haben wir ausprobiert, es war ihm zu viel, er lag nur auf dem Sofa rum, ist im Sitzen tagsüber eingeschlafen. Also sind wir zurück auf 1 mg und irgendwann einfach abgesetzt.

1 „Gefällt mir“

Du hast daran bestimmt schon gedacht. Eine ganz ganz dumme Frage von mir, aber könnte vielleicht sein:
bekommt er insgesamt vielleicht zu wenig Schlaf? Wird er häufig aus einem Traum /Alptraum gerissen?
Mag er den Wecker nicht? Oder sowas? Jetzt kommt ja noch das kühle Wetter hinzu.

Ich brauche auch immer mindestens eine Stunde, eher mehr, für mich und Dinge in meiner Geschwindigkeit machen und in der Reihenfolge, die ich will, bevor ich aus dem Haus gehen kann. Ich schlafe aber meistens zu wenig.

1 „Gefällt mir“

@Mona85: wir haben leider genau die gleichen Probleme. Abends keine Chance, dass sie früher schläft. Jeden morgen ein Kampf sie aus dem Bett zu bekommen, sie will noch weiter/länger schlafen. Wenn sie dann mal auf den Beinen ist, ist das erste ihr Geschwisterchen zu provozieren…

Ich denke, dasss das gegen ihren inneren Rhythmus ist, aber die Schule fängt halt um 8 Uhr an, da können wir nichts dran ändern.

1 „Gefällt mir“

Ich unterschreibe hier:

Und noch eine Idee: Ist er vielleicht morgens „unterzuckert“? Unserer brauchte sehr lange direkt nach dem aufstehen einen Kakao, ansonsten sah es auch in etwa so aus:

Das wäre ja auch schon im Bett möglich, zusammen ev. mit Elvanse (siehe Zitat @Falschparker oben).

1 „Gefällt mir“

Ja, das fände ich auch gut. Leider trinkt er morgens keinen Kakao, generell ist essen am morgen sehr schwierig. Er darf immer mitbestimmen und dich beim Einkaufen auch Dinge aussuchen, die für mich davor undenkbar waren. Trotzdem morgens kaum auf etwas Lust.
Mit dem frühen Aufstehen hat er keine Probleme. Er steht i.d.R. früher auf als er muss.
Aber, dass die morgendliche Stimmung oft vom Schlafpensum abhängt ist definitiv so. Wir hatten sehr lange Zeit mit einem fürchterlichen Nachtschreck zu kämpfen. Ist jetzt zum Glück besser, aber oft kann er lange nicht einschlafen.
Melatonin haben wir auch schon versucht, da hat das Einschlafen besser geklappt. Allerdings bin ich unsicher, was eine längerfristige Einnahme anbelangt…

Unser Sohn hat ein paar Monate (3-4?) regelmässig 1 mg Melatonin genommen abends. Hat super gewirkt. Seit ca. 1 Monat will er es nicht mehr nehmen, und siehe da, es geht jetzt auch ohne. Vielleicht 30min später als mit Melatonin, aber es geht. Ich habe das Gefühl, es hat jetzt einfach die Gewissheit „ich kann einschlafen“.

Vielleicht sonst etwas flüssiges (trinken ist einfacher & schneller als essen), das den Zuckerspiegel etwas ansteigen lässt? Muss ja auch nicht für immer sein, aber mal ein paar Tage zum testen, ob es daran liegen könnte. Apfelsaft, Orangensaft, gezuckerter Tee, Bananenshake, Sirup… Oder auch einfach etwas Traubenzucker.

1 „Gefällt mir“