Motivationsprobleme und Apathie durch Depression und ADHS

Hi, meist bin ich stiller Leser vieler eurer Berichte, aber heute wollte ich euch mal um Rat bitten. Aktuell habe ich massive Probleme mit der Motivation und dem Antrieb im Alltag.

Um das Ganze etwas einzuordnen: Als Jugendlicher habe ich viel gezockt, hatte wenig soziale Kontakte und damals schon Anzeichen von Dysthymie. Bis zur 8. Klasse war ich hyperaktiv, danach wurde es schleichend eher hypoaktiver, sozialer wurde es dadurch auch nicht gerade, dafür verbrachte ich umso mehr Zeit vor dem PC. Der Tod meines Vaters an COVID im Jahr 2021 hat das Ganze dann noch mal extrem verstärkt und es hat sich eine Angststörung entwickelt.

Die Fachoberschule habe ich im Jahr darauf mit Ach und Krach geschafft und danach eine Ausbildung zum Fachinformatiker angefangen. Schon vor der Ausbildung war meine Arbeitsweise ziemlich unstrukturiert und fehleranfällig, was sich im Betrieb dann natürlich immer deutlicher gezeigt hat. 2024 bin ich wegen der Depression und dem Verdacht auf ADHS endlich in psychologische Behandlung gegangen und habe die Diagnose F41.2G (Depression und Angststörung) bekommen. Nach rund einem Jahr war die Angststörung zum Glück weg und die Depression wurde besser. Im selben Jahr fing dann auch die medikamentöse Behandlung an.

Ende 2024 bis heute habe ich einiges durchprobiert:

  • Für die Depression: Sertralin → Escitalopram → Bupropion → Venlafaxin → jetzt bei Milnacipran.

  • Für das ADHS: Medikinet Retard → Concerta → Elvanse → jetzt Atomoxetin.

Aktuell bin ich bei 50 mg Milnacipran und 40 mg Atomoxetin.

Was mich aktuell am meisten fertig macht, ist das komplette Fehlen der intrinsischen Motivation. Wenn ich an 2024 zurückdenke: Da bin ich noch regelmäßig mit Arbeitskollegen joggen gegangen, hab mir früh selbst Frühstück gemacht und abends noch an kleineren IT-Projekten geschraubt. Heute läuft da quasi gar nichts mehr, außer ab und zu mal Freunde treffen. Statt mir selbst Frühstück zu machen, gehe ich aus Bequemlichkeit zum Bäcker, statt die fünf Minuten zu Netto zu laufen, bestelle ich lieber Essen. Auch der Haushalt bleibt komplett auf der Strecke.

Dazu kommt, dass die Freude an Hobbies komplett weg ist – die machen keinen Spaß mehr, sondern sind nur noch reiner Zeitvertreib, damit mir nicht langweilig wird.

Vor einer Woche habe ich mit dem Rauchen aufgehört, in der Hoffnung, dass sich mein Dopaminsystem dadurch etwas erholt und die Symptome besser werden.

Das aktuelle Problem jedoch ist, dass meine bisherige Psychiaterin seit einem Monat in Mutterschutz ist, und ich muss noch ein paar Monate auf meinen Termin in der Außenstelle warten. Die Rezepte für die aktuellen Medis stellt mir glücklicherweise ein anderer Arzt aus.

Was würdet ihr an meiner Stelle tun, um die Symptome in den Griff zu bekommen? Bin für jeden Ratschlag offen. Danke fürs Durchlesen!

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Hey, das hört sich echt nach einer schwierigen Phase an, tut mir leid zu hören.

Ganz ehrlich, der effektivste „Trick“, den man ja auch in der Therapie bei Depression immer als erstes lernt, ist für mich: Dinge, die früher Spaß gemacht haben, trotzdem tun. Also geh wieder mit deinen Kollegen joggen, auch wenn du gar keinen Bock hast. Mach die Hobbies erstmal ohne Freude oder Spaß. Ist egal, Freude kommt wieder, aber erst beim Tun.

Wenn man erst auf Motivation, Lust oder Freude wartet, wartet man sehr lange und möglicherweise wird die Depression dann nur immer noch schlimmer.

Also, wenn du dich irgendwie selbst dazu bewegen kannst: mach schöne Dinge, egal, wie sie sich jetzt gerade anfühlen. Verabrede dich, das schafft Verbindlichkeit. Und sei nachsichtig mit dir, wenn’s gerade alles nicht so klappt mit Ernährung und Haushalt. Das kommt wieder, ist aber gerade nicht das Wichtigste :slight_smile: :four_leaf_clover:

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Hallo @NISSIN , ich persönlich habe den Eindruck das Du Dich noch immer in einer Trauerphase befindest, und deshalb möchte ich Dir hier auch zu allererst mein tiefstes Mitgefühl zum Tod Deines Vaters zum Ausdruck bringen.

Denn der Tod eines „direkten Familienangehörigen“, und in Deinem Fall sogar Deines eigenen Vaters, ist niemals etwas was man einfach „weg stecken kann“, und das auch völlig unabhängig davon „wie gut“, oder vielleicht auch „wie schlecht“ die Beziehung zum eigenen Angehörigen, oder eben wie in Deinem Fall „zum eigenen Vater“, vielleicht während dessen Lebzeiten zwischen euch gewesen ist.

Und deshalb vermute ich persönlich, dass Du Deine Trauerphase vielleicht noch nicht bewusst behandelt hast, respektive eventuell vielleicht Deine Trauerphase noch nicht zugelassen hast?, da dies nämlich tatsächlich überhaupt garnicht „so einfach ist“, wie manche vielleicht „glauben“.

Jedenfalls, falls Du eventuell hier im Thema über Deine Trauerphase sprechen möchtest, dann wäre das vielleicht ein Weg für Dich, um in Zukunft wieder ein bisschen mehr im hier und jetzt, respektive in „Deinem Leben“, dass trotz allem weiter gehen muss, weiter zu leben, denn die Zeit bleibt ja trotz Deines grossen Verlust nicht stehen, sondern geht unbeirrt immer weiter vorwärts.

Und Du selbst weisst das auch alles, und trotzdem fühlst Du Dich wie gelähmt, oder vielleicht „als sei die Zeit seit dort einfach stehen geblieben“.

Doch bitte glaube mir wenn ich Dir sagen das die Menschen die von uns geschieden sind „nicht wollen“ das wir trauernden in ewiger Traurigkeit verharren, sondern sogar im Gegenteil, sich unsere liebsten nichts sehnlicher wünschen, als das wir glücklich sind und nach vorne schauen.

Ich selbst habe einen geliebten Bruder durch seinen eigenen Suizid verloren, und bis ich meine Trauer überwunden hatte, habe ich wirklich sehr lange gebraucht.

Aber ich habe den Gang, durch das tiefe Tal meiner unendlichen Trauer dann schlussendlich überwunden, und zwar daduch das ich mir vergegenwärtigt habe, dass mein geliebter Bruder niemals wollte, dass ich für den Rest meines Lebens unglücklich bin, oder vor lauter Trauer um ihn „MEIN Leben, dass ICH Leben MUSS, vor lauter Trauer um ihn, nicht mehr Leben könnte“.

Und deshalb mache Dir bitte bewusst, dass Dich keine Schuld trifft, und es nun aber an der Zeit für Dich ist, damit Du Deinen toten Vater „gehen lässt“.

Und sobald Du diesen sehr wichtigen Schritt tun konntest, sollte es Dir danach auch schon bald wieder langsam ein bisschen besser gehen.

Und in Zukunft „trauere“ dann nicht mehr, sondern „gedenke“ Deinem Vater, und das sowohl zu seinem Geburtstag, als auch zu seinem Todestag. :white_heart:

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