Musikschullehrer und ADHS

Hallo! Ich bin Musikschullehrer mit ADHS und unterrichte auch teilweise Kinder mit ADHS:

Hier sind meine Tipps:
Wenn-Dann-Plan: Immer wenn X eintritt, dann mache ich Y, damit ich Z erreiche.
Das kann sowohl fürs Üben sein als auch für Emotionen.
Bsp.: Immer wenn ich wütend werde, weil ich etwas nicht schaffe, dann atme ich durch erinnere ich mich daran, dass ich schon andere schwierige Dinge geschafft habe, vor allem wenn ich es langsam spiele.

Aber maximal 1-2 Pläne pro Schüler!

Konzertvorbereitung durch Woop-Methode. Mit Kindern zusammen arbeiten. Beispiel:
Wunsch: Ich würde gerne möglichst wenig fehler spielen.
Obstacle (Hindernis): Dafür muss ich jeden Tag üben und ich bin oft unmotiviert
Outcome (Ergebnis): Mama und Papa würden sich sehr freuen wenn ich bei dem Konzert wunderschön spiele.
Plan: Wenn Dann Plan formulieren: Immer wenn ich nach Hause komme übe ich zehn Minuten für das Konzert.

Aufschreiben, welche Methode bei dem Kind besonders gut funktioniert:
Kind (Name): Rythmussprechen sehr erfolgreich. Manchmal auch Zugang über Ping-Pong spielen (Vormachen nachmachen), Zählen funktioniert gar nicht.
Kind 2 (Name): Hilft es mit Bleistiften bestimmte Noten anzustreichen. Lautmalerei hilft auch sehr gut.
Rythmussprechen hilft nicht.

So habt ihr immer die Methode parat, die am schnellsten zum Erfolg führt, aber eine Alternative wenn es mit der nicht klappt. So müsst ihr nicht lange überlegen und bleibt im Flow.

Wenig Noten, viel Praxis. ADHS Schüler brauchen einen Sinnbezug um intrinsisch zu lernen. Kleine praktische Tipps um seinen erstes Gitarren-Riff zu schreiben oder Ein super lustiger aber einfacher Zugang zu Improvisation (z.B. One Note improvisation) erleichtern das. Beim Nächsten mal dann 2 Noten, beim Nächsten mal drei.

Zeigen was geht. Musik muss ein Welt sein, die entdeckt werden kann und die es zu erforschen gilt. Manchmal ist das Kind eher am spielen interessiert, manchmal eher an Theorie. Zeige die tiefe des Eisbergs um Faszination auszulösen, zeige auch, dass es nur wenig braucht um ähnliches zu erreichen.

Was habt ihr für Tipps?

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Mir hat irgendwie geholfen mit Musescore rumzutüfteln um zu verstehen was diese Merkwürdigen Notensymbole genau machen.

Polypad – The Mathematical Playground ist wohl ganz interessant, damit kann man wohl Musik mit geometrischen Formen erzeugen. Habe es aber nicht wirklich benutzt nur das Tutorial, ist aber vielleicht sehr hilfreich für manche ADHS Kinder. :slightly_smiling_face:

Edit: Gedichte waren für den Rythmus glaube ich auch eine gute Sache oder so, mit ganz viel Kommas. :grin:

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Das klingt aber wie ein Wunschkonzert :sweat_smile:

  1. benötigt man Eltern die Interesse haben
  2. Wäre es mir nicht gelingen diesem Idealwunsch / Gedankonstrukt nachzukommen und ich wäre wieder gefrustet .
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Ja, es funktioniert bestimmt sehr gut bei Kindern ohne (oder mit leichter) ADHS.

@Jendrik
Wie gelingt es dir denn mit deinem ADHS den Unterricht vorzubereiten bzw. den roten Faden zu halten.

Funktionieren Wenn-Dann-Pläne bei dir selbst ? Kannst du die Wenn-Dann-Pläne der Kinder mit einhalten?

Wie gelingt dir das regelmäßige üben ?

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Hi. Das schöne ist, du musst keinen Idealwunsch per se formulieren. Du kannst einen Wunsch im angemessenem Rahmen formulieren. Bei diesen Methoden geht es darum, Verhaltensweisen vorher genau Strukturiert festzulegen. Dadurch muss man sie nicht mehr planen und dass senkt das benötigte Dopamin.

Zielformulierung sollen etwas Dopamin loskicken. Sie wirken auch nur moderat, aber besser als nichts.

Vorbereitung des Unterrichts: Das Schöne ist, dass Musikunterricht mit den Schülern gestaltet wird. Wenn ich einem Schüler etwas beibringe versuche ich seinem Wunsch zu folgen. Ich frag ihn also, was er machen möchte. Wenn er keine Antwort gibt, dann entscheide ich und er muss da durch no matter what. Wenn die Kinder das verstanden haben werden sie safe jede woche Wünsche äußern, die ich mir notiere. (Meine Wünsche finden die immer langweilig). Ich kommuniziere mein ADHS auch, dass heißt wenn ich den Faden verliere oder abschweife im Unterricht dürfen sie mir das einfach sagen. Funktioniert ganz gut, weil Kinder das lustig finden auch mal den Lehrer zu ermahnen. Die Kinder sagen mir also meistens welches Lied oder welche Technik. Damit die auch immer eins haben müssen sie zusätzlich als Hausaufgaben immer ein Album hören, von dem ich denke, dass es interessant für sie ist. Ich betrachte Unterrichtsinhalte auch eher als ein gemeinsames Entdecken. Ich öffne eine Tür durch einen bestimmten Song oder ein bestimmtes Thema, versuche dann Begeisterung zu wecken und dann “untersuchen” wir Details gemeinsam und gehen die Inhalte durch.

Wenn-Dann-Pläne funktionieren bei mir z.B. für meinen Terminkalender/Portmornee. Immer wenn ich bezahle, dann schaue ich auf meine Termine. Immer wenn ich dran denke, dann schaue ich auf meine termine, etc. Dort steht auch drin ob ich den Unterricht noch vorbereiten muss. Ich habe auch wenn dann pläne bevor ich zu meinen Schülern fahre: Wenn ich zu meinen Schülern fahre, dann packe ich Instrument, Laptop und Stimmgerät ein. Was mir auch hilft ist Dinge zu singen. Ich singe vor dem verlassen des Hauses immer Handy, Schlüssel, Portmornee und auch noch mein Asthmaspray. Meine Nachbarn müssen mich für wahnsinnig halten. Dabei hab ich auch Regeln: Ich nehme immer alles mit, egal ob ich denke, dass ich das Portmornee nicht brauche.

Ich spiele gerne Gitarre und habe ehrlich gesagt echte Probleme mich durch Tonleitern zu beißen. Deshalb hab ich bestimmte Dinge wie Tonleitern, Akkorde oder Notenspiel fest in den Unterricht mit eingebaut. So übe ich quasi jeden Tag mehrmals mit meinen Schülern zusammen Tonleitern.
Wenn ich Stücke lerne, bau ich auf meinen Hyperfokus den ich habe. Damit ich mich dadrin nicht verliere habe ich eine Medizin Uhr von TabTime, die mich von 9-22:30 alle anderthalb Stunden durch Vibration daran erinnert, das Zeit existiert. Ich kann sie ausklicken wenn ich noch Zeit habe aber auch wahrnehmen. So verpasse ich meine Schüler auch nicht, aber bei Konzerten muss man die abhnemen… spreche aus Erfahrung.

Zu der Frage: Kannst du die Wenn-Dann-Pläne der Kinder mit einhalten? Mal so mal so… Aber ich bin nicht mehr so streng mit mir. Es gibt zum Beispiel einen der mir sehr geholfen hab: Immer wenn ich mich dabei in meiner Fantasie verliere, dann konzentriere ich mich auf die Realität. Die hält mich relativ gut zusammen.

Mach dir nicht zu viele Wenn-Dann-Pläne. Geh die größten Probleme auf. Schreib sie auf und klebe sie dir mit einem bunten Zettel an die wichtigsten Orte in deinem Leben. Du musst sie üben, sei auch damit nicht zu streng.

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Ich verstehe den Pessimismus. Ich versuche zu helfen und nenne wissenschaftliche Studien und meine Erfahrung. Versuch es doch einmal und schreib mir dann deine Erfahrung. Wenn sie bei dir nicht klappen lerne ich vielleicht warum und kann die Dinge verbessern und überarbeiten.

Ich hatte nie Probleme mit Theorie. Ich habe Dinge immer gut gelernt wenn ich sie verstehen kann und Musiktheorie ist der Inbegriff für Dinge erklären. Vom-Blatt spielen killt mich. aber bis heute. Ich habe auch schon mal über einen offenen Musikunterricht für adhs betroffene nachgedacht.
2 stunden statt eine. Wir machen von Musikproduktion über gitarre und singen bis zu tanzen dass worauf der bock hat. eher als musiktherapeutischer ansatz… aber eher eine idee als wirklcih umsetzbar

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Sehr coole Idee :grinning_face_with_smiling_eyes::musical_notes:

Ich habe noch einen Tipp! Da ADHSler Probleme haben mit Notenlesen versuche ich eher allgemeine Konzepte wie Rythmen und Tonhöhen über Singen und Sprechen zu begreifen, was sehr gut funktioniert.

Zwei Viertel: Kauf _ Ich
Eine Viertel + zwei achtel: Tee - e - Kan - ne

usw.

hab letzten eine Musiklehrerin gesehen die das mit coolen Jugendwörtern macht. wie Sigma Rizz, etc.
Ganz Nice, auf jeden fall spaßig und lustig aber auch zugänglich

Danke, bin selbst Lehrerin, solche Tipps sind für nich persönlich und als Lerncoach für die Kinder nützlich!

Ich liebe zeitlebens Musik und das Musizieren. Leider habe ich aufgrund des ADHS so gut wie nie geübt, was mich bis heute traurig macht. Da gaben alle auch noch so gut gemeinten Üb-Pläne mit Stickern etc meiner Lehrerin nichts geholfen. Rückblickend hätten da höchstens meine Eltern mit ‘Zwang’ gegensteuern können, aber wer weiss, ob ich es dann auch so geliebt hätte? Aber einen Versuch wäre es wert gewesen…

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wenn du mit dem üben probleme hast empfehle ich auch immer learning by doing. spinge ins kalte wasser. hobby-bands, hobby.big bands, kleinere orchesterprojekte etc. etwas womit man nicht zu viel schaden anrichtet wenn man mal versagt, aber auch einfach viel spielt und müssen muss. verantwortung hilft

Ja stimmt. Habe z.b. bein Quartettspiel viel mehr gelernt als im Orchester, wo man nur einer von vielen ist und mitschwinmen kann!