Hallo liebe Forengemeinde,
ich bin ganz neu hier, daher vielleicht mal zunächst ein paar Worte zu mir: Ich bin Ende März mit 38 Jahren mit ADHS neu diagnostiziert worden, vor ca. 4 Wochen kam dann noch die Autismus-Diagnose dazu. Das Thema einer möglichen AuDHD-Störung wurde erstmals bei einem Arzt im Ausland geäußert, wo ich bis ANfang dieses Jahres gelebt habe. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich dann das Thema Diagnostik in Angriff genommen und werde seit Mitte Mai medikamentös eingestellt.
Die Diagnostik habe ich privat bezahlt bei einer bekannten Online-Klinik, daher ging das Ganze Gott sei Dank recht schnell, auch wenn mich das Ganze natürlich trotzdem verunsichert, weil ich mir der Limitationen und der Kritik solcher telemedizinscher Verfahren natürlich durchaus bewusst bin.
Jedenfalls habe ich genau dort auch die medikamentöse Einstellung begonnen, war mit den dortigen Ärzten aber absolut nicht zufrieden und bin nun zu der niedergelassenen Psychiaterin hier vor Ort gewechselt.
Grundsätzlich fühle ich mich bei ihr auch wohl und mit meinen Problemen ernst genommen, aber sie ist eben keine ADHS/ASS-Spezialistin und genau da wird es für mich jetzt gerade schwierig.
Auf meinen eigenen WUnsch hat besagter Arzt in der besagten Online-Klinik die Indosierung mit Ritalin Adult begonnen, weil ich leider zu der Sorte Mensch gehöre, die eine unglaubliche Angst vor Kontrollverlust und Medikamenten hat. Die Vorstellung, quasi 24/7 unter dem EInfluss von Substanzen zu sein, die in meine Gehirnchemie eingreifen, führt bei mir halt leider zu nicht kleinen Panikattacken.
MPH – oder in dem Fall Ritalin Adult – gibt mir zumindest die Illusion, ich hätte Kontrolle über das, was da mit mir passiert. Grundsätzlich muss man aber sagen, wenn es rein nach mir gegangen wäre – ich hätte am liebsten auf die Einstellung verzichtet, muss aber eben leider auch eingesstehen, dass es ohne eben auch nicht geht.
Anyway… ich habe mit einer sehr geringen Dosis von 10 mg angefangen, diese für 4 Wochen genommen und absolut nichts gemerkt außer vielleicht ganz winzigen Nebenwirkungen, wobei man dafür echt auch schon ne Menge Fantasie gebraucht hat, um das so zu benennen. Aber gut, Interozeption ist bei mir ja eh so ein Ding, worauf man sich nicht verlassen kann.
Mit dem Wechsel zu meiner jetzigen Ärztin sind wir dann auf ein klassisches wöchentliches Eindosierungsschema gewechselt und haben eben die Dosis jeweils um 10 mg gesteigert. Grundsätzlich lässt sie mir da recht viel freie Hand, was das Austesten und „Rumexperimentieren“ angeht, wofür ich einerseits sehr dankbar bin; andererseits führt genau das jetzt gerade zu dem Problem, vor dem ich stehe.
Ab ca. 30 mg habe ich erstmals überhaupt angefangen zu merken, dass da irgendwas mit den Medikamenten passiert. Vor allem, was die Nebenwirkungen angeht, aber auch leichte positive Effekte. Vor allem die emotionale Stabilisation ist mir in diesem Zug besonders aufgefallen.
Insgesamt sind wir bisher bis 60 mg als Basisdosis hochgegangen. Auf dieser doch recht hohen Dosis habe ich auch die für mich positivsten Effekte, was eben meine Symptomatik angeht, und ich merke einen echten Unterschied zu meinem unmedikamentierten Selbst. Allerdings scheinen die Nebenwirkungen bei dieser Dosis leider auch ein Limit zu erreichen, das nicht mehr tolerierbar ist. ich weiß, dass ich die Hilfe der Medikamente leider brauche, aber definitiv nicht zu Lasten meiner Herz-Kreislauf-Gesundheit. Ich gehe sehr stark davon aus, dass mein „Sweet Spot“ also irgendwo zwischen diesen besagten 30 mg und 60 mg liegt.
Und genau da ist mein Problem: Alle Dosen habe ich ausgetestet, jeweils für mindestens 1 Woche, manchmal länger. Und überall komme ich zu dem gleichen Ergebnis: Der erste Tag mit der neuen Dosis ist immer super - vermutlich reagiert mein Gehirn da einfach auf den neuen unbekannten Impuls. Aber dann fängt es immer an, extrem zu schwanken.
Grundsätzlich kann ich relativ genau sagen, was innerhalb der ersten 2,5 h nach Einnahme passiert. Und danach nicht mehr.
Ich habe das Gefühl, dass der Peak der ersten Phase bei mir nach ca. 60 bis 90 Minuten erreicht ist, dort habe ich auch die besten Ergebnisse, was die Wirkung angeht. Ab ca. 1 h 45 Minuten merke ich dann aber einen EInbruch, der ab ca. 2 bis 2,5 h nach der ersten Einnahme seinen Peak annimmt. Es fühlt sich an wie ein Rebound, aber ob es einer ist, kann ich nicht sagen. Im Grunde wäre das für Ritalin Adult eigentlich viel zu früh.
Ich kann diesem Rebound-Gefühl entgegensteuern, wenn ich nach exakt 2,5 h mit 10 mg nachdosiere. Das fängt diesen ab, aber nach weiteren ca. 2 Stunden ist das dann auch wieder vorbei.
Was ich bei mir komplett vermisse, ist die angebliche zweite Phase. Dabei will ich nicht sagen, dass es die bei mir nicht gibt… aber wenn es sie gibt, dann merke ich davon absolut gar nichts.
Möglicherweise ist MPH (oder Ritalin Adult) auch einfach nicht das richtige Präparat für mich, aber einem Wechsel auf AMP stehe ich skeptisch gegenüber (auch wenn mich der Vergleich schon auch interessieren würde), aber auch meine Ärztin ist der Meinung, wir müssten MPH erst einmal „ausreizen“, bevor ein Präparatwechsel in Frage käme. Was sie damit meint, hat sie nicht näher definiert.
Mein Problem bei der ganzen Sache ist nun, dass ich die Wirkung der Medis bei mir selbst absolut nicht einschätzen kann. Egal, was ich versuche zu beobachten und zu dokumentieren, die Muster sind immer ähnlich, aber ergeben absolut keinen Sinn.
Es gab Tage, da habe ich selbst gemerkt, dass die Medis was tun und was sie tun können. Aber das ist absolut nicht reproduzierbar.
Leider habe ich eben auch kein Umfeld, das mir von außen irgendein Feedback geben kann, und dieser Selbstbewertungsbogen, den meine Ärztin mir mitgegeben hat, ist für mich nicht anwendbar, weil das Dinge sind, die ich selbst entweder nicht beurteilen kann oder gar nicht meiner Symptomatik entsprechen.
Die Sache ist nur, dass das ganze Thema mich gerade enorm stresst und ich kurz davor bin, das Thema Medikamente einfach ad acta zu legen, weil mich das nur noch frustriert. Und Frustration ist bei mir gerade leider auch noch einmal eine ganz andere Dimension als nur ein „ich bin ein bisschen genervt“, weil es einfach zu viele Variablen gibt, die man berücksichtigen kann. Da ich weiblich bin, ist mein Zyklus ja auch nicht ganz unwichtig bei der ganzen Sache.
Daher wende ich mich heute mal an Euch in der Hoffnung, dass ihr vielleicht noch eine Idee habt, wie ich für mich mehr Klarheit bekommen kann. Ist dieses Chaos bei der Eindosierung normal? habt ihr Ideen, ob es noch irgendwas gibt, was ich tun kann oder anders machen sollte? Oder was ich ggf. meiner Ärztin vorschlagen könnte?
Kurz zur Einordnung meiner Rahmenbedingungen: Ich lebe auf einer deutschen Insel. Ein Arztwechsel oder ständige Termine vor Ort sind inselbedingt organisatorisch extrem schwer machbar. Ich bin also darauf angewiesen, das Beste aus der Zusammenarbeit mit meiner Ärztin vor Ort herauszuholen.
Grundsätzlich bin ich für alle konstruktiven Antworten dankbar, aber vielleicht gibt es ja auch welche unter euch, die ein ähnliches Muster kennen und daher ihre eigenen Erfahrungen teilen können: Wie habt ihr für euch herausgefunden, was da passiert? Habt ihr das Schema angepasst, auf unretardiertes MPH gewechselt oder gab es andere Stellschrauben?
Für euer Feedback und eure Rückmeldung vorab schon einmal ganz herzlichen Dank ![]()
Yisilee