Neurologische Ursache von paradoxer Stimulanzienwirkung?

Hallo an alle :slight_smile:

Bin neu in dem Forum aber lese schon lange mit und bin ganz begeistert, wie gut sich hier viele auskennen :slight_smile:

Deshalb frage ich mal direkt nach, nachdem ich leider trotz stundenlanger Recherche nicht ganz schlau geworden bin.

Was ist die neurologische Ursache dafür, wenn die Wirkung von Stimzlanzien plötzlich is Gegenteil kippt, und sich statt Motivation und Konzentration plötzlich nur noch Brain Fog und Lethargie einstellt?

Soweit ich das herausgelesen habe, kann es daran liegen, dass der Körper dann plötzlich einen Dopaminmangel hat bzw allgemein zu wenig Dopamin vorhanden war oder nachproduziert werden konnte?

Das Thema beschäftigt mich sehr, da ich diese paradoxe Wirkung schon mehrfach erlebt habe und gerne wüsste, woran das liegt und was ich dagegen tun kann.

Beim Testen von Ritalin hatte ich sofort das Gefühl, als hätte es mir jegliches Dopamin entzogen, dass ich jemals hatte :smiley: . Es dauerte über eine Woche, bis ich aus der depressiven Stimmung wieder rauskam. Positive Effekte merkte ich keine, es sedierte mich einfach nur. So wie ich es von Seroquel aus der Vergangenheit kenne, also für mich eindeutig Dopaminmangel.

Dann ca 10 Tage positive Wirkung bei Elvanse, auch nachdem sich die anfängliche euphorische Wirkung gelegt hatte. Habe wirklich darauf geachtet, genug Protein, Elektrolyte usw zu nehmen und plötzlich die gleiche Wirkung, wenn auch nicht so schlimm wie bei Ritalin. Also schlechter als ohne Meds und deutet für mich wieder auf Dopaminmangel hin?

Ich weiß dass es gerade bei der Eindosierung wichtig ist, Geduld zu haben. Und hin und her springen kontraproduktiv ist.

Dennoch frage ich mich, was da im Gehirn passiert bei so einer paradoxen Wirkung und wie ich meinen Körper bestmöglich unterstützen kann.

Kann es sein, dass mein Körper beim ersten mal Ritalin einfach kein Dopamin hatte, das er ausschütten kann? ZB durch permanentes Doom Scrolling, wo ich leider damals ein massives Problem hatte?
Und jetzt bei Elvanse sind die Speicher auch wieder leer, trotz Sport, Protein usw?

Ich weiß dass das ein sehr komplexes Thema ist aber hoffe, dass jemand aus dem Forum vielleicht sein Wissen dazu teilen kann <3

Vl auch relevant was ich sonst noch so nehme:

  • Morgens: seit einem halben Jahr 18mg Atomoxetin und seit 1 Jahr 250mg Lamotrigin in der Früh (wegen BP2), aktuell 40mg Elvanse um ca 8 Uhr und 10mg 2h später
  • Abends: schon lange Magnesium, Omega3+vitD+K2 und aktuell einen Vitamin B Komplex. Eisenkur habe ich gerade erst gemacht da ich zu Mangel neige aufgrund Endo. Schilddrüse wurde vor ein paar Monaten gecheckt.

Kuckilikuck :waving_hand:

Das Stichwort lautet „Inverted-U“ :slight_smile:

Drück mich - ich bin ein :teddy_bear:

Wurden alle Dosisstärken in wöchentlichen Schritten ausprobiert, bevor sich zu den 40mg morgens eine zweite Dosis von 10mg gesellte?

Ab Einnahmezeitpunkt dauert es so 3,5 - 4,5 Stunden bis die maximale Wirkstoffkonzentration im Blut erreicht ist. Dann flacht der Pegel über Stunden hinweg langsam wieder ab.

Schiebt man 2h nach der Einnahme eine zusätzliche Dosis nach, braucht die auch wieder solange.

Während alo der Körper die 40mg noch nicht vollständig umgewandelt hat, kommen nochmal 10mg dazu und sorgen für einen weiteren Anstieg der Wirkstoffkonzentration, inklusive Wirkspitzen.

  • Wie lange wirkt eine Einmaldosis von 40mg insgesamt?
  • Wie fühlt sich diese Dosis in den ersten 3,5 - 4,5 h an?
  • Wie fühlt es sich in den Stunden danach an?
  • Woran wird die positive / negative Wirkung festgemacht?

Wirkverläufe (Einmaldosis):

Hallo und danke für deinen Beitrag :slight_smile:

Das mit dem inverted u ist sehr spannend! Dann bin ich wohl aktuell überdosiert? Bzw bei dem Versuch mit Ritalin war ich scheinbar komplett drüber, auch wenns nur 5mg waren.

Mich wundert nur so sehr, dass ich mit zwei Mal 15mg erst wirklich über eine Woche eine sehr gute Wirkung hatte und dann plötzlich nicht mehr. Ich dachte, das deutet auf eine unterdosierung hin.

Nach den ersten Tagen mit gesteigertem Antrieb, Laberflash und Euphorie hat sich das gelegt und ich war einfach angenehm ruhig im Kopf und emotional ausgeglichen, konnte Dinge erledigen bzw. priorisieren und daran arbeiten, gesunde Routinen aufzubauen und auch mal abschalten. Hab seit Jahren wieder mal yoga gemacht und angefangen zu weinen, weil es soo schön ruhig in meinem kopf war und ich das nicht kannte.

Bzgl. Konzentration hatte ich das Gefühl da geht noch mehr, teilweise hab ich mich zu sehr in unnötige details verstrickt bzw beim formulieren von Nachrichten. aber war so auf jeden Fall schon sehr hilfreich mit meinen Symptomen. Mit 2 x 15mg hatte ich auch nur einen schwachen einbruch am Nachmittag um 4 ca mit leicht benebeltem Gefühl und müdigkeit, das hat sich aber schnell gelegt und habe mich dann eigentlich bis Abend wieder wohl gefühlt. Und von einem Tag auf den anderen hat das plötzlich ins Gegenteil umgeschlagen und wurde nicht mehr besser. Nur mehr nebel im Kopf und Konzentrationsprobleme von der früh weg, schlimmer als ohne meds. Und ich verstehe einfach nicht warum, wenn es vorher anscheinend gut gepasst hat? Hab zwei tage probiert auf 20-20 aber keine Änderung.

Habs dann mal 2 wochen ca gelassen weil ich aktuell eigentlich voll viel zu tun habe für die Uni :frowning:

Jetzt kommt der Teil wo du sicherlich mit mir schimpfen wirst bzw ich scheinbar richtig verkackt hab aus unwissenheit :frowning: aber ich weiß es jetzt besser nachdem ich mich stundenlang im Forum eingelesen habe und überlege mir grade, wie ich jetzt weitermache, damits hoffentlich klappt.

Ich war dann bei meiner Ärztin die meinte, ich soll 50mg probieren, vl wars zu wenig nach der ersten gewöhnung vom körper. Kann wieder aufteilen und testen wie ich will, auch gerne die Einmalgabe noch mal. Obwohl 2x am tag laut ihr oft angenehmer ist für leute mit bp.

Ich dachte, ich taste mich ran (jetzt weiß ich, dass es viel zu schnell war und nicht nur 1 tag bewertet werden soll), hab dann 2 tage wieder 15-15 genommen (war ok aber nicht wirklich ganz klar, war beim ersten Versuch auch nicht so wie andere das beschreiben), dann jeweils einen Tag 25-25 und war etwas klarer, 40-10 noch etwas klarer und 50 auf einmal unangenehm aktiviert, Zwangsgedanken seit Monaten das erste Mal wieder da, komplett zeitgefühl verloren, brauchte für alles viel länger und hab nix auf die Reihe bekommen was ich mir vornahm. Ab mittag schlechte laune und frust und ab 2 dann der crash des todes ab dem ich nur noch ungut war, depressiv und lethargisch wurde und komplett im nebel. Seitdem spüre ich von der früh weg keine der positiven wirkungen mehr außer körperliche entspannung.

Seitdem probiere ich jetzt seit 3 tagen 40-10 was zumindest gleichmäßig wirkt nach kurz leicht erhöhtem puls in den ersten 2h. aber immer noch nebelig und nur im hyperfokus, also zwanghaftes stundenlanges Recherchieren im Forum aber schaffe sonst gar nix und kann mich auch überhaupt nicht losreissen. Hab gestern 9h recherchiert ob Über- oder unterdosis bei den 15-15 und jetzt und werde einfach nicht schlau, was da passiert ist.

habe dafür derzeitaber auch weitaus weniger reizoffenheit, also etwas positives. aber dafür bin ich halt foggy, komplett unmotiviert und geil auf zucker. Seit heute dafür zumindest nicht mehr deprimiert und komplett gleichgültig.

Nachdem ich jetzt gestern gelesen hatte, man soll zumindest 1 Woche pro Dosis bleiben, dachte ich, ich teste 40-10 jetzt mal noch ein paar tage wenn ich schon 3 tage habe.

Aber so wie du schreibst bzw ich diese kurve jetzt kenne, bin ich wahrscheinlich aktuell komplett überdosiert und sollte wieder niedriger gehen?

Dann wäre nämlich mein gedanke, es wieder mit 15-15 zu probieren nachdem bei der dosis ja eine zeit lang Verbesserung auftrat.

Aber warum haben die 15-15 gut geholfen und dann nach 10 Tagen hatte ich auch auf einmal diese symptome? Ich denke die honeymoon phase war da auch schon vorbei. Eigentlich hatte ich das ja richtig gemacht mit dem dosieren bei den 15-15 für eine Woche oder? Was ist da auf einmal passiert?

Oder kann sich eine Überdosis auch über so einen langen Zeitraum erst aufbauen?

Sorry für den langen Text, bin leider soo verunsichert :frowning:

Das lässt sich am ehesten herausfinden, indem man es zunächst mal entsprechend der Fachinformation 1x morgens einnimmt und in wöchentlichen Schritten um 10mg erhöht bis die vermeintlich optimale Dosis gefunden wurde.

Dann vielleicht nochmal erhöhen, um zu sehen, ob das Ende der Fahnenstange erreicht wurde.

Wird es wieder schlechter, hat man wahrscheinlich den individuellen Sweetspot gefunden und geht wieder einen Schritt zurück zur vorherigen Dosis und behält diese bei.

Währenddessen ein Eindosierungstagebuch führen und wöchentlich rückblickend bewerten. Sonst wird es im Verlauf der Eindosierung schwierig einzuschätzen, welche Woche / Dosis die beste war und Trends zu erkennen.

Wöchentlich allein deswegen schon, weil der Steady State nach 4-5 Tagen durchaus eine Rolle spielen kann. Ab da sollten Aufnahme und Abbau des Wirkstoffs im Fließgleichgewicht sein.

Dabei u.a. ein besonderes Augenmerk auf

  • Die ersten 3,5 - 4,5 h (Anstieg der Wirkstoffkonzentration bis zum Peak)

  • Die Stunden danach (Abflachen der Wirkstoffkonzentration bis zum therapeutischen Wirkende)

Das hilft in erster Linie dir, aber auch bei Folgeterminen mit dem verschreibenden Arzt, das weitere Vorgehen abzuwägen.


Wenn in der Blutbahn jedoch zwei Wirkkurven parallel / zeitversetzt verlaufen, ist es schwer zu sagen.

Es klingt für mich aber doch schon nach zu viel.

Vielleicht bei der Ärztin mal „Emotional Blunting“ (emotionale Abflachung) und den sogenannten „Zombie-Modus“ erfragen, was sie dazu meint.


Hyperfokus ist bei ADHS zwar nicht unüblich.
Dauerhaft darin festzustecken - und es nicht kontrollieren zu können - ist aber suboptimal und nicht der gewünschte Effekt der Medikation.

Das schlaucht und frisst ordentlich Hirnkapazitäten.
Körperliche Verspannungen inklusive.

Danke für deine Antwort.

Dann werde ich es lieber mal mit einer Dosis am Morgen probieren und schauen, wie weit ich damit komme. Habe nur so Angst vor dem Crash, der ist ja am Anfang auch öfters gewesen :frowning:

Viele schreiben ja, dass bei ihnen die Wirkung sonst schon so schnell nachlässt und das Gefühl hatte ich auch bei dem ersten Versuch mit 15mg, dass es sonst zu Mittag neblig wird wenn ich nicht nachlege. Also ca. 4h nach der Einnahme.

Das kann sich aber wahrscheinlich auch einpendeln oder? Bzw generell schon eine Überdosierung gewesen sein? :smiley: Hilfe das ist alles so kompliziert :face_with_peeking_eye:

Ob man mit einer geringeren Dosis als 30mg am Tag probieren soll, zB nur 10mg, ist ja auch ein gespaltenes Thema soweit ich das im Forum bzw. der allgemeinen Info-Seite gelesen habe :melting_face:

Ehrlicherweise habe ich leider nicht das Gefühl, dass meine Ärztin sich bei den ADHS Meds so gut auskennt :sweat_smile: sie meinte ja auch, dass ich ganz flexibel einfach probieren kann wie ich will, vor allem nachdem es ja eh sofort und nur einen Tag wirkt. Und beim Ritalin hätte ich laut ihr ja auch nach ein paar Stunden keine Wirkung mehr haben dürfen. Scheinbar alles anders als gedacht.

Gut dass es das Forum gibt.

Hier liest man halt eher Problemfälle / Verzweiflung / nicht vernünftig begleitete Eindosierer & Co.

Bei noch vielen mehr funktioniert es mit dem vom
Hersteller gedachten Einnahme- / Eindosierungsschema. Also 1 x täglich morgens.

Die schreiben hier aber nicht täglich, wie gut es für sie funktioniert.

15mg morgens ist auch nicht der übliche Weg.
Da wird ja bereits vom Standardschema abgewichen und entweder die Dosis durch die Wasserlöse-Methode aufgeteilt, oder (schlimmer noch) per Hand (was nicht genau wäre).

Man würde eigentlich erstmal mit einer vollen Dosis 20 bzw. 30 (wie in der Packungsbeilage beschrieben) anfangen und Experimente (wenn überhaupt) erst später wagen, sollte der Standardweg nicht funktionieren.