Hallo zusammen, nachdem ich hier schon eine Weile im Forum bin und ab und zu nach Bedarf hier herumstöbere, schreibe ich mal meinen ersten Beitrag. Ich bin knapp über 50 Jahre alt und weiblich. Den Verdacht, dass ich ADHS habe, habe ich schon relativ lange, habe aber erst mal nur Bücher darüber gelesen. Als ich im letzten Job deutliche Probleme mit dem strukturierten und effizienten Arbeiten hatte, mein Chef mich deshalb regelmäßig sprechen wollte und ich daher Angst bekam, entlassen zu werden, suchte ich einen Arzt auf. Es hieß, die Wartezeit für einen ADHS-Test betrage ein oder zwei Jahre (weiß ich jetzt nicht mehr). In der Zwischenzeit suchte und bekam ich einen neuen Job in einer anderen Stadt, so dass sich diese Wartezeit erübrigte.
Inzwischen habe ich die ADHS-Diagnose und mein Arzt hat mir Medikinet Adult retardiert verschrieben. Wir fingen Anfang Februar mit 5 mg an für 6 Wochen. Dann 10 mg für 7 Wochen und nun bin ich bei 20 mg seit 6 Wochen. Er sagte nach der Erhöhung auf 20 mg, ich könne nun auch mal 10 mg tagsüber zusätzlich nehmen. (Wenn ich das hier bei anderen so sehe, ist meine Steigerung extrem langsam.)
Ich habe ein großes Problem mit der Selbstwahrnehmung, daher weiß ich nicht sicher, ob mir das Medikinet überhaupt hilft. Allerdings hatte ich schon bei den 5 mg den Eindruck, dass dieses Chaos in meinem Gehirn weg ist. Ich habe nicht mehr dieses Gefühl, dass alles so durcheinander ist.
Außerdem kriege ich inzwischen mit, wenn ich den ganzen Tag herumtrödle, auch wenn ich trotzdem nicht immer etwas dagegen tun kann. Auch verurteile ich mich nicht mehr dafür. Abends ist nicht mehr diese große Panik da, dass ich den Tag über nichts geschafft habe und auch die massiven Selbstvorwürfe sind weg. Allerdings habe ich auch Psychotherapie, daher weiß ich nicht, was auf die Medikamente zurückzuführen ist und was nicht. Aber auch eine Freundin sagte, ich sei „aufgeräumter“, seit ich das Medikinet nehme.
Nun habe ich jedoch nicht das Gefühl, dass es mit 10 oder 20 mg besser/anders ist als mit 5 mg. Als ich letztens 4 Tage lang 30 mg morgens nahm, hatte ich hingegen den Eindruck, dass ich eher schlechter funktioniere als sonst. Außerdem habe ich nach jeder Erhöhung ein bis zwei Wochen lang Herzklopfen, wenn ich abends im Bett liege. Das fand ich so unangenehm, dass ich wieder zu den 20 mg zurückging. Außerdem hatte der Arzt ja auch nichts von 30 mg auf einmal gesagt… ![]()
Nun frage ich mich, wie ich weiter vorgehen soll. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wann das Wirkende vom Medikinet bei mir ist. Woran merkt man das? Vielleicht ist das Problem, dass ich das Medikament jeden Tag zu einer anderen Uhrzeit nehme. Manchmal um 7:30 morgens, manchmal erst um 12 Uhr mittags. Auch meine Arbeitstage sind extrem unterschiedlich. Und meine Arbeit ist auch über das Jahr sehr ungleichmäßig verteilt. Manchmal muss ich an Wochenenden noch zu Hause arbeiten (weil ich es unter der Woche nicht geschafft habe). Manchmal schaffe ich den ganzen Tag über nichts und fange erst abends an zu arbeiten. Das ist ein blöder Teufelskreis. Denn dann komme ich spät ins Bett, bin am nächsten Tag müde und je müder ich bin, desto weniger Kontrolle habe ich über mein Handeln. Das hat sich durch das Medikinet leider nicht geändert.
Oder brauche ich einfach nur tagsüber und/oder abends eine weitere Dosis?
Woran merkt ihr, dass die Wirkung zu Ende geht? Mein ADHS ist halt nicht so schlimm, dass ich das immer direkt merken würde. Mein größtes Problem ist dieser „Freeze“-Modus. Ich sitze einfach nur da und lese irgendwas im Internet oder schreibe private Mails, in denen ich über mich selbst schreibe, kann mich aber nicht losreißen, etwas zu tun. Auch jetzt - seit heute Mittag wollte ich schon Wäsche waschen. Irgendwie komme ich nicht dazu. Ich komme aber auch nicht auf die Idee, noch eine Medikinet-Kapsel zu nehmen…
Mein Psychotherapeut ist übrigens der Meinung, dass sich alle meine Symptome auch mit Trauma erklären lassen - er findet nicht, dass ich ADHS habe. Aber er hat halt selber kein ADHS und sagt auch, dass er sich damit nicht auskennt. Alle Menschen (Heilpraktiker, Psychologen) hingegen, die selber ADHS haben, finden, dass ich das eindeutig habe.
Auslöser für meinen Beitrag hier war übrigens die Excel-Tabelle, die ich jetzt erst entdeckt habe, um die Symptome aufzuschreiben. Mich würde ja auch interessieren, wie meine Hormone da mit rein spielen. Aber da ich keine Gebärmutter mehr habe, habe ich keine Blutung, anhand derer ich wissen könnte, wie meine Hormone gerade sind. Und das Temperaturmessen hat keine Erkenntnisse gebracht - vermutlich, weil ich immer zu unterschiedlichen Uhrzeiten gemessen habe. ![]()
Sorry für den langen Text. Vielleicht geht es jemandem hier ähnlich wie mir?
Liebe Grüße!